MonoLoge

Archive for the ‘Mahnung’ Category

Zustand, aber Ausnahme?

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„tagesschau24“ meldete heute:

Türkei: Erdogan verhängt dreimonatigen Ausnahmezustand.“,
Sekunden später:
Ausnahmezustand in der Türkei: Steinmeier fordert Begrenzung auf möglichst kurze Zeit.“,
der DONAUKURIER ergänzt: „…dann müsse er unverzüglich beendet werden.
außerdem:
Bei allen Maßnahmen, die der Aufklärung des Putschversuchs dienen, müssen Rechtsstaatlichkeit, Augenmaß und Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben.

Beschränkung auf möglichst kurze Zeit, gar unverzügliche Besinnung darauf, was Rechtsstaatlichkeit, insbesondere nicht die nach „Augenmaß“, ist von Steinmeier zu fordern scheint immerhin verhältnismäßig aussichtsloser.

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Written by monologe

21. Juli 2016 at 12:32 pm

Paradigma

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„Hinterher ist man immer schlauer“ ist in diesen Tagen global scheiternder Politik von den Politikern öfter zu hören.
Wir werden uns daran gewöhnen müssen, es künftig noch öfter zu hören, und es wird uns als die selbstverständlichste Sache der Welt erscheinen, auf der wir nun einmal nicht zu denen gehören, die vorher klüger sein müssen, da es jedenfalls auch nicht genügt, immer hinterher schlauer zu sein, wenn man nicht klüger werden kann als zuvor.
Das könnte nur Realität werden, wenn es der Wirklichkeit entspricht.
Außenpolitik als Wunschkonzert mit Sonntagsreden ist erhebend, inspirierend, anregend; für den, der die Wirklichkeit kennt, wäre sie sonst vielleicht ohne weiteres entmutigend.
Wahr soll nur bleiben, dass jedes Konzert einmal zu Ende ist. Auch innenpolitisch.

Es ist ein gewendeter Fatalismus: ist man hinterher schlauer, hat das nicht unausweichlich zur Folge, dass man zuvor dumm sein wird.

Es handelt sich darum, von der Wirklichkeit so wenig anerkennen zu müssen wie nur möglich und weitestgehend unabhängig von ihr real zu existieren.

 

Jüdischer Friedhof Prag – Teil IV und Schluss

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Der kleinsteinige Weg zum Dr. Kafka wird, sobald man an Hinweisschild und Lebensbaumbusch vorbei den Ausgangsplatz verlassen hat, abschüssig  – ja, zu den Toten muss man hinunter, zurück zu den Lebenden wieder hinauf.

Ein Stück weiter unten wird der Weg zur schmalen Allee. Hinter der Baumreihe linker Hand breitet sich der Friedhof, liegen dunkel die Gräberreihen, stehen dazwischen die Baumreihen, Reihe um Reihe Grabstätten, Wege, Bäume bis zur umlaufenden Friedhofsmauer irgendwo hinten.

Die Baumreihe neben dem langen, geraden Weg hinunter zum Dr. Kafka steht rechts vor der Mauer und steht ihr sonderbar nahe.
Diese Mauer ist eine Kassettenmauer. Sie ist so gebaut, dass von Pfeilern links und rechts, oben und unten von Sturz und Schwelle ähnlichen, balkenartigen Vorsprüngen eingerahmt ein wenig zurückgesetzte graue Putzflächen entstehen. Eine solche Kassette neben der andern bildet die Mauer; nach einem Pfeiler kommt die nächste, die manchmal tiefer gesetzt ist, denn es geht ja bergab.

An den grauen Putzflächen sind Gedenktafeln angebracht und sehr nahe daran, ihnen leicht zugeneigt, stehen die Bäume.
Seltsam ihre schlanken Stämme, bis über die Höhe der Mauer kahl gehalten, gehen sie oben in geradezu expressiv wuchernde Kronen, Blitze aus Ästen in den Himmel aus. Im Gegensatz dazu die kahlen Stämme unten so nahe der Mauer und den Tafeln wirken, als ob sie sich schützend oder bergend vor Mauer und Tafeln gestellt hätten, um zu bedeuten: das hier ist intim.
prag19:012

Nie zuvor hat der Autor dieses Berichtes je den Sinn des Wortes Beistand so gänzlich, ja wortwörtlich erfüllt gesehen.

Und diese Mauer. Oben, auf dem Balken über der Putzfläche mit den Tafeln ist sie ziegelgedeckt; die Pfeiler links und rechts stehen nicht nur etwas erhaben aus ihr heraus, sie ragen auch etwas höher auf, und da diese Überstände ebenfalls ziegelgedeckt sind, wirken sie wie Gauben auf einem Dach, wie Lüftungsgauben – die Mauer, ihre Silhouette eine lange Reihe – Baracken…?!

Auf die schmale Stufe, die Schwelle unter den Tafeln, sind hie und da Lichter gestellt.

Den neuen jüdischen Friedhof Prag haben der Autor dieses Berichtes und seine Begleiterin, Deutsche, nicht mit jener Beklommenheit betreten, die sie nun empfinden, ahnend, welches Schicksal die erlitten haben, derer auf diesen Tafeln vor dem grauen Putz dieser Mauer gedacht wird. Sie lesen jede Tafel auf dem Weg hinunter bis zur letzten: „In memoriam“, Namen, Daten, Birkenau, Lodsz, Warschau, Terezin, Sobibor – Ortsnamen, nie ein nationalsozialistischer „Begriff“.
Wem dies auffällt, der wird es vielleicht verstehen – oder auch nicht, es ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass es so ist: kein Wort der Henker soll hier verewigt sein, kein Ort soll ihn hier tragen, den Begriff, den der Henker ihm zugefügt hat, denn dass hier bei den Namen der Opfer, der unschuldigen Orte ein solcher Begriff erschiene, verzeichnet wäre, täte es ihm nicht Ehre?

Die letzte Tafel ganz unten gilt dem „Dr. Maxe Broda“ zum Gedenken, welcher kein anderer ist als der berühmte Max Brod.
prag24:012Dieser ist zwar in Israel gestorben, wohin er 1939 ausgewandert war, doch ist er enger Freund, Ermutiger und Förderer des oft zweifelhaften Dr. Franz Kafka seinerzeit in Prag gewesen, später auch Nachlassverwalter, und so hängt die Tafel zu seinem Gedenken genau dessen Grab gegenüber (nicht, wie bei „Wikipedia“ zu lesen, „nebenan“).

Blumen, Blümchen, Zettel, Steine sind unter den Grabstein des Dr. Kafka gelegt, Grüße, Botschaften, Liebeserklärungen, Gedichte – wer weiß.
prag25:012

Und was mir auf allen Friedhöfen, die ich besuche (der Prager ist der erste jüdische), und was mir auch im Leben zwischen den Lebenden oft, oft in den Sinn kommt, das kommt mir auch hier in den Sinn, jener Refrain: „Wie nah sind uns manche Tote –  doch wie tot sind uns manche, die leben.“ des Liedes „Hugenottenfriedhof“ von Wolf Biermann.

Wir gehen links ab in den Friedhof hinein; man kann getrost sagen: in die Tiefe.

Dass dieser Friedhof verlegt, also neu angelegt worden ist, weiß man aus dem Reiseführer, ihm anzusehen ist es nicht. In ihm ist weniger „deutsche Ordnung“ als vielmehr bürgerlich deutsche Romantik. Man kann hier ganz plötzlich von der Überzeugung überrascht werden, dass, ja, ein Friedhof so sein sollte, und darüber eine nicht ganz passende Freude empfinden.

Den interessierten Besuchern dieses Friedhofes, die einstens so bestattet zu sein wie hier sich wünschen, sind gewiss nicht wenige und es sind ganz gewiss nicht alle Juden (wiewohl sich auch nicht jeder Jude Hoffnung darauf machen kann, dereinst hier bestattet zu werden). Denn es ist die alte Geschichte: Hochkultur geht verloren, Natur ebenso, schleichend kommt hier eine Kleinigkeit, dort ein Tierchen abhanden, wird hier rationalisiert, ritualisiert, dort ein Auge zugedrückt. Würde man aber unversehens in Hochkultur, in Natur gestellt, in ihre ganze Pracht bei voller Blüte, ihrer Dimension, ihrer Fülle, ihres Wunders ansichtig und inne, man würde nicht für möglich halten, dass ein heutiger Tierpark oder der Friedhof etwa in H. nur das Geringste noch damit zu tun hätte oder gemein – und was doch heranrückt.

Jedoch ist manches – „Urbild“ – in den meisten von uns noch vorgebildet und so auch die Fähigkeit zu erkennen ohne zu kennen.
Es gibt sie, die selten vorkommende urplötzliche Übereinstimmung eines inneren Bildes mit einer äußeren Erscheinung. Und wie oft macht sich doch die Existenz dieses inneren Bildes mit solcher Übereinstimmung erst bemerkbar?
Und gibt es nicht allerhand Leute, die glauben, sie hätten vor ihrem jetzigen Leben schon einmal gelebt und seien in diesem vorigen Leben an einem bestimmten Ort ganz bestimmt schon einmal gewesen, so bekannt komme er ihnen vor, obwohl sie ihn zum ersten mal sehen?

Vieles in unserer Lebenswirklichkeit, besonders das, was „sein muss“, ist zur runden, glatten Banalität geworden, die mehr dem Zweck, schnell geliefert, fix und fertig geboten, rituell vollzogen zu werden, entspricht.
So ist auch die Kultur rund um den Tod oft sozusagen auch nur noch ein Skelett ihrer selbst, ein Halbschatten, der, wenn überhaupt irgendwohin, gelegentlich auf seine Verdrängung fällt, noch seltener auf die Kultur des Sterbens. Die Furcht vor dem Tod ist heutzutage keineswegs größer als die vor den Lebenden, denen das Sterben ausgeliefert ist, und vielleicht hat einer weniger Hoffnung hinsichtlich seiner Auferstehung am Jüngsten Tag, wenn er am ersten Tag, da er Gewissheit fühlt zu sterben, mehr Anlass hat, dringender auf schnelle Erlösung zu hoffen.

Wäre es wahr, dass ein jeder Gestorbene Zeugnis abzulegen vor Gott tritt und schon trat, nichts, was Gottes Wille hier auf Erden scheint, bedürfte mehr einer Erklärung –

Warum also sollte ein neuer Friedhof nicht auf seine Weise einem Neubaublock entsprechen? Warum sollte er nicht als „Letzte Ruhestätte“ ein Gemeinplatz sein, wo halt die Toten begraben werden, was, soweit es das Begrabenwerden angeht, den Totengräbern, den Steinmetzen, den Blumenbindern etwas einbringt, und soweit es das Begrabensein betrifft, auch der Verwaltung?
Es ist Tristesse. Man kann ihr im Leben nicht entgehen, noch weniger dem ewigen Gedudel dazu, das einen ebenso selbstverständlich ungehindert bis auf den Friedhof verfolgt.
Da ist es schön, wenns den Leuten egal, Apathie des freien Lebens Bruder geworden ist und ein kalter Lethargiger zwar irgendwann auch beerdigt werden kann, aber dessen herausragendste Eigenschaft oben bleibt, unvergänglicher, ewig jünger scheint denn je, während die Götter, die diese Eigenschaft bislang zwar vergeblich, aber immerhin bekämpften, angewidert von der Effizienz und Konsequenz des grassierenden kalten Elends, das allerlei Ehre machen soll, zurückweichen.

Der Tod ist schal geworden und vom Gedenken reicht so wenig noch ins Leben; ist es, um den Angehörigen die Grabpflege zu ersparen oder weil, was sie vererben, besser für ein Studenten-Auto angelegt ist; weil nichts mehr zu sein übrig geblieben ist als tot zu sein, und alles andere ist man schon gewesen; weil es wurscht ist, nur ein bisschen Kultur muss halt auch sein? Ist es eine echte Bescheidenheit?

Nein, es ist das kurze, kürzer werdende Gedächtnis zur Rettung der Exklusivität einer faden, faseligen Allgegenwart des Globalverramsches, des billigen Lebens auf Rolltreppen und Förderbändern mit dem Kopf in der Presse, einen Fuß in der Abwärtsspirale, dennoch eine Himmelfahrt, während aller Sinne Reiz aus dem Äther kommt, jener um die Erde geschnürten rosaroten Endlosschleife.
Nur so ist immer alles neu, unsere Zeit die beste und modernste, in der die Hölle auf Erden zu bereiten aktuell das Paradies der Lohn ist.
Das Vergangene war schlimm und schlecht, was geschah heute unvorstellbar?
Aber die neueste Berliner Spezialität, Prügel und Totschlag auf offener Straße wegen Schiefansehen, Witz auf „den Führer“, unwürdiges Verhalten hat es in den 30er Jahren schon gegeben, und dass die Polizei in bestimmten „Gegenden“ entweder nichts „zu suchen“ oder ein Auge zuzudrücken hatte auch, nur hießen diese Gegenden nicht „No-Go-Areas“:

Der alte Keim aus neuen Bäuchen,
Der alte Brauch mit neuen Bräuchen.

Milde Strafen und Bewährung für Schandtaten sind ebenfalls überliefert, mithin seltsame „Selbstmorde“, den der Berliner Humor allerdings noch traf: „Es war Selbstmord, aba man weiß nich, wer et jewesen is“.

Freilich ist es heute nur halb so schlimm wie zur dunkelsten Zeit einer mörderischen Diktatur: die Zeit, in der es heute geschieht, ist freie Zeit, darum.
Die folgenden hochaktuellen Zeitstrophen kann man nicht „googeln“, es gibt sie dennoch – wann geschrieben?

„Immer tiefer sich zu bücken, 
Das verlernt die Menschheit nie.
Und sie trifft es zum Entzücken
Selbst in der Demokratie.
Das ist der wahren Freiheit Sinn:
Jeder kann in Republiken, 
Jeden andern unterdrücken.“

– und zwei Strophen später –

„Heut tun sich die Leute lieber 
Bücken vor dem Börsenschieber, 
Bücken vor dem Börsenschieber,
Denn nur Geld regiert die Welt.
Lieber vor dem Börsenschieber
Bückt sich heut die Welt.“

– wegen der anständigen Verse wird mans schon ahnen: aus den 20er Jahren sind sie, doch heute zielgeführt treffend mit chirurgischer Präzision.

Heutzutage mahnen die Toten nicht so eindringlich wie die, die noch nicht gestorben sind. Das sind die, deren Existenz gekennzeichnet ist von dem Verhängnis, „ausgeschieden“, also im Sinn des Wortes verdaut zu sein.
Nun, ich will nicht vorgreifen, diese Go-Zonen des Sterbens sind Durchgangsstationen, deren gepflegte Annehmlichkeiten kennenzulernen beinahe ein jeder die Ehre und das Vergnügen haben wird.
Es ist eine in die üblichen drei Auswanderer-Klassen eingeteilte Kreuzfahrt zum Cap Hoorn des Lebens mit garantiertem Untergang.
Nur ein Höllen-Breughel, ein Bosch oder ein Goya vermöchte uns vielleicht auszumalen, in eine Serie Caprichos das tief zu drucken, was sich auf dieser Fahrt abspielt. Es wären „total“ verbotene Verallgemeinerungen im Sinn von „ was einem geschieht, geschieht allen“, das Sujet unmöglich: „Höllenfahrten“ – leben wir etwa im finstern Mittelalter? Nun, dieses war nur feiner ausgemalt – als heute das Sterben.

Es ist ein anderes Kapitel…

Wo waren wir stehen geblieben auf diesem so unerklärlich vertrauten Ort?

Vom Weg hinunter zum Grab des Dr. Kafka kann man gleich nach diesem links in den Friedhof hinein abbiegen.
Aber „in den Friedhof “ ist eigentlich unzutreffend, treffender wäre „in die Welt derer, die gelebt haben“.
Und man müsste der Vollständigkeit halber hinzufügen, dass es wohl die Welt  derer ist, die es verstehen, in Würde tot zu sein, zugleich aber auch jener – Lebenden -, die dies wünschen und es darauf anlegen. Kurz gesagt, es ist einer Gemeinschaft durchaus nicht museales, exhibitionistisches, sondern intimes, sehr familiäres Separeé. Und es ist der lebendige Ausdruck dieser Gemeinschaft, und diesen wahrzunehmen das Besondere und Außergewöhnliche eines Besuches.

Vom breiten Weg aus, den wir gehen, zweigen wiederum Pfade ab in Alleen mit Reihen von Grabsteinen links und rechts. Die Gräber vor ihnen liegen gänzlich von Efeu überwachsen wie unter dicken Decken, und was sich mitten hindurch zu schlängeln scheint, ist genau so vage dezent ein Pfad, dass kein Schild nötig ist: Betreten nicht erwünscht.

prag23:012

Kaum zu glauben, dass dieser Friedhof ein „verlegter“ sein soll und „neu“ ist. Wenn man nicht weiß, wie der „alte“ ausgesehen hat, so weiß man doch, dass es denen, die diese Verlegung zu vollbringen hatten, gelungen ist, das, was er an Ewiger Ruhe geboten haben mag, mitzuverlegen oder wiederherzustellen.
Ja, es scheint, als sei der alte Friedhof in einem Stück, als Scholle und Ganzes an seinen neuen Platz gesetzt worden, so eingewachsen wirkt er.

Wir biegen den nächsten breiten Weg nach links ab, wieder in Richtung des Eingangs, um die linker Hand stehenden, meist glattschwarzen Grabsteine bzw. Grabsteingebilde zu betrachten. Keiner von ihnen ist klein und keiner gleicht dem andern, dennoch ist diese Individualität hier ebenso natürlich wie selbstverständlich Teil des Ganzen und nach Brecht „durchaus kommun“ und dadurch beinahe heiter wirkend.

Solide sind sie, die Steine, die hier als wahre Grabmale stehen, und es stünde auch nichts dagegen, sie Denkmale oder Angedenkmale zu nennen. Denn ein Gedenken soll ja hier gewiss nicht nur dem Reichtum der Gewesenen gelten, sondern insbesondere auch der Tüchtigkeit, Solidität und dem Stolz jener doch so oft Benachteiligten, ja, mehr noch:

„LIEBE SPENDEND, LIEBE SÄEND SCHRITTEST DU DEN LEBENSPFAD. ALL DEIN STREBEN WAR DIE LIEBE UND DIE LIEBE DEINE TAT. REICHSTER BORN DER MUTTERLIEBE, MILDES, ALLBELEBEND LICHT. AUCH DES TODES NACHT VERLÖSCHET DEINE HEIL´GE FLAMME NICHT“ steht hier der REBECCA SCHNÜRDREHER zum Angedenken –
und ihrem Mann LEOPOLD SCHNÜRDREHER „KLARES WOLLEN UND DENKEN, MILDE UND GÜTE IM URTHEIL, KRAFTVOLLE HINGEBUNG IM SCHAFFEN FÜR FAMILIE UND GEMEINDE ADELTEN SEIN ARBEITSREICHES DASEIN, VERKLÄREN SEIN ANDENKEN. EHRE UND FRIEDE DEM GUTEN!“
prag20:012

Ist es nicht märchenhaft? Ein geradezu christliches Pathos nach wilhelminischem Ideal! Ein Denkmal für gelungene Integration, einem Tor ähnlich zu einem Festsaal oder Mausoleum gleichwohl…

prag22:012Ein Stück weiter ein Pfau im Jugendstil prächtig in Stein gehauen für einen hoffnungsvollen Maler, der offenbar schon überzeugt hat, bevor er allzu früh verstorben ist.

Wieder ein Stück weiter: „NACH EINEM FROMMEN UND EDLEM LEBEN RUHT HIER IN FRIEDEN“ die Familie BESTÄNDIG!
prag21:012

Und da möchte man wünschen, es möge dieser Friede ein beständiger und die Ruhe und der schmückende Herbst und die Beständigkeit ganz allgemein beständig sein (so wie der kleine Grammatikfehler).

Gestern ging ich nach Hause, traurig und mit einem Gefühl der Erniedrigung, das sich stets mit der Gewissheit einstellt, dass etwas hoffnungslos ist, und mir fiel ein, was der Herr Rose aus Gelsenkirchen mir geschickt hatte, ein Kafka-Zitat:

„Man lernt das Matrosenleben nicht durch Übungen in einer Pfütze, wohl aber kann man durch allzu großes Training in der Pfütze unfähig zum Matrosen werden.“

Ach, wäre man nur stets fähig, der Pfütze zu entkommen.

Written by monologe

18. Dezember 2012 at 9:50 am

Der Fall Pezzoni

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WELT ONLINE:
„Der 1. FC Köln kapituliert vor der Bedrohung. Weil die eigenen Anhänger den Kölner Profi Kevin Pezzoni bedroht haben, löste der seinen Vertrag auf. Dass der Verein dem zustimmte, ist ein fatales Signal an die gewaltbereiten Chaoten.“
Es käme vor, so WELT ONLINE weiter,
dass Fans einen Spieler scharf kritisieren, ihn auspfeifen oder zum Sündenbock für Niederlagen machen. Das ist Usus im Profi-Fußball, ob es so sein muss, darüber lässt sich streiten. Sicher ist aber: Wenn Fans einem Spieler abseits des Vereinsgeländes auflauern, ihn bepöbeln, bedrohen und sein Auto beschmieren, ist die Grenze des Erträglichen weit überschritten. Kevin Pezzoni, einem gerade mal 23 Jahren alten Fußballer, ist das passiert.“– ach, und sonst wäre das hierzulande niemandem noch je widerfahren und nirgends geschehen?
Es kommt aber eine Überraschung: Die Grenze des Erträglichen ist überschritten“, für wen, das bleibt unklar, denn: Es ist nicht bekannt, ob und wie sehr die Kölner Bosse in Gesprächen mit dem Spieler versucht haben, diesen Schritt zu verhindern. Es hätte jedenfalls nie dazu kommen dürfen. Der Klub hätte eine Pressekonferenz einberufen können und sich klipp und klar zu Pezzoni bekennen können. Er hätte einen Sicherheitsdienst damit beauftragen können, den Spieler zu schützen. Er hätte beim Spiel am Freitag gegen Cottbus über die Lautsprecheranlage dazu aufrufen können, die Täter ausfindig zu machen. Er hätte dem Spieler das Gefühl geben können, nein müssen: Wir stehen hinter dir und kämpfen für dich. Nichts davon ist geschehen.“, kurz und gut mit einem Wort: keine Zivilcourage.
Doch die Frage ist nun einmal nahegelegt: „Warum kämpfte der Verein nicht um ihn?“ – gute FrageAber in diesen schnellebigen Zeiten schon rein akademisch, denn:Pezzoni ist kein Spieler des 1. FC Köln mehr, die Täter haben erreicht, was sie wollten. Der Verein hat vor seinen eigenen Fans kapituliert, was nicht nur skandalös ist, sondern auch eine fatale Signalwirkung für andere Chaoten hat, von denen es im Umfeld des FC – das hat die vergangene Saison gezeigt – sehr viele gibt. Wer mit Gewalt versucht, seine Ziele zu erreichen, wird belohnt. Das ist das unbegreifliche Ergebnis der anfangs noch vernünftig geführten Diskussion um den Nutzen von Kevin Pezzoni für den 1. FC Köln.“

Kurzum, demnach ist auch die Integration Pezzonis gescheitert. Doch im Gegensatz zum Fall jenes Rabbiners, der am hellichten Berliner Tag und auf offener Hauptstadtstraße „zusammengeschlagen“ und dessen 6-jährige Tochter mit dem Tode bedroht wurde – die Täter entkamen ganz offenbar unerkannt –, der also nur darauf hinweist, dass die Integration der Juden schwieriger ist als gedacht und künftig vielleicht vollends scheitern könnte, hat im Fall Pezzonis „der Verein“ das Scheitern seiner Integration gewissermaßen bereits als realistisch und unvermeidlich angesehen und zeitnah abgeschlossen.
Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende, nicht?

Para Pussy Riot

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Diese Aktion –  Pussy Riots Aktion Geplatzt  aus dem Gelsenkirchener Kulturmagazin HerrKules – käme selbst als fata morgana, die sie ist, zu spät.
Die alten Rand-68-er Pussy zynikots und ironimots (mich eingeschlossen) sitzen auf ihrem G-Spot (Ortschaft! Nicht mit expandierender Prostata zu verwechseln) und können sich nur kühne Sprünge über Schatten fantasieren, die fernab wegen echtem Riot haftende Pussys aus der Glotze auf ihre Stubenböden werfen.
Doch das Gute (alte, böse) ist sooo nah.
Es hat nämlich inzwischen eine Aktion, die man mit „free pussy riot!“ bezeichnen könnte, im Kölner Dom gegeben, die im kalten Licht unserer Kommissare Realität und Wirklichkeit einen unerwartet interessanten Schatten des Original-riot auf den Boden unserer Tatsachen wirft, der uns näher ist als die Hose, die wir – jedenfalls das, womit wir unsere Scham bedecken –  längst mit der Kneifzange anziehen.

Was in den Kölner Domgefilden geschah, wurde gleichwohl filmisch dokumentiert,


und man sieht also mit dem Verfolger des Geschehens ganz gut: wie die Protestierenden von „Ordnungshütern“, sowohl solchen in Messgewändern, als auch solchen in „Zivil“, also im Schafspelz, engagierten Christen im Verein womöglich mit 1 Euro-Kräften quer durch das Gotteshaus über den Boden geschleift, über die Grabplatten des Gotteshauses zur Eingangstür – in diesem Fall zur Ausgangstür – hinausgeschleift und draußen auf vielfältige Weise genötigt, erniedrigt, professionell sinnlos demütigend bekniet und vom jeweiligen Handlanger des H – ja, welches Herrn? – begrapscht wurden.

Man sah einen Ausbruch von Hysterie und aufgestautem, weiß-der-Kuckuck-wem-gefälligem Hass, der Menschenleiber zerrend blindlings Barrieren niederriss: hölzerne im Haus und solche, deren so ungehemmte, hemmungslose Übertretung zuvor überhaupt offenbar nur Heide, Pussy und Punk nicht geglaubt hätte (die ja glauben dürfen, was sie wollen).
Kurzum, es war, als würden Händler und Wechsler aus dem Haus geworfen – aber, natürlich, weit gefehlt!

Ein bisschen Wahrheit kam aber doch dabei heraus, nicht nur bis an schummer Tee-Lichtlein, sondern ist ans Tages-Licht gekommen, und tut uns nun allen gut, da man doch gern weiß, was man hat und woran man ist.

Nach all dem, was die Kirche, speziell die katholische, im Zuge ihres ans Tageslicht gekommenen früheren Umgangs mit der Jugend durchgemacht hat, die Schmutzkampagnen, die Demütigungen, den Spießrutenlauf, unter ihren Haussegen das Gegenteil von Zulauf, da ist es begreiflich, dass sich intern Wut und auch ein wenig heiliger Zorn aufgestaut haben und dass sich vor den Hirten eine seltsame Art Schafe einfand, solche, die die Gelegenheit gotteslästerlichen Handelns und des Hausfriedensbruches im wahrsten Sinne beim Schopfe packt – mithin die selten gewordene Gelegenheit, zum innerkirchlichen Gebrauch wieder einmal eingefleischteste Jugenderziehungsmaßnahmen anzuwenden.
Da geht auch ein amtlicher Mann Gottes nicht dazwischen, nicht aus Furcht nicht, sondern vermutlich bedenklich, dass auch er dann mit demselben Recht beim Widerrist gepackt und hinausgeworfen werden könnte. Diese letzte Affenschande ist dem Haus erspart geblieben.

Allem andern werden sich die deutschen Gerichtshäuser wie immer blind annehmen und es – statt im Sinne Iwans auch noch ein Urteil über sich selber zu verhängen – im Sinne Salomons als Haussegen im Gotteshause lassen. Und erst hier weiß man wieder, wo man lebt. Bis nach der Prügel wars wie in Russland.

Dass es nicht bis zum Totschlag ging, weils kein Gefängnis und kein Aufhängen am Baukran darauf gibt, daran kann man deutlich sehen, dass es noch am rechten Glauben fehlt.

Mehr Prügel, gelegentlich auch Fatwa gibt’s bei uns nur für Mohammed-Karikaturen, indem man sie zeichnet, druckt oder neuerdings auch – wie in Russland Ikonen – in Prozessionen herbei- und herumträgt. Dass alles in der Ordnung bleibt, darüber wacht – Gott Lob! – die Polizei…

Wie man sieht, kommt man auf den unerfindlichsten Wegen allmählich auf den Hund, der zwar ohnehin schon ein unreines Tier ist; doch auf der Kuhhaut ist kein Platz, es muss, was da nicht draufgeht, auf die Katz (vor dem Kölner Dom auch „Rattenpack“ genannt).
Was das ist zu sehn, dazu braucht man zumindest kein prophetisches Octopussy mehr.

Ausweg

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Die „Christenheit“ scheint keinen Ketzer mehr hervorzubringen, der, wie einst Luther, Gott selbst überzeugen könnte.

Holocaust

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Wenn es einen Gott gibt, wird jeder nachgeborene Deutsche gefragt werden, was er mit der Schuld getan hat, die ihm verliehen worden ist.