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Aus dem Zentralrat

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Wir Deutschen haben keinen Humor; wo es nötig wäre, lachen wir trotzdem nicht. Jedenfalls nicht überparteilich und unabhängig.
Wir müssen zum Lachen gebracht werden.
Es gibt immerhin noch die unfreiwillige Komik. Die haben wir, die bleibt uns.

Eine Institution gibts, deren Vorsitzender in deren Namen dieser Komik sogar immer noch einen draufgibt, obwohl sie/er selbst keinen Spaß versteht, und vermutlich den ganz besonders nicht, den er versteht.
Die Institution heißt Zentralrat der Muslime, deren Vorsitzender, ein Herr Mazyek, sich nun, das meldet tagesschau.de, zur Lage der Nation nach den Ereignissen Anfang 2016 in Köln, Hamburg und sonstwo folgendermaßen geäußert hat:
Der braune Mob tobt in den sozialen Medien, sieht seine Vorurteile bestätigt und endlich die Chance, seinen Hass auf Muslime, Ausländer, Andersaussehende und Andersdenkende freien Lauf zu lassen.“

Die unfreiwillige Komik besteht nun darin, dass der Herr Mazyek zwar mit Recht von einem „braunen Mob“ spricht, sich aber veranlasst sieht, sicher zu stellen, dass jeder versteht, jener braune Mob ist gemeint, der „in den sozialen Medien tobt“.
Damit hat er den Spaß getroffen, den er selbst nicht versteht (wiewohl auch da der deutsche Humor versagt).

Es ging nicht anders! Herr Mazyek musste wahrscheinlich von sich selbst unbemerkt ausdrücklich sagen „der Mob in den sozialen Medien“, sonst hätte es ja womöglich zu einer Verwechslung kommen können mit einem allerdings anders „braunen“ Mob, der sich in der Silvesternacht ebenso spontan wie überraschend verabredet hatte auf der Domplatte und in andern Städten, um auch zu toben.
Man kannte bislang nur jenen, diesen hatte man, das war einstimmig zu hören gewesen, bis dahin noch nicht erlebt.

Es ist der Mob, der, sagen wirs offen, dem braunen Mob, den Herr Mazyek meint, nicht nur die Vorurteile bestätigt zu sehen ermöglicht hat, sondern auch, seinem Hass freien Lauf zu lassen.
Böse, wer Schelm dabei denkt, aber auch da gilt es, Vorurteile zu vermeiden wie die Zuweisung von Verantwortung.

Die Frage nach der Objektivität, der Verhältnismäßigkeit, gar nach der Mäßigkeit, ja, bei wem der Herr Mazyek sich da eigentlich beklagt, scheint sich nicht zu erheben.
Wo er Recht hat, hat er Recht und je mehr, desto mehr, um nicht weniger scheints ihm zu gehen.

Sicher wird sich die Frage erheben, ob es rassistisch ist, einen Mob von Menschen brauner Hautfarbe „braunen Mob“ zu nennen. Da berichtet wird, dieser Mob habe sowohl aus Nordafrikanern, als auch aus irgendwie arabisch aussehenden jungen Männern bestanden, sollte man ihn vielleicht „farbigen Mob“ nennen, oder, wenns einem nicht farbig genug ist, „bunten Mob“?
Oder trifft es „Mob der Andersaussehenden und Andersdenkenden“ am besten?

Vielleicht darf man darüber auch anders denken? Etwa, dass es ein „muslimischer Mob“ gewesen ist, immerhin eine nicht ungewöhnliche Erscheinung, der – ja, was denn nur – freien Lauf ließ?
„Rassistische und antimuslimische Haltungen nähmen seit einer ganzen Weile zu. Ereignisse wie in Köln fachten die Islamfeindlichkeit weiter an, weil Muslime dann unter Generalverdacht gestellt würden.“ zitiert tagesschau.de Herrn Mazyek.
Offenbar steht tatsächlich jeder Mob unter dem Verdacht des Generals, dieser wie jener (tagesschau.de versucht so kurz vorm Karneval verzweifelt, mittels eines spezifisch kölschen Konjunktivs die Atmosphäre aufzulockern, so entstehen im Durcheinander zumindest zunehmende Haltungen).

Das mag ja alles sein und schön und gut, aber wenn der Leser, der einfache Mann, wenn die Menschen nun wissen wollen, was das für Leute waren an Silvester und – man möchte es doch irgendwie verstehen – was sie sich dabei gedacht haben, welchen Hintergrund -?
Mazyek laut tagesschau.de:
Im Islam sei es eine große Sünde, Frauen zu belästigen oder gar zu vergewaltigen.“
Das beruhigt.

Zunächst. Aber, wenn man mal fragen darf: tut mans dann eben nicht „im“, sondern außerhalb des Islam, wo es eventuell nur eine Straftat ist?
Wie die Russen damals ´45, die es auch weniger daheim taten, als mehr woanders, worauf die Generalität allerdings anders reagiert hat – weil, damals hatte man noch die Auswahl, a.) ein Angehöriger der Roten Armee, b.) ein Bürger der Sowjetunion, c.) ein Kommunist oder d.) einer, der nicht verbannt oder erschossen werden will, sowas nicht tut?

Man kann Muslime beim Thema der Zwangsverheiratungen, Beschneidungen, der generellen Zuweisung allgemeiner Minderwertigkeit weiblicher Geschöpfe gewiss nicht allesamt unter Generalverdacht stellen, doch Herrn Mazyek soll gesagt sein, dass Frauen nicht zu belästigen und gar nicht zu vergewaltigen weniger mit irgendeiner Religion zu tun hat als vielmehr mit etwas, was für zivilisierte Menschen eine, nun, sagen wir Selbstverständlichkeit ist und, so es irgendwer noch dazu mit größerer Selbstverständlichkeit doch täte, zumindest eine Schande genannt werden dürfte – und müsste?
Besonders, wenn begründeter Verdacht besteht, dass ein Muslim, gar ihrer mehrere dergleichen getan haben?

Oder ist da der Verdacht auf bösen Generalverdacht „gegen“ die Muslime, das Bestätigtsehen gewisser Vorurteile, zunehmende Haltungen vordringlich hinderlich?, der braune Mob im Wege?

Woran hat Herr Mazyek gedacht?, an Kontenance, Würde, Friede, Liebe?
Vielleicht ist daran nicht zu denken, verbietet es sich, an Schande zu denken, davon zu sprechen, wo er doch Recht hat – wem denn zu sprechen, vor wem denn sich fremdschämen?: einem nazibraunen Sauhaufen, dem Hass auf alles, wo rassistisch und antimuslimisch geradezu in eins gehen, da selbst der Anständigste, und nur der, verführt wird zu Sünd und Missetat, und keinen Anstand nicht lernt und nicht Wahrhaftigkeit, noch was gut und richtig, sodass das Schlimmste kaum mehr verhindert werden kann: die falsche Orientierung?
Von der man auch nicht weiß, welche das ist.

Woran Herr Mazyek immerhin noch gedacht hat, und was man nicht gedacht hätte nach all dem:
„Sein Verband wolle den zunehmenden Ressentiments mit Aufklärung und Besonnenheit entgegentreten.
soll er gesagt haben.

Schön, doch mit Angabe der entsprechenden Suren aus dem Koran, worin die Belästigung von Frauen (im Allgemeinen!), ihre Vergewaltigung sowie eventuell ihre Züchtigung zu großen Sünde erklärt werden, wäre der entgegentretenden Aufklärung und Besonnenheit schon viel, vielleicht mehr getan gewesen.
Denn die die großen Sünden begangen haben und bei der Gelegenheit auch Raub und Diebstahl, die habens wohl nicht besser gewusst, sonst hätten sies nicht getan. Es hatte nur mit einem an Glaubensfreiheit grenzenden Anspruch zu tun, dass das, wers kann und macht, dürfen muss.
Es ist eine Frage der Bildung und Aufklärung, die diesmal zu spät kam. Wir wissen es.
Es war ein Missverständnis. Sie hatten Integration falsch verstanden.
Sie hatten sich so irre frei gefühlt. Alles war möglich! Wir! Es war wie – Revolution!

Und ist das nicht auch ein weiterer Beweis dafür, wie attraktiv unser Land ist und unsere Frauen sind und unser – Leben?

Vorerst wurde die Telefonanlage abgestellt.

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Written by monologe

12. Januar 2016 at 8:00 pm

Paradigma

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„Hinterher ist man immer schlauer“ ist in diesen Tagen global scheiternder Politik von den Politikern öfter zu hören.
Wir werden uns daran gewöhnen müssen, es künftig noch öfter zu hören, und es wird uns als die selbstverständlichste Sache der Welt erscheinen, auf der wir nun einmal nicht zu denen gehören, die vorher klüger sein müssen, da es jedenfalls auch nicht genügt, immer hinterher schlauer zu sein, wenn man nicht klüger werden kann als zuvor.
Das könnte nur Realität werden, wenn es der Wirklichkeit entspricht.
Außenpolitik als Wunschkonzert mit Sonntagsreden ist erhebend, inspirierend, anregend; für den, der die Wirklichkeit kennt, wäre sie sonst vielleicht ohne weiteres entmutigend.
Wahr soll nur bleiben, dass jedes Konzert einmal zu Ende ist. Auch innenpolitisch.

Es ist ein gewendeter Fatalismus: ist man hinterher schlauer, hat das nicht unausweichlich zur Folge, dass man zuvor dumm sein wird.

Es handelt sich darum, von der Wirklichkeit so wenig anerkennen zu müssen wie nur möglich und weitestgehend unabhängig von ihr real zu existieren.

 

Wulff sein Prozess

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Dass er sich Bequemlichkeiten bieten ließ war amtlich unvermeidlich, dass er eine Hand wäscht die andere ausgeübt haben könnte, wem sollte es nicht an und für sich beispiellos unanständig, ja ungewöhnlich skandalös erscheinen, falls mans ihm nachweisen/nicht nachweisen könnte?
Falls ihm aber nachgewiesen werden könnte, dass er sich im GEGENZUG für die Förderung eines Kultur-Projektes einsetzen wollte, das stellte im Sinne unsicher sich entwickelnder Kulturpolitik dann doch einen Umsturz dar der sittlich repräsentativen Moderne auf die kurzen Beine der außerhalb des Rahmens stehenden Unverhältnismäßigkeit von Sexismus und, ja, Armut.
Wann und wo findet man denn schon einen Filmemacher, der zu zahlen im Stande ist, dass man sich einsetzt für auch mal ein bestechend markantes Projekt der Neuen Avancegarde des kritischen Realismus?
Wehe ihm!

Aber die Verwirklichung des Projektes ist schon jetzt sowas von gelungen!

Aphorismus 43

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Altersdemenz ist oft ein natürlicher Ausgleich für den Verlust bewusster Ignoranz.

Written by monologe

1. Dezember 2013 at 12:50 pm

Aphorismus 42

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Gestern ist Lebenstraum.

Written by monologe

29. November 2013 at 7:38 am

Frauenquote

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Die Bosse wehren sich gegen die Frauenquote. Das ist überaus verständlich. Ihr Hauptargument, Qualifikation und Eignung müsse Voraussetzung bleiben für den Aufstieg in entsprechende Etagen, Positionen und Stellungen in ihren Unternehmungen und Etablissements, ist, wenn man genau hinsieht, stichhaltig und unabweislich.
Denn eine Frauenquote dort ist wie in ihren Bordellen eine Männerquote.

Der Grund

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Er stand vor dem Herrgott. Der Hergott sah anders aus, als er es sich gedacht hatte.
Welche Vorstellung macht man sich von „unendlich“? Wenn das Weltall ein Organismus ist, das ist „unendlich“.

Er stand also vor dem Herrgott, und der fragte ihn:
„Gibts kein Land, keinen Ort auf dieser – wie hieß das noch – Erde, an dem Hindus, Buddhisten, Moslems, Gläubige aller Religionen, Christen friedlich zusammenleben?“,
„ Nein, gibts nicht.“,
„Warum nicht?“,
„Lieber Gott, es sind Menschen!“,
„Achje.“