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FDP oder Der Kleine Klaus hälts nicht mehr aus

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Neben den Straßen an Bäume, Büsche, Maste, Stangen auf die Schnelle mit Draht angerödelt, angenötigt drei, vier übereinander: Wahlplakate.
Man sollte sich entweder nicht drum scheren oder sie genauer anschauen, auch das lohnt sich.

Eines der FDP, was, gemäß Plakat Baaschs »Mehr Gerechtigkeit für alle« über ihm, gerechterweise ausgeschrieben FriedeDenPalästen heißen müsste.
Diese Partei hat Aufwinde und bereits sogenannte Koalitionsaussagen getroffen. Das ist so, als ob der kleine Klaus ruft »Hüh, alle meine Pferde!« und erklärt, dass er sich auch den großen Klaus schonmal aussucht, dessen Pferde gut genug wären, vor seinen Pflug zu gehen.
Das Großspurige macht den Wählern stets Eindruck; wenn es schon bergab geht – pardon, bergauf, dann imponiert ihnen der SUV und Mehr Gerechtigkeit für alle – und warum nicht wie besoffen?

So wird es wohl geschehen und wahrscheinlich sein, dass dem Wahlvolk gemäß dem »Hessischen Landboten« entsprochen werden wird, wo es heißt »Friede den Hütten, Krieg den Palästen«, nur umgekehrt. Man muss es einsehen, was leicht fällt, denn nie ging es uns – pardon, Deutschland so gut wie heute.
Noch leichter geht das alles, seit man gefunden hat, dass die Neanderthaler auch schon genauso intelligent waren wie wir heute. Früher hat man sie für primitiv gehalten, aber nun – es ist nur eine Frage der Zeit gewesen.
Man hat vor Wahlen so Ahnungen – aber was Ahnungen angeht, da war der Neanderthaler uns sehr weit voraus.
Bei unsereinem reichts nur und geradeso zu der Ahnung, dass wir, im Gegensatz zum Neanderthaler, auch in ein paar Jahren nicht klüger sein werden. Und sprachlich, lieber Gott – doch dazu später.

Jedenfalls stammt der Mensch von Adam und Eva ab und der Beginn eines herrlichen darwinistischen Frühlings liegt vor uns –
Die großen Parteien scheinen das zu wissen, sie lassen riesige Wahlplakate aufstellen in der offenbaren Gewissheit, dass die »Menschen« die/den auf den größten Wahlplakaten wählen werden, die Stärksten selbstverständlich, die Vertreter ihrer selbst, ihre Identitäten, und das ist gewiss ein Anfang.
Frau Kanzlerin hält sich persönlich noch zurück, bis die Sorge um Schwäche aufkommt, dann wird genug Urvertrauen da sein, aus dem nur sie aufsteigen kann.
Wie sie z. B. neulich meinte, nicht die Arbeitslosigkeit besser ausstatten, sondern Arbeitsplätze schaffen. Die Altersarmen hat sie da nicht vergessen, die Ursachen hierfür – siehe Arbeitsplätze.
Da kann man doch staunen.
Wo es gar keine Ausstattung von Arbeitslosigkeit, kaum Renten, aber Niedriglöhne zu verdienen gibt, vorzugsweise in Deutschland, da ist bekanntlich das Problem der Arbeitslosigkeit behoben.
Vielleicht kann Deutschland Vorreiter sein in der EU, indem es die behebenden Lösungen für Arbeitslosigkeit, Armut und Faulheit mittels Modernisierung des Sozialstaates auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, den man Bulgarien nennen könnte, vorexerziert?
Freiheit, Gleichheit! Durch etliche Legislaturen schon fühlt besonders die FDP den Phantomschmerz in den amputierten Kompetenzen.

Nun, wie gesagt, es hängt von der FDP neben anderen eine gute Anzahl eines bestimmten Wahlplakates in der norddeutschen Tiefebene und lübeckischen Weltoffenheit herum, das nähere Betrachtung verdient.
Auf den ersten Blick bietet es eine willkommene Abwechslung zu jenem tumplumpen »Mehr Gerechtigkeit für alle« von und mit Baasch und seines Leibes Omen kraft SPD, indem das Plakat der FDP nicht viel mehr als Kopf und Hals des Abgeordneten Kubicki in insgesamt madonnenhafter halbprofilierten Nach- nein, Vordenkerpose zeigt, darüber geschrie – nein, gedruckt steht ”Wollen reicht nicht. Man muss es auch können.«
Die Mühe hat sich gelohnt, sauber ist es nun ausgedrückt.
Für gewöhnlich gehört Exkrement mit der Tüte aus dem Spender aufgenommen und entsorgt. Hier handelt es sich aber um die Power des Wollens aus dem Innern einer Partei, die »es« in einer druckvollen Verfassung vor der nächsten Wahl zumindest visionär auf den Punkt bringen muss.
Der Mops ist geradezu aufgeblasen damit, in die Küche zu wollen. Doch muss man es auch können.
Da weiß die FDP als bewundernswürdige Realistin, dass sie noch nicht weiß, was sie können muss, wenn sie könnte. Je nach Koalition.
Sie ist sich immerhin sehr bewusst, dass das Wollen all die Zeit bis jetzt nicht gereicht hat.

Man kann davon ausgehen, dass der Neanderthaler gute Gründe hatte, auf sowas gar nicht erst zu kommen, und wahrscheinlich deshalb, weil er ein ganz anderer Typus war.
Der Neanderthaler musste 1. über »Wollen reicht nicht« zwar gar nicht nachdenken, wusste hingegen 2., dass, wenn man schreibt »Wollen reicht nicht. Man muss es auch können«, sich dieses »es« nur auf das Wollen beziehen kann, somit nichts anderes bedeutet, als dass man das Wollen können muss.
Wäre der Neanderthaler auf sowas gekommen, hätte er es sich vermutlich verkniffen oder in Höhlenmalerei ausgedrückt, aber es ist genau das, was die FDP in aller Ehrlich- und Aufrichtigkeit sagen will – und kann:
Können zu wollen.

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Written by monologe

7. April 2017 at 11:59 am

Über Baaschs Bauchgefühl

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Des Lübecker SPD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Baaschs Wunsch ist es, wiedergewählt zu werden.
Um für sich zu werben und einzunehmen hat er ein Wahlplakat anfertigen und sich auf ihm abbilden lassen, eine x-fach-Auflage Stillleben des Vorstellens also zum Anrödeln an Masten und Stangen stadtein, stadtaus.
Ausnahmsweise quer über den Abgeordneten Baasch wie eine Bauchbinde um einen Stumpen – der sonst auch keine trägt – steht zwischen Strichen der Anführung gedruckt, das, wovon man sicher sein kann, dass er es sich auch auf die Fahnen geschrieben hat:
»Mehr Gerechtigkeit für alle«.

Baasch ist beileibe kein Dünner, aber mehr Text, als etwa Gerechtigkeit auf eine Kuhhaut passt, ging quer über ihn einfach nicht drauf.

Die griffige, auf Baasch passende Ansage folgt offenbar den Verheißungen des Kanzlerkandidaten Schulz:
Es ist die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, die dafür sorgen muss, dass jeder einzelne Mensch, jeder Mann, jedes Kind, jede Frau im Mittelpunkt unseres Denkens und im Mittelpunkt unseres Handelns stehen. Ich möchte, dass der einzelne Mensch Respekt bekommt.“ –
wie in den alten Liedern

»…eines kann ich schon jetzt vorwegnehmen: Bei unserem Programm wird es um Gerechtigkeit, um Respekt und um Würde gehen.«
Die SPD hat es bitter nötig, aber was immer Schulz vorwegnimmt, wenn es kommt, es käme jedenfalls im Nachhinein.

»Wir wollen, dass die SPD die stärkste politische Kraft nach der Bundestagswahl wird, damit sie das Mandat bekommt, dieses Land besser und gerechter zu machen und den Menschen den Respekt entgegenzubringen, den die Menschen verdienen.«,
wenn sie die SPD wählen.

Baaschs dumpfe Kurzversion dürfte überzeugender sein.

»Mehr Gerechtigkeit für alle« auf Wunsch bedeutet in seiner überraschenden Einfachheit spontan zunächst mehr als überhaupt nichts, doch dass man es der Einfachheit halber wählen kann, um sich dann einfach mal überraschen zu lassen, wieviel mehr einfacher es sein wird.

Um den Rand von Baaschs Plakat drängen sich noch ein paar Fragen.
Ist uns allen noch nicht genug Gerechtigkeit widerfahren?
Wird »Mehr Gerechtigkeit für alle« partiell noch das Allerlebensnotwendigste zur Befriedigung der Grundübel der wesentlichen Existenz auch noch beinhalten oder gehts ins Argere? Heißt das mehr ins Kneifschwein vom Vatter Ubu mit allen, die es verdienen, und siehe, es ist unabwendbar gerechter und nur halb so persönlich bedrohlich wie Komplettüberwachung?
Soll eine Gerechtigkeits-Behörde geschaffen werden, die alle der ohne Unterschrift gültigen Gerechtigkeit zuführt und hierauf respektvoll automatisiert in ein verdientes, aber ebenso gerechteres wie nicht unwürdiges Schicksal einordnet, aber endlich die Pfandflaschensammel-Reviere auch zuteilt?
Was immer, die SPD ist die ideale Adresse für Zuversicht und Vertrauen, auch mehr, wenn man nicht weiß woher und auch nicht wohin mit den Defiziten.
SPD qua Schulz, da weiß man wieder ein, nicht mehr nur aus!

Mit der Kompetenz im Kern der Verursacherin scheint sie es leicht zu haben: bessern, was sie selbst den »Menschen« einst maßgeblich bestimmt und angemessen hat, bieten und entgegen bringen, was sie ihnen, wo es ging, entzog, erneuern, was in Verschlechterung und Verschleiß geraten ist durch sie und woanders gern billig in Kauf genommen wurde.

Das hatten, als es nach ihr ging – man erinnert sich -, die »Menschen« doch auch damals schon verdient, nichts anderes, in Folge dessen sie heute für Anderes vielfach nicht mehr genug verdienen.
Was hat Schulz für die SPD also vor der Wahl zuerst entdeckt: Würde und Respekt und dann den »Menschen« oder umgekehrt?
Auf welche »Menschen« hofft er? Die die SPD früher schon überzeugt hat mit konsequenter Schaffung von Gerechtigkeit?; die ihren angewandten Respekt vergessen haben?; die das Mindestmaß Würde, das laut Grundgesetz nicht angetastet werden kann, nicht in einem Schweizer Bankfach sicherer meinen, sondern dransetzen wollen?

Die heute gültigen, von der SPD aufgestellten Standards sind von solcher Qualität, dass die CDU sie mit Handkuss übernommen hat, um zusammen mir der SPD als Kombine die Ernte einzubringen und das Land zu hegen und zu pflegen bis heute, damit es den Leuten so gut gehe wie nie zuvor.

Nachdem Schulz der SPD gesprochen hatte von Gerechtigkeit, Respekt und Würde, da hats im Saal einen Jubel gegeben, einen Freudentanz, als hätte tatsächlich nie irgendwer da unten je oder schon lange nicht mehr von dergleichen gehört.

Über ein Bauchgefühl hat es der Abgeordnete Baasch dann auf den Punkt gebracht:
»Mehr Gerechtigkeit für alle«.

Das werden doch wissen die lübschen lebenden Toten,
Baasch hätte es längst praktiziert, doch war es verboten.

Richtig ist, dass bis jetzt zumindest nicht allen von der SPD mehr Gerechtigkeit widerfahren ist.

Written by monologe

31. März 2017 at 6:01 pm

Tauberität und Maasfülle

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Dieses von CDU-Generalsekretär Tauber Gesagte war Anfang Mai erschienen:
Das auf dem AfD-Parteitag Diskutierte ist nicht konservativ, ist nicht patriotisch, ist nicht freiheitlich, sondern ist vor allem reaktionär und autoritär.[…] Die Haltung der AfD ist ausgrenzend“.

Das ist online nicht mehr auffindbar, stattdessen:
Die Debatten auf dem Parteitag zeigen: Die AfD will zurück in eine Bundesrepublik, die es so nie gab. Das ist nicht konservativ, sondern reaktionär

Vor zwei Tagen nun wurde von „Spiegel Online“, „ZEIT ONLINE“ und „Süddeutsche.de“ jeweils derselbe Artikel veröffentlicht, also vermutlich voneinander abgeschrieben, in dem zum gleichen Thema Justizminister Maas zitiert wird; die interessantesten Auszüge daraus:
„‘Die AfD – das sind Brüder im Geiste von Wladimir Putin, Donald Trump und Recep Tayyip Erdogan: nationalistisch, autoritär und frauenfeindlich’[…]
‘Unser Land hat eine trübe Vergangenheit, aber die Generation unserer Eltern hat ein modernes Deutschland geschaffen: weltoffen und liberal im Innern, gute Nachbarn und friedliche Partner nach außen. Natürlich ist unser Land nicht perfekt, aber eines ist klar – die Rechtspopulisten sind keine gute Alternative für Deutschland’ […]
‘Sie
(die AfD) muss sich an ihren Worten festhalten lassen. Das AfD-Programm ist der Fahrplan in ein anderes Deutschland, in das Deutschland von vorgestern’ […]
‘Statt die AfD zu dämonisieren, müssen wir die inhaltliche Auseinandersetzung mit ihr führen.’ Allerdings sei es nicht einfach, ‘mit Menschen zu diskutieren, die Fakten ignorieren, überall ‚Elitenbetrug‘ oder ‚Lügenpresse‘ wittern und ihre Realität aus den Verschwörungszirkeln des Internets zusammenklauben’

Glücklicherweise ist unserem Maas der Begriff „Bauernfänger “ nicht herausgerutscht, obwohl die AfD, wenn man die Maas´sche Aufklärung richtig versteht, freilich genau solche am leichtesten fängt, die einen Liter Milch für unter 20 Cent verkaufen, obwohl sie davon nicht existieren können. Deppen, die sich die Realität aus ihrer Wirklichkeit zusammenklauben, könnten sich in ihrer Not von der SPD als Bruder im Geiste verlassen fühlen, die inhaltlichen Auseinandersetzungen satt haben, aus der Witterung von Ignoranz und „Elitenbetrug“ allüberall eine Tugend machen und folgerichtig die AfD wählen.

Es gibt Menschen. die nach der Aufklärung von Maas eine starke Bestätigung darin sehen, dass es besonders für diesen schwierig ist, mit Menschen zu diskutieren, denen jegliche „Zusammenarbeit“ verweigert wird, „die Fakten ignorieren, überall ‚Elitenbetrug‘ oder ‚Lügenpresse‘ wittern und ihre Realität aus den Verschwörungszirkeln des Internets zusammenklauben“.
In einer solchen Partei könnten sich gerade die Bauern wie zu Hause fühlen.
Und dass ihnen alle Schreckgespenster der Neuzeit (Kim Jong-un wurde sicher nicht genannt, weil er auch dabei sein wollte) als Brüder im Geist untergejubelt werden, wird sie nicht besonders schrecken. Die sind weit.
Die Bauern werden allerhöchstens fragen, was ist ein „Bruder im Geist“ eines Erdogan?

Davon abgesehen, dass man – im Geist – jedermanns*fraus Bruder*Schwester sein darf: ist das nun der wahre Erdogan oder Mittel zum Zweck, der verhetzten Meute den kürzesten Weg zu legen zum geistigen Bruder im Sinne von  „Haltet den geistigen Bruder!“?

Ja, halt!, sollte unserem Maas da in der freudigen Erregung – die Aufführung des Erdogan als geistiges Ideal ist ja nicht ganz ohne Reiz!
„…nationalistisch, autoritär und frauenfeindlich […] Fahrplan in ein anderes Deutschland, in das Deutschland von vorgestern…“ – das muss man sich aus „Verschwörungszirkeln des Internets zusammenklauben“?

Maas hat ganz vergessen, „Islamfeindlichkeit“, „Islamophobie“ bei der AfD zu diagnostizieren.
Zwar hält er es nicht für nötig, seine anderen Befunde zu belegen, doch da er sichs nicht verkneifen konnte, als Bruder im Geiste der AfD unseren ehemaligen Freund Erdogan zu nennen, kann er in Folge davon der AfD nur sehr schlecht Islamfeindlichkeit attestieren. Denn damit wäre ja Erdogan – kaum auszudenken!
Aber Maas konnte einfach nicht widerstehen. Die AfD in die Nähe der aktuell dem Volke unsympathischsten Staatenlenker zu schieben, ja, geistig zu verbrüdern (Kim Jong-un ist vielleicht zu grotesk gewesen?) ist eine ultima ratio. Die letzte Hoffnung auf Erdogans, Putins, Trumps abstoßende Wirkung zu setzen war einfach zu verlockend, so sehr es den Maas verdrossen haben mag, die abstoßende Wirkung der Islamfeindlichkeit dafür opfern zu müssen.
Der Afd einerseits geistiger Bruder Erdogans, andererseits islamfeindlich-phobisch, das ist halt nicht gegangen.
Doch gibt es die begründete Hoffnung, dass die Freicorps der Wahrheitspresse durchaus den nötigen Ersatz leisten.

Natürlich ist nicht alles perfekt. Maas muss hoffen, dass wenigstens Putin, Erdogan und Trump in der Weise wirken, wie er sichs von ihnen erhofft. Wenn ja, wird er froh sein, dass es sie gegeben hat, die Lieben; lieben sollst du deine Feinde.

Dass der Maas den Erdogan nach dessen Popanzitierung als die rechte Backe derer hinhält, die durch jeden Dreck zu ihm gezogen werden, das ist natürlich nur zum Gebrauch für den gedachten guten Zweck bestimmt, ansonsten ist wohl auch das Satire, Kunst, denn es lässt sich ja leicht vorstellen, was es für ein Fressen für Erdogan wäre, wenn er findet, dass der Maas ihn ganz unsatirisch und nicht als geistiger Bruder Böhmermanns zusammen mit Trump und Putin als geistigen großen Bruder der AfD qualifiziert hat!
Da wird es dem Maas auch nicht helfen, dass er einen Kim Jong-un und die gesamte chinesische Führung ausgeschlossen hat (Castro zieht nicht mehr und Kaczinski? Ob der über die AfD für Erdogan als geistiger Bruder in Frage kommt, dessen war Maas sich offenbar schon vor drei Tagen nicht ganz sicher, und wirklich, gestern meldete die „Die Welt“: „Sängerinnen, Veganer und Psychologiestudenten gegen Kaczynski: Die polnische Opposition sammelt sich und plant einen langen Marsch. Die konservative Revolution ist ins Stocken geraten.“ Polen ist also noch nicht verloren).

Für die Gegner der AfD stellt sich nun erst die spannendste aller Fragen:
gehört die AfD nach allem, was man jetzt über sie weiß, zu Deutschland?

Es wurde außerdem gemeldet: Schäuble will die Steuern senken für die mittleren Einkommen.
Nach 1017.

Neues auch von der Kundenanimation: „#ImPerfekt“. Obwohl der Imperfekt out ist.

Paradigma

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„Hinterher ist man immer schlauer“ ist in diesen Tagen global scheiternder Politik von den Politikern öfter zu hören.
Wir werden uns daran gewöhnen müssen, es künftig noch öfter zu hören, und es wird uns als die selbstverständlichste Sache der Welt erscheinen, auf der wir nun einmal nicht zu denen gehören, die vorher klüger sein müssen, da es jedenfalls auch nicht genügt, immer hinterher schlauer zu sein, wenn man nicht klüger werden kann als zuvor.
Das könnte nur Realität werden, wenn es der Wirklichkeit entspricht.
Außenpolitik als Wunschkonzert mit Sonntagsreden ist erhebend, inspirierend, anregend; für den, der die Wirklichkeit kennt, wäre sie sonst vielleicht ohne weiteres entmutigend.
Wahr soll nur bleiben, dass jedes Konzert einmal zu Ende ist. Auch innenpolitisch.

Es ist ein gewendeter Fatalismus: ist man hinterher schlauer, hat das nicht unausweichlich zur Folge, dass man zuvor dumm sein wird.

Es handelt sich darum, von der Wirklichkeit so wenig anerkennen zu müssen wie nur möglich und weitestgehend unabhängig von ihr real zu existieren.

 

Bajuwarisches Fracking oder Das Neue Rumpelstilzchen

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Um König Seehofer – man wusste das sicher schon im Voraus – hatte sich vor und während dem Wahlkampf Kaiserliches Stroh haufenweise wieder aufgetürmt, das zu Gold gesponnen werden musste.
Es wird sich also die CSU wieder hingesetzt haben. Nicht, weil Stroh zu Gold zu spinnen für eine zwar an simplen Ideen reiche Müllerstochter inzwischen so einfach wäre, nein, weil aus den Untiefen der Staatskanzlei nur wenns Stroh zu Gold spinnen gilt verlässlich prompt ein neues Rumpelstilzchen durchstartend aufgehüpft kommt. Bajuwarisches Fracking.
Und es kam eins, ein rigoroses Exemplar.
Allerdings erschien der rumpelnde Goldspinner nicht aus dem gestampften Boden, vielmehr ist er nachgerückt.
Man kannte ihn schon und konnte ihn schon sich bewähren gesehen und gefühlt haben.
Er hat die große Klappe selbst mitgebracht, aus der er über sich hinauswachsend gefördert und gezogen werden konnte, man hat aber nicht den Eindruck, als sei als Klon wieder außi kumma, was als original zu Guttenberg abganga is. Denn nicht aus der Erd isser kumman, auch nicht aus scholliger Nähr-Watte, sondern direkt aus´m, ja, eim Schmuck-Kaschtel. Ein menschliches Kronjuwel isser aus dem Kaschtel, wo die Maut no drin is, gell.
Generalsekretär der Müllerstochter ist er lobesam, das ist der Job.
Alles Stroh ist eitel Zahngold geworden, auf welchem Haar wächst, und so ist er jüngst, zur Pressekonferenz der Generalsekretäre, als Hoffnungsträger eines dunkelbraunen Slim-fit Nadelstreifenanzugs erschienen (slim-fit, eine jungdynamische Brust-raus-Mode, die sich an der Sauerkraut Geschmack abgebenden Platzwurst orientiert).
Man glaubte zu spinnen. Ein Affe, wer Affiges dabei dachte.
Aber es war vielleicht kein gewöhnlicher Nadelstreifen, zu dem weiße Gamaschen getragen werden. Es hätte ein straussreminiszenter Altbestand Huberzwirn sein können, was immer das ist, aber diese Streifen waren wohl gezogen vom Drall jenes Kanonenrohrs, das das Shooting-Star-Männchen rumpelnd direkt ans Rednerpult austrug.
Ja, er platzte herein und mit ihm eine neue, modernere Zeit.
So unnachahmlich ansehnlich in der Nachahmung und zauberhaft langweilig bis öde.
Heute spinn ich, morgen – soll er nun Minister werden wie gehabt. Sein Stecken trägt Nägel verschiedenster Höhen, die er schon erklommen, in allem ein zu Guttenberg nachfolgender, zukunftiger Führer, aber Doktor ist er nicht.
Nehmts den, wirds geheißen haben, da weiß ma, was ma kriegt!
Was mer hat – Stichwort Große Koalition, gell – das weiß mer nicht mehr so genau!

Wie nun ist sein Name?

Claudia – Nachruf und Tagtraum

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Mit vollem Recht wird sie sich vielleicht gesagt haben, dass am Aschermittwoch erst vorüber ist die Fassenacht, bis dahin bleibt der Jecke an der Macht!
Aber es war dramatisch.
Wie man heute Morgen von Augenzeugen gehört hat, sei sie nach ihrer „Wahlniederlage“ blass in die Bitt getreten.
Wer sie kenne, so hieß es, der kenne sie ja nur „poppig bunt mit roten Wangen“, kämpferisch und unbefangen – da aber sei sie fahl gewesen, fast weiß, verstört, „wie zu einer Beerdigung“.
Nunja, da darf man vermuten, dass sie das intensive Gefühl, den Eindruck gehabt haben könnte, es sei ihre eigene.

Manch anderer wäre vielleicht froher, gar glücklich gewesen, seine eigene Beerdigung zu erleben, dieser zum Trotz, weil man ja für gewöhnlich schon vor seiner eigenen Beerdigung tot ist, vermutlich, um sie nicht mitmachen zu müssen.
Schon die eigene Aufbahrung zu liegen wäre eine Zumutung, wenn man nicht tot ist.
Nein, der Tod muss feststehen, ehe an Beerdigung gedacht wird.
Der Mensch macht das Leben mit bis zum Tod, bis dahin muss ers mitmachen, weiter nicht, meint der Bürger (allerdings kann er sich zukünftig überlegen, ob es ihm nicht nur um das Alter allgemein und einen Pflegeheimaufenthalt im besondern zu lang werden könnte, sondern auch um den Lebensleistungsrentenbezug, falls er ihm nicht gewährt werden könnte).

Dabei ist die Beerdigung der Claudia eine, die sich sehen lassen kann.
Es ist eher der karnevalistische eines komisch tragödischen Originals, das im Elferrat sitzt und da auch hingehört, sitzen bleiben möchte und doch auch nicht wegzudenken ist?!

Aber sie hat keine Wahl, wenn andere wählen.
Da ist sie eben dann in der bekannten schrecklichen Lage, sich nicht rühren zu können und doch alles mitzubekommen. Oder?

Heute Morgen nun hat sie erklärt, sie werde nicht zurücktreten, stattdessen noch einmal kandidieren, also an ihrer Beerdigung weiterhin teilnehmen, geradezu als Faktotum.
Sie ist nicht tot!

Erinnert man sich noch an Heide Simonis? Sie hat einer ähnlichen Beerdigung beigewohnt incl. den Empfang des Erdendrecks von dem kleinen Schäufelchen…

Sie, die Claudia, hat ganz wie die Heide nach dem ersten Wahlgang soviel Zuspruch weiterzumachen bekommen, sagt sie, ein „Handystorm“ sei es gewesen der Bitten, nicht aufzugeben, auch aus der Basis; Göring-Eckardt, Trittin (Vizekanzler in spe), Cem sowieso, selbstverständlich – kurzum ein Storm des Zuspruchs, wie man ihn nur im Fall des „Rumpelstilzchens“ – wie hieß er noch, wie war sein Name? jaah, von zu Guttenberg! – erlebt hat.
Aber auch hier war alles eitel Bittstorm, der Shitstorm fegte unter dem Teppich und war nur für Professoren und Fußsohlen beachtlich.
Schließlich, man weiß es, erlebte das „Rumpelstilzchen“ weniger seine Beerdigung als vielmehr das ihm entsprechende Verschwinden in der Versenkung.

Aber die Claudia hat keine Ahnung, was eine Lebendbeerdigung ist.
Sie weiß nicht, wie sich diese in Jobcentern, einsamen Wohnzimmern, Alten- und Pflegeheimen, auf der Straße, in U- und S-Bahnen, in den zu lebendiger Beerdigung Auserwählten und Berufenen jeweils abspielt.
Sie wird nicht ahnen, dass die Lebendbeerdigung durchaus nicht ungewöhnlich, ja, dass dieses lebend Untergehen und Begrabenwerden so konventionell geworden ist und mit demselben Bedauern oft institutionell vollzogen wird wie das Klassen-Begräbnis nach einem biologischen Tod.
Es gibt nur keine Totenfeier, das Handy verstummt, nur die Lippen beginnen sich miteinander zu unterhalten.

Von Lebendbeerdigung wird man sich, wie die Claudia, meist unerwartet betroffen fühlen, es ist aber auch nicht unmöglich, dass man gewissermaßen vorbereitet ist, indem man, was andern geschieht, auch dass es einem selbst geschehen kann, für möglich hält.
Man kann auch, wenn man den Mumm hat, einfach gehen.

Die Claudia wird sich also natürlich der Wahl nochmal stellen, wie jeder von uns sich nochmal bewerben kann bis er 67 ist. Und wie jeder Bewerber bis 67 wird auch sie gespannt sein, und sind auch wir gespannt.

*

Mir träumte, der Teufel habe seinen Rücktritt angekündigt für den Fall, dass er nicht mehr gewählt werden sollte.
Er war schon nicht begeistert davon gewesen, dass er sich hatte überhaupt einer Wahl stellen müssen, aber siehe, es hatte sich begeben, dass der menschlich-technische Fortschritt es ermöglichte, ihn mit konventionellen Mitteln zu ersetzen und so war er nicht mehr alternativlos.

Aber ein Staystorm hub an und ein Shitstorm, mannigfach Für und Wider. Die Einen meinten, man bedürfe seiner nicht mehr, Böses gebe es kaum mehr, da es verboten sei, die Religionen davon frei, und für die Kriminellen habe man die Polizei. Die Andern gerieten in arge Bedrängnis ob ihres Festhaltens am alten Teufel, an der Diktatur, an Überwachung, an einer jeder parlamentarischen Kontrolle entzogenen, nicht nachweisbaren Hölle mit offenem Feuer, an der Gefahr für die Zukunft der Kinder und Jugendlichen – dessen verwahrte sich der Teufel allerdings dann doch: Verblödung, Verrohung, Hochmut, Fettsucht, Faulheit, Hang zu Lug und Trug, Arschgeweih und Zipfelmütze sei doch vielfach gefördert, ausgezeichnet und geehrt, so mancher Doktorhut sitze drauf, es mache was her und manche Notwendigkeit, Liebe, Zuneigung und Hörigkeit hinge dran, sei systemrelevant doch ganz gewiss, und es sei ihm nicht erinnerlich, wann er zuletzt ein Zutun dran hätte zu geben gehabt.
Und er fragte „Bin ich denn der Schöpfer?“, und er fragte „Soll ich denn lebendig begraben werden?“ und „Wohin zum Kuckuck soll ich denn gehn, ihr Idioten?! Zum Teufel?“.

Und der Teufel unterlag im ersten Wahlgang und erlebte die Hölle auf Erden, büßen zu müssen – da meldete sich der Heilige Vater aus Rom zu Wort, und mir träumte, er habe dem Teufel für sein bisheriges Engagement gedankt und – der lange Löffel an der langen Schnur schlug gegen die Glocke überm Prager Knochenmann –

carpe diem!

Zusatz:

In diesem Fall lebt die Totgesagte auch länger.
Die Leich´war zu schön, man hat gewusst, sie brennt drauf, voran in den bevorstehenden Wahlkampf zu marschieren. Und sie musste nicht erst wieder ausgegraben werden wie jener voreilig Begrabene in Brechts „Legende vom toten Soldaten“.
Nein, die Claudia saß stumm in einer Ecke verhängten Blickes wie die Muster-Leich´ einer Goldmarie der Entscheidung harrend und – bekam 88%! Damit war sie durch durch das Tor der Ur-Wahl Frau Holles.
Glückwunsch!
Das Leben ist kein Wunschkonzert und so weiß man nie, ob es nach oder während gewissen Events Trauermärsche geben oder frenetischer Beifall aufbranden wird. Man muss nicht nach Ur-, sondern nach Parteistream wählen.
Die Claudia selber schien es nach der „Ur-Wahl“ nicht genau zu wissen, so fein war das Spiel dramatischer Irrung, Wirrung und Hoffnung, ehe sie zu den Parteitags-Ovationen auch (wieder) stand.
Nun lieg ich mit meinem Nachruf samt Tagtraum nach der Wahl eben daneben und steh, im Gegensatz zur Claudia, blamiert da.
Aber die Claudia ist daran nicht ganz unschuldig, hatte sie nach der Ur-Wahl doch der Presse mit vollem Recht ein Bild geboten, über das der Eindruck, sie selbst stünde unter dem Eindruck, an ihrer eigenen Beerdigung teilzunehmen, direkt unvermeidlich und folgerichtig schien.
Na, es war eine personalpolitisch übertriebene Selbstaufgabedarstellung – geschenkt.
Mea culpa.
Ich habe in Anbetracht der Tatsache jener 88 %, die nicht auf Glück und auch nicht auf der Erinnerung an Zeiten beruhen, in denen die Claudia etwa die Hartz IV-Realitäten zum Anlass ihres „Inkraft-Tretens“ vehement verteidigt hat, sondern auf „dem gemeinsamen Willen zur Macht“, in Anbetracht dieser Tatsache lässt sich erkennen, dass die Zeit wohl mit den Ur-Wahlen noch mithalten kann, aber wenn die Parteien wählen, ist sie schon abgelaufen.

Written by monologe

12. November 2012 at 1:55 pm

Der neue Uhlenspiegel

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Datenverkauf. Du weißt, du hast es schon in der Schule gelernt, dass du längst nicht mehr fragen sollst, was der Staat für dich tun kann, du solltest vielmehr wissen, was er tun könnte, denn du sollst ihm sagen, was er nicht tun soll. Es geht schon um dein Persönlichkeitsrecht (nur im Urheberrecht ist es vorläufig noch unveräußerlich; SchwarzGelb will jedoch offenbar beweisen, dass es nicht nur Grüne, sondern auch Piraten kann).

Es scheint, als bestünde nicht nur während des Fußballspiels Deutschland gegen Italien im Jahre der Herrin 2012 die Hoffnung, dass du schon zu dumm, und wenn nicht zu dumm, dann sicher zu cool, und wenn nicht zu cool, dann zu faul, und wenn nicht zu faul, dann zu unsicher bist, zu glauben, dass eine Gefahr bestehe oder dass es gilt, sich ernstlich zu sorgen. Was das ist?
Du kannst mit deinen Freunden auf Facebook darüber sprechen.

CSU-Politiker Uhl hat von einer „hysterischen“ Debatte gesprochen und tatsächlich ist zu hoffen, dass sich dadurch niemand aus der Hysterie werde bringen lassen.

Uhl hat außerdem gefordert, man möge ihm doch sagen, woher die Meldestellen das Personal nehmen wollten, um das Einverständnis jedes einzelnen Bürgers damit, dass seine „Daten“ an wen auch immer verkauft werden, einzuholen.
Dazu ist zu sagen, dass der Abgeordnete Uhl sich darüber keine Sorgen machen muss, denn es lohnt sich nicht, nach dem Einverständnis zu fragen, so gering sind die Chancen, es zu erhalten.

Jemand, der allen Ernstes behauptet, die Möglichkeit, zwangserhobene „Daten“ der Bürger ohne deren Erlaubnis frei verkaufen zu dürfen, diene lediglich dazu, den Verwaltungsaufwand gering zu halten, wäre intellektuell eines Abgeordnetenmandates nicht würdig.
Da das Kind aber nun schon in den Bundestag gefallen ist, statt mit der Bürgerbefragung anzufangen, sollte es wenigsten hundertmal abschreiben müssen:
Auch wenn man den Bürger nicht fragen will, muss man den Bürger fragen, ob er nicht gefragt werden will.

Sollte der Abgeordete Uhl alsdann die Zeiten noch erleben, in denen die von ihm geistig und sittlich geformten Kindelein und Jungpolitiker ans Ruder gekommen sein werden, und sollten diese dazu neigen, vollends demente Großmütter/inkontinente Großväter verkaufen zu wollen, so lässt sich immmerhin vorhersagen, welche Frage im Falle des Widerstandes und hysterischer Reaktionen von Angehörigen und Menschenrechtsorganisationen gegen den Verkauf von Großmüttern/Großvätern gestellt würde, nämlich woher das Personal kommen soll, sie zu pflegen.

Im Schlaraffenland müssen nämlich nicht nur die Hähnchen von selbst gebraten sein, die ins Maul fliegen, sondern auch des dümmsten Bauern größte Kartoffeln sich von selbst geerntet haben, damit der GourmetSchlaraffenKoch sie in die AutomaticPfanne hauen kann.

Credo (da das Leben hart sein muss, weil wir nicht im Schlaraffenland leben): Man muss es nur schaffen, die Pflicht nicht mehr erfüllen zu können, dann kann man das Recht schaffen, sie nicht mehr erfüllen zu müssen.