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Archive for the ‘Sozialstaat’ Category

Rentenanpassung

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Die Ost-Rente wird, so die Verkündigung, der West-Rente angepasst, von 94,1 % auf 100%. Die Differenz beträgt also noch 5,9 %, und diese zu tilgen soll „2018 beginnen und 2025 abgeschlossen“ – nein, nicht abgeschlossen sein, sondern „werden“ – was sagen will: wenn nichts dazwischenkommt.

Aber was sollte dazwischenkommen?

Freilich, Schlaganfall, Herzinfarkt – Gefahren für die Rentner durch zu schnelle Anpassung werden durch allmähliche, altersgerechte Anpassungsfristen weitestgehend minimiert.
Ost- und West-Rentner haben nunmehr zunächst zwei Jahre, sich an den Gedanken zu gewöhnen bzw. der Vorfreude, hierauf nochmals sieben Jahre, um es in kleinen Dosen zu genießen bis zum Abschluss.
Es handelt sich schließlich um „die Menschen“, nicht um Politiker, Banker, Manager, die mit von heute auf morgen mehr Geld und sogar viel mehr Geld, selbst rückwirkend mehr, cool und wie selbstverständlich umzugehen gewöhnt sind.

Der Ost-Rentner mit bisher 3000 Euro würde bei spontaner Anpassung immerhin knapp 180 Euro Rente mehr bekommen!
Eine solche Steigerung muss schonend vonstatten gehen, sodass diese Rentner, die so lange warten mussten, nun auch lange Freude an der Anpassung haben, ehe sie ab 2018 bis 2025 dann auch schön etwas merken (werden).
Sie müssen ja außerdem damit zurechtkommen, dass sich, wenn nichts dazwischenkommt, während der insgesamt neun (9) Jahre Anpassung zusätzlich noch Aufgeld in Form von Inflationsausgleich niederschlagen wird.
Wer allerdings mit seiner Rente schon jetzt nicht auskommt, bei dem wird sich nichts weiter ändern, als dass er ab 2025 mit 100% derselben Rente nicht auskommen wird, mit der seine Brüder und Schwestern im Westen auch nicht auskommen. Altersarm wird man nicht mehr 94,1%, sondern 100% sein.
Das kann man jetzt schon sagen.

Indessen möchte man allen Rentnern Ost sehr an Herz legen, mit ihren Gefühlen von Beglückung über Dankbarkeit, Zufriedenheit und Genugtuung nicht bis zum erstenmal mehr Geld oder gar bis 2025 warten zu wollen, womöglich bis zum persönlichen Sanktnimmerleinstag, sondern diese Gefühle, die positive Stimmung aus Gründen der Lebensqualität tatsächlich schon jetzt zuzulassen und mitzunehmen – genauso wie der Einzelhandel es uns allen ermöglicht, ab August weihnachtliche und ab eine Woche nach Silvester österliche Gefühle zuzulassen.

All das ist nicht populistisch. Es sind keine „einfachen“ Lösungen.
Populisten würden die Anpassung der Termine von Weihnachten und Ostern auf ein und denselben Tag ankündigen, an dem man sie wählen kann.

Written by monologe

26. November 2016 at 9:32 am

Konjunktief

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Nun hat auch Arbeitgeberpräsident Hundt eingestimmt in den Chor der Steuersenkungs-Sirenen, nachdem Generalsekretär Lindner von der F.riede D.en P.alästen die Arie des Konjunktur-Papageno sang, in welcher der Refrain lautet: der kleine Mann kommt in der Konjunktur zu kurz!
Und weil das so ist, soll dem kleinen und dem mittelgroßen Mann die Last der Sozialabgaben erleichtert werden.
Hundt hat dem also Nachdruck verliehen, indem er backstage an mehr Brutto vom Netto erinnerte, und es scheint nun denn doch ernst gemeint: die Sozialabgaben möchten gesenkt werden.

Und ich sage es gern auch nochmal: gesenkt sollen werden die Sozialabgaben.

Sozialabgaben, lieber kleiner und mittlerer Mann, das sind Rentenversicherung, Krankenkassenbeiträge, Arbeitslosenversicherung, Pflegeversicherung.
Du denkst vielleicht direkt und spontan an Senkung der Kraftstoffsteuer? Oder an Lohnerhöhung denkst Du, weil Du was von Teilhabe an der Konjunktur gehört hast?
Schön, aber sind das Sozialabgaben?! Neeeeiiiiin.
Siehst Du. Können diese also auch nicht gesenkt werden, damit die Konjunktur nicht leidet. Die Konjunktur leidet übrigens nicht, weil Du nicht an ihr teil hast.
Darunter leiden höchstens bestimmte Generalsekretäre, können gar nicht mit ansehen, wie die Konjunktur brummt und der Beschäftigte bloß mehr Arbeit hat.
Da möchten sie Dich irgendwie ein bisschen daran erinnern, dass Du nicht nur die Arbeit für die machst, die immer mehr Geld verdienen, das ist selbstverständlich, und Du machst sie gern auch für Drei bis Du umfällst, sondern er möchte Dich ganz diskret darauf stoßen, dass Du ja vor allem für andere blechst, nämlich, jawohl: Sozialabgaben!
Bist Du krank? Kriegst Du Rente? Bist Du gar arbeitslos?? Neeeiiin!!
Also: Du zahlst nicht für Dich. Du zahlst, weil und damit andere krank feiern, Hängematte machen, auf Malle Lebensabend durchfeiern können.

Du hast missverstanden: Du sollst nicht an der Konjunktur beteiligt werden, sondern im Gegenteil von der Aneignung der Moral profitieren, mit der man nicht im Traum daran denkt, Dir mehr abzugeben, als unbedingt sein muss und die christlich-jüdische Nächstenliebe – ein Wert an sich – es erfordert.

Es steht also die Frage, ob ein Volk in Mitteleuropa so ungeheuerlich verkommen blöd sein wird, sich freudig die Sozialleistungen kürzen zu lassen. Als Ersatz für Kürzung von Gewinnen.

Womöglich im reichsten Land Europas.

Maximalanspruch

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Das Urteil nach Prozess gegen einen ganz offiziell als „Neonazi“ bezeichneten Irgendwer, der einem Balletttänzer einen Faustschlag versetzt hat, wovon dieser auf einem Ohr ertaubte, sein Gleichgewicht nicht mehr im Stande ist zu halten sowie also seinen Beruf auszuüben, wurde gesprochen:
Zwei Jahre Haft und 20 000 Euro Schmerzensgeld.

Einen Anspruch auf Berufsunfähigkeitsrente, so wurde mitgeteilt, habe der Balletttänzer jedoch nicht, weil der Gesetzgeber bestimmt hat, dass man hierfür auf beiden Ohren taub sein muss.

Das ist insofern interessant, als sich nun leichter erklären lässt, weshalb die gesetzgebenden Körperschaften nicht nur auf beiden Ohren taub, sondern auch auf beiden Augen blind sind.

Ministerin Schröder hat gerechnet

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Soeben hat unsere Ministerin Schröder gesprochen. Nachdem irgendein Gefummel an Embryos aus Reagenzgläsern (Präimplantationsdiagnostik) auf dem Parteitag der CDU mit geringer Mehrheit zunächst untersagt worden ist.
Es wurden auch keine Ausnahmen zugelassen.
Eine Ausnahme hätte man sich nachher immerhin vorstellen können: wenigstens sollte auf gewisse Erbanlagen untersucht werden, auf dessen Reagenzglas der Name SCHRÖDER steht.

Frau Schröder hat, eine Diskussion einleitend, nachgerade über Armut bei Kindern gesprochen. Diese, so hat sie gesagt, sei relativ. Relativ darum, weil Armut über ein gewisses Einkommen „definiert“ werde.
`Wenn sich über Nacht die Einkommen der Bevölkerung verdoppeln würden – die Anzahl der Armen würde trotzdem gleich bleiben!´, ungefähr das hat sie gesagt. Und dass eben deshalb die Definition von Armut in Deutschland nicht nur relativ, sondern „problematisch“ sei.
Achtung: „problematisch“ nicht die Armut, sondern die Methode, ihr ein Maß zuzumessen.

Frau Schröder muss offenbar nicht weiter rechnen, da sie das relative Vorhandensein von natürlicher Intelligenz für so gering hält, dass sie keine künstliche Aufregung erwartet, wenn  in Relation zum Aufwand die Milchmädchenrechnung einfach reichen muss.

Es soll aber doch gesagt sein, dass sich tatsächlich nur bei überraschender Verdoppelung von Niedrigstlöhnen und Sozialleistungen die Zahl der Armen womöglich halbiert, und zwar selbst dann, wenn in der darauf folgenden Nacht die Durchschnittslöhne steigen würden.

Dann könnte es Tag werden, bevor Gott die Erde von der Petrischale wischt.

Aphorismus

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Politiker zu sein oder zu werden, bietet oft den wirksamsten Schutz vor den Sozialprogrammen der eigenen Partei.
So kann einer seiner Sortierung nach eigenen Vorgaben entkommen und mit der notwendigen Überwindung des inneren Schweinehundes den Schlendrian bekämpfen helfen, und eines Tages wird sein Fettwanst im Fernsehen übertragen.

Kohl-day

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Was gab´s gestern bei mir zum Mittag des Tages der Deutschen Einheit?
Wie angekündigt, Kinder: KOHL-ROULADEN!
Halbgarer Kohl, Einwickeln, Kohldampf, der durchs Haus zog, ein bisschen Nostalgie wegen Muttern, da war alles dabei und da steckte alles drin, einschließlich frisches Hackfleisch.
Und natürlich wird auch reingehauen, mit Nachschlag.

Written by monologe

4. Oktober 2010 at 11:46 am

BILD trifft Realität

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Vermutlich in der Kontinuität des Anspruches, dass man sich aus der BILD-ZEITUNG ein BILD mache von etwas, das dann mit dem BILD übereinstimmt, das man haben soll von diesem Etwas, damit es die BILD-ZEITUNG selbst bei nächster Gelegenheit als UNBILDUNG oder BILDUNGSFERNE um so sicherer erkennen und aufmachen kann, in dieser Kontinuität also hat die BILD-ZEITUNG gestern den Versuch unternommen, ein BILD vom Land der Dichter und Denker zu vermitteln.
Selbstverständlich ist es das BILD, das die BILD-ZEITUNG selbst abgibt und selbstverständlich trifft es die Realität ganz genau.
Und das klingt so:  KEIN HARTZ4 FÜR ZIGARETTEN UND BIER.

Es hat sich geradezu von selbst zusammengereimt.
Nun kann man ein Lied davon singen, in dem der deutschen Lebenskunst Art Brot- als auch Trostlosigkeit urbildhaft steckt.