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Auf die Fresse

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WELT N24, 23.12.2017:

»Nahles kritisiert Zustand der SPD

Franktionschefin warnt Partei vor Schönreden der Situation

SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles ist unzufrieden mit dem Zustand ihrer Partei.
In einem Interview mit dem ‚Spiegel‘ warnte Nahles die Genossen davor, die eigene Lage schönzureden und sich vor Regierungsverantwortung zu drücken. ‚Manche folgen dieser Sehnsucht nach einer bequemen Nische, in der die SPD machen kann, was sie will‘, kritisierte sie. ‚Diese Sehnsucht habe ich auch mal geteilt, bis ich gemerkt habe, dass es so nicht funktioniert.‘
Nahles übte Kritik am innerparteilichen Diskurs:
‚Ich habe auf unserem letzten Parteitag gesessen und gedacht: Die SPD muss schwer aufpassen, dass sie ihre eigene Identität noch durchbuchstabieren kann.‘
Es helfe nicht, nur Maximalpositionen zu besetzen.
Die SPD müsse auch ein Angebot an Leistungsträger machen.
‚Zu den Genen unserer Partei gehört neben der Solidarität auch, dass wir uns an Arbeit und Leistung orientieren und nicht nur an staatlicher Umverteilung wie die Linkspartei‘, sagte Nahles.
Die Fraktionschefin fordert ihre Partei dazu auf, die Schuld für die eigene Lage nicht bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu suchen.
‚Nach dieser Logik brauchten wir ja nur abzuwarten, bis Merkel weg ist – und schon ginge es uns automatisch besser. Das wäre naiv.‘
«

Eigentlich unnötig, das zu kommentieren.
»Auf die Fresse.« würde als Überschrift an und für sich genügen. Der Nahles in Fresse und Gedächtnis zurück, was sie selbst ausgewürgt hat nach der Wahl und nachdem die SPD erklärt hatte, ab heute Opposition.
Es würde zwar kaum genügen, den ersten Ekel loszuwerden … wenn…ja, wenn es Kurt Tucholskis »Ein älterer, aber leicht besoffener Herr« nicht gäbe, erschienen unter Pseudonym Kaspar Hauser am 09.09.1930 in DIE WELTBÜHNE, Nr. 37, Berliner Dialekt; hier ein Stückchen daraus, besonders beachtlich die ewige schlichte Wahrheit am Ende:

»Denn wak bei die Sozis.
Na, also ick bin ja eijentlich, bei Licht besehn, ein alter, jeiebter Sosjaldemokrat. Sehn Se mah, mein Vata war aktiva Untroffssier … da liecht die Disseplin in de Familie. Ja. Ick rin in de Vasammlung. Lauta klassenbewußte Arbeita wahn da: Fräser un Maschinenschlosser un denn ooch der alte Schweißer, der Rudi Breitscheid. Der is so lang, der kann aus de Dachrinne saufn. Det hat er aba nich jetan – er hat eine Rede jehalten.
Währenddem dass die Leute schliefen, sahr ick zu ein Pachteigenossn, ick sahre: »Jenosse«, sahre ick, »woso wählst du eijentlich SPD –?«
Ick dachte, der Mann kippt mir vom Stuhl!
»Donnerwetter«, sacht er, »nu wähl ick schon ssweiunsswanssich Jahre lang diese Pachtei«, sacht er, »aber warum det ick det dhue, det hak ma noch nie iebalecht! – Sieh mal«, sachte der, »ick bin in mein Bessirk ssweita Schriftfiehra, un uff unse Ssahlahmde is det imma so jemietlich; wir kenn nu schon die Kneipe, un det Bier is auch jut, un am erschten Mai, da machen wir denn ’n Ausfluch mit Kind und Kejel und den janzen Vaein … und denn ahms is Fackelssuch … es is alles so scheen einjeschaukelt«, sacht er.
»Wat brauchst du Jrundsätze«, sacht er, »wenn dun Apparat hast!«
Und da hat der Mann janz recht.
Ick werde wahrscheinlich diese Pachtei wähln – es is so ein beruhjendes Jefiehl.
Man tut wat for de Revolutzjon, aber man weeß janz jenau: mit diese Pachtei kommt se nich.«

Ja, die klassenbewussten Arbeita gibts nicht mehr und so hat die SPD ihre Klasse verloren – oder wars irgendwie andersrum? Aber man kanns drehen wie mans will, es wäre naiv.
Die Revolutzjon ist bis vor kurzem nicht gekommen, ooch mit Nahles nich, sondern man konnte sicher sein, dass mit ihr die Revolutzjonierung der staatlichen Umverteilung ooch janz bestimmt nich kommt.
Nachdem sie Sozialministerin gewesen ist, sitzt sie nun bei der SPD im Saal und stellt fest, dass ihre Partei aufpassen muss, ihre Identität noch durchbuchstabieren zu können. Kein Wunder.
Die SPD scheint ihre Identität mit Nahles durchzubuchstabieren, also LustigLustig Trallallallala hoch auf der gelben Sozialpolitik.
Tatsächlich kann richtig sein, dass die Merkel nichts dafür kann. Und selbst wenn, würde es der SPD auch nichts nützen.
Die ärmsten der Armen werden nicht so naiv sein zu denken, die Nahles muss gehn, dann werde es vielleicht auch mal wieder ein bissel extra was zu Weihnachten geben oder wenijstens for ihre Jörn wat zun Fest. Nee.
Die ist das Gen, an dem die SPD irgendwie nicht genesen kann.

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Written by monologe

24. Dezember 2017 at 8:55 am

Trump in castellum

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»Die Menschen“, erklären uns unsere Politiker, »die Menschen haben Ängste. Ängste wegen der Globalisierung und Digitalisierung« (und die Globalisierung der Digitalisierung), »die Welt wird immer komplizierter, die Menschen fürchten Veränderungen, Kontrollverlust, sehen ihre Besitzstände in Gefahr, verlieren das Vertrauen in Politik, Demokratie und Rechtsstaat; man müsse sie ›mitnehmen‹« und so weiter und so weiter.
Das mag realistisch sein; wie richtig es ist, mithin wie falsch, das erfahren die Politiker allerdings nicht in den Städten tags und nachts.
Sie beziehen ihre Realität nicht von der Wirklichkeit.
Es ist die Wirklichkeit, in der stets nur »die Menschen« von den Tatsachen eingeholt werden.

Wie kompliziert die Welt tatsächlich ist, wieviele Ängste, Verunsicherung, Vorurteile, Visionen, Feindbilder, Theorien sich durchaus »entwickeln« können, welch irrationale, hysterische Reaktionen, Psychosen, Phobien, Ausfälle, Tiraden, Furcht vor Veränderungen, vor Besitzstandsverlusten, vor »Unberechenbarkeit« möglich sind, welche Furie auffährt, um sie mit all dem digital zu kollektivieren, davon überrascht (und natürlich »mitgenommen«, niemand, den man noch staunend stehen lassen wollte) sind »die Menschen« nun ausnahmsweise einmal von den Real-Politikern seit TRUMP gewählt worden ist, ja, seit die Chance bestand, dass er gewählt werden könnte.
Niemandem, keinem »Gefährder«, wurde in jüngster Zeit in Deutschland soviel Misstrauen zuteil, Vorurteil, an Wände geradezu mexikanischen Ausmaßes gemalte Teufel als TRUMP, niemandem schlossen sich Undichtigkeiten und Grenzen so dicht wie für ihn.

Heute nun wird er vereidigt und tritt »das Amt« an. Der Eifer der deutschen Berichterstatter hebt den Magen aus der Missstimmung.

Was immer kommen mag: das, was gewesen ist, ist es schon wert.

Written by monologe

20. Januar 2017 at 4:35 pm

Aus dem Zentralrat

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Wir Deutschen haben keinen Humor; wo es nötig wäre, lachen wir trotzdem nicht. Jedenfalls nicht überparteilich und unabhängig.
Wir müssen zum Lachen gebracht werden.
Es gibt immerhin noch die unfreiwillige Komik. Die haben wir, die bleibt uns.

Eine Institution gibts, deren Vorsitzender in deren Namen dieser Komik sogar immer noch einen draufgibt, obwohl sie/er selbst keinen Spaß versteht, und vermutlich den ganz besonders nicht, den er versteht.
Die Institution heißt Zentralrat der Muslime, deren Vorsitzender, ein Herr Mazyek, sich nun, das meldet tagesschau.de, zur Lage der Nation nach den Ereignissen Anfang 2016 in Köln, Hamburg und sonstwo folgendermaßen geäußert hat:
Der braune Mob tobt in den sozialen Medien, sieht seine Vorurteile bestätigt und endlich die Chance, seinen Hass auf Muslime, Ausländer, Andersaussehende und Andersdenkende freien Lauf zu lassen.“

Die unfreiwillige Komik besteht nun darin, dass der Herr Mazyek zwar mit Recht von einem „braunen Mob“ spricht, sich aber veranlasst sieht, sicher zu stellen, dass jeder versteht, jener braune Mob ist gemeint, der „in den sozialen Medien tobt“.
Damit hat er den Spaß getroffen, den er selbst nicht versteht (wiewohl auch da der deutsche Humor versagt).

Es ging nicht anders! Herr Mazyek musste wahrscheinlich von sich selbst unbemerkt ausdrücklich sagen „der Mob in den sozialen Medien“, sonst hätte es ja womöglich zu einer Verwechslung kommen können mit einem allerdings anders „braunen“ Mob, der sich in der Silvesternacht ebenso spontan wie überraschend verabredet hatte auf der Domplatte und in andern Städten, um auch zu toben.
Man kannte bislang nur jenen, diesen hatte man, das war einstimmig zu hören gewesen, bis dahin noch nicht erlebt.

Es ist der Mob, der, sagen wirs offen, dem braunen Mob, den Herr Mazyek meint, nicht nur die Vorurteile bestätigt zu sehen ermöglicht hat, sondern auch, seinem Hass freien Lauf zu lassen.
Böse, wer Schelm dabei denkt, aber auch da gilt es, Vorurteile zu vermeiden wie die Zuweisung von Verantwortung.

Die Frage nach der Objektivität, der Verhältnismäßigkeit, gar nach der Mäßigkeit, ja, bei wem der Herr Mazyek sich da eigentlich beklagt, scheint sich nicht zu erheben.
Wo er Recht hat, hat er Recht und je mehr, desto mehr, um nicht weniger scheints ihm zu gehen.

Sicher wird sich die Frage erheben, ob es rassistisch ist, einen Mob von Menschen brauner Hautfarbe „braunen Mob“ zu nennen. Da berichtet wird, dieser Mob habe sowohl aus Nordafrikanern, als auch aus irgendwie arabisch aussehenden jungen Männern bestanden, sollte man ihn vielleicht „farbigen Mob“ nennen, oder, wenns einem nicht farbig genug ist, „bunten Mob“?
Oder trifft es „Mob der Andersaussehenden und Andersdenkenden“ am besten?

Vielleicht darf man darüber auch anders denken? Etwa, dass es ein „muslimischer Mob“ gewesen ist, immerhin eine nicht ungewöhnliche Erscheinung, der – ja, was denn nur – freien Lauf ließ?
„Rassistische und antimuslimische Haltungen nähmen seit einer ganzen Weile zu. Ereignisse wie in Köln fachten die Islamfeindlichkeit weiter an, weil Muslime dann unter Generalverdacht gestellt würden.“ zitiert tagesschau.de Herrn Mazyek.
Offenbar steht tatsächlich jeder Mob unter dem Verdacht des Generals, dieser wie jener (tagesschau.de versucht so kurz vorm Karneval verzweifelt, mittels eines spezifisch kölschen Konjunktivs die Atmosphäre aufzulockern, so entstehen im Durcheinander zumindest zunehmende Haltungen).

Das mag ja alles sein und schön und gut, aber wenn der Leser, der einfache Mann, wenn die Menschen nun wissen wollen, was das für Leute waren an Silvester und – man möchte es doch irgendwie verstehen – was sie sich dabei gedacht haben, welchen Hintergrund -?
Mazyek laut tagesschau.de:
Im Islam sei es eine große Sünde, Frauen zu belästigen oder gar zu vergewaltigen.“
Das beruhigt.

Zunächst. Aber, wenn man mal fragen darf: tut mans dann eben nicht „im“, sondern außerhalb des Islam, wo es eventuell nur eine Straftat ist?
Wie die Russen damals ´45, die es auch weniger daheim taten, als mehr woanders, worauf die Generalität allerdings anders reagiert hat – weil, damals hatte man noch die Auswahl, a.) ein Angehöriger der Roten Armee, b.) ein Bürger der Sowjetunion, c.) ein Kommunist oder d.) einer, der nicht verbannt oder erschossen werden will, sowas nicht tut?

Man kann Muslime beim Thema der Zwangsverheiratungen, Beschneidungen, der generellen Zuweisung allgemeiner Minderwertigkeit weiblicher Geschöpfe gewiss nicht allesamt unter Generalverdacht stellen, doch Herrn Mazyek soll gesagt sein, dass Frauen nicht zu belästigen und gar nicht zu vergewaltigen weniger mit irgendeiner Religion zu tun hat als vielmehr mit etwas, was für zivilisierte Menschen eine, nun, sagen wir Selbstverständlichkeit ist und, so es irgendwer noch dazu mit größerer Selbstverständlichkeit doch täte, zumindest eine Schande genannt werden dürfte – und müsste?
Besonders, wenn begründeter Verdacht besteht, dass ein Muslim, gar ihrer mehrere dergleichen getan haben?

Oder ist da der Verdacht auf bösen Generalverdacht „gegen“ die Muslime, das Bestätigtsehen gewisser Vorurteile, zunehmende Haltungen vordringlich hinderlich?, der braune Mob im Wege?

Woran hat Herr Mazyek gedacht?, an Kontenance, Würde, Friede, Liebe?
Vielleicht ist daran nicht zu denken, verbietet es sich, an Schande zu denken, davon zu sprechen, wo er doch Recht hat – wem denn zu sprechen, vor wem denn sich fremdschämen?: einem nazibraunen Sauhaufen, dem Hass auf alles, wo rassistisch und antimuslimisch geradezu in eins gehen, da selbst der Anständigste, und nur der, verführt wird zu Sünd und Missetat, und keinen Anstand nicht lernt und nicht Wahrhaftigkeit, noch was gut und richtig, sodass das Schlimmste kaum mehr verhindert werden kann: die falsche Orientierung?
Von der man auch nicht weiß, welche das ist.

Woran Herr Mazyek immerhin noch gedacht hat, und was man nicht gedacht hätte nach all dem:
„Sein Verband wolle den zunehmenden Ressentiments mit Aufklärung und Besonnenheit entgegentreten.
soll er gesagt haben.

Schön, doch mit Angabe der entsprechenden Suren aus dem Koran, worin die Belästigung von Frauen (im Allgemeinen!), ihre Vergewaltigung sowie eventuell ihre Züchtigung zu großen Sünde erklärt werden, wäre der entgegentretenden Aufklärung und Besonnenheit schon viel, vielleicht mehr getan gewesen.
Denn die die großen Sünden begangen haben und bei der Gelegenheit auch Raub und Diebstahl, die habens wohl nicht besser gewusst, sonst hätten sies nicht getan. Es hatte nur mit einem an Glaubensfreiheit grenzenden Anspruch zu tun, dass das, wers kann und macht, dürfen muss.
Es ist eine Frage der Bildung und Aufklärung, die diesmal zu spät kam. Wir wissen es.
Es war ein Missverständnis. Sie hatten Integration falsch verstanden.
Sie hatten sich so irre frei gefühlt. Alles war möglich! Wir! Es war wie – Revolution!

Und ist das nicht auch ein weiterer Beweis dafür, wie attraktiv unser Land ist und unsere Frauen sind und unser – Leben?

Vorerst wurde die Telefonanlage abgestellt.

Written by monologe

12. Januar 2016 at 8:00 pm

Aphorismus – 48

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Heute ist einfach alles Kunst, besonders, wenn es keine ist, sie zu machen. Es ist darum ebenso gut möglich wie unmöglich geworden, keine zu machen.

Written by monologe

22. November 2014 at 10:36 am

Aphorismus – 47

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Giebt Leider keine verblödung ohne Tristesse bei aller Begeistrung über das wie, leicht mann ein Dummen findet, is es noch ein wunder was er denkt is egal seins glücks schmied, is doch jeder selber?

Frauenquote

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Die Bosse wehren sich gegen die Frauenquote. Das ist überaus verständlich. Ihr Hauptargument, Qualifikation und Eignung müsse Voraussetzung bleiben für den Aufstieg in entsprechende Etagen, Positionen und Stellungen in ihren Unternehmungen und Etablissements, ist, wenn man genau hinsieht, stichhaltig und unabweislich.
Denn eine Frauenquote dort ist wie in ihren Bordellen eine Männerquote.

11.11. Dreizehn

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Fastnacht. Wäre da mit Rücksicht auf Bekenntnisfreiheit und Persönlichkeitsrecht nicht dringend auch einiges zu reformieren? Statt aufwändige Verkleidungen die Masken fallen lassen? Höchste Zeit?
Nein, nein, das hieße ja, die Fastnacht würde Alltag. Im Wandel der Zeiten ist sie doch beinahe die einzige Gelegenheit noch für den inneren Schweinehund in Menschenkleidern, einmal etwas anderes darzustellen und so die Sau raus zu lassen.

Written by monologe

11. November 2013 at 6:53 pm