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Über Software-Updates

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Anekdote aus einer harmonischen Beziehung – 3

Morgens. Frau, vor sich eine große Tasse Kaffee türkisch gemischt mit Bio-Kakao, streicht dick Butter mehr  in als auf eine Hälfte ihres Morgenbrötchen, bevor sie es mit von andern selbstgemachter Marmelade belegt. Mann im Shorty, nur auch eine große Tasse mit Kaffee-Kakao-Gemisch vor sich.
Das alles ist völlig unwichtig, weil 1. ohnehin Routine und weil
2. Deutschlandfunk auf Updates für Diesel-Fahrzeuge einstimmt.

Frau: Haaach, Software-Update!, ich könnte auch mal so ein Software-Update gebrauchen –

Mann: Wozu das denn?

Frau: Frische, Motivation, Power – ich könnt den ganzen Tag schlafen oder -ja, weglaufen.

Mann: Was du meinst heißt Urlaub auf der Vulkaninsel Fuerteventura oder in einem Grandhotel direkt am Fuße des Ätna.

Frau: Ah, jaa, aber das geht nicht, weil ich, wie wir beide wissen, selbständig bin.

Mann: Genau, ungefähr so selbständig wie der Dobrindt.

Frau: Wahrscheinlich. Darum komm ich nicht selbständig auf Urlaub, sondern auf Update. Ob Dobrindt selbständig drauf gekommen ist, oder bloß, weil man in 10 Jahren nicht mehr wissen wird, wer der Kerl war, während wir in 10 Jahren wahrscheinlich sehr genau wissen werden, was wir waren?

Mann: Update, das ist ein Test, Stefanie. Wegen der Wahl im Herbst. Man will herauskriegen, ob die Leute glauben, mit einem Software-Update wird alles wieder gut. Die Hindu glauben auch an die reinigende Kraft des Ganges.

Frau: Wir haben doch eigentlich wahrscheinlich schon so viele Updates intus. Quasi gibts jeden Tag eins. Wir werden jeden Tag softwareupgedatet. Immer rauf auf die Hardware von allen Seiten mit Musike bis nur noch Pawlow rauskommt und dann die Amnesie. Wie heißt das doch gleich? Ja, Demenz. Die sich ja rasant ausbreitet. Kein Wunder.

Mann: Meinst du auch, die Hardware ist das, was früher die Kuhhaut war?

Frau: Oh-ja. Wenn wir uns mit einer umweltfreundlichen Zeitmaschine 30 Jahre zurückversetzen könnten und wir würden unsere Software von damals mit der von heute vergleichen, wir würden sie nicht wiedererkennen.

Mann: Klar, wir würden uns wahrscheinlich auch über die Hardware wundern – vorm Spiegel.

Frau: Die Hardware ist nunmal systemrelevant, alternativlos, nur eben leider nicht austauschbar. Aber damit das keine Rolle mehr spielt, wird scheinbar emsig daran gearbeitet, dass sie beliebig austauschbar ist; alles dasselbe eines Tages. Das hätte sie dann mit der Regierung gemeinsam.

Mann: Ja, aber was wär das für ein Segen für die Welt, wenn unsere Hardware ausgebaut und durch eine neue ersetzt werden könnte! Wenn wir unsere, die bewährte, Hardware verkaufen und exportieren könnten! Stell dir vor: die Exportweltmeister-Hardware, wo alles aufgespielt ist!

Frau: Du nun wieder.

Mann: Nee, wir haben doch Glauben. Und wir haben dazu passend hier ja auch quasi einen Gottesstaat. Was sich viele Staaten wünschen, woran sie intensiv arbeiten und was – du sagsts ja selber – unendlich viele Updates erfordert, ehe sie soweit ist: wir habens schon fertig da – samt Auto! Die Hardware mit einem Betriebssystem, in dem alles, alles eine Sache und Konsequenz des Glaubens ist.

Frau: Oder des konsequenten Nicht-Glaubens mit den entsprechenden Verteufelungen, und die aufgespielte Vorfahrt der Unschuld nicht zu vergessen.

Mann: Genau richtig. Woran man nicht anders kann als zu glauben, daran nicht zu glauben, das geht natürlich nicht.

Frau: Dafür hatten wir früher den Zweifel.

Mann: Ah-jaah! – brachte aber nichts, der Zweifel. Haben wir aufgegeben zugunsten dessen, was wir mit festinstallierter individueller Kompetenz zu glauben beschließen. Aufgegeben komplett mit allem Drum und Dran. Es bietet mehr Sicherheit zu glauben, dass bestimmt richtig ist, von dessen Richtigkeit oder Wahrheit man ganz persönlich überzeugt ist. Wenn das nicht so gut geht, gibts ja immer noch das Update zum Glauben der Mehrheit.

Frau: Das bringt aber noch keine Gewissheit.

Mann: Nee. Wenn Gewissheit verlangt werden sollte, dann gibts das nächst größere Software-Update zur Glaubensgewissheit.

Frau: Wie schön. Export unserer Hirne meinst du also. So erfolgreich wie unsere Autos. Deutsche Hirnhardware ein Statussymbol, den kompletten Begriff von Freiheit und Toleranz und der Glaube, damit durchzukommen, inbegriffen. Es bräuchte nur noch ein kleines japanisch/chinesisches Update hinsichtlich Verschleierung. Noch ist bei uns Verschleierung mehr spür- als sichtbar, wenn unsere Software ein Bedürfnis nach Atemschutzmasken weckt, was dadurch für eine harmonisierende Vielfalt der offenen Kasteiungen erreicht und sichtbar würde –

Mann: Na, das hätte erstmal in Frankreich längst kommen müssen. Das Ding hat nur einen Haken –

Frau: – hängt schon an einem Haken.

Mann: Leider ist die echte Hirn-, also Hardware-Amputation technisch noch nicht möglich. Da draußen müssen sie noch mit Opposition und Putsch usw. leben, da gibts noch keine Einsicht in die  Notwendigkeiten – was meinst du mit »an einem Haken«?

Frau: An einem Haken der Garderobe, wo man in bestimmten surrealistischen Theatern sein Hirn abgeben kann.

 

Written by monologe

3. August 2017 at 4:21 pm

FDP oder Der Kleine Klaus hälts nicht mehr aus

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Neben den Straßen an Bäume, Büsche, Maste, Stangen auf die Schnelle mit Draht angerödelt, angenötigt drei, vier übereinander: Wahlplakate.
Man sollte sich entweder nicht drum scheren oder sie genauer anschauen, auch das lohnt sich.

Eines der FDP, was, gemäß Plakat Baaschs »Mehr Gerechtigkeit für alle« über ihm, gerechterweise ausgeschrieben FriedeDenPalästen heißen müsste.
Diese Partei hat Aufwinde und bereits sogenannte Koalitionsaussagen getroffen. Das ist so, als ob der kleine Klaus ruft »Hüh, alle meine Pferde!« und erklärt, dass er sich auch den großen Klaus schonmal aussucht, dessen Pferde gut genug wären, vor seinen Pflug zu gehen.
Das Großspurige macht den Wählern stets Eindruck; wenn es schon bergab geht – pardon, bergauf, dann imponiert ihnen der SUV und Mehr Gerechtigkeit für alle – und warum nicht wie besoffen?

So wird es wohl geschehen und wahrscheinlich sein, dass dem Wahlvolk gemäß dem »Hessischen Landboten« entsprochen werden wird, wo es heißt »Friede den Hütten, Krieg den Palästen«, nur umgekehrt. Man muss es einsehen, was leicht fällt, denn nie ging es uns – pardon, Deutschland so gut wie heute.
Noch leichter geht das alles, seit man gefunden hat, dass die Neanderthaler auch schon genauso intelligent waren wie wir heute. Früher hat man sie für primitiv gehalten, aber nun – es ist nur eine Frage der Zeit gewesen.
Man hat vor Wahlen so Ahnungen – aber was Ahnungen angeht, da war der Neanderthaler uns sehr weit voraus.
Bei unsereinem reichts nur und geradeso zu der Ahnung, dass wir, im Gegensatz zum Neanderthaler, auch in ein paar Jahren nicht klüger sein werden. Und sprachlich, lieber Gott – doch dazu später.

Jedenfalls stammt der Mensch von Adam und Eva ab und der Beginn eines herrlichen darwinistischen Frühlings liegt vor uns –
Die großen Parteien scheinen das zu wissen, sie lassen riesige Wahlplakate aufstellen in der offenbaren Gewissheit, dass die »Menschen« die/den auf den größten Wahlplakaten wählen werden, die Stärksten selbstverständlich, die Vertreter ihrer selbst, ihre Identitäten, und das ist gewiss ein Anfang.
Frau Kanzlerin hält sich persönlich noch zurück, bis die Sorge um Schwäche aufkommt, dann wird genug Urvertrauen da sein, aus dem nur sie aufsteigen kann.
Wie sie z. B. neulich meinte, nicht die Arbeitslosigkeit besser ausstatten, sondern Arbeitsplätze schaffen. Die Altersarmen hat sie da nicht vergessen, die Ursachen hierfür – siehe Arbeitsplätze.
Da kann man doch staunen.
Wo es gar keine Ausstattung von Arbeitslosigkeit, kaum Renten, aber Niedriglöhne zu verdienen gibt, vorzugsweise in Deutschland, da ist bekanntlich das Problem der Arbeitslosigkeit behoben.
Vielleicht kann Deutschland Vorreiter sein in der EU, indem es die behebenden Lösungen für Arbeitslosigkeit, Armut und Faulheit mittels Modernisierung des Sozialstaates auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, den man Bulgarien nennen könnte, vorexerziert?
Freiheit, Gleichheit! Durch etliche Legislaturen schon fühlt besonders die FDP den Phantomschmerz in den amputierten Kompetenzen.

Nun, wie gesagt, es hängt von der FDP neben anderen eine gute Anzahl eines bestimmten Wahlplakates in der norddeutschen Tiefebene und lübeckischen Weltoffenheit herum, das nähere Betrachtung verdient.
Auf den ersten Blick bietet es eine willkommene Abwechslung zu jenem tumplumpen »Mehr Gerechtigkeit für alle« von und mit Baasch und seines Leibes Omen kraft SPD, indem das Plakat der FDP nicht viel mehr als Kopf und Hals des Abgeordneten Kubicki in insgesamt madonnenhafter halbprofilierten Nach- nein, Vordenkerpose zeigt, darüber geschrie – nein, gedruckt steht ”Wollen reicht nicht. Man muss es auch können.«
Die Mühe hat sich gelohnt, sauber ist es nun ausgedrückt.
Für gewöhnlich gehört Exkrement mit der Tüte aus dem Spender aufgenommen und entsorgt. Hier handelt es sich aber um die Power des Wollens aus dem Innern einer Partei, die »es« in einer druckvollen Verfassung vor der nächsten Wahl zumindest visionär auf den Punkt bringen muss.
Der Mops ist geradezu aufgeblasen damit, in die Küche zu wollen. Doch muss man es auch können.
Da weiß die FDP als bewundernswürdige Realistin, dass sie noch nicht weiß, was sie können muss, wenn sie könnte. Je nach Koalition.
Sie ist sich immerhin sehr bewusst, dass das Wollen all die Zeit bis jetzt nicht gereicht hat.

Man kann davon ausgehen, dass der Neanderthaler gute Gründe hatte, auf sowas gar nicht erst zu kommen, und wahrscheinlich deshalb, weil er ein ganz anderer Typus war.
Der Neanderthaler musste 1. über »Wollen reicht nicht« zwar gar nicht nachdenken, wusste hingegen 2., dass, wenn man schreibt »Wollen reicht nicht. Man muss es auch können«, sich dieses »es« nur auf das Wollen beziehen kann, somit nichts anderes bedeutet, als dass man das Wollen können muss.
Wäre der Neanderthaler auf sowas gekommen, hätte er es sich vermutlich verkniffen oder in Höhlenmalerei ausgedrückt, aber es ist genau das, was die FDP in aller Ehrlich- und Aufrichtigkeit sagen will – und kann:
Können zu wollen.

Written by monologe

7. April 2017 at 11:59 am

TRiUMP 1

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In Russland:
Es wird berichtet, dass vom Wahlsieg Trumps nicht nur Präsident Putin erfreut sei, laut Umfrage so auch ungefähr 37 Prozent der Russen. Passanten, befragt, erhoffen sich vom Präsidenten Trump Verbesserungen der Beziehungen, Aufhebung der Sanktionen, also sogar Verbesserung ihres Lebens, „Frieden“ (die Passantin sagte allerdings „druschba„, was „Freundschaft“ heißt).

In Deutschland:
Das Unmögliche ist möglich geworden“, analysiert der Psychologe Stephan Grünewald. „Unser Wertesystem gerät ins Wanken. ›Man kann wohl sagen: Die Deutschen sind im Trump-Tief.‹“ –

womit eigentlich schon alles gesagt wäre, aber der ganze Klassiker ist es noch nicht:

Der weiße Mann mit den gelben Haaren – er macht den Deutschen Angst. ›In Deutschland kommt hinzu, dass wir zwar von den Folgen dieser Wahl deutlich betroffen sind, aber keinen direkten Einfluss darauf haben‹, erläutert der Psychologie-Professor Jürgen Margraf. ›Das ist eine klassische Hilflosigkeitssituation.‹“ –

Ach ja, „die Deutschen“. Ein „weißer Mann mit gelben Haaren“, Putin, die Russen machen ihnen Angst, einem weißen Mann, dem die Pechsträhne schon vornüber hing, sodass ihnen angst und bange hätte werden müssen, dem folgten sie gelegentlich schon bedingungslos.
Die jeweilige Hilflosigkeit war stets sowohl recht tatenvoll und kriegerisch, als auch irrational und sinnlos.
Was nun macht sich mit der Hilflosigkeit darüber breit, dass in Amerika Trump gewählt wurde, nicht der Herr Geissen?

Gauck gratuliert namenlos
Mit der sprachlichen Raffinesse, die Gauck zueigen ist, begann er seinen Kommentar zum Wahlausgang in Amerika mit einer Erinnerung daran, dass der 9. November in mehrfacher Hinsicht historische Bedeutung habe. Er erwähnte den Mauerfall 1989 ebenso wie die Reichspogromnacht im Jahr 1938 und leitete dann über zum Blick auf Amerika. ›Gleichzeitig ist es ein Tag, der viele Menschen in der Welt beunruhigt hat.‹ Diese ›große Beunruhigung‹ sei während des Wahlkampfes in Amerika entstanden. Damit hatte der Bundespräsident zwar keinen direkten Vergleich zwischen den dunklen Ereignissen der Nazi-Zeit mit der Wahl Trumps hergestellt. Aber Zufall war es sicher nicht, dass Gauck alles in einem Atemzug erwähnte.“

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zeigt sich besorgt über die Art der politischen Auseinandersetzung – auch in Deutschland. ›Demagogischer Populismus ist nicht nur ein Problem Amerikas‹, schreibt der 74-Jährige in einem Gastbeitrag für BILD-Zeitung. ›Auch anderswo im Westen sind die politischen Debatten in einem besorgniserregenden Zustand.‹ Vor allem im Internet sei inzwischen ›völlig egal, ob Behauptungen wahr sind – Hauptsache, der Empörungsgrad stimmt.‹“

Das ist korrekt:

Morddrohungen wegen eines Hitler-Verlgeichs
dpa/Andrew Gombert „Johan Franklin“ sieht eine ernstzunehmende Gefahr in Donald Trump
Ein Deutscher sieht der bevorstehenden US-Wahl mit großer Sorge entgegen. Auf Twitter erinnerte er die Amerikaner daran, was geschehen kann, wenn man auf einen populistischen Politiker hereinfällt – und zieht Parallelen zwischen Donald Trump und Adolf Hitler. Die Reaktionen aus den USA sind äußerst gemischt. Außerdem betont er, viele Deutsche seien sehr besorgt, dass ein offensichtlicher Demagoge und absoluter Lügner so viele Unterstützer findet. Trotzdem wolle er Trump nicht persönlich mit Hitler gleichstellen, sehe lediglich einige Parallelen. Trump erinnere mit seiner Medienaffinität eher an Goebbels.“ –

Trump nicht persönlich mit Hitler gleichzustellen ist gewiss diskriminierend, wenn dessen Affinität aber an Goebbels erinnert, gehen die Parallelen für die Medien in Ordnung.
Schäuble weiter:

›Vereinfachung hat eine Untergrenze.‹ Als Ursache des zunehmenden Populismus nannte der Minister auch, ›dass die Eliten in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nicht immer ein gutes Bild‹ abgeben würden. Zudem seien Entscheidungsprozesse häufig kaum noch nachvollziehbar, so Schäuble weiter. Der Minister forderte: ›Jeder muss bereit sein dazuzulernen. Wenn wir für die Perspektive des anderen und fürs Umdenken offen sind, hat es der demagogische Populismus schwer.‹

Ging der Bundespräsident noch mit dem Florett vor, wählte Sigmar Gabriel den Säbel.“ –

wer Sigmar Gabriel ist? Bitteschön:

Der SPD-Vorsitzende und Stellvertreter der Bundeskanzlerin schien selbst die Bemerkung von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) vom August,“ –

hier findet sich ein schönes Beispiel dafür, dass es tatsächlich eine zeremonienmeisterliche Hofberichterstattung gibt – wie im Märchenland.
Das Ausrufen der Namen, die Nennung der Ämter und welchem Ritterorden (SPD) die Edlen angehören, welche Waffen sie führen, hierauf dann die verächtliche Nennung des –

„Trump“ –

bzw. Müllerburschen, der, so sprach Frank-Walter Steinmeier (SPD)

„ein ›Hassprediger‹ –

sei, was Siegmar Gabriel, SPD-Vorsitzender usw., also

„in einem Gespräch mit Zeitungen der FUNKE MEDIENGRUPPE übertreffen zu wollen.“ –

schien:

›Trump ist auch eine Warnung an uns‹, äußerte der Wirtschaftsminister – auch mit Blick auf die deutsche Innenpolitik, den Koalitionspartner und die Bundeskanzlerin.“ –

auch dieser Brave denkt an sich selbst zuletzt 

Trump mache sich die Enttäuschung vieler Menschen über eine wachsende soziale Spaltung zunutze.“ –

was ja unanständig ist, sich zumindest nicht gehört, solange die SPD an dieser Enttäuschung nicht wächst wie die Spaltung, sondern schrumpft,

›Trump ist der Vorreiter einer neuen autoritären und chauvinistischen Internationalen.‹ Dazu zählte Gabriel auch Russlands Präsidenten Wladimir Putin, den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, die französische Front-National-Vorsitzende Marine Le Pen und in Deutschland die AfD.“ –

wobei man aber bedenken muss, dass Trump noch keinen Augenblick regiert hat und demnach kein Vorreiter sein kann.
Nein, der Hitler war Vorreiter, denn die hier Genannten und Leute sind allesamt schon in dessen Nähe gerückt worden, ohne dass man in einem ganz bestimmten bedauerlichen Einzelfall von einem Hit abgerückt wäre.
Gabriel hat die PEGIDA nicht erwähnt, weil „das Pack“ vermutlich nicht zur Internationalen zählt.

„›Es geht ihnen um ein echtes Rollback in die alten schlechten Zeiten, in denen Frauen an den Herd oder ins Bett gehörten, Schwule in den Knast und Gewerkschaften höchstens an den Katzentisch.‹“ –

Was sich anhört wie eine Verschwörungstheorie.
Apropos „Rollback“, da hat sich vor Jahren vielen enttäuschten Menschen schon die Frage aufgedrängt, was unecht ist, die Rolle Vorwärts der SPD in gute neue Zeiten oder die SPD selbst?
Andere echt schlimme Sachen eines echten Rollback mit Vorreiter Trump in Amerika hat Gabriel nicht erwähnt, nur noch das Allerschlimmste, was uns und alle, die zu uns gehören, gemäß den alten schlechten Zeiten erwartet:

„Und: ›Wer das Maul nicht hält, wird öffentlich niedergemacht.‹“ –

Wovon allerdings nun wieder Trump das aktuellste Lied singen könnte.
Es wird nur so sein, dass man ihm das Recht, sich „niedergemacht“ zu fühlen, nicht zuerkennen wird.
Mit Recht, denn wer – außer etwa Pat und Patachon, die angetreten als edle tapfre Haudegen mit Florett und Säbel, um der modernen Zeiten willen ein Rollback in alte schlechte und danach die Russen abzuwehren, niedergemacht wurden mittels Drohnen-Beschuss mit hochsensiblen TTIP-Ordnern, ausgeführt von einer Frau am Stick – wer also außer diesen beiden am Ende die Erlaubnis bekommt, sich niedergemacht fühlen zu dürfen, steht noch dahin.

Ein Medium fragt um:

Würdet ihr auswandern, wenn Trump euer Land regieren würde? 9.268 ja, 1.417 nein “ –

nicht gefragt wurden letztere, ob sie  bleiben würden im Sinn von »Wir schaffen das« oder nicht wüssten wohin.

Und dann:

Und dann findet man auch noch eine klar optimistische Stimme im Internet. Opernsänger und Schauspieler Björn Casapietra (46) sieht die Zukunft mit Donald Trump an der Spitze der USA nicht ganz so schwarz wie viele seiner (deutschen) Promi-Kollegen“ –

und da ist ganz interessant, was hier in Deutschland „nicht ganz“ so schwarz sehen ist:

›Ich bin mir ziemlich sicher, dass Trump alle überraschen wird in den nächsten Jahren. Und zwar positiv überraschen. Die Erwartungen an ihn sind gering. Auch deshalb kann er eigentlich nur gewinnen.‹

Ja, ein reuiger Sünder macht mehr Freude, denn 99 Gerechte.

Der Wahlsieg von Donald Trump hat den deutschen Aktienmarkt nur kurzfristig erschüttert. Nachdem der Dax zum Handelsstart um knapp 3 Prozent gefallen war, schmolzen die Verluste bis zum frühen Nachmittag komplett zusammen. Nachdem die New Yorker Wall Street entgegen den pessimistischen Prognosen freundlich eröffnet hatte, kletterte auch der deutsche Leitindex ins Plus und gab im Schlussgeschäft nochmal kräftig Gas. Letztlich gewann der Dax 1,56 Prozent auf 10.646,01 Punkte.

Sahra Wagenknecht, zeigte sich vom Wahlsieg Trumps ›nicht in dem Grade überrascht‘ – so wie viele andere. Die Wähler haben ihrer Ansicht nach ‚nicht Trump, sondern Veränderung gewählt.‹“ –

Schluss:
Wir wissen, was die Russen vom Präsidenten Trump erwarten: bessere Beziehungen, Verbesserung ihres Lebens (Aufhebung der Sanktionen), Freundschaft, Frieden.
„Putins Propaganda-Maschinerie“ hat also offenbar wieder ganze Arbeit geleistet.

Doch fragt man sich nach all dem, was hier zusammengetragen worden ist, Zitate aus den unabhängigen, freien deutschen Medien, Beispiele dessen, was sie, um  „umfassend“ zu informieren, zu verbreiten sich verpflichtet gefühlt haben – es ist der geringste Teil dessen, was auf dem „Markt“ erschien -, was immer und wie immer man darüber denken mag, Trump gewählt ist, der Vorhang zu und alle Münder (›Schnauzen‹) offen:

was also erwarten wir, die Deutschen, von Trump?

 

Kleiner Zusatz:

Als ›einfältigen Versager‹ hat Australiens Umweltminister Josh Frydenberg Donald Trump einst tituliert. Das bedauert er nach Trumps Wahlsieg nun, wie er einräumt. ›Der Premierminister und die Außenministerin haben vor der Wahl den richtigen Ton getroffen. Ich räume ein, ich hätte ihrem Beispiel wahrscheinlich folgen sollen.‹

 

Written by monologe

13. November 2016 at 5:54 pm

Aphorismus – 51

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Meist kann nur eine Epidemie uns die Ansteckung auslösen.

Written by monologe

13. Juni 2016 at 5:16 pm

Die „Causa Böhmermann“

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Die „Causa Böhmermann“,
ein alter Hut, in dem der Staatsanwalt offenbar noch immer nicht das gefunden hat, was sich da herausziehen lässt, war nach Böhmermanns „Sendepause“ und der darauf folgenden Bekanntmachung seiner darin gewonnen Erkenntnisse als Kapitel für sich immer noch interessant.
In dieser nicht demokratisch, sondern von Böhmermann selbst frei gewählten „Sendepause“ sei, sagte er, „die Fresse“ zu halten das Schlimmste gewesen.
Das scheint die erste selbstschließende „Fresse“ auf dem Markt nach Einführung selbstschließender Kofferraumklappen.
Ja, die „Fresse“, Schnauze war früher. Nun kommt erst die Fresse, dann die Moral.

Böhmermann, zweifellos ein klassischer deutscher Kasper, ein Zyniker auf den Zynismus, der mit dem Format der FlachbildGuckkästen und der dazu passenden 2D-Dauerkirmes davor auch monströses Format angenommen hat, schleckt sich selbst die Satire allmählich heran. Aber ob Satire auf einen so äußerst beliebten und berühmten, singenden VollvolkSatiriker erlaubt ist?
Womöglich macht man sich damit genauso unbeliebt, ja, unmöglich wie mit Initiierung gewisser Resolutionen?

Der „Zeit“ gab Böhmermann ein Interview:
Die Bundeskanzlerin darf nicht wackeln, wenn es um die Meinungsfreiheit geht. Doch stattdessen hat sie mich filetiert, einem nervenkranken Despoten zum Tee serviert und einen deutschen Ai WeiWei aus mir gemacht„.
Man hätte meinen können, eine Kanzlerin, und besonders diese unsere, wackelt nicht. Sie hat auch nicht gewackelt, sie wurde Wachs vor der Beleidigung Erdogans, aber weichen vor Böhmermann werden beide nicht.
Es sieht vielmehr so aus, als ob allerhand Böhmermann wackelt, nicht nur, weil etwa Privatsender winken, sondern weil Böhmermann die Aura eines Wackeldackels hat wie Erdogan die eines Droschkengauls.

Die Freiheit, Meinung zu machen, und die, die man nicht gemacht hat, zu denunzieren oder zu unterdrücken, ist ein hohes Gut. Das sagen alle Medien.

„Filetiert“ worden zu sein war ein ganz falscher Eindruck Böhmermanns.
Zum Tee wird niemals Filet serviert, auch kein falsches.
Böhmermann ist ein RiesenScherzkeks und von der Kanzlerin wahrscheinlich gestückelt, vielschichtig, nicht filetiert, sondern in Scheiben geschnitten als Kalter Igel (auch Kalter Hund oder Kalte Schnauze) wie zum Kindergeburtstag dem „nervenkranken Despoten“ zum Tee serviert worden.
Das sollte Böhmermann übers AnscheißenWeilMansKann doch wissen: die Kanzlerin war so frei, Ansicht und Meinung des „nervenkranken Despoten“ zu teilen, ihm bei Tee mit kalter Schnauze aus Scherzkeks die Gelegenheit zu bieten, sich im Sinn des §103 innig beleidigt zu fühlen.
Sie hatte beschlossen, der Böhmermann soll auch was davon haben, gab ohne Wackeln nach und „ermächtigte“ den Staatsanwalt, mit der Beleidigung an der Hand hinabzusteigen in die Gruft, wo der Hund als Paragraph begraben liegt und die Majestät spukt.
Dort unten lässt sich für die neuen Gespenster der alten Geist beschwören, und wenn er vor ihnen erscheint, ist zu entscheiden, ob er reanimiert werden und wieder zupacken soll.
Es ist auch das durchaus ein satirisches Spektakel und gehört zum Gesamtkunstwerk.

Man darf annehmen, dass durch den §103 in Exzellenzen das Gefühl, eine Majestät zu sein und sich im Sinn des § als solche auch beleidigt fühlen zu dürfen, nicht nur gefördert, sondern erst geweckt wird, sich entfaltet und auffliegt, und dass dieses Gefühl von einer Größe ist, die alle etwaigen Gefühle (besonders eines „nervenkranken Despoten“ gegenüber der Freiheit eines Böhmermann, die Meinung zu haben, dass er etwas sagen dürfe, wenn er zuvor einräumt, dass ers nicht sagen darf und niemand sonst) mehr als entbehrlich macht.

Im übrigen kann weder Despoten noch Kanzler*innen irgendein Vorwurf daraus gemacht werden, wenn sie den §103 auf Zuständigkeit für ihre Meinung von Hoheit und Majestät und als solche beleidigt worden zu sein überprüfen lassen, solange dieser § noch existiert und weil er existiert.
Noch vor ein paar Tagen schien dieser § zwar heute schon überflüssig, ein schneller, salomonisch weiser Beschluss bestimmte aber, dass er im Moment systemrelevant und alternativlos ist und erst 2018 abgeschafft werden soll.

Man denkt nicht darüber nach, einen Regierungssatiriker anzustellen.

Auch der Kaiser dürfte seinerzeit nicht im Traum daran gedacht haben, sich für den satirischen Ernstfall einen beamteten Gegensatiriker zu halten; die Bundesregierung hält sich bisher nur einen Deutschlandsender – oder dieser hält jene, alles ganz unverbindlich -, aber da gibts höchstens ein bisschen phrasierte Ironie und öffentlich-gestisches Getu für ein imaginäres Publikum, also die „Menschen “, die dankbar sind für jede emotionale MeinungsAnimation, aber es gibt keine Satiriker schmerzende GegenSatire.
Mit dem §103 hat die Bundesregierung nun immerhin etwas wie einen anachronistischen echten Schupo von der Sorte „Wenn Se wissen wolln, wat lustig is, sinds se bei mir jenau richtig – nee, det Denken überlassen Se mal den Pferden.“, der nichts kostet und den sie natürlich so schnell auch nicht loslassen will.

Sollte Böhmermann also zwei Jahre kriegen, dann wäre dieser § plötzlich und „unerwartet“ ein höchst erfolgreicher Paragraph, nicht nur deshalb, weil Böhmermann dann volle zwei Jahre „ Fresse“ und „Schnauze“ halten müsste, sondern hauptsächlich darum, weil dieser § anwendbar gewesen ist und darum nicht überflüssig sein kann.

Zu all dem haben Erkundungen ergeben, dass von einer Anzahl in Deutschland lebender Türken „im hohen dreistelligen Bereich“ gleich Erdogan Anzeige erstattet worden ist!
Was genau da angezeigt wurde – eine Beleidigung Erdogans?, dass man selbst beleidigt wurde? -, ist leichthin unbekannt geblieben, selbst Frau Will hat vermutlich in Rücksicht auf die seelische Verfassung des alter ego Beleidigten neben ihr gekonnt nicht nachgefragen wollen.
Doch bedeutet diese hohe dreistellige Anzahl von Anzeigen gegen einen Beleidiger Vervielfachung und Druck durch eine Art Treue, die in der Kaiser- und Blütezeit* des §103 in Deutschland unbekannt war und daher nicht erfasst werden konnte, denn man kannte seinerzeit nur Nibelungentreue.

Im aktuellen Fall wurde, falls jemand fragte, gelegentlich sogar die freie Meinung geäußert, es sei sogar das ganze türkische Volk beleidigt worden gemeinsam mit dem „nervenkranken Despoten“.
Warum also den §103 nicht gleich zuständig machen für ein Volk, wenn es sich als ego ihrer Hoheiten, Exzellenzen und Oberhäupter ebenso beleidigt fühlt? Es würde den Hoheiten die erniedrigende Mühe ersparen, die Anzeige selbst vorzunehmen.

Die Anzeige wegen Beleidigung ist für die Getreuen einer Exzellenz Majestät natürlich unvermeidlich, weil sie wissen, Ihre Exzellenz Majestät wird die Häupter seiner Getreuen im Ausland zählen.
Da möchte keines fehlen.
So ist zwar ebenso unvermeidlich, dass der Geheimdienst des Landes des Beleidigers Gelegenheit bekommt, die Häupter der jeweils 5. Kolonne zu zählen; doch ein Schelm, wer im Fall Erdogan an sowas denkt und vergisst, dass der Geheimdienst bei uns andere Sorgen hat.

Jedenfalls der §103 muss womöglich in Würdigung dieser Erdoganentreue novelliert werden.
Meint also sie*er, eine ihr*ihm in der fernen Heimat nahestehende Hoheit sei beleidigt worden und es handele sich um ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die*der sollte frei die Anwendung des §103 fordern dürfen, genauso wie etwa Böhmermann Satire, Karikatur, Kasperstück zur Anwendung bringt in der freien Meinung, dass sein Werk ohne Zweifel eins von den dreien ist und eine Beleidigung im Sinn des §103 dadurch ausgeschlossen!
Das alles bildet eine moderne harmonische Echtzeit KulturEinheit und Bildung ist wichtig.

Nun Böhmermann ein deutscher Ai WeiWei? Ai WeiWei demnach ein chinesischer Böhmermann?
Zwischen einem, der zeigt, was man nicht machen darf, obwohl mans kann, und einem, der zeigt, was man machen soll, wenn mans kann – zwischen solchen besteht ein Unterschied wie der zwischen einem, der der Welt zeigt, was eine Harke ist, und einem, der der Welt zeigt, was eine Gießkanne ist.
Es gibt speziell für die Kanzlerin keine Möglichkeit, aus Böhmermann einen deutschen Ai WeiWei zu machen.

Zu einem Au WeiWei wirds vielleicht reichen – wenn die deutsche Satire alle Augen zudrückt.
Ein deutscher Kasper hat nur die Möglichkeit, die Rolle des Karagöz zu übernehmen – bestenfalls -, des TürkenKaspers, und als solcher dem Erdogan zu zeigen, was eine Harke ist.
Doch als Karagöz hätte er den Erdogan zitieren müssen.

Ein Kasper, gleich welcher Nationalität, ist stets aktuell und hat das Gedächtnis eines Elefanten, ohne das es bei der Satire nicht geht:
Vor gut einem Jahr hat Erdogan zum (wieder aktuellen) Thema „Völkermord an den Armeniern“ verkündet, Völkermord, das sei ein so schlimmes Verbrechen, dass es die Türkei gar nicht begangen haben könne.
Was bräuchte ein Satiriker Böhmermann denn für seine Fresse noch, als dass ihm eine Beleidigung Erdogans gleichwohl als ein so schlimmes Verbrechen erscheint, dass er es gar nicht begangen haben kann?

Aber Essig. Nun heißt es Tee trinkend abwarten, ob es der Böhmermann durchaus begangen haben kann.
Das, worauf er den Anspruch der Meinungsfreiheit erhebt, könnte eben gerade noch so durchschlüpfen. Mehr Anspruch hat es nicht.
Dass irgendein Gericht ein paar Zeilen von seinem Schmäh konfisziert hat, bedeutet auch nichts weiter, als dass Pferdefleisch aus einer Lasagne geklaubt wurde. Wenns nun noch immer spannend erscheint, wie der „Ermächtigte“ entscheiden wird – mehr könnte man nicht verlangen.

*Die „Causa“ bietet immerhin Anlass, an einen aus der Blütezeit der Majestätsbeleidigung zu erinnern, der nach Verbreitung zweier satirischer Gedichte auf Kaiser Wilhelm II (dieser 1901: „Eine Kunst, die sich über die von Mir bezeichneten Gesetze und Schranken hinwegsetzt, ist keine Kunst mehr.“), welche er auf dessen pompöse „Reise ins Heilige Land“ 1898 geschrieben hatte, zunächst nach Paris fliehen musste, aber schon 1899 nach Deutschland zurückkehrte und prompt wegen Majestätsbeleidigung zu einem Jahr Festungshaft verurteilt wurde.
Davon saß er bis zur Begnadigung ein halbes Jahr in der Festung Königstein ab:
Frank Wedekind (1864-1918).

Erstaunlich, wie aktuell er ist:

Des Dichters Klage

Schwer ist’s heute, ein Gedicht zu machen,
Darum läßt man es am besten sein;
Wenn die Menschen wirklich drüber lachen,
Sperrt man den Verfasser meistens ein;
Wenn sie sich jedoch in Tränen winden,
Dann verhungert schließlich der Poet,
Deshalb wird man es begreiflich finden,
Daß die Poesie zugrunde geht.

Niemand weiß die Freiheit so zu schätzen
Wie der Dichter oder Redakteur;
Wenn sie ihn in das Gefängnis setzen,
Schreibt er manchmal überhaupt nichts mehr.
Statt in die Geschichte der Kalifen
Oder in die Dame, die er liebt,
Seine schöne Seele zu vertiefen,
Fängt er Fliegen, wenn es welche gibt.

Ließe sich die Allmacht doch erweichen,
Die den Menschen mit dem Fluch bedacht,
Daß er immer über seinesgleichen
Witze, Dramen und Novellen macht!
Zählt die Zuchthaus-Jahre man zusammen,
Die von lyrischen Gedichten her
Und von ähnlichen Verbrechen stammen,
Ein Jahrtausend gibt es ungefähr!

In der Politik, das muß man sagen,
Geht ja freilich alles wie geschmiert:
Unsre Größe liegt der Welt im Magen,
Und damit man gänzlich nicht verliert,
Bleiben Schweine dauernd ausgeschlossen,
Weil man ohnehin genug versaut. –
Fröhlich schnarchen Mirbach und Genossen
Wie vorzeiten auf der Bärenhaut.

Schade nur, daß wir nicht vorgeschritten
In der Politik wie Rußland sind;
Unsre Leute muß man immer bitten,
Bis man ihnen etwas abgewinnt.
Dort hingegen braucht man nur zu sagen:
Liebe Kinder, macht die Börse breit,
Sonst wird euch der Kopf vom Rumpf geschlagen!
Käm‘ es endlich auch bei uns so weit!

War nicht Bismarck doch ein arger Stümper,
Daß er stets dagegen sich gesträubt?
Wolle Gott, daß nichts von seiner zimper-
Lichen Staatsraison am Leben bleibt!
Nichts als Nörgler hat er uns geschaffen,
Von dem kindlichsten Vertrauen voll;
Dabei stritt er sich sogar mit Pfaffen!
Ist ein solcher Mensch nicht grauenvoll?

Doch ich weiß uns Rat aus der Bedrängnis:
Laßt den Reichstags-Kasten nur in ein
Majestäts-Beleidigungs-Gefängnis
Umgebaut und umgewandelt sein,
Dann sind wir erlöst von allem Bösen;
Tierisch vegetiert des Volkes Sinn,
Und ich bleibe, wie ich stets gewesen,
Ihr devoter Dichter
Benjamin

+

Der Zoologe von Berlin

Hört ihr Kinder, wie es jüngst ergangen
Einem Zoologen in Berlin!
Plötzlich führt ein Schutzmann ihn gefangen
Vor den Untersuchungsrichter hin.
Dieser tritt ihm kräftig auf die Zehen,
Nimmt ihn hochnotpeinlich ins Gebet
Und empfiehlt ihm, schlankweg zu gestehen,
Daß beleidigt er die Majestät.

Dieser sprach: »Herr Richter, ungeheuer
Ist die Schuld, die man mir unterlegt;
Denn daß eine Kuh ein Wiederkäuer,
Hat noch nirgends Ärgernis erregt.
Soweit ist die Wissenschaft gediehen,
Daß es längst in Kinderbüchern steht.
Wenn Sie das auf Majestät beziehen,
Dann beleidigen Sie die Majestät!

Vor der Majestät, das kann ich schwören,
Hegt ich stets den schuldigsten Respekt;
Ja, es freut mich oft sogar zu hören,
Wenn man den Beleidiger entdeckt;
Denn dann wird die Majestät erst sehen,
Ob sie majestätisch nach Gebühr.
Deshalb ist ein Mops, das bleibt bestehen,
Zweifelsohne doch ein Säugetier.

Ebenso hab vor den Staatsgewalten
Ich mich vorschriftsmäßig stets geduckt,
Auf Kommando oft das Maul gehalten
Und vor Anarchisten ausgespuckt.
Auch wo Spitzel horchen in Vereinen,
Sprach ich immer harmlos wie ein Kind.
Aber deshalb kann ich von den Schweinen
Doch nicht sagen, daß es Menschen sind.

Viel Respekt hab ich vor dir, o Richter,
Unbegrenzten menschlichen Respekt!
Läßt du doch die ärgsten Bösewichter
In Berlin gewöhnlich unentdeckt.
Doch wenn hochzurufen ich mich sehne
Von dem Schwarzwald bis nach Kiautschau,
Bleibt deshalb gestreift nicht die Hyäne?
Nicht ein schönes Federvieh der Pfau?«

Also war das Wort des Zoologen,
Doch dann sprach der hohe Staatsanwalt;
Und nachdem man alles wohl erwogen,
Ward der Mann zu einem Jahr verknallt.
Deshalb vor Zoologie-Studieren
Hüte sich ein jeder, wenn er jung;
Denn es schlummert in den meisten Tieren
Eine Majestätsbeleidigung.

Tauberität und Maasfülle

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Dieses von CDU-Generalsekretär Tauber Gesagte war Anfang Mai erschienen:
Das auf dem AfD-Parteitag Diskutierte ist nicht konservativ, ist nicht patriotisch, ist nicht freiheitlich, sondern ist vor allem reaktionär und autoritär.[…] Die Haltung der AfD ist ausgrenzend“.

Das ist online nicht mehr auffindbar, stattdessen:
Die Debatten auf dem Parteitag zeigen: Die AfD will zurück in eine Bundesrepublik, die es so nie gab. Das ist nicht konservativ, sondern reaktionär

Vor zwei Tagen nun wurde von „Spiegel Online“, „ZEIT ONLINE“ und „Süddeutsche.de“ jeweils derselbe Artikel veröffentlicht, also vermutlich voneinander abgeschrieben, in dem zum gleichen Thema Justizminister Maas zitiert wird; die interessantesten Auszüge daraus:
„‘Die AfD – das sind Brüder im Geiste von Wladimir Putin, Donald Trump und Recep Tayyip Erdogan: nationalistisch, autoritär und frauenfeindlich’[…]
‘Unser Land hat eine trübe Vergangenheit, aber die Generation unserer Eltern hat ein modernes Deutschland geschaffen: weltoffen und liberal im Innern, gute Nachbarn und friedliche Partner nach außen. Natürlich ist unser Land nicht perfekt, aber eines ist klar – die Rechtspopulisten sind keine gute Alternative für Deutschland’ […]
‘Sie
(die AfD) muss sich an ihren Worten festhalten lassen. Das AfD-Programm ist der Fahrplan in ein anderes Deutschland, in das Deutschland von vorgestern’ […]
‘Statt die AfD zu dämonisieren, müssen wir die inhaltliche Auseinandersetzung mit ihr führen.’ Allerdings sei es nicht einfach, ‘mit Menschen zu diskutieren, die Fakten ignorieren, überall ‚Elitenbetrug‘ oder ‚Lügenpresse‘ wittern und ihre Realität aus den Verschwörungszirkeln des Internets zusammenklauben’

Glücklicherweise ist unserem Maas der Begriff „Bauernfänger “ nicht herausgerutscht, obwohl die AfD, wenn man die Maas´sche Aufklärung richtig versteht, freilich genau solche am leichtesten fängt, die einen Liter Milch für unter 20 Cent verkaufen, obwohl sie davon nicht existieren können. Deppen, die sich die Realität aus ihrer Wirklichkeit zusammenklauben, könnten sich in ihrer Not von der SPD als Bruder im Geiste verlassen fühlen, die inhaltlichen Auseinandersetzungen satt haben, aus der Witterung von Ignoranz und „Elitenbetrug“ allüberall eine Tugend machen und folgerichtig die AfD wählen.

Es gibt Menschen. die nach der Aufklärung von Maas eine starke Bestätigung darin sehen, dass es besonders für diesen schwierig ist, mit Menschen zu diskutieren, denen jegliche „Zusammenarbeit“ verweigert wird, „die Fakten ignorieren, überall ‚Elitenbetrug‘ oder ‚Lügenpresse‘ wittern und ihre Realität aus den Verschwörungszirkeln des Internets zusammenklauben“.
In einer solchen Partei könnten sich gerade die Bauern wie zu Hause fühlen.
Und dass ihnen alle Schreckgespenster der Neuzeit (Kim Jong-un wurde sicher nicht genannt, weil er auch dabei sein wollte) als Brüder im Geist untergejubelt werden, wird sie nicht besonders schrecken. Die sind weit.
Die Bauern werden allerhöchstens fragen, was ist ein „Bruder im Geist“ eines Erdogan?

Davon abgesehen, dass man – im Geist – jedermanns*fraus Bruder*Schwester sein darf: ist das nun der wahre Erdogan oder Mittel zum Zweck, der verhetzten Meute den kürzesten Weg zu legen zum geistigen Bruder im Sinne von  „Haltet den geistigen Bruder!“?

Ja, halt!, sollte unserem Maas da in der freudigen Erregung – die Aufführung des Erdogan als geistiges Ideal ist ja nicht ganz ohne Reiz!
„…nationalistisch, autoritär und frauenfeindlich […] Fahrplan in ein anderes Deutschland, in das Deutschland von vorgestern…“ – das muss man sich aus „Verschwörungszirkeln des Internets zusammenklauben“?

Maas hat ganz vergessen, „Islamfeindlichkeit“, „Islamophobie“ bei der AfD zu diagnostizieren.
Zwar hält er es nicht für nötig, seine anderen Befunde zu belegen, doch da er sichs nicht verkneifen konnte, als Bruder im Geiste der AfD unseren ehemaligen Freund Erdogan zu nennen, kann er in Folge davon der AfD nur sehr schlecht Islamfeindlichkeit attestieren. Denn damit wäre ja Erdogan – kaum auszudenken!
Aber Maas konnte einfach nicht widerstehen. Die AfD in die Nähe der aktuell dem Volke unsympathischsten Staatenlenker zu schieben, ja, geistig zu verbrüdern (Kim Jong-un ist vielleicht zu grotesk gewesen?) ist eine ultima ratio. Die letzte Hoffnung auf Erdogans, Putins, Trumps abstoßende Wirkung zu setzen war einfach zu verlockend, so sehr es den Maas verdrossen haben mag, die abstoßende Wirkung der Islamfeindlichkeit dafür opfern zu müssen.
Der Afd einerseits geistiger Bruder Erdogans, andererseits islamfeindlich-phobisch, das ist halt nicht gegangen.
Doch gibt es die begründete Hoffnung, dass die Freicorps der Wahrheitspresse durchaus den nötigen Ersatz leisten.

Natürlich ist nicht alles perfekt. Maas muss hoffen, dass wenigstens Putin, Erdogan und Trump in der Weise wirken, wie er sichs von ihnen erhofft. Wenn ja, wird er froh sein, dass es sie gegeben hat, die Lieben; lieben sollst du deine Feinde.

Dass der Maas den Erdogan nach dessen Popanzitierung als die rechte Backe derer hinhält, die durch jeden Dreck zu ihm gezogen werden, das ist natürlich nur zum Gebrauch für den gedachten guten Zweck bestimmt, ansonsten ist wohl auch das Satire, Kunst, denn es lässt sich ja leicht vorstellen, was es für ein Fressen für Erdogan wäre, wenn er findet, dass der Maas ihn ganz unsatirisch und nicht als geistiger Bruder Böhmermanns zusammen mit Trump und Putin als geistigen großen Bruder der AfD qualifiziert hat!
Da wird es dem Maas auch nicht helfen, dass er einen Kim Jong-un und die gesamte chinesische Führung ausgeschlossen hat (Castro zieht nicht mehr und Kaczinski? Ob der über die AfD für Erdogan als geistiger Bruder in Frage kommt, dessen war Maas sich offenbar schon vor drei Tagen nicht ganz sicher, und wirklich, gestern meldete die „Die Welt“: „Sängerinnen, Veganer und Psychologiestudenten gegen Kaczynski: Die polnische Opposition sammelt sich und plant einen langen Marsch. Die konservative Revolution ist ins Stocken geraten.“ Polen ist also noch nicht verloren).

Für die Gegner der AfD stellt sich nun erst die spannendste aller Fragen:
gehört die AfD nach allem, was man jetzt über sie weiß, zu Deutschland?

Es wurde außerdem gemeldet: Schäuble will die Steuern senken für die mittleren Einkommen.
Nach 1017.

Neues auch von der Kundenanimation: „#ImPerfekt“. Obwohl der Imperfekt out ist.

Kachelmann

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Der Rechtsstreit, den der als vermutlich unschuldig freigesprochene Kachelmann gegen die BILD-Zeitung anstrengt über die Höhe einer Entschädigung wegen gerichtlich festgestellter Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte durch die BILD-Zeitung, geht, wie man hört, in die Revision.
Zugesprochen wurden ihm 635 000 Euro, Kachelmann jedoch will 950 000 Euro, und die BILD-Zeitung will nicht zahlen. Und das sieht man am Wetter.

Wie die Kanzlerin und das Wahre, die Ölindustrie und die Enegieriesen, die Wohnungsvermieter und die Preisentwickler meint auch die BILD-Zeitung, wir schaffen das? Wir halten dieses Sauwetter noch eine kleine Weile, also nur vielleicht höchstens noch den Sommer über aus?

Alles Maß und jede Bindung scheint zum Schicksal modernisiert und deren Bestimmung Gott zugeeignet worden zu sein; der Mensch mag denken, was er will, Gott lenkt und trägt die Verantwortung – wenn mit einer ebenso unauffälligen wie farblosen Revolution die Freiheit der Kraftstoffpreise von jeder Bindung erkämpft worden und vieles andere von Bindung, Maß und Halt plötzlich frei, losgelassen oder losgkommen ist, sollte allein das Wetter noch an Jahreszeiten gebunden, die Temperatur ihm noch ein Maß geblieben sein?

Kachelmann war ARD- Wetter-Frosch, wurde im Zuge des Vorwurfes, eine Vergewaltigung begangen zu haben, entlassen – nach seinem Freispruch rehabilitiert und wieder eingestellt? Nein.
Woran fühlt die ARD sich gebunden? Woran eigentlich fühlen die öffentlich-rechtlichen Anstalten sich leichthin so streng gebunden wie die Bürger an die Pflicht, Rundfunkgebühren zu zahlen, diese Frage steht ohnehin.
Kachelmann moderierte eine Talk-Show – auch hier weg mit ihm und kein Pardon. Es bleibt eben immer etwas hängen.
Die BILD-Zeitung, die niemand liest, hat Kachelmann durch einen Dreck gezogen, der, wie sich herausstellte, der ihre war. Sie hat dessen Persönlichkeitsrechte derart missachtet, dass ihm nicht nur Freispruch, sondern auch Anspruch auf Entschädigung zuerkannt werden musste.
Woran fühlte sich die BILD-Zeitung gebunden, was war ihr Maß?
Hätte sie sich nicht an ein Maß gebunden fühlen müssen, dessen Einhaltung zumindest sichert, dass nach einem Freispruch Kachelmanns, dem sie einen Respekt nicht mehr erweisen zu müssen glaubte, weil er der Vergewaltigung angeklagt war, nicht sie selbst verurteilt wird – nicht wegen Vergewaltigung, doch näher dran an jener Schande, die sie als ihr gefundenes Fressen verkauft hat.
Kachelmann hat das Höchstmaß dessen bekommen, was das Gesetz bei Unschuldsvermutung vorsieht: Freispruch, BILD wurde verurteilt. Freilich, nun wird niemand sie mehr lesen –

Wird es Frühling? Immerhin seit dem Tag, an dem Kachelmanns Revision verhandelt wurde, vorigen Donnerstag. Das spricht für Optimismus.
Gewiss hat das Göttliche, dem allgemeinen Trend folgend, das Wetter aus Diktatur und Abhängigkeit in die Freiheit entlassen, womöglich nach Sturz, wer wird es genau wissen, und so hat es sich Kachelmann angeschlossen. Gern ließ es sich von ihm voraussagen, erklären, deuten, besonders im Öffentlich-Rechtlichen.
Was Deutung und Erklärung der Großwetterlage betrifft, ist das Öffentlich-Rechtliche eine Heimstatt. Niemand ist so frei wie sie, zu erklären Freiheit, Demokratie, Rechte, gelegentlich auch Linke, und für die Erklärung dessen, was gerade geschieht, hält es Heerscharen Experten. Ebenso hält es sie an, vorauszusagen, was geschehen könnte, wenn usw., wie ja auch der Wetterhahn durch Krähen auf dem Mist kompetent darüber informiert, dass das Wetter sich ändert, oder es bleibt, wie´s ist.
Das Öffentlich-Rechtliche hat gern Freiheit in gesicherten Verhältnissen, wie das Wetter auch. Der Alternativlosigkeit hängt es genauso an wie das Wetter, für das und zu dem es ohne jeden Zweifel keine Alternative gibt.
Alles aber muss sich an etwas halten, selbst die Realität.
Das Öffentlich Rechtliche hat beschlossen, sich an die Kanzlerin zu halten, das Wetter hat beschlossen, ich halte mich an Kachelmann. Auch das in Treue fest, zumindest solange – nunja, die BILD-Zeitung soll zahlen, was sie verdient hat!
Denn so leer vom Kachelmann die Kass, wird der Maien kalt und nass,
soll der Sommer uns versöhnen, will das Wetter, BILD muss löhnen,
und den Alpen wieviel Schnee? – schau Kachelmann ins Portmonee!