MonoLoge

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Archive for the ‘Politiker’ Category

Autonomes Fahren

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Einige Politiker scheinen überzeugt, Kompetenzen ließen sich erobern, indem man die Grenzen derer überschreitet, die man nicht hat.
Das muss man können.

Als ein Doktortitel an einem Politiker noch chic war und Kompetenz a priori bedeutete, war das Hauptproblem, wenn man einen haben wollte, die Doktorarbeit.
Machmal war die eigene Nachfrage eines, der sich als  Hoffnungsträger fühlte, so stark, dass ihm ein unbändiger Drang zur Kompetenz den Weg zu suchen und zu gehen und sich selbst zu überschreiten, über sich hinaus zu wachsen verhieß und nach solchem Aufwand den Titel ohne übermäßig viel Arbeit zu erobern.
Wie Rumpelstielzchen spann man Stroh zu Gold.

Es war ein Risiko.

Diese Zeiten scheinen vorbei, jetzt gehts auch ohne Doktor und Doktorarbeit, und man kann nicht mehr erwischt werden.
Auf diese moderne Art hat sich kürzlich Spahn geradezu beispielhaft zu einem mit Abstand führenden Onkologen gemausert, nachdem er seine Kompetenz als führender Sozialpolitiker versuchsweise schon bewiesen hatte: alles in bester Ordnung, mehr ist immer besser, sollen sie Kuchen essen, und Spahn hat den Kuchen mitgebracht.

Er kann dem Schicksal dankbar sein, dass er nicht Hartzvierer, sondern Gesundheitsminister wurde. Aber das ist vielleicht kein Zufall.
Die Sache mit dem Krebs ist allerdings noch nicht ausgestanden, das Schicksal agiert bis jetzt noch ohne Ansehn der Person.

In beiden Fällen ist es Spahn erspart geblieben, zu praktizieren, was Voraussetzung ist für Kompetenz auf den Spezialgebieten, die man der Inkompetenz erobert.
Immerhin hat Spahn einen Ministerposten.
Welche Kompetenzen er mit dieser Eroberung überschritten hat, ist unklar. Möglicherweise hat jemand anderes Spahns Inkompetenz unterschätzt, und dieser konnte dann die Eroberung machen.

Nun hört man, Macron habe gesagt, er sei auch eine Gelbweste. Er trägt nur keine.

Seltsam all das. Beinahe unheimlich. Was soll es uns sagen? Sollte uns das irgendwie etwas bedeuten?
Ja, aber so leicht kann man (noch) nicht drauf kommen: künstliche Intelligenz. Das ist genau ihre Art, Kompetenzen zu erobern.

P.S.: Soeben wurde das nächste Diskussionsthema bei Maybritt Illner bekannt gegeben: »Was sind uns die Alten wert?«
Eine Frage, wie sie so nur die künstliche Intelligenz gestellt haben kann.

 

Beitrag 361
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Written by monologe

7. Februar 2019 at 4:56 pm

Altmaier zieht die Lederjacke an

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Endlich, endlich! Ein deutscher Wirtschaftsminister hat eine den Realitäten und unbequemen Wirklichkeiten entsprechende, konsequente Strategie für die deutsche Wirtschaft entworfen – inklusive Protektionismus.
In ausgewählten Fällen, sagt er, wenn es sein muss.

Das ist, der Kenner wirds gleich erkannt haben, »German first«, ein bisschen, in ausgewählten Fällen, womöglich auch »EU first«.
Eine Revolution ist das, nicht mehr, nicht weniger, viel zu spät und doch zu früh, eine Strategie der Nach-Merkel-Ära ist das schon, in der Not des Zuspätkommens frei von Ideologie.

Ob Rumänien nun etwa als das Silicon Dracutal dabei sein wird, wird sich zeigen, Frankreich als hochindustrialisiertes Land ist schon dabei.
Für jedes Mitgliedsland der EU wird es mit dieser Zeitenwende konkret, warum es gut und wichtig ist, dieser Gemeinschaft anzugehören.

Wäre ein solcher Wirtschaftsminister mit dem Realitätssinn eines Trump vor ein paar Jahren schon im Amt gewesen, der Brexit wäre nun nicht Realität, sondern kein Thema.

Beitrag 360

Written by monologe

5. Februar 2019 at 6:12 pm

Sitting Bullshit

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Der Shutdown ist beendet, die einen darbten, den egalisierten deutschen Medien brachte er reelles Futter und Care, so ist die Welt.
Gott und Trump sei Dank kommt aber immer wieder aus Amerika was herüber, das von der Erdscheibe Abgegessenes ersetzt – man hätte sonst kaum etwas als das aus der Hand, die einen füttert, und ganz von selbstgefälligem Opportunismus kann man auch nicht leben, es ist eine Schande.

Was aus Amerika kommt, kommt allerdings selten oder gar nicht aus den Indianer-Reservaten.
Während des Shutdowns aber drang aus diesen Reservaten via Deutschlandfunk in einfachen Bericht verpackt mal was durch, das geeignet schien, beim deutschen Verbrauchertum Empörung zu wirken, denn die allgemeine Empörung über Trump mit dem Shutdown zu pflegen und zu erhalten ist gar nicht zu vermeiden gewesen, unerlässlich für die Kompensation aller Eventualitäten nach Blick ins eigene Kontor hinter Balken und Brett hervor.
Neben anderen wichtigen Empörungen hat die über Trump alles, um andere Schmerzen leichthin überdeckend chronisch, ja, resistent zu werden und über den eigenen Schatten jenen Schatten zu werfen, den man selbst nicht mehr überspringen muss und könnte.
Die Empörung der Germans, der Phantomschmerz in ihrer amputierten Überlegenheit muss immer neue Nahrung bekommen, und so fühlte der Deutschlandfunk als führendes Medium die Pflicht, sie diesmal wie auf Butterfahrt ins Blaue medial über den Dorfteich direkt hinunter zu den am Shutdown-Syndrom Leidenden in die amerikanischen Reservate zu führen.

Wer da aber ohne Emotion und Empörung über Trump und Shutdown dabei war, der erfuhr Erstaunliches und Relevantes – dank dem Shutdown (manches hat doch noch sein Gutes, obwohl die Dualität schon kopflos vor der Alternativlosigkeit geflohen scheint).
Man bekam also zu hören, dass der amerikanische Staat die Indianer-Reservate, so sei es vertraglich festgelegt, mit allem Lebensnotwendigen zu versorgen habe und zwar ausschließlich mittels staatseigener Lastwagen.

Einem Bericht, wonach wegen des Shutdowns (wegen Trump) auch die Versorgung der Indianer-Reservate ausgesetzt sei, da die staatlichen Lastwagen, mit denen sie erfolgen müsse, nun stillstehen, diesen Bericht anzunehmen und zu bringen konnte der Deutschlandfunk offenbar nicht widerstehen.
Indianer ohne Versorgung wegen des Shutdown – diese neuerliche abscheuliche Folge von Trumps Politik, dieses Ding konnte der Deutschlandfunk offenbar keine Stunde für Recherche zurückhalten.
Trump, die Wespe, an der die Früchte nagen, hat den aktuellen Shutdown zwar ausgelöst und am längsten durchgehalten – erfunden hat er ihn nicht (der erste datiert 1976 unter Präsident Gerald Ford, Demokrat), und dass er oder irgendeiner der US-Prädidenten, die je einen Shutdown auslösten, einschließlich Obama, die Nichterfüllung von Versorgungs-Verträgen mit den Reservat-Indianern in bedeutenderem Umfang dadurch verursacht haben, das geht – um es vorweg zu sagen – auf eine deutsche Erfindung Trumps zurück: den fake news.

Die deutschen Verbraucher, an fake news bei Trump inzwischen gewöhnt, sind in all dem »Brexit-Chaos« nach der »Winter-Katastrophe« momentan natürlich dankbar für jedes bisschen heiße Luft, aus welchem Fön auch immer, und bei dem, was sie bei Laune hält, nicht wählerisch.
Wer sich allerdings die Mühe machte, die Verträge der US-Regierung mit den Indianern zu suchen, für den wurde es auf Wikipedia höchstens lauwarm:

»In Kanada übertrugen formal zahlreiche Stämme dem Königreich England per Vertrag ihre einstigen Ländereien (vor allem zwischen 1867 und 1923). Stattdessen erhielten sie viel kleinere, handelbare Grundstücke. Ebenfalls im Vertrag festgeschrieben war die Höhe der Essensrationen, welche die Indianer als Ausgleich auf ewige Zeiten erhalten sollten, und die finanzielle Entschädigung, die etwa bei zwölf Dollar pro Person lag. Häuptlinge erhalten zusätzlich pro Jahr ca. 25 Dollar. Zusätzlich verpflichtete sich die kanadische Regierung, für Bildung und Gesundheitsversorgung der Reservatsindianer zu sorgen. Fisch- und Jagdrechte wurden ihnen teilweise weiterhin gewährt. Es gab viele verschiedene Verträge mit sehr unterschiedlichen Bedingungen und manche Gruppen argumentieren heute, die Seite der Ureinwohner sei nicht zum Abschluss dieser Verträge legitimiert gewesen.« (weil Land für Indianer Gottes eigenes ist und darum keine Handelsware sein kann).

In Kanada also, und was man da liest, wirkt vergleichsweise erstaunlich sozialdemokratisch links.
Alles intensive Weitersuchen nach in den USA vom Staat in ähnlicher Weise versorgten Reservaten blieben ergebnislos.
Auf der kalten Spur wurde es aber doch noch heiß:

»Autoren beschreiben die Reservate zu ihren Anfangszeiten als Gefangenenlager, welche die Indianer nur mit Erlaubnis verlassen durften. Das eingeschränkte Reservatsleben machte den Indianern ihre Selbstversorgungswirtschaft unmöglich. Sie waren abhängig von Lebensmittelrationen, die von den Regierungsvertretern als Druckmittel verwendet wurden. Zeigten sich einzelne Indianer widerständig, wurde ihnen die Lebensmittelration vorenthalten, so dass den Indianern nichts anderes übrig blieb, als sich zu fügen.« (Wikipedia)

Das lesend wird manchem deutschen »Hartz-IV-Empfänger« zumute sein, als ob ihn der Affe laust. Diese Ähnlichkeiten!
Der seit 2002 Wirklichkeit und Realität gewordene deutsche Sozialplan mit dem Namen eines Weißclowns aus den schwindelhaften VW-Werken in Wolfsburg war in den Kernkompetenzen also offenbar die Erfindung eines weißen Vaters in Washington Mitte des 19. Jahrhunderts?!

Zweifellos, Zustände in den US-Reservaten der »Anfangszeiten« vor runden 150 Jahren sind für deutsche »Hartz-IV-Empfänger« bis heute aktuell: sie dürfen die Stadt nicht ohne Genehmigung verlassen, Abhängigkeit, Sanktionen, sie gefügig zu machen.
Immerhin ist es soweit, dass das deutsche Verfassungsgericht nun nach 17 Jahren prüft, ob bei Widerständigkeit Einzelner Sanktionen, also Kürzungen des Existenzminimums, verfassungsmäßig seien.
Weit gebracht.

Man kann allerdings vermuten, dass weder die Sanktionen noch Hartz IV, die Mischung aus Preußischem Kulturgut und Büchners ”Woyzeck«, kaum grundsätzlicher in Frage gestellt werden können als durch die Wirklichkeit.
Da besteht offensichtlich eine traditionell übermächtige Binnennachfrage und Bereitschaft, strenge Zumessung durchzusetzen, eine Lust an Rationierung, rauem Ton und Repression und natürlich nach erbaulicher Armut.
Die Befriedigung dieser Nachfrage hat Vorrang, es entstanden Agenturen, Behörden, ein geradezu indutrieller Komplex, in denen Lust und Bereitschaft der Exekutive zu dienen sich nützlich macht, das Gute tut und sein Auskommen davon hat.
Wie sollte man das alles in allem heutzutage nennen?, unverwüstliche, systematische deutsche Gemütlichkeit?
Jede Entwürdigung wird der Ehre aufgerechnet.

Aber auch wenn die Beschreibung der Lebensbedingunge in den amerikanischen Reservaten während der »Anfangszeiten« verblüffend der Beschreibung derer unter dem Regime der Agenda »fordern und fördern« ähnelt (das bis heute für den christlichen wie den protestantischen Sozialismus alternativlos ist, weil es weder den einen, noch den andern weder für Arbeitslose, noch für Indianer gibt), dann haben die Indianer dennoch großes Glück, dass sie nicht hier in Deutschland ihre Ansprüche stellen vonwegen Ureinwohner und Sonderrechte.

Das gäbe einen knappen Prozess mit dem Bescheid, dass es hier keine Ureinwohner, sondern nur Eingewanderte gibt.
Mögen Vorfahren an den Kreuzzügen teilgenommen haben, ihre Vorfahren kamen auch von irgendwo her, denn die Neanderthaler, mögliche Urahnen, sind ausgestorben, wären sies nicht, wären sie wohl zugewanderte Australopithecusse gewesen, und darauf zu bestehen, schließlich doch von Adam und Eva abzustammen – die bekanntlich in die prekäre Welt eingewandert sind aus dem Paradies. Und Indianer sind schließlich aus Indien.
Es sollen alle gleich sein, gleich frei unter dem Grundgesetz sowie den allgemeinen Menschenrechten als Maß für die Bemessung der gewährten Rationen für alle davon Abhängigen. Von daher, bitteschön, sind Sonderrechte sogar völlig überflüssig.
Reservate nur noch für den Schutz der letzten Wildtiere.
Wäre Deutschland von heute die USA von damals, hätte es keine Reservate und keine Extrawürste gegeben. Es wird sich integriert wie wir Einwanderer alle es müssen.

Auch die deutschen Einwanderer in die USA zu den Anfangszeiten haben sich selbstverständlich integriert:

»Im Minnesota der 50er- und 60er-Jahre des 19. Jahrhunderts folgten dagegen auch die Deutschen der Politik des „Vertreibens oder Ausrottens“. Sie vertrieben die bettelnden Indianer und versorgten sie höchstens mit Schnaps, was die Moral der Indianer weiter erodierte. Diese nannten die Deutschstämmigen daher „iya-sica“ (Schlechtsprecher)« (WELT)

Ja, der Hass. Damals wie heute. Und er musste auch damals mit allen gebräuchlichen Mitteln bekämpft werden:

»Im folgenden Frühjahr wurden 1300 überlebende Indianer in eine ungesunde Einöde am Missouri deportiert, wo sie kaum den Winter überlebten. Neu-Ulm (deutsche Siedlung) aber entwickelte sich zu einem blühenden Gemeinwesen. 1887 wurde feierlich ein Denkmal zu Ehren des Cheruskers Hermann eingeweiht, das auch in den Weiten Amerikas an den Sieg der Germanen über die Römer im Jahre 9 n. Chr. im Teutoburger Wald erinnern sollte. In diesem Fall sollte ein Sieg über die Ureinwohner des Landes die Treue der Migranten zu ihrem neuen Vaterland dokumentieren. So können sich Geschichtsbilder verbiegen.«

Nun ja. Man darf immerhin gespannt sein, ob die Migranten von heute ihre Treue zu ihrem neuen Vaterland irgendwann auf ähnliche Weise dokumentieren werden.
Wir modernen deutschen Ureinwanderer haben da allerdings wenig zu befürchten, denn wir sind kulturell anpassungsfähig, moralisch flexibel, auch im Glauben, und sind zudem leicht zu begeistern für das Unabwendbare.
Nur Völker mit starken Kulturen, die wenig oder gar nicht anpassungsfähig sind, falschen Stolz bewahren, renitent werden, womöglich hassen, Widerstand leisten gegen eine Übermacht, nur diese werden ausgerottet oder dezimiert, manövrieren sich ins Abseits. Das haben die Indianer auf dem gesamten amerikanischen Kontinent bereits hinter sich samt aussichtslosem Kampf um Freiheit.

In den Anfangszeiten in einer Reservation zu leben war vielleicht kein Spaß, wenn man als Indianer bedenkt, was man einmal gehabt, besonders, was man verloren hat.
Aber die Welt verändert sich alternativlos zum Besseren, Größeren, Bedeutenderen, Unsinkbaren, nach ihrem Recht und Gesetz rückt sie immer enger zusammen, bis der freie bleierne Weltbürger en masse aus dem Schmelztigel steigt, und so erscheint in einem Reservat zu leben heute gar nicht mehr allzu schlecht, besonders, weil auch die feinen Leute die Annehmlichkeiten eines Lebens in Reservaten entdeckt haben.
Die Zeiten, in denen Reservate für Indianer eine gute Lösung schien, sind längst vorüber, unmöglich geworden, nicht mehr durchzusetzen gegen die Freiheit des Individuums und die Gleichheit usw.

»Rund 80 % des Reservatslandes sind, trotz der Parzellierungspolitik um 1900, im Besitz der Stammesregierung. Der jeweilige Stamm vergibt seinen Mitgliedern Nutzungsrechte. Diese Handhabung repräsentiert das traditionelle Kollektivsystem der Indianer. Je nach Reservat gibt es jedoch recht hohen Individualbesitz, so zum Beispiel in der Ridge Pine Reservation der Lakota oder der Crow Reservation, wo der Individualbesitz zwischen 60 und 85 % liegt. Im Osage-Reservat liegt er sogar beinahe bei hundert Prozent. Das meiste Land wird treuhänderisch vom BIA verwaltet. Aufgrund des Sonderstatus der Indianer zahlen individuelle Landbesitzer keine Grundsteuern.
Da die Parzellen zu klein für Selbstversorgung sind und ohnehin oft wenig Interesse an der Landwirtschaft besteht, bedeutet die Verpachtung die einzige Ertragsmöglichkeit. 1984 waren 13,6 % des Reservatslandes verpachtet. Heute ist ein großer Teil des Reservatslandes in den Händen Weißer. In der Crow Reservation ist beispielsweise ein Viertel des Landes im Besitz Weißer sowie 65 % an Agrarunternehmen verpachtet.
Allerdings lebt nur rund die Hälfte der 5,2 Millionen Indianer in den 310 Reservaten, sie gelten als Ghettos. Was heißt das, dass ein Reservat „souverän“ ist? Die US-Regierung hat bestimmte Bedingungen gestellt: Die Stämme dürfen etwa keine Armee gründen oder eine eigene Währung einführen. Kapitalverbrechen wie Mord müssen vom FBI untersucht werden. Dafür erhalten Indianer neben der Zugehörigkeit zu ihrer eigenen „Nation“ automatisch die amerikanische Staatsbürgerschaft (umgekehrt aber nicht).
Stellen Sie sich vor: Die Sorben oder gar die Türken in Deutschland erhalten 2,3 Prozent des Territoriums (die Reservate umfassen 22,6 Millionen Hektar) und dürfen dort eigene Grenzen errichten und Gesetze ausrufen – die Scharia zum Beispiel. Zugleich genießen sie alle Rechte deutscher Staatsbürger.«

Siehste! Unvorstellbar. Reservate, Ghettos. Keine Grundsteuern!
Wie es in USA zur Einrichtung der Reservate kommen konnte, scheint nur als Notlösung im Chaos dieser Zeit verständlich. Und jetzt sollen sie froh sein, dass es nicht Sorben oder gar Türken waren, mit denen man es zu tun hatte, sondern Indianer?
Aber es gibt sie in den USA nunmal, die Reservate. Was ist aus ihnen geworden?

»Spannend wurde es in den 1980er Jahren, als die Stämme entdeckten, dass sie Gesetze erlassen können, die im übrigen Amerika nicht gelten. Deshalb gibt es beispielsweise in den Reservaten so viele „Smoke Shops“, die stinknormale Zigaretten verkaufen. Rauchen Indianer etwa mehr als andere? Nein: Viele Stämme haben ihre Tabaksteuer absichtlich so niedrig gesetzt, dass sie Zigaretten an Weiße der benachbarten Ortschaften deutlich billiger verkaufen können. Sie verdienen damit ein Vermögen.
Doch das ist nichts gegen die Entdeckung des Glücksspiels, das in Amerika ansonsten streng reguliert oder gar verboten ist. Inzwischen betreiben rund 240 Indianerstämme etwa 460 Kasinos, die allermeisten mit gigantischem Erfolg. Die Rede ist nicht von irgendwelchen schmuddeligen Spielhallen, sondern von riesigen funkelnden Hotels mit Restaurants, Theatern und Spas.
Je nachdem, wie gut der Deal ist, den die Indianer mit den Investoren schließen (die das Kapital und Know-how mitbringen), können diese Kasinos Milliarden abwerfen. Es gibt Stämme, die jährlich jedem ihrer Mitglieder eine Million Dollar zukommen lassen – bei fast hundertprozentiger Arbeitslosigkeit. Reservate ohne Kasinos leiden dagegen oft immer noch unter starker Armut – das sind eben die, die zu weit weg von den weißen Städten liegen.
Wenn es nicht so politisch inkorrekt wäre, würde ich dennoch glatt behaupten, dass die Indianer heute zu den reichsten Minderheiten der USA gehören. Allein deshalb dürfte die Frage, wo die Grenzen ihrer Souveränität verlaufen, die Gerichte und die Politik wohl noch lange beschäftigen.« (Eric T. Hansen)

Die Sozialpolitik, die Arbeitsplätze schafft, scheint wirklich die beste zu sein. Die, die Arbeitslosen vom eigenen Stamm eine Million Dollar pro Jahr zukommen lässt, erlöst aus dem monströsen Überfluss des Überflüssigsten, das es in der Welt gibt, das ist die schlechteste Sozialpolitik.

Das hat der Deutschlandfunk leider glatt verschwiegen.
Er hatte allerdings abzuwägen zwischen der Pflicht, Trump, die Folgen seines Shutdowns für die Ureinwohner in den Reservationen, für die Schwächsten einer ohnehin tief gespaltenen Gesellschaft, anzuprangern oder den Sozialbetrug.
Die Überlegung, für bestimmte Einwanderer Reservate nach amerikanischem Vorbild einzurichten, damit man sieht, wie sie leben wollen und sich ihr jäher Reichtum erklären lässt, hat er auch nicht angestellt.
Es ist nicht mehr nötig.

(Beitrag 359)

Written by monologe

29. Januar 2019 at 6:24 pm

Gabriel News

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»Seit die SPD-Führung ihn als Außenminister abserviert hat,« meldete dpa am 4. Nov., »ist Sigmar Gabriel nurmehr einfacher Bundestagsabgeordneter. Er behauptet, damit gut leben zu können – und jettet weiterhin um die Welt. Derzeit ist er in den USA. Sein Ziel: verstehen, warum Amerikaner Trump wählen.«

Außenminister ist er auch mit Fleiß gewesen, in Deutschland weltbekannt, abserviert, nun steht er da, der arme Tor, und ist so klug als wie zuvor.
Sich selber zu verstehn, so heißt es, sei höchstes Ziel, doch mit der Erlösung von deutscher Pflicht und Schuldigkeit – wirf deine Krücken weg und geh! – verspürt Gabriel nun den Drang hinaus, andere verstehn, das ist sein Ziel. Endlich.
Sigmars idealer Lebenszweck war das bisher nicht.
Wo die Mäuse auf dem Tisch KannKann tanzen, den Katzen den Kampf ansagen, wo der Berg, wenn er kreißt, mehr, schlauere, größere Mäuse gebärt – dieses Paradies verlässt er, um zu verstehen, warum andere anderswo durchaus einen Kater wählen.

Viele arme Teufel sind schon ins gelobte Land gezogen, dem amerikanischen Traum folgend. Heute, wenn ein Gabriel nach Amerika reist, dann will er nach dem Rechten sehn, dann reist er auch nicht ins, sondern kommt aus dem gelobten Land, folgt nicht einem amerikanischen Traum, denn er ist ja kein Tellerwäscher und Millonär wird man als Sozialdemokrat woanders, nein, dann folgt man einem hochmodernen deutschen Traum, der unbeschreiblich edel und ritterlich ist: um zu verstehen.

Der in der warmen Luft hängende Gabriel muss vielleicht noch warten, ehe er ins gemachte Nest der Industrie sich irgendwo niederlassen kann, sieht nicht wie ein Heiland aus, auch wie ein Erlöser wirkt er nicht, es stellt sich also die Frage, ob er als Top-Trump-Oppositioneller die interessante Reise als ein Saulus antritt und ob das Risiko einer Offenbarung bestehe und dass ihm da etwas von den Augen fallen könnte. Ohne weiteres scheint gewiss, dass den Amerikanern, die Trump wählen, das Verständnis Gabriels dafür noch gefehlt hat, und die, die Trump nicht wählen, werden auf dieses Verständnis brennen.

Weil amerikanische Präsidenten nicht in Deutschland gewählt werden, das einzuräumen, damit könnte es sich Gabriel ja leicht machen, den Wahlsieg Trumps zu erklären, und es ließe sich sicher einräumen, dass die Amerikaner (wenn sie gewusst hätten) vor allem ihn nicht verstanden haben, bevor er jetzt abserviert den Eindruck gewonnen hat, dass er sie nicht versteht, und das ist dann so einfach nicht mehr.

Die Amerikaner haben von nichts gewusst. Ohne dass es der Gabriel versteht, hätten sie Trump vielleicht nicht gewählt, oder sie hätten zumindest doch vom Gabriel als Außenminister erwartet, dass er sich, statt in Deutschland wie Gott in Frankreich die Unverständnis-Offensive an der Anti-Trump-Front mitzumachen, auf den Weg macht nach Amerika, um zu verstehen.
Wohl, aus Amerika kam Aufklärung und Unverständnis. Über deutsche Autos haben wir bis dahin nichts gewusst, blind dem Wahren, der Herrlichkeit, der Pracht und dass die Gesamtheit der Überdimensionierung dem Lebensgefühl wie dem guten Recht auf Raum, Stärke, Überlegenheit, Schutz angemessen sei, stumm vertraut (wie der Totenkopf nicht tot zu kriegen ist, scheint auch Panzerfahrer zu sein als ideales Lebensgefühl nicht verloren zu gehen).

Wenn Gabriel verstehend aus Amerika zurückkehrt, versteht er dann die Welt hier nicht mehr?
Da müsste man nun überlegen, ob es dafür einen Anlass gibt.
Aufklärung aus Amerika, Wissen, das keine Konsequenzen auslöst, wo das Weltbild fest ist, die Ordnung aus Einvernehmen, Ignoranz, Opportunismus, besten Absichten, der wie geschmiert funktionierende, alternativlose Betrieb – hat da Verstehen oder Nichtverstehen irgendeine Bedeutung?
Das bisschen Betrug und Selbstbetrug, garantiert es nicht im Höchstmaß gefühlte Demokratie, Beteiligung über Meinungsbildung, wächst daraus nicht Europa, wenn die Formel lautet, nur mitgemacht!?

Es gibt einen Unterschied zwischen Verstehen und sich auf etwas verstehen, und was letzteres betrifft, muss man sich fragen, ob die kompetentesten Fachkräfte für SadoMaso-Sozialismus so einfach abserviert werden sollten (Interruption).
Wie Gabriel die LINKE im Handumdrehen zur Muttern der Hartz-IV-Ausgeburt macht – das ist einfach genial:
»Der frühere SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat seine Partei vor einer zu starken Fixierung auf das Hartz-IV-Thema gewarnt.«(dpa, 21.11.2018)
Der Schelm.
Wenn er will, kann Gabriel auch Trumps trockenen Witz:
›Die SPD muss aufpassen, dass sie keine Hartz-IV-Partei wird. Die gibt es schon: Das ist die Linkspartei“, sagte er dem „Reutlinger General-Anzeiger‹. Dazu sagte Gabriel: ›Ich glaube nicht, dass der Facharbeiter es als gerecht empfindet, dass jemand Sozialhilfe bekommt und nicht mit Sanktionen rechnen muss, wenn er Arbeit ablehnt.‹«
Kurzum, Gabriel würde es nicht verstehen, wenn der Facharbeiter es anders empfinden oder gar anders verstehen würde.
In diesem Fall könnte der Facharbeiter sich immerhin dazu entschleißen, die (im Gegensatz zur LINKEN aufstrebenden) GRÜNEN zu wählen, weil er sich fachmännisch für den Sozialstaat mit menschlichem Antlitz und die Habeck-Care entschieden hat, indem er sich sagt, wenn ich selbst arbeitslos würde, wollte ich dann Hartz IV erleben?
Da könnte Gabriel nur auf das Grundgesetz verweisen, nämlich dass die Würde eines jeden einzelnen Menschen unantastbar ist usw.

Aber wie dem auch sein mag, ein sehrsehr einfacher Bundestagsabgeordneter kann viel besser leben von dem, was ihm Billiges zu Hartz IV einfällt, als mindestens ein Dutzend jener, deren Leben von Hartz IV oder gar von Grundsicherung aus der Realität jener Abgeordneten verhängte Wirklichkeit ist.

Nachdem Gabriel alle Unklarheiten darüber, welche Partei die Hartz IV-Partei ist, ausgeräumt hat, der bisherige Glaube wie Schuppen von den Augen gewischt, die Offenbarung erfolgte, dass folgerichtig die SPD Hartz IV machen musste, weil die Hartz IV-Partei (die LINKE) dagegen war, und die SPD es bis heute nicht hat ändern oder abschaffen können, weil die Linkespartei nicht ablässt davon, das zu fordern,
»räumte Gabriel aber ein, dass man die Grundsicherung Hartz IV reformieren müsse, ›denn es gibt einiges, was nicht gut läuft‹.«

Es dauerte nach Hartz-IV-Schröder 13 Jahre Hartz-IV-Merkel, ehe Gabriel zumindest das verstanden hat:
»Man dürfe Menschen nach Jahrzehnten der Arbeit nicht genauso stellen wie diejenigen, die noch nie gearbeitet haben, erläuterte Gabriel. ›Das zu korrigieren, ist völlig richtig. Zudem finde ich es falsch, dass Kindergelderhöhungen nicht an Hartz-IV-Empfänger weitergegeben werden. Und auch die Zuverdienstgrenzen sind zu niedrig.‹«

Weil die Linkspartei ja Hartz-IV-Partei ist, und ein rechter Sozialdemokrat davon nichts weiß, was die Linke tut und nichts zu tun hat damit, kann ein Gabriel nicht wissen, dass Kindergeld-Erhöhungen und sogar das Kindergeld selbst sehr wohl an Hartz-IV-Empfänger weitergegeben werden – bevor es samt Erhöhung »angerechnet« wird, also der Regelsatz sich um den Betrag verringert.
Man hätte glauben können, einem Sozialdemokraten vom Format Gabriels sei bekannt, dass die Menschen Kindergeld bekommen, aber nichts davon haben, sodass, wer will, mit Recht sagen kann, dass das Pack Kindergeld für sonstwas einsetzt, nur nicht für die Kinder, und so begründen, dass sie unterm Strich keins bekommen.

Was so einer aber wirklich nicht wissen kann, ist, dass in einem Staat der jüdisch-christlicher Werte voll des Überflusses über den großen Rand zu Weihnachten für die Armen, ihre Kinder, die armen Alten, für die Bedürftigen Hartz-IV-»Empfänger« – was für ein Wort -, Empfänger von Grundsicherung, Sozialhilfe es keinen roten Heller zusätzlich, mehr gibt zu diesem Fest der Nächstenliebe, dem Tag, als zu Christus´ Geburt im Schafstall (nicht Saustall) Könige aus dem Morgenland mit Gaben erschienen, als zuvor der Reiche aus Palmyra kam, um von seinem Reichtum herzuschenken, dass es also an diesem Tag für die Bedürftigen nichts extra gibt, dass das eine Affenschande ist, das kann er nicht wissen.
Von der Vergrößerung dieser Schande durch das elendeste Schweigen dazu und darüber, das je von drei christlich-demokratischen Symbolkandidaten und dem Krippenspiel-Spektakel für die Schafställe übertönt wurde, ganz zu schweigen.

Man kann verstehen, warum der Schnee sich weigert, leise zu rieseln in Europas Egozentrum, und das Pack zu Weihnachten nur noch froh ist, wenn ihm der Duft von Spahns Tafelspitz an »Mehr ist immer besser« nicht als geldwert angerechnet wird.
Die Sehnsucht geht in diesem Jahr wieder auf Frieden, darauf, dass in Spahns Hirn mehr geht als immer genau das, was für die Bedürftigen ausreicht, und eine kleine Hoffnung auf die künstliche Intelligenz, die auf all das nicht kommen könnte.

Written by monologe

4. Dezember 2018 at 4:36 pm

Schäuble

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FOCUS, 11.9.2018:
»Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) hat die rechten Ausschreitungen der jüngsten Zeit scharf verurteilt. „Ausländerfeindlichkeit, Hitlergrüße, Nazisymbole, Angriffe auf jüdische Einrichtungen – für all das darf es weder Nachsicht noch verständnisvolle Verharmlosung geben“, sagte er am Dienstag im Bundestag. Außerdem sei das Demonstrationsrecht „kein Freibrief für Gewaltexzesse“.
Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) appellierte an die Gesellschaft, sich nicht spalten zu lassen.

Schäuble äußerte sich zu Beginn der ersten Bundestagsdebatte nach der parlamentarischen Sommerpause. „Die Ereignisse in Chemnitz zwingen uns zu unterscheiden zwischen unentschuldbaren Gewaltexzessen und den Sorgen, die viele Bürger umtreiben“. Das Gewaltmonopol des Staates und die Durchsetzung des Rechts seien „nicht relativierbar“.

Zugleich äußerte Schäuble Verständnis: „Menschen, die sich vor zu vielen und schnellen Veränderungen in ihrer Lebens- und Erfahrungswelt fürchten, auch vor zu viel Zuwanderung in kurzer Zeit, solche Menschen müssen genau so ernst genommen werden wie jene, die in einer enger zusammenwachsenden Welt für Offenheit und für globale Solidarität eintreten.“

Manche Bürger fänden „sich, ihre Empfindungen und Wahrnehmungen“ in den politischen Debatten nicht wieder, sagte Schäuble. Genau das sei aber die Voraussetzung dafür, dass die mit der Zuwanderung einhergehenden Veränderungen „für alle erträglich“ gestaltet werden könnten.

„Die letzten Wochen haben uns vor Augen geführt, dass in Teilen unserer Bevölkerung Verunsicherung wächst und dass sich die Gesellschaft spaltet“, sagte Schäuble weiter. Zwar gehörten „unterschiedliche Interessen, Lebensstile, Meinungen“ zur freiheitlichen Ordnung dazu. Auch seien öffentliche Debatten notwendig, zu denen auch Demonstrationen gehörten. Entscheidungen müssten jedoch demokratisch legitimiert sein und könnten nicht „auf der Straße gefunden werden“.«

 WELT ergänzte:

»Wir brauchen keine Revolution, sondern einen starken und toleranten Rechtsstaat“, endet Schäuble. Zustimmung im ganzen Hause.«

Bräuchten »wir« also eine Revolution, er würde es den Menschen rechtzeitig sagen, denn Schäuble hat die Traute, als Demagoge auch forsch zu sein, ohne dass esch luschtig ist. Das weiß man.
In ernschter Lage aber hat er auch den Witz, den Ernscht, der nun wirklich nicht komisch ist, aus der eigenen Lage herauszuhalten.
Da wäre zum Beispiel die Furcht vor Veränderungen, von der man durchaus annehmen kann, dass sie nicht nur irgendwelche, sondern die Menschen umtreibt. Denn wer könnte inzwischen daran zweifeln, dass vor allem die diese Menschen Regierenden, mehr noch formlose Parteiorganisationen, die diese aufziehen und, als seien es Gebärende des Staatsvolks, bis ans Lebensende fürstlich halten und versorgen, Veränderungen in ihren Lebenswelten am ehesten fürchten müssen?
Wir haben doch Demokratie.
Natürlich wäre es eine kleine Revolution, das zuzugeben.

Eine zweite frühlingshafte Revolution wäre das Eingeständnis, dass eine Regierung eine gewisse Verantwortung habe für das, was im Staat geschieht oder nicht geschieht.

Wenn man sich nun überlegt, ob »wir« solche Revolutionen bräuchten, um uns, unsere Empfindungen und Wahrnehmungen in den Debatten wieder zu finden, lesen wir am besten nochmals Schäubles obige Erklärung, die uns sagt, welche Voraussetzung genau uns die Gestaltung der Veränderungen erträglich macht, und wir werden mit Erstaunen feststellen, dass dem FOCUS-Schreiber versehentlich einmal etwas wirklich Wahres ausgekommen ist:

Manche Bürger fänden „sich, ihre Empfindungen und Wahrnehmungen“ in den politischen Debatten nicht wieder, sagte Schäuble. Genau das sei aber die Voraussetzung dafür, dass die mit der Zuwanderung einhergehenden Veränderungen „für alle erträglich“ gestaltet werden könnten.

Unerträglich sind sie dann nur noch für manche Bürger.
Voilà!

Lange wurde nicht so realistisch und wirklichkeitsgetreu wiedergegeben, was ist. Und das ohne Recherche.
Was ein FOCUS-Redakteur sich nicht träumen lässt, das kann er natürlich auch nicht formulieren, und so ist, wie so oft, die gute alte deutsche Sprache eingesprungen und hat gesagt was ist.
Der FOCUS hat es getreulich gedruckt, was Schäuble ganz bestimmt nicht, wenigstens nicht derart unvollständig, sagen wollte.
Denn sollen Veränderungen erträglich werden für alle, setzt das zwar in der Tat voraus, dass manche Bürger sich in den Debatten nicht wieder finden, damit wenigstens diese erträglich bleiben (was wahrlich nicht immer der Fall ist).
Voraussetzung für die Veränderung ist, dass trotz und nach allen Debatten weiterhin zuverlässig die Veränderung unverändert bleibt, damit sie vom Schäuble noch gefunden und erträglich gemacht werden kann.
Es ist nämlich klar definiert, was eine Veränderung nachher ist.

Eine gewissermaßen anomalische Veränderung hat es allerdings gegeben, nach der man nun zwar auch den Herrn Schäuble in den Debatten findet, die es aber wünschenswert erscheinen lässt, den unveränderten, ja, möglichst unveränderlichen Zustand vor ihr wieder herzustellen.
Sie besteht darin, dass manche Bürger, obwohl sie nicht in den Debatten auftauchten und die Veränderungen für sie also dadurch hätten erträglich sein müssen, auf der Straße erschienen sind.
Diese Veränderung ist für manche Abgeordnete und Funktionäre schwer zu ertragen, mit Recht, denn in Demokratien können diese Veränderungen für sie Veränderungen bedeuten, die von ihnen meist als noch schwerer erträglich empfunden werden, als für die Menschen, die für alles die Verantwortung tragen sollen, wenn sich nichts ändert.
Darum druckt FOCUS und meint, das müsse Schäuble so gesagt haben, dass es gewiss besser sei, die Bürger finden sich, ihre Empfindungen usw. in den Debatten nicht wieder und die Veränderungen können weiter erträglich gestaltet werden, als dass sie nicht stattfinden.
Vielleicht meint er mit Recht, das garantiere Abgeordneten, sich unverändert weiter in den Landtagen, Parlamenten und auf den Posten zu finden.

Schäuble hätte gern, dass Ruhe die erste Bürgerpflicht sei.
Im Zeitalter des Getöses, der Blasen, des Bleches monumentaler Überschüsse und der stärker werdenden Hoffnung auf die Obhut künstlicher Intelligenz, sind Empfindungen und Wahrnehmungen der Bürger aber Rohwerte, die die Medien über Tag schürfen, um sie hierauf in Schmuck zu fassen. Schwer zu sagen, ob sie am Abend dann Schmuck medialer Sirenen sind oder ob sie von den Sirenen geschmückt werden.
Was immer, manche Bürger empfinden das als negativ.
Schäuble nicht.
Der alte Schelm hat verstanden, weiß, wenn die Politik mit der Methode des Schaffens  vollendeter Tatsachen allmählich alle Grenzen des Erträglichen an die der Unerträglichkeit geschoben hat, muss sie ihre Potentiale nutzen, es den Menschen erträglich zu machen.
Und da ist es nach Schäuble geraten, sich menschlich zu geben, Kollegen:
Lasscht die Leute doch reden, ihre Schmerzen, Nöte, sich in den Debatten wiederfinden, dann kannscht du machen, was unerläschlich isch. Das ischt die Hauptsache. Dasch du auch weiter machen kannscht, was du willscht. Werden jahrelang gepflegte Versäumnisse an den Grenzen des Zumutbaren, des asotschial Empfundenen, aber Alternativlosen fühlbar, Nöte, Mängel akut, ischt ein Gipfel erreicht, mach einen Gipfel und dischkutiere über was ischt. Denn es ischt ja, das ischt die Hauptsache, dass es ischt. So musst du nichts ändern, ohne dass du hättescht etwas ändern müssen, nicht wahr.

Die Sprache hat es im FOCUS aber verdreht, um das Gegenteil davon zu sagen, weil es weder in Wirklichkeit noch in der Realität so geschehen ist. Das war zwar die Voraussetzung, die Veränderungen zuzumuten, man hat aber nicht für notwendig gehalten, dass es für manche Leute erträglich sein müsse.

Denn:
»Entscheidungen müssten jedoch demokratisch legitimiert sein und könnten nicht „auf der Straße gefunden werden“.

Nein?
Wenn das nicht eigentlich die Empfindungen und Wahrnehmungen mancher Bürger sind, welche dann (abgesehen von der Ungewissheit, ob Schäuble ein wie sie empfindendes und wahrnehmendes Wesen sei, oder ob sie selbst eine Art Karnickel oder Ungeflügel sind, deren artgerechte Haltung problematisch ist)?
Und da ist dann noch die Spaltung.
Scholz´ Aufruf ans Volk, sich nicht spalten zu lassen, ist ein Dialog, der nach Operette ruft bzw. die Operette ruft nach ihr:

Manche Bürger:
Aah, da ist ja eine Spaltung!
Eine Spaltung,
eine Spaltung!
Seht
den Riss, der immer tiefer durch uns geht!

Scholz:
Bitte, bitte, solche Spaltung
betreibt doch nicht die Staatsverwaltung!
Diese abgrundtiefe Spaltung
die betreiben diese da
Rechts und Links et cetera!

Manche Bürger:
Ach ja, ach ja?
Wir fühlen divede et impera –
die sie machen
dafür sind die andern da?

Scholz:
Aber nein, neinneinnein
unsre demokratischen Partein
sind auch immer mehr entzwein
können gar nicht fähig sein
euch zu spalten im Verein.

Manche Bürger:
Eine Firma ist der Staat
ein Parteien-Apparat.
Wenn sie bangen um die Posten
kann es, was es kostet, kosten.
Wenn der Mensch sich zeigen sollte
anders als es die Regierung wollte
und sich frech dazu bekennt
was ihn die Regierung nennt
und es blüht der Hass
überall ohn Unterlass
dividieren
denunzieren
Sündenfall
Sündenfälle überall –
da wächst aus der Spaltung
die Pflicht zur Selbsterhaltung.
Jaaaaa:
divide et impera!

Scholz:
Populisten!
Populisten!

Manche Bürger:
Die wir lange schon vermissten!

Scholz:
Wir, die Spaltung stets verneinen
im Großen wie im Kleinen
wollen doch vereinen
haben deutlich schon vereint
was euch unvereinbar scheint
Arm und Reich
Hart und Weich
Wolf und Schaf
Lieb und Brav
unser Wesen und die Welt
die Religionen
und das Geld
unser Wert
der erschwert
die Inflation
euch zu schonen
umgekehrt
der Billiglohn
den wir tolerieren
um zu integrieren
die, die konsumieren
selbst die schwierigste Natur
alles für die Konjuktur –

Manche Bürger:
Wer gewinnt?
Diese im Entzwei-Verein
können es nicht sein
können nicht vereinen
was sie nur verneinen.
Wenn nun diese Kraft
diese Kraft
nicht das Gute schafft
bleibt uns nur das Gegenteil
selber machen wir uns heil!

Written by monologe

4. Oktober 2018 at 10:33 am

Ja, es darf

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Gestern im Bundestag Debatte zum »Etat wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung«.
Der zuständige Minister Müller fragte, ob es mit Blick auf das Elend in Idlip uns hier so gut gehen dürfe. Auf diese selbstgestellte Frage antwortete er selbst: Ja, es darf.

Ob es uns im Hinblick auf gewisse Verhältnisse im eigenen Land so gut gehen dürfe, diese Frage wird auch mit ja, es dürfe und ja, es dürfe uns sogar immer besser gehen beantwortet. Die Frage wurde uns allerdings noch nie gestellt.

Die selbstgegebene Antwort auf die selbstgestellte Frage, ob es andern Leuten in diesem Land so schlecht gehen dürfe, während es uns so gut geht, weckt die Erinnerung an ein Plakat aus früher Zeit:
nach »Brot!« schreiende Kinder bekommen zur Antwort »Kinder, Rußland verhungert!«

Die, die mit ihrer Armut wissen wohin, werden zwar weniger, aber jene, die mit ihrem Geld nicht wissen wohin, deren werden mehr.

 

Written by monologe

13. September 2018 at 8:26 am

Gerade noch rechtzeitig

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Eine Gemeinschaft »deutsch-ägyptischer« Archäologen, so wurde gemeldet, hat wieder Gräber entdeckt in Ägypten und nicht im Tal der Könige.
Es wird vermutet, dass es Privatgräber und Gräber von Beamten sind.
Auch eine Silbermaske wurde entdeckt und – die eigentliche Sensation – eine Werkstatt ausgegraben, in der Mumifizierungen vorgenommen wurden.
Chemikalien fand man in noch beschrifteten Behältern und nun wird man bald die Mittel Original-altägyptischer Mumifizierung wissen.

Es kann also sein, dass in Zwei-, Dreitausend Jahren im Hundsrück geplünderte Beamtengräber gefunden werden einer längst untergegangenen Höchstkultur aus der Ära ihres Niedergangs, mit viel Glück vielleicht auch die silberne Maske der Tutanchangela.

Written by monologe

16. Juli 2018 at 8:01 am

Veröffentlicht in Aktuelles, Glosse, Humor, Kultur, Politiker, Satire

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