MonoLoge

Mit Schmerz und Pathos

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Ach ja, die Türkei. Schnauft durchs Dorf.
Auch da steht allerhand auf dem Prüfstand wie überall auf der Welt, wo die letzten Hemmnisse totaler Freiheit fallen, besonders die, die der totalitäre Islam sich nimmt zu ihrer Verhinderung, während die Christenheit so frei ist, die Waffen, die angesagte Söldner-Mode, die populäre Ballerkultur, die Größe, das mentale, weltanschauliche, geistige Rüstzeug, sogar die Bundeswehr-Ausbildung beizusteuern.

Bei uns in Deutschland haben es die Freiheiten naturgemäß schwerer gegen die Hemmnisse, die ihr der ihnen eigene freie Geist einstmals gesetzt hat.
Der scheint überholt.
Der rechte Mann am rechten Ort, wenn er die rechten Worte findet, hat es darum gelegentlich erstaunlich leicht, eine Beseitigung populär zu machen. Dafür ein Beispiel bot der Schauspieler und nun wahrhaftig Freisturmführer Schweiger, als er mit der Näselung seiner(?) Idee, das Abseits im Fußball abzuschaffen, spontan Beifallssturm auslöste: ›Was issen das für ne Scheiße mit dem Abseits? Weg damit und die Post geht ab!‹ so ähnlich hat er prognostiziert.
Und Recht hat er.

›Weg damit!‹ scheint nicht nur Schweigers Überholspur zu ziehen. Auch in der Türkei steht ein Abseits zur Disposition: das Abseits, in dem sich die Todesstrafe befindet, mithin das ehrbare henkende Handwerk.
Wirklich sind die entsprechenden Bedürfnisse derer, denen die sensiblen, waffenstarrenden Neuherrenmenschen im Kampf gegen das Böse und den Feind vorstehen und die Notwehr verrichtend vorangehen, übermächtig geworden, in den schwersten Stunden nicht unehrenhaft tatenlos, ja heldentatenlos daneben zu stehen.

Welt und Scheinwelt sind ohne das Totmachen kaum mehr denkbar, der Feinde sind Heerscharen, Totenkopf Folklore, die Knäste übervoll, Prügel, Folter, das Recht des Stärkeren, der Rufmord, die tödliche Beleidigung der Ehre sind Hochkultur, da kann der Staat kaum mehr hintanstehen, kurz, die Wiedereinführung der Todesstrafe ist, passend wie aufs Auge, überfällig und gottgewollt die natürliche Auslese.
Sie könnte, gefordert vom rechten Mann am rechten Ort, erstaunlich leicht einzuführen sein. Nur geht es nicht um den Geschmack an einer geilen neuen Rekordanzahl Toter in einem deutschen „Tatort“.
Eine so große Sache und Prüfung wie die Todesstrafe darf aus irgendeinem Grund nicht eine hochkandidelte Hochnasen-Kakasana mit einer seiner Gaumenfreuden erledigen, wie ›Was issen das für ne Scheiße, Todesstrafe verboten? Zum Henker mit den Hurensöhnen! Scheiß Menschenrechte! Fickt sie und ab geht die Post!, nein, die Einführung muss wie nachher das Henken selbst in einem heiligen Ernst in den Schoß der Demokratie gelegt und mit Schmerz und Pathos ausgetragen werden.

Erdogan, Präsident, hat also bestimmt, dass der Entscheid über eine Wiederinsfeldführung der Todesstrafe den Parlamentariern per Abstimmung über eine dementsprechende »Gesetzesvorlage« überlassen sein soll.
Vermutlich geschieht das in Respekt davor, dass man ja keine Diktatur hat.
Man will die Delinquenten halt umbringen, lebenslange Haft, Durchfüttern usw. genügt nicht.
Todesfälle, Abgänge nebenher, Erschießungen auf der Flucht, Selbstmorde, Epidemien, Brand- und Gewaltausbrüche im Gefängnis, Unfälle, Lebensmittelvergiftungen, wovon der Außenstehende nicht weiß, wie es sein kann und wers gewesen ist, jene all- und altbekannten besonderen Vorkommnisse im Umgang mit unberechenbaren, selbstmörderisch politischen, religiösen, ethnischen Widersachern, Abtrünnigen, Aufrührern, Separatisten, Verbrechern, Terroristen sind im kleinen Rahmen sicherlich kaum zu verhindern, bei größerem Aufkommen solcher bedauerlichen Einzelfälle jedoch können sogar an und für sich verbotene, unzulässige Zweifel an Glaubwürdigkeit und Seriosität aufkeimen.

Nach dem »Putsch«, auf den kaum jemand recht vorbereitet war oder gefasst schien (wie gewöhnlich bei Gottesgeschenken), muss und will man nun wohl auf das Allerschlimmste vorbereitet sein.
Niemand weiß, für wieviele Umstürzler, Volksfeinde, Beleidiger, Verräter, Untürken, Putschisten usw. in der nächsten Zeit die Todesstrafe unerlässlich werden könnte.
Auf unerwartet massenhaftes Aufkommen solcher Fälle heißt es vorbereitet sein. So hat der Präsident Erdogan vorausschauend für den Fall, die Staatsraison bekäme das Gefühl, die massenhafte Verhängung der Todesstrafe sei alternativlos, vorab deren konsequente Legalisierung ins Format demokratisch legitimierter, ordentlicher Hinrichtungen den Abgeordneten vertrauensvoll ans Herz gelenkt und gelegt.

Erdogan hat gemeint, er sei sicher, dass die Parlamentarier zustimmen werden, und man muss weder eine Kassandra noch ein Prophet sein, es als wahrscheinlich anzunehmen, dass die anständigen Türken dem »Gesetzentwurf« anstandslos zustimmen werden; auch die, die Todesstrafen in wessen Namen auch immer verhängen und vollstrecken dürfen, die Richter und die Henker, haben kaum je und nahe nirgendwo etwas dagegen gehabt.
Da kann man sich verlassen.
Die türkischen Abgeordneten könnten gewiss nicht zustimmen, wenn sie das Gefühl hätten, es werde sich um Mord handeln (dem hat Präsident Erdogan prinzipiell vorgebeugt, indem er etwa zum Thema Völkermord an den Armeniern mitgeteilt hat, dass Völkermord ein so schlimmes Verbrechen sei, dass es das türkische Volk nicht begangen haben kann).
Und Zustände wie in den westlichen Gefängnissen wird der türkische Parlamentarier auch nicht wollen.

Für die nachher von der Strafe Betroffenen und ihre Familien hat Erdogan keine Prognose.
Er kennt seine Pappenheimer. Tod, da wissen auch die, was man hat: für alle Beteiligten die ehrenvollste, beste, normalste, nachhaltigste Lösung.
All das ist für uns westliche Freunde und Verbündete natürlich beunruhigend.

Es bleibt nur zu hoffen, dass es kulturvoll zugeht, wozu sich Klaviesaiten besonders empfehlen.

Written by monologe

5. November 2016 at 6:53 pm

Almanach

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In hundert Jahren werd ich nicht mehr sein,
Das ist gewiss.
Nicht einmal mehr mein wirklich erstklassiges Gebiss
Wirds dann mehr geben.
Man geht nunmal dahin,
Wie alles, was geboren.

Was ich gewesen bin?
Verloren!
Armer Teufel, Dichter, dummes Schwein,
die werden alle ewig weiter leben;
Der Mensch – da kann man nicht so sicher sein.

 

©Martin Klingel 2016

Written by monologe

26. August 2016 at 12:02 pm

Veröffentlicht in Gedicht, Kunst, Leben, Literatur, Realität, Sprache

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Zustand, aber Ausnahme?

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„tagesschau24“ meldete heute:

Türkei: Erdogan verhängt dreimonatigen Ausnahmezustand.“,
Sekunden später:
Ausnahmezustand in der Türkei: Steinmeier fordert Begrenzung auf möglichst kurze Zeit.“,
der DONAUKURIER ergänzt: „…dann müsse er unverzüglich beendet werden.
außerdem:
Bei allen Maßnahmen, die der Aufklärung des Putschversuchs dienen, müssen Rechtsstaatlichkeit, Augenmaß und Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben.

Beschränkung auf möglichst kurze Zeit, gar unverzügliche Besinnung darauf, was Rechtsstaatlichkeit, insbesondere nicht die nach „Augenmaß“, ist von Steinmeier zu fordern scheint immerhin verhältnismäßig aussichtsloser.

Written by monologe

21. Juli 2016 at 12:32 pm

Inspiration

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Wahrscheinlich unmittelbar beeinflusst, inspiriert von „Die Mittagsbrezel“ des Bloggers Gerhard Mersmann, Form 7, hat sich heute Morgen folgendes zwischen zwei mir nahestehenden Menschen, Inhaber einer harmonischen Beziehung, abgespielt:

7:20 Uhr
Er (nachdem er seine Kaffeetasse an diesem Morgen selber weggetragen und ausgespült hat, was er sonst so gut wie nie tut):
Ich weiß, du hattest heute Morgen einige unsere Beziehung förderliche Aktivitäten zu unternehmen vor (sie lacht), das hab ich schon gemerkt, ich musste doch aber aufstehn. Für heute Morgen schon um Acht hat sich doch die Birte angemeldet.
Sie:  Aha.
Er:  Das hatte ich dir doch gesagt –
Sie:  Ja, erinnere mich schwach, im vorigen Jahr, vor zwei Jahren, dass du da –
Er:  Quatsch, da hab ichs ja noch gar nicht gewusst, dass sie heute – ach so. Ja, siehst du, genau, da kam sie auch, erinnere mich.
Sie:  Halb Acht.
Er:  Jaja, das schmeißt mir alles durcheinander. Okay, ich geh und präparier mich mal. (verschwindet im Bad)
Sie:  Was will sie denn?
Er:  (aus dem Bad) Schie bringt ihr Auto zur Durchsicht, kommt dann halt mal vorbei. Bringt wieder paar von die guten Eier mit.
Sie:  Eh-hm.
Er:  (Fertig) So. Zwanzig vor Acht. Kann ich ja noch schnell was lesen. (Laptop, während sie frühstückt, liest er) Haha –
Sie:  Was issn das?
Er:  Kann – ich dir – jetzt – auf die Schnelle – aber wieder – seeehr – interessant –
Sie:  Na, ich geh gleich auch los.
Er:  Bin gleich soweit – ha, die Kommentare immer –
Sie:  Ich geh los.
Er:  Kurz vor Acht. Kleinen Augenblick noch – das hat mich auf was gebracht.
Sie:  Jetzt das Lesen?
Er:  Genau. Heute kann den Leuten was geboten werden. Wart mal, bis die Birte klingelt.
Sie:  Nö, ich will ja vorher weg sein, sonst –
Er:  Also tschüss schonmal – (ein Abschied mit größtmöglichem Aufwand an ritualisierten Sympathie- und innigen Zusammengehörigkeitsbezeugungen zum Beweis, dass sich keine Abneigung, kein Ekel entwickelt hat. Es klingelt)
Sie:  Also tschüss dann, machs gut –
Er:  Jaja, ich komm ja mit.
Sie:  -?
Er:  Du gehst hinten raus, ich lass vorne die Birte rein – wenn das einer sieht. Das wird den Leuten gefallen. Das sieht gut aus.
Sie:  Ja, sehr schön – machs gut.

Written by monologe

1. Juli 2016 at 11:52 am

Veröffentlicht in Aktuelles, Anekdote, Humor, Kultur, Leben, Literatur, Realität, Sprache

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Idyll

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Nirgendwo,
wo ich lebe,
diesJenseits,
ein Ort,
wo ich die Luft bin
mir zum Atmen,
mein Leben zum Trinken
mir das Wasser
ist.

Wenn es nach denen hier ginge,
Gleichgültige,
Gleichmacher,
hätte ich kein Gedicht
in der Not,
in der es kein Wort gibt,
weil es ein Wort gibt,
keinen Blick,
weil es einen gibt:
leuchtend leer.

Aus dem Grauen wanderte ich ein
ins Menschenmorgenflaugrau
des bunten Einheitsglücks
Idyll mit Plüschbürger,
tapetenhäutige Hasser,
Mimen der Wilden
aus den am Himmel
aufgezogenen Regenwäldern.

©Martin Klingel 2016

Written by monologe

28. Juni 2016 at 8:28 am

Brex it

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Remember when you were young you shone like the sun
Shine on you crazy diamond
Now there’s a look in your eyes, like black holes in the sky
Shine on you crazy diamond
You were caught in the cross-fire of childhood and stardom
Blown on the steel breeze
Come on you target for faraway laughter
Come on you stranger
You legend, you martyr, and shine

You reached for the secret too soon
You cried for the moon
Shine on you crazy diamond

Threatened by shadows at night and exposed in the light
Shine on you crazy diamond
Well you wore out your welcome with random precision
Rode on the steel breeze
Come on you raver, you seer of visions
Come on you painter
You piper, you prisoner, and shine

Nobody knows where you are, how near or how far
Shine on you crazy diamond
Pile on many more layers and I’ll be joining you there
Shine on you crazy diamond
And we’ll bask in the shadow of yesterday’s triumph
And sail on the steel breeze
Come on you boy-child, you winner and loser
Come on you miner for truth and delusion, and shine!

Pink Floyd

Written by monologe

25. Juni 2016 at 5:51 pm

Aphorismus – 51

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Meist kann nur eine Epidemie uns die Ansteckung auslösen.

Written by monologe

13. Juni 2016 at 5:16 pm