MonoLoge

Archive for the ‘Träume’ Category

Idyll

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Nirgendwo,
wo ich lebe,
diesJenseits,
ein Ort,
wo ich die Luft bin
mir zum Atmen,
mein Leben zum Trinken
mir das Wasser
ist.

Wenn es nach denen hier ginge,
Gleichgültige,
Gleichmacher,
hätte ich kein Gedicht
in der Not,
in der es kein Wort gibt,
weil es ein Wort gibt,
keinen Blick,
weil es einen gibt:
leuchtend leer.

Aus dem Grauen wanderte ich ein
ins Menschenmorgenflaugrau
des bunten Einheitsglücks
Idyll mit Plüschbürger,
tapetenhäutige Hasser,
Mimen der Wilden
aus den am Himmel
aufgezogenen Regenwäldern.

©Martin Klingel 2016
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Written by monologe

28. Juni 2016 at 8:28 am

das verdorbene

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Sturz der Mitte
man soll
stehn bleiben
die Landschaft
giftgrün
wir bleiben
die vergiftete Mitte
auf der Achse umgestürzt
blutrot rot untergehend
sich reckend standhaft

Vater hat wen
uns geschickt?
den Sohn
die Mutter schwarz
das weiß der Mutige
dem Vogelvolk
herrlicher Opferer
in den Himmel verhängt.

© 2015 Martin Klingel

Written by monologe

21. November 2015 at 6:52 pm

Eine Bombenidee für Berlin

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Jemand hat verkündet (natürlich in einer Illustrierten), guter Geschmack hemme Kreativität, oder so ähnlich. Das ist ein Forschungsergebnis, das ohne weiteres einen Nobelpreis verdient.

Schneller als gedacht wurde nun die Kreativität durch schlechten Geschmack vorgeführt: Galgen jeweils für Frau Merkel und Herrn Gabriel sowie eine Guillotine blutverschmiert wurde in Dresden während einer PEGIDA-Demo in der Menge hochgehalten.
Schildchen waren an die Galgen gehängt, zu lesen darauf, wem symbolisch einer zugedacht.
Die Kreativität der Geschmacklosigkeit lässt an den Strängen solcher Galgen eindringlicher noch gelegentlich auch Puppen baumeln. Das war in Dresden immerhin nicht der Fall, dennoch einhellig die Meinung, das sei geschmacklos.

Die Frage ist nun, was wäre geschmackvoll gewesen?
Hätte der gute Geschmack hier kreativer oder ebenso kreativ sein können?
Hätte guter Geschmack dergleichen nicht vielmehr unzulässig gefunden, verhindert, sodass uns nie zugetragen und gezeigt worden wäre, was wir jetzt sehn, hören, erleben müssen in diesem Land an Hass und Gegenhass, Bosheit, Gemeinheit und Niedertracht einträchtig?
Wie weit das hinunter geht, so abgrundtief kann sich niemand mehr schämen.

Aber nun haben wirs und die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der Anstiftung zu einer Straftat.
Das wiederum hat eine weitere artverwandte Kreativinitiative gegen den Staatsanwalt ausgelöst.
Um die Courage des Zeigens des exekutiven geistigen Welterbes – nämlich Galgen und Fallbeil – vor dem zu bewahren, wovor ihr offenbar selbst das Fürchten kommt, hat man dem Staatsanwalt – so wurde gemeldet – mit einer auch für ihn schon geknüpften Schlinge, Erschießung, einem kommenden Tag der Abrechnung gedroht.

Da sollte man, das zeigt ein anderer Fall, ein scharfes Auge nun auf den Staatsanwalt haben. Er könnte Selbstmord verüben, besonders, wenn Depressionen erst hinterher erkannt werden.
Mit Nazis und Selbstmord gibts ja schon Erfahrungen.
In den 30er Jahren schon wusste der Berliner die Auskunft zu geben: Selbstmord hatta wohl jaja bejangen, ma weeß nur nich, wert jewesen is.
Ja, jenseits des schlechten Geschmacks heißt es mit Galgenhumor durchkommen.
Das muss man heutzutage kaum mehr, weil man meistens gleich weiß, wers nicht gewesen ist.

Schlechter Geschmack kann aber auch eine Kreativität freisetzen, die trickreich visionär von den bösesten Taten fernseherisch avantgardistisch vorauseilend einen Vorgeschmack erzeugt und womöglich auch eine Ahnung vom bitteren Nachgeschmack auf schicksalhafte Verkettungen menschlicher Umstände, unglücklicher Überforderung, erregendes Versagen, Kampf…
Das hat ein wahrer Brocken Kreativität des schlechten Geschmacks mit dem Titel „Unterm Radar“ im Wortsinn gezeigt, ein Science-Fiction, der am 14. Oktober 2015 (1. Kheshvan 5776 nach jüdischem Kalender) erstmals ins Weltall, den Äther und die Kabel alle ausgesandt wurde zu den TV-Geräten (die jetzt da hingehängt werden können, wo früher der Gobelin hing, der nur eine Szene zeigte: röhrender Hirsch im Tann, eine Szene, die es an Spannung zu überbieten gilt).
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Auf Seite 3:
Info: Die Produzentin Nicole Swidler erklärt: ‘Unterm Radar’ soll keinesfalls Ängste schüren. Vielmehr soll der Film zeigen, was geschehen kann, wenn der Staat falsche Methoden wählt, um Terror zu bekämpfen.

Unterm Radar kommen unbemerkt bekanntlich Tiefflieger durch, und so triffts der Titel ganz gut, indem diese Science-Fiction ohne aufzufliegen das Radar des guten Geschmacks ja unbemerkt passiert hat, im Schacht eine Bombe für einen fiktiven islamistischen Terroranschlag in Berlin.
Sie könnens nicht abwarten.
Man kann allerdings auch der Ansicht sein, dass Eile geboten ist.

Die Idee: die Bombe explodiert im Bus.
Die ist nicht interessant und noch weniger neu. Aber Gottseidank! Darauf mussten die Filmemacher nicht kommen.
Wäre zuvor noch nie und nirgendwo eine islamistische Bombe in einem vollbesetzten Bus zur Explosion gebracht worden, sie hätten eine solche Idee nicht zu haben gewagt, und wenn, dann höchstens um zu verfilmen, dass Andere sie hatten.
So aber ist es in der Ordnung, dass sie schon ausgeführt wurde, diese Idee, so hat der schlechte Geschmack sie als Chance begreifen können und ihre Verwirklichung in einer Filmtat kreativ nach Berlin verlegt zur Unterhaltung, eilends, bemüht um Frische der Ergriffenheit, des Abscheus, der Empörung  –
Denn die wichtigste Bedingung ist gerade noch erfüllt: die Verwirklichung der Idee Busbombe in Berlin erscheint glaubhaft und praktikabel, ja, sogar wahrscheinlich.

Bei der Entwicklung solcher Idee zum Film, für die Entwicklung des Films selbst, wäre guter Geschmack sicher hinderlich gewesen.

Ob der Film spannend war oder nicht, ist ganz unerheblich, spannend ist nun, ob und wann solch ein Anschlag ihm Recht gibt in punkto wie nah er dran war – wenn Wirklichkeitsnähe zu überhaupt irgendetwas berechtigt, außer, möglichst weit weg davon zu sein.
Freilich – der Film als Warnung! Ist es eine? Wovor? Vor was wäre wenn? Was sein könnte, solange es nicht war?, weils WOANDERS schon gewesen?

Als selbstverständlich setzt der schlechte Geschmack ja beinahe stets voraus, dass man anerkenne, er meints nicht so, er erschaffe eine Illusion nur von des bösen Traums Erwachen, den Nervenkitzel bloß von der Apokalypse, nicht sie selbst, Gott behüte!, nur zur Unterhaltung; er mutet seiner Umwelt bloß die Veranschaulichung der Möglichkeiten zu und bedeutet damit die Welt; dass man darin auch leben muss inklusive.
So ordinär einfach ist das.
Er kann darauf pochen, auf die Ideen des Irrsinns ein unschuldiges Anrecht zu haben.
Im Fall des Radars ist es ein Blick in die Büchse, bevor die Kugel herausfliegt.
Das interessiert die Öffentlichkeit, was alles geschieht für sie.

Der schlechte Geschmack müsste vor sich hin existieren, sich selbst genügen wie der gute, könnte er nicht an undenkbaren Ideen kreativ werden.
Er ist der Bruder dessen, der noch dabei gewesen ist bei den großen Katastrophen.
Er ist Führer zur Aussicht auf sie. Er trat in die Fußstapfen des geschäftstüchtigen Etappenhengstes, der je kolorierte Postkarten verkauft hat mit hübschen Motiven von der naiven, unversehrten Landschaft, in die er garantiert echte Katastrophen montiert hatte.
Vom Wahnsinn blieb ihm der Traum vom Glück, davongekommen zu sein, und schließlich die Idee, für die Phantasie aus der Methode das Unvorstellbare zu machen, die Katastrophe, das Grauen. Er ging kreativ um mit dieser Idee zu einem Schauplatz, wo sie Realität, ihre Verwirklichung am wirkungsvollsten gewesen war.
Die Idee der Vernichtung ist eine Grundidee. Ihre Scheußlichkeit ist unvorstellbar, das lohnt die Mühe ihrer Illusionierung.
Auf keine Art Bombenanschlag oder -abwurf gibts ein Copyright, auch nicht auf einen Bombenanschlag in einem Linienbus.
Die einen haben die Idee dazu, andere den passend schlechten Geschmack, der sie darauf bringt, sie dort unterzujubeln, wo man selbst davon noch verschont geblieben war und sich vermutlich zu Tode langweilt, den Guten, und sich eine Haxn heraus zu reißen, wie der Wiener sagen würde, aus a Bombn. Siggst, Ideen muss ma ham.
Man muss es ausdrücken, das Attentat, bevor, wie der Berliner sagt, die Kacke in escht am Dampfen is und es wirklich geschieht und der Übermut dahin wäre wie weggeblasen.

Immerhin neu dürften im besagten Film die frei erfundenen Verstrickungen ebenso frei erfundener Faktoten gewesen sein, die die barbarische Idee mit Leben und Leben lassen zu füllen hatten. Die Besten, wie immer.

Aber vielleicht hält solcher Film Attentäter ab? Vielleicht aus dem Grund der Ehre, die ihrer Idee mit der Verfilmung widerfahren ist, der Anerkennung, dass die Idee brauchbar war, ihr Ultimatum ins Leben zu bringen? Aus Frust vielleicht, dass ihnen bezüglich Reise der Idee nach Berlin jemand zuruft „Bin schon hier und hab ein Wiener Schnitzel bestellt!“?
Oder sie lassens bei der Spannung, der Drohung bewenden, weil sie eigentlich nicht so sind und ihnen das ja an und für sich genügt?
Aber vielleicht spornt es sie auch an, wer weiß?

Wie auch immer; Gruppe SILLY, Text von KARMA:
…du öffnest dir ´ne Dose Kompott – der Saft läuft auf das Laken – mein Gott! Sieh dich doch vor, sieh dich doch an, das schlürft und schleckt sich die Wunde ran! …

Krebs

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Die Welt ermüdet

kahl

er wuchert
wächst
frisst
sich ins Leben
ist
Leben
nur
zu wachsen

prall
wächst
gedeiht
rund um die Uhr
überall
hinter Stirne
wächst
und wächst
gewitzt
vital
Heil der Indutrie
im Schimmer
der Hoffnung
zu leben
breitet sich aus
fällt
unmerklich
schmerzfrei
in alles Fleisch
in Hirne
wo er sitzt
in den Gedanken
ein
rafft
alle Kraft
saugt Blut
Lebenssaft
aus jeder Bahn

der Welt ist irgendwie
nicht gut
nurmehr vergällt
das Mindeste
bleibt
ja und nein

noch ein bisschen leben
prekär
aber wie und wann
dann
weiß sie es nicht mehr.

Written by monologe

14. April 2015 at 8:58 am

Wir Kinder des Absurden

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Der Leitstern war versunken,
Der Himmel blau, so blau,
Dass man auf Erden wohnte,
Wusste man genau,
Solang am Himmel thronte
Statt einer deutschen Drohne
Des lieben Gottes Anemone.

Dennoch: stets dieselben Sterne
Ewig in der Ferne,
Nachts der schnöde
Mond und tags der öde,
Ewiglich verhießne Tod
Morgens rot und abends rot;

Da wurde die Helle irgendwie grau,
Die Weite irgendwie ungenau,
Das GroßeGanze irgendwie flau,
Das Tiefe schien irgendwie völlig naiv
Das Relative irgendwie schief,
Nur das Absolute blieb irgendwie tief.

So haben wir begonnen,
Uns selber zu besonnen,
Uns gänzlich neu zu ziehen und zu bauen,
Flaches, Tiefes, Tiefnaives aus dem Grauen,
Aus dem Schiefen, Flauen, Ungenauen,
Aus dem Selbstvertrauen,

Und wir wurden
Die Kinder des Absurden:
Relativ
Tief
Absolut
Schief
Naiv
Absolut
Relativ
Gut.

Written by monologe

2. Juli 2014 at 2:40 pm

Exil

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Wie Meeresblau
War uns das Grau
Das Grün der Wälder
Das Gelb der Felder
War uns das Grau
Einst waren wir
Die Vögel im Grau
Und Gottes buntes Getier
Einst im Grau
Waren wir
Nun sind wir grau
Unser Herzschlag ungenau
Doch sich regen
Sich bewegen
Draußen
Im Dudel
Nudelt
Moderne Sinfonie
Auf allem strotzt
Segen
Hart und einzigartig alles
Chemische Therapie
Sieh!
Den Aufwärtsstrudel!
Bunter Krieg
Für jedenfalls irgendwie
Sieg
Nur das Grau grau
Einsamkeit glotzt
Da wird es wohl Zeit –
Gleich!
Gleich sind wir soweit

Written by monologe

11. März 2014 at 9:31 am

Aphorismus – 41

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Man träumt sich eine Wirklichkeit oft nur um des Traumes willen, damit man überhaupt eine hat. Aber die man träumt ist auch schon keine mehr, in der sich der Traum erfüllen könnte.
Soll noch einer sagen, man sei nicht Realist.

Written by monologe

29. Oktober 2013 at 7:19 pm

Veröffentlicht in Aktuelles, Aphorismus, Leben, Realität, Sprache, Träume

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