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Archive for the ‘Parteien’ Category

Auf die Fresse

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WELT N24, 23.12.2017:

»Nahles kritisiert Zustand der SPD

Franktionschefin warnt Partei vor Schönreden der Situation

SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles ist unzufrieden mit dem Zustand ihrer Partei.
In einem Interview mit dem ‚Spiegel‘ warnte Nahles die Genossen davor, die eigene Lage schönzureden und sich vor Regierungsverantwortung zu drücken. ‚Manche folgen dieser Sehnsucht nach einer bequemen Nische, in der die SPD machen kann, was sie will‘, kritisierte sie. ‚Diese Sehnsucht habe ich auch mal geteilt, bis ich gemerkt habe, dass es so nicht funktioniert.‘
Nahles übte Kritik am innerparteilichen Diskurs:
‚Ich habe auf unserem letzten Parteitag gesessen und gedacht: Die SPD muss schwer aufpassen, dass sie ihre eigene Identität noch durchbuchstabieren kann.‘
Es helfe nicht, nur Maximalpositionen zu besetzen.
Die SPD müsse auch ein Angebot an Leistungsträger machen.
‚Zu den Genen unserer Partei gehört neben der Solidarität auch, dass wir uns an Arbeit und Leistung orientieren und nicht nur an staatlicher Umverteilung wie die Linkspartei‘, sagte Nahles.
Die Fraktionschefin fordert ihre Partei dazu auf, die Schuld für die eigene Lage nicht bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu suchen.
‚Nach dieser Logik brauchten wir ja nur abzuwarten, bis Merkel weg ist – und schon ginge es uns automatisch besser. Das wäre naiv.‘
«

Eigentlich unnötig, das zu kommentieren.
»Auf die Fresse.« würde als Überschrift an und für sich genügen. Der Nahles in Fresse und Gedächtnis zurück, was sie selbst ausgewürgt hat nach der Wahl und nachdem die SPD erklärt hatte, ab heute Opposition.
Es würde zwar kaum genügen, den ersten Ekel loszuwerden … wenn…ja, wenn es Kurt Tucholskis »Ein älterer, aber leicht besoffener Herr« nicht gäbe, erschienen unter Pseudonym Kaspar Hauser am 09.09.1930 in DIE WELTBÜHNE, Nr. 37, Berliner Dialekt; hier ein Stückchen daraus, besonders beachtlich die ewige schlichte Wahrheit am Ende:

»Denn wak bei die Sozis.
Na, also ick bin ja eijentlich, bei Licht besehn, ein alter, jeiebter Sosjaldemokrat. Sehn Se mah, mein Vata war aktiva Untroffssier … da liecht die Disseplin in de Familie. Ja. Ick rin in de Vasammlung. Lauta klassenbewußte Arbeita wahn da: Fräser un Maschinenschlosser un denn ooch der alte Schweißer, der Rudi Breitscheid. Der is so lang, der kann aus de Dachrinne saufn. Det hat er aba nich jetan – er hat eine Rede jehalten.
Währenddem dass die Leute schliefen, sahr ick zu ein Pachteigenossn, ick sahre: »Jenosse«, sahre ick, »woso wählst du eijentlich SPD –?«
Ick dachte, der Mann kippt mir vom Stuhl!
»Donnerwetter«, sacht er, »nu wähl ick schon ssweiunsswanssich Jahre lang diese Pachtei«, sacht er, »aber warum det ick det dhue, det hak ma noch nie iebalecht! – Sieh mal«, sachte der, »ick bin in mein Bessirk ssweita Schriftfiehra, un uff unse Ssahlahmde is det imma so jemietlich; wir kenn nu schon die Kneipe, un det Bier is auch jut, un am erschten Mai, da machen wir denn ’n Ausfluch mit Kind und Kejel und den janzen Vaein … und denn ahms is Fackelssuch … es is alles so scheen einjeschaukelt«, sacht er.
»Wat brauchst du Jrundsätze«, sacht er, »wenn dun Apparat hast!«
Und da hat der Mann janz recht.
Ick werde wahrscheinlich diese Pachtei wähln – es is so ein beruhjendes Jefiehl.
Man tut wat for de Revolutzjon, aber man weeß janz jenau: mit diese Pachtei kommt se nich.«

Ja, die klassenbewussten Arbeita gibts nicht mehr und so hat die SPD ihre Klasse verloren – oder wars irgendwie andersrum? Aber man kanns drehen wie mans will, es wäre naiv.
Die Revolutzjon ist bis vor kurzem nicht gekommen, ooch mit Nahles nich, sondern man konnte sicher sein, dass mit ihr die Revolutzjonierung der staatlichen Umverteilung ooch janz bestimmt nich kommt.
Nachdem sie Sozialministerin gewesen ist, sitzt sie nun bei der SPD im Saal und stellt fest, dass ihre Partei aufpassen muss, ihre Identität noch durchbuchstabieren zu können. Kein Wunder.
Die SPD scheint ihre Identität mit Nahles durchzubuchstabieren, also LustigLustig Trallallallala hoch auf der gelben Sozialpolitik.
Tatsächlich kann richtig sein, dass die Merkel nichts dafür kann. Und selbst wenn, würde es der SPD auch nichts nützen.
Die ärmsten der Armen werden nicht so naiv sein zu denken, die Nahles muss gehn, dann werde es vielleicht auch mal wieder ein bissel extra was zu Weihnachten geben oder wenijstens for ihre Jörn wat zun Fest. Nee.
Die ist das Gen, an dem die SPD irgendwie nicht genesen kann.

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Written by monologe

24. Dezember 2017 at 8:55 am

2012 Stand heute still

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Heute wird verbreitet, man fürchte Stillstand.
Das habe ich 2012 geschrieben, veröffentlicht am 5. Dezember 2012 im »Herr Kules«-Magazin, Gelsenkirchen:

»Über 97% für Angela Merkel als Parteichefin? Jubelnde Menge? Bekundungen „Vollster Zufriedenheit“?
Begeisterung, Zustimmung, Optimismus, Glaube; Seehofer vollzieht den Akt der „Unterwerfung“?

Und nun muss ich im Radio hören, dass ein „Schweigen“ hinter Merkel hörbar sei, ein trapsendes Schweigen, denn es sei keine Rede davon, wie die Probleme „Altersarmut“,„Energiewende“,„Finanzkrise“ sowieso usw. bewältigt werden könnten.
Nun, es ist ganz einfach.
Wir alle, alle, alle, naja, sagen wir 97% von uns, treten ein in die CDU und gehen sogleich in die Politik.
Deutschland ein Plenarsaal, wir die Volksvertretung unserer selbst, eine einzige Parteitags- und zugleich Abgeordnetenvollversammlung.

Wir erwerben Anspruch auf Politikergrundgehalt, Diäten, Abgeordnetenrenten, Anwesenheitsprämien, etc. pp.; wir erheben endlich wirschaftliche und angemessene Aufwands- und Vortragshonorare – weil wir uns das wert wären!

Wir würden Lobbyismus betreiben für Hotellerie und Pharmaindustrie, bis der Arzt käme, wir würden Millionäre, ach was, Milliardäre!; wir würden uns einladen und bewirten, bezahlen und bezirzen lassen, wir würden das Steuergeld gegen Bezahlung unseres Wohlstands zu unserem Fenster hinaus direkt und eigens in unsere Taschen zurückwerfen.
Wir würden Doktorarbeiten zum Frühstück schreiben, mit Kaudern über Hutschnur, Wurmfortsatz und Augenhöhe plaudern, und – wir müssten uns den Ex-Kanzler Schröder nicht zu irgendeinem Parteitag präsentieren lassen, müssten ihn weder innerhalb unserer Partei wiedersehn, noch womöglich außerhalb Sibiriens.

Wir hätten die absolute Mehrheit und wären sie los – unsere Prüfungen.
Wir hätten die totale soziale Gerechtigkeit – jaaaa, wir wollen sie! – und wären einen großen Teil unserer Sorgen und Ängste ledig, und die vollständige Unterwerfung unter jene Wirklichkeit als Teil der Realität, die Zukunft, die uns nicht schmeckt und nicht passt, und die wir nicht wollen, hätte ein Ende – 97% jubelnde Menge, Begeisterung, Zustimmung, Optimismus, Glaube….

Wären wir abwählbar?«

Und heute? Heute können wir zumindest sagen: die nicht funktionierende Regierung funktioniert tatsächlich nicht mehr. Endlich. Neu ist, dass die FDP Charakter, die GRÜNEN Gesicht gezeigt hat. Sonst hat sich nichts geändert.

Written by monologe

20. November 2017 at 11:14 am

FDP oder Der Kleine Klaus hälts nicht mehr aus

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Neben den Straßen an Bäume, Büsche, Maste, Stangen auf die Schnelle mit Draht angerödelt, angenötigt drei, vier übereinander: Wahlplakate.
Man sollte sich entweder nicht drum scheren oder sie genauer anschauen, auch das lohnt sich.

Eines der FDP, was, gemäß Plakat Baaschs »Mehr Gerechtigkeit für alle« über ihm, gerechterweise ausgeschrieben FriedeDenPalästen heißen müsste.
Diese Partei hat Aufwinde und bereits sogenannte Koalitionsaussagen getroffen. Das ist so, als ob der kleine Klaus ruft »Hüh, alle meine Pferde!« und erklärt, dass er sich auch den großen Klaus schonmal aussucht, dessen Pferde gut genug wären, vor seinen Pflug zu gehen.
Das Großspurige macht den Wählern stets Eindruck; wenn es schon bergab geht – pardon, bergauf, dann imponiert ihnen der SUV und Mehr Gerechtigkeit für alle – und warum nicht wie besoffen?

So wird es wohl geschehen und wahrscheinlich sein, dass dem Wahlvolk gemäß dem »Hessischen Landboten« entsprochen werden wird, wo es heißt »Friede den Hütten, Krieg den Palästen«, nur umgekehrt. Man muss es einsehen, was leicht fällt, denn nie ging es uns – pardon, Deutschland so gut wie heute.
Noch leichter geht das alles, seit man gefunden hat, dass die Neanderthaler auch schon genauso intelligent waren wie wir heute. Früher hat man sie für primitiv gehalten, aber nun – es ist nur eine Frage der Zeit gewesen.
Man hat vor Wahlen so Ahnungen – aber was Ahnungen angeht, da war der Neanderthaler uns sehr weit voraus.
Bei unsereinem reichts nur und geradeso zu der Ahnung, dass wir, im Gegensatz zum Neanderthaler, auch in ein paar Jahren nicht klüger sein werden. Und sprachlich, lieber Gott – doch dazu später.

Jedenfalls stammt der Mensch von Adam und Eva ab und der Beginn eines herrlichen darwinistischen Frühlings liegt vor uns –
Die großen Parteien scheinen das zu wissen, sie lassen riesige Wahlplakate aufstellen in der offenbaren Gewissheit, dass die »Menschen« die/den auf den größten Wahlplakaten wählen werden, die Stärksten selbstverständlich, die Vertreter ihrer selbst, ihre Identitäten, und das ist gewiss ein Anfang.
Frau Kanzlerin hält sich persönlich noch zurück, bis die Sorge um Schwäche aufkommt, dann wird genug Urvertrauen da sein, aus dem nur sie aufsteigen kann.
Wie sie z. B. neulich meinte, nicht die Arbeitslosigkeit besser ausstatten, sondern Arbeitsplätze schaffen. Die Altersarmen hat sie da nicht vergessen, die Ursachen hierfür – siehe Arbeitsplätze.
Da kann man doch staunen.
Wo es gar keine Ausstattung von Arbeitslosigkeit, kaum Renten, aber Niedriglöhne zu verdienen gibt, vorzugsweise in Deutschland, da ist bekanntlich das Problem der Arbeitslosigkeit behoben.
Vielleicht kann Deutschland Vorreiter sein in der EU, indem es die behebenden Lösungen für Arbeitslosigkeit, Armut und Faulheit mittels Modernisierung des Sozialstaates auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, den man Bulgarien nennen könnte, vorexerziert?
Freiheit, Gleichheit! Durch etliche Legislaturen schon fühlt besonders die FDP den Phantomschmerz in den amputierten Kompetenzen.

Nun, wie gesagt, es hängt von der FDP neben anderen eine gute Anzahl eines bestimmten Wahlplakates in der norddeutschen Tiefebene und lübeckischen Weltoffenheit herum, das nähere Betrachtung verdient.
Auf den ersten Blick bietet es eine willkommene Abwechslung zu jenem tumplumpen »Mehr Gerechtigkeit für alle« von und mit Baasch und seines Leibes Omen kraft SPD, indem das Plakat der FDP nicht viel mehr als Kopf und Hals des Abgeordneten Kubicki in insgesamt madonnenhafter halbprofilierten Nach- nein, Vordenkerpose zeigt, darüber geschrie – nein, gedruckt steht ”Wollen reicht nicht. Man muss es auch können.«
Die Mühe hat sich gelohnt, sauber ist es nun ausgedrückt.
Für gewöhnlich gehört Exkrement mit der Tüte aus dem Spender aufgenommen und entsorgt. Hier handelt es sich aber um die Power des Wollens aus dem Innern einer Partei, die »es« in einer druckvollen Verfassung vor der nächsten Wahl zumindest visionär auf den Punkt bringen muss.
Der Mops ist geradezu aufgeblasen damit, in die Küche zu wollen. Doch muss man es auch können.
Da weiß die FDP als bewundernswürdige Realistin, dass sie noch nicht weiß, was sie können muss, wenn sie könnte. Je nach Koalition.
Sie ist sich immerhin sehr bewusst, dass das Wollen all die Zeit bis jetzt nicht gereicht hat.

Man kann davon ausgehen, dass der Neanderthaler gute Gründe hatte, auf sowas gar nicht erst zu kommen, und wahrscheinlich deshalb, weil er ein ganz anderer Typus war.
Der Neanderthaler musste 1. über »Wollen reicht nicht« zwar gar nicht nachdenken, wusste hingegen 2., dass, wenn man schreibt »Wollen reicht nicht. Man muss es auch können«, sich dieses »es« nur auf das Wollen beziehen kann, somit nichts anderes bedeutet, als dass man das Wollen können muss.
Wäre der Neanderthaler auf sowas gekommen, hätte er es sich vermutlich verkniffen oder in Höhlenmalerei ausgedrückt, aber es ist genau das, was die FDP in aller Ehrlich- und Aufrichtigkeit sagen will – und kann:
Können zu wollen.

Written by monologe

7. April 2017 at 11:59 am

Über Baaschs Bauchgefühl

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Des Lübecker SPD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Baaschs Wunsch ist es, wiedergewählt zu werden.
Um für sich zu werben und einzunehmen hat er ein Wahlplakat anfertigen und sich auf ihm abbilden lassen, eine x-fach-Auflage Stillleben des Vorstellens also zum Anrödeln an Masten und Stangen stadtein, stadtaus.
Ausnahmsweise quer über den Abgeordneten Baasch wie eine Bauchbinde um einen Stumpen – der sonst auch keine trägt – steht zwischen Strichen der Anführung gedruckt, das, wovon man sicher sein kann, dass er es sich auch auf die Fahnen geschrieben hat:
»Mehr Gerechtigkeit für alle«.

Baasch ist beileibe kein Dünner, aber mehr Text, als etwa Gerechtigkeit auf eine Kuhhaut passt, ging quer über ihn einfach nicht drauf.

Die griffige, auf Baasch passende Ansage folgt offenbar den Verheißungen des Kanzlerkandidaten Schulz:
Es ist die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, die dafür sorgen muss, dass jeder einzelne Mensch, jeder Mann, jedes Kind, jede Frau im Mittelpunkt unseres Denkens und im Mittelpunkt unseres Handelns stehen. Ich möchte, dass der einzelne Mensch Respekt bekommt.“ –
wie in den alten Liedern

»…eines kann ich schon jetzt vorwegnehmen: Bei unserem Programm wird es um Gerechtigkeit, um Respekt und um Würde gehen.«
Die SPD hat es bitter nötig, aber was immer Schulz vorwegnimmt, wenn es kommt, es käme jedenfalls im Nachhinein.

»Wir wollen, dass die SPD die stärkste politische Kraft nach der Bundestagswahl wird, damit sie das Mandat bekommt, dieses Land besser und gerechter zu machen und den Menschen den Respekt entgegenzubringen, den die Menschen verdienen.«,
wenn sie die SPD wählen.

Baaschs dumpfe Kurzversion dürfte überzeugender sein.

»Mehr Gerechtigkeit für alle« auf Wunsch bedeutet in seiner überraschenden Einfachheit spontan zunächst mehr als überhaupt nichts, doch dass man es der Einfachheit halber wählen kann, um sich dann einfach mal überraschen zu lassen, wieviel mehr einfacher es sein wird.

Um den Rand von Baaschs Plakat drängen sich noch ein paar Fragen.
Ist uns allen noch nicht genug Gerechtigkeit widerfahren?
Wird »Mehr Gerechtigkeit für alle« partiell noch das Allerlebensnotwendigste zur Befriedigung der Grundübel der wesentlichen Existenz auch noch beinhalten oder gehts ins Argere? Heißt das mehr ins Kneifschwein vom Vatter Ubu mit allen, die es verdienen, und siehe, es ist unabwendbar gerechter und nur halb so persönlich bedrohlich wie Komplettüberwachung?
Soll eine Gerechtigkeits-Behörde geschaffen werden, die alle der ohne Unterschrift gültigen Gerechtigkeit zuführt und hierauf respektvoll automatisiert in ein verdientes, aber ebenso gerechteres wie nicht unwürdiges Schicksal einordnet, aber endlich die Pfandflaschensammel-Reviere auch zuteilt?
Was immer, die SPD ist die ideale Adresse für Zuversicht und Vertrauen, auch mehr, wenn man nicht weiß woher und auch nicht wohin mit den Defiziten.
SPD qua Schulz, da weiß man wieder ein, nicht mehr nur aus!

Mit der Kompetenz im Kern der Verursacherin scheint sie es leicht zu haben: bessern, was sie selbst den »Menschen« einst maßgeblich bestimmt und angemessen hat, bieten und entgegen bringen, was sie ihnen, wo es ging, entzog, erneuern, was in Verschlechterung und Verschleiß geraten ist durch sie und woanders gern billig in Kauf genommen wurde.

Das hatten, als es nach ihr ging – man erinnert sich -, die »Menschen« doch auch damals schon verdient, nichts anderes, in Folge dessen sie heute für Anderes vielfach nicht mehr genug verdienen.
Was hat Schulz für die SPD also vor der Wahl zuerst entdeckt: Würde und Respekt und dann den »Menschen« oder umgekehrt?
Auf welche »Menschen« hofft er? Die die SPD früher schon überzeugt hat mit konsequenter Schaffung von Gerechtigkeit?; die ihren angewandten Respekt vergessen haben?; die das Mindestmaß Würde, das laut Grundgesetz nicht angetastet werden kann, nicht in einem Schweizer Bankfach sicherer meinen, sondern dransetzen wollen?

Die heute gültigen, von der SPD aufgestellten Standards sind von solcher Qualität, dass die CDU sie mit Handkuss übernommen hat, um zusammen mir der SPD als Kombine die Ernte einzubringen und das Land zu hegen und zu pflegen bis heute, damit es den Leuten so gut gehe wie nie zuvor.

Nachdem Schulz der SPD gesprochen hatte von Gerechtigkeit, Respekt und Würde, da hats im Saal einen Jubel gegeben, einen Freudentanz, als hätte tatsächlich nie irgendwer da unten je oder schon lange nicht mehr von dergleichen gehört.

Über ein Bauchgefühl hat es der Abgeordnete Baasch dann auf den Punkt gebracht:
»Mehr Gerechtigkeit für alle«.

Das werden doch wissen die lübschen lebenden Toten,
Baasch hätte es längst praktiziert, doch war es verboten.

Richtig ist, dass bis jetzt zumindest nicht allen von der SPD mehr Gerechtigkeit widerfahren ist.

Written by monologe

31. März 2017 at 6:01 pm

Tauberität und Maasfülle

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Dieses von CDU-Generalsekretär Tauber Gesagte war Anfang Mai erschienen:
Das auf dem AfD-Parteitag Diskutierte ist nicht konservativ, ist nicht patriotisch, ist nicht freiheitlich, sondern ist vor allem reaktionär und autoritär.[…] Die Haltung der AfD ist ausgrenzend“.

Das ist online nicht mehr auffindbar, stattdessen:
Die Debatten auf dem Parteitag zeigen: Die AfD will zurück in eine Bundesrepublik, die es so nie gab. Das ist nicht konservativ, sondern reaktionär

Vor zwei Tagen nun wurde von „Spiegel Online“, „ZEIT ONLINE“ und „Süddeutsche.de“ jeweils derselbe Artikel veröffentlicht, also vermutlich voneinander abgeschrieben, in dem zum gleichen Thema Justizminister Maas zitiert wird; die interessantesten Auszüge daraus:
„‘Die AfD – das sind Brüder im Geiste von Wladimir Putin, Donald Trump und Recep Tayyip Erdogan: nationalistisch, autoritär und frauenfeindlich’[…]
‘Unser Land hat eine trübe Vergangenheit, aber die Generation unserer Eltern hat ein modernes Deutschland geschaffen: weltoffen und liberal im Innern, gute Nachbarn und friedliche Partner nach außen. Natürlich ist unser Land nicht perfekt, aber eines ist klar – die Rechtspopulisten sind keine gute Alternative für Deutschland’ […]
‘Sie
(die AfD) muss sich an ihren Worten festhalten lassen. Das AfD-Programm ist der Fahrplan in ein anderes Deutschland, in das Deutschland von vorgestern’ […]
‘Statt die AfD zu dämonisieren, müssen wir die inhaltliche Auseinandersetzung mit ihr führen.’ Allerdings sei es nicht einfach, ‘mit Menschen zu diskutieren, die Fakten ignorieren, überall ‚Elitenbetrug‘ oder ‚Lügenpresse‘ wittern und ihre Realität aus den Verschwörungszirkeln des Internets zusammenklauben’

Glücklicherweise ist unserem Maas der Begriff „Bauernfänger “ nicht herausgerutscht, obwohl die AfD, wenn man die Maas´sche Aufklärung richtig versteht, freilich genau solche am leichtesten fängt, die einen Liter Milch für unter 20 Cent verkaufen, obwohl sie davon nicht existieren können. Deppen, die sich die Realität aus ihrer Wirklichkeit zusammenklauben, könnten sich in ihrer Not von der SPD als Bruder im Geiste verlassen fühlen, die inhaltlichen Auseinandersetzungen satt haben, aus der Witterung von Ignoranz und „Elitenbetrug“ allüberall eine Tugend machen und folgerichtig die AfD wählen.

Es gibt Menschen. die nach der Aufklärung von Maas eine starke Bestätigung darin sehen, dass es besonders für diesen schwierig ist, mit Menschen zu diskutieren, denen jegliche „Zusammenarbeit“ verweigert wird, „die Fakten ignorieren, überall ‚Elitenbetrug‘ oder ‚Lügenpresse‘ wittern und ihre Realität aus den Verschwörungszirkeln des Internets zusammenklauben“.
In einer solchen Partei könnten sich gerade die Bauern wie zu Hause fühlen.
Und dass ihnen alle Schreckgespenster der Neuzeit (Kim Jong-un wurde sicher nicht genannt, weil er auch dabei sein wollte) als Brüder im Geist untergejubelt werden, wird sie nicht besonders schrecken. Die sind weit.
Die Bauern werden allerhöchstens fragen, was ist ein „Bruder im Geist“ eines Erdogan?

Davon abgesehen, dass man – im Geist – jedermanns*fraus Bruder*Schwester sein darf: ist das nun der wahre Erdogan oder Mittel zum Zweck, der verhetzten Meute den kürzesten Weg zu legen zum geistigen Bruder im Sinne von  „Haltet den geistigen Bruder!“?

Ja, halt!, sollte unserem Maas da in der freudigen Erregung – die Aufführung des Erdogan als geistiges Ideal ist ja nicht ganz ohne Reiz!
„…nationalistisch, autoritär und frauenfeindlich […] Fahrplan in ein anderes Deutschland, in das Deutschland von vorgestern…“ – das muss man sich aus „Verschwörungszirkeln des Internets zusammenklauben“?

Maas hat ganz vergessen, „Islamfeindlichkeit“, „Islamophobie“ bei der AfD zu diagnostizieren.
Zwar hält er es nicht für nötig, seine anderen Befunde zu belegen, doch da er sichs nicht verkneifen konnte, als Bruder im Geiste der AfD unseren ehemaligen Freund Erdogan zu nennen, kann er in Folge davon der AfD nur sehr schlecht Islamfeindlichkeit attestieren. Denn damit wäre ja Erdogan – kaum auszudenken!
Aber Maas konnte einfach nicht widerstehen. Die AfD in die Nähe der aktuell dem Volke unsympathischsten Staatenlenker zu schieben, ja, geistig zu verbrüdern (Kim Jong-un ist vielleicht zu grotesk gewesen?) ist eine ultima ratio. Die letzte Hoffnung auf Erdogans, Putins, Trumps abstoßende Wirkung zu setzen war einfach zu verlockend, so sehr es den Maas verdrossen haben mag, die abstoßende Wirkung der Islamfeindlichkeit dafür opfern zu müssen.
Der Afd einerseits geistiger Bruder Erdogans, andererseits islamfeindlich-phobisch, das ist halt nicht gegangen.
Doch gibt es die begründete Hoffnung, dass die Freicorps der Wahrheitspresse durchaus den nötigen Ersatz leisten.

Natürlich ist nicht alles perfekt. Maas muss hoffen, dass wenigstens Putin, Erdogan und Trump in der Weise wirken, wie er sichs von ihnen erhofft. Wenn ja, wird er froh sein, dass es sie gegeben hat, die Lieben; lieben sollst du deine Feinde.

Dass der Maas den Erdogan nach dessen Popanzitierung als die rechte Backe derer hinhält, die durch jeden Dreck zu ihm gezogen werden, das ist natürlich nur zum Gebrauch für den gedachten guten Zweck bestimmt, ansonsten ist wohl auch das Satire, Kunst, denn es lässt sich ja leicht vorstellen, was es für ein Fressen für Erdogan wäre, wenn er findet, dass der Maas ihn ganz unsatirisch und nicht als geistiger Bruder Böhmermanns zusammen mit Trump und Putin als geistigen großen Bruder der AfD qualifiziert hat!
Da wird es dem Maas auch nicht helfen, dass er einen Kim Jong-un und die gesamte chinesische Führung ausgeschlossen hat (Castro zieht nicht mehr und Kaczinski? Ob der über die AfD für Erdogan als geistiger Bruder in Frage kommt, dessen war Maas sich offenbar schon vor drei Tagen nicht ganz sicher, und wirklich, gestern meldete die „Die Welt“: „Sängerinnen, Veganer und Psychologiestudenten gegen Kaczynski: Die polnische Opposition sammelt sich und plant einen langen Marsch. Die konservative Revolution ist ins Stocken geraten.“ Polen ist also noch nicht verloren).

Für die Gegner der AfD stellt sich nun erst die spannendste aller Fragen:
gehört die AfD nach allem, was man jetzt über sie weiß, zu Deutschland?

Es wurde außerdem gemeldet: Schäuble will die Steuern senken für die mittleren Einkommen.
Nach 1017.

Neues auch von der Kundenanimation: „#ImPerfekt“. Obwohl der Imperfekt out ist.

Paradigma

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„Hinterher ist man immer schlauer“ ist in diesen Tagen global scheiternder Politik von den Politikern öfter zu hören.
Wir werden uns daran gewöhnen müssen, es künftig noch öfter zu hören, und es wird uns als die selbstverständlichste Sache der Welt erscheinen, auf der wir nun einmal nicht zu denen gehören, die vorher klüger sein müssen, da es jedenfalls auch nicht genügt, immer hinterher schlauer zu sein, wenn man nicht klüger werden kann als zuvor.
Das könnte nur Realität werden, wenn es der Wirklichkeit entspricht.
Außenpolitik als Wunschkonzert mit Sonntagsreden ist erhebend, inspirierend, anregend; für den, der die Wirklichkeit kennt, wäre sie sonst vielleicht ohne weiteres entmutigend.
Wahr soll nur bleiben, dass jedes Konzert einmal zu Ende ist. Auch innenpolitisch.

Es ist ein gewendeter Fatalismus: ist man hinterher schlauer, hat das nicht unausweichlich zur Folge, dass man zuvor dumm sein wird.

Es handelt sich darum, von der Wirklichkeit so wenig anerkennen zu müssen wie nur möglich und weitestgehend unabhängig von ihr real zu existieren.

 

Bajuwarisches Fracking oder Das Neue Rumpelstilzchen

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Um König Seehofer – man wusste das sicher schon im Voraus – hatte sich vor und während dem Wahlkampf Kaiserliches Stroh haufenweise wieder aufgetürmt, das zu Gold gesponnen werden musste.
Es wird sich also die CSU wieder hingesetzt haben. Nicht, weil Stroh zu Gold zu spinnen für eine zwar an simplen Ideen reiche Müllerstochter inzwischen so einfach wäre, nein, weil aus den Untiefen der Staatskanzlei nur wenns Stroh zu Gold spinnen gilt verlässlich prompt ein neues Rumpelstilzchen durchstartend aufgehüpft kommt. Bajuwarisches Fracking.
Und es kam eins, ein rigoroses Exemplar.
Allerdings erschien der rumpelnde Goldspinner nicht aus dem gestampften Boden, vielmehr ist er nachgerückt.
Man kannte ihn schon und konnte ihn schon sich bewähren gesehen und gefühlt haben.
Er hat die große Klappe selbst mitgebracht, aus der er über sich hinauswachsend gefördert und gezogen werden konnte, man hat aber nicht den Eindruck, als sei als Klon wieder außi kumma, was als original zu Guttenberg abganga is. Denn nicht aus der Erd isser kumman, auch nicht aus scholliger Nähr-Watte, sondern direkt aus´m, ja, eim Schmuck-Kaschtel. Ein menschliches Kronjuwel isser aus dem Kaschtel, wo die Maut no drin is, gell.
Generalsekretär der Müllerstochter ist er lobesam, das ist der Job.
Alles Stroh ist eitel Zahngold geworden, auf welchem Haar wächst, und so ist er jüngst, zur Pressekonferenz der Generalsekretäre, als Hoffnungsträger eines dunkelbraunen Slim-fit Nadelstreifenanzugs erschienen (slim-fit, eine jungdynamische Brust-raus-Mode, die sich an der Sauerkraut Geschmack abgebenden Platzwurst orientiert).
Man glaubte zu spinnen. Ein Affe, wer Affiges dabei dachte.
Aber es war vielleicht kein gewöhnlicher Nadelstreifen, zu dem weiße Gamaschen getragen werden. Es hätte ein straussreminiszenter Altbestand Huberzwirn sein können, was immer das ist, aber diese Streifen waren wohl gezogen vom Drall jenes Kanonenrohrs, das das Shooting-Star-Männchen rumpelnd direkt ans Rednerpult austrug.
Ja, er platzte herein und mit ihm eine neue, modernere Zeit.
So unnachahmlich ansehnlich in der Nachahmung und zauberhaft langweilig bis öde.
Heute spinn ich, morgen – soll er nun Minister werden wie gehabt. Sein Stecken trägt Nägel verschiedenster Höhen, die er schon erklommen, in allem ein zu Guttenberg nachfolgender, zukunftiger Führer, aber Doktor ist er nicht.
Nehmts den, wirds geheißen haben, da weiß ma, was ma kriegt!
Was mer hat – Stichwort Große Koalition, gell – das weiß mer nicht mehr so genau!

Wie nun ist sein Name?