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FDP oder Der Kleine Klaus hälts nicht mehr aus

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Neben den Straßen an Bäume, Büsche, Maste, Stangen auf die Schnelle mit Draht angerödelt, angenötigt drei, vier übereinander: Wahlplakate.
Man sollte sich entweder nicht drum scheren oder sie genauer anschauen, auch das lohnt sich.

Eines der FDP, was, gemäß Plakat Baaschs »Mehr Gerechtigkeit für alle« über ihm, gerechterweise ausgeschrieben FriedeDenPalästen heißen müsste.
Diese Partei hat Aufwinde und bereits sogenannte Koalitionsaussagen getroffen. Das ist so, als ob der kleine Klaus ruft »Hüh, alle meine Pferde!« und erklärt, dass er sich auch den großen Klaus schonmal aussucht, dessen Pferde gut genug wären, vor seinen Pflug zu gehen.
Das Großspurige macht den Wählern stets Eindruck; wenn es schon bergab geht – pardon, bergauf, dann imponiert ihnen der SUV und Mehr Gerechtigkeit für alle – und warum nicht wie besoffen?

So wird es wohl geschehen und wahrscheinlich sein, dass dem Wahlvolk gemäß dem »Hessischen Landboten« entsprochen werden wird, wo es heißt »Friede den Hütten, Krieg den Palästen«, nur umgekehrt. Man muss es einsehen, was leicht fällt, denn nie ging es uns – pardon, Deutschland so gut wie heute.
Noch leichter geht das alles, seit man gefunden hat, dass die Neanderthaler auch schon genauso intelligent waren wie wir heute. Früher hat man sie für primitiv gehalten, aber nun – es ist nur eine Frage der Zeit gewesen.
Man hat vor Wahlen so Ahnungen – aber was Ahnungen angeht, da war der Neanderthaler uns sehr weit voraus.
Bei unsereinem reichts nur und geradeso zu der Ahnung, dass wir, im Gegensatz zum Neanderthaler, auch in ein paar Jahren nicht klüger sein werden. Und sprachlich, lieber Gott – doch dazu später.

Jedenfalls stammt der Mensch von Adam und Eva ab und der Beginn eines herrlichen darwinistischen Frühlings liegt vor uns –
Die großen Parteien scheinen das zu wissen, sie lassen riesige Wahlplakate aufstellen in der offenbaren Gewissheit, dass die »Menschen« die/den auf den größten Wahlplakaten wählen werden, die Stärksten selbstverständlich, die Vertreter ihrer selbst, ihre Identitäten, und das ist gewiss ein Anfang.
Frau Kanzlerin hält sich persönlich noch zurück, bis die Sorge um Schwäche aufkommt, dann wird genug Urvertrauen da sein, aus dem nur sie aufsteigen kann.
Wie sie z. B. neulich meinte, nicht die Arbeitslosigkeit besser ausstatten, sondern Arbeitsplätze schaffen. Die Altersarmen hat sie da nicht vergessen, die Ursachen hierfür – siehe Arbeitsplätze.
Da kann man doch staunen.
Wo es gar keine Ausstattung von Arbeitslosigkeit, kaum Renten, aber Niedriglöhne zu verdienen gibt, vorzugsweise in Deutschland, da ist bekanntlich das Problem der Arbeitslosigkeit behoben.
Vielleicht kann Deutschland Vorreiter sein in der EU, indem es die behebenden Lösungen für Arbeitslosigkeit, Armut und Faulheit mittels Modernisierung des Sozialstaates auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, den man Bulgarien nennen könnte, vorexerziert?
Freiheit, Gleichheit! Durch etliche Legislaturen schon fühlt besonders die FDP den Phantomschmerz in den amputierten Kompetenzen.

Nun, wie gesagt, es hängt von der FDP neben anderen eine gute Anzahl eines bestimmten Wahlplakates in der norddeutschen Tiefebene und lübeckischen Weltoffenheit herum, das nähere Betrachtung verdient.
Auf den ersten Blick bietet es eine willkommene Abwechslung zu jenem tumplumpen »Mehr Gerechtigkeit für alle« von und mit Baasch und seines Leibes Omen kraft SPD, indem das Plakat der FDP nicht viel mehr als Kopf und Hals des Abgeordneten Kubicki in insgesamt madonnenhafter halbprofilierten Nach- nein, Vordenkerpose zeigt, darüber geschrie – nein, gedruckt steht ”Wollen reicht nicht. Man muss es auch können.«
Die Mühe hat sich gelohnt, sauber ist es nun ausgedrückt.
Für gewöhnlich gehört Exkrement mit der Tüte aus dem Spender aufgenommen und entsorgt. Hier handelt es sich aber um die Power des Wollens aus dem Innern einer Partei, die »es« in einer druckvollen Verfassung vor der nächsten Wahl zumindest visionär auf den Punkt bringen muss.
Der Mops ist geradezu aufgeblasen damit, in die Küche zu wollen. Doch muss man es auch können.
Da weiß die FDP als bewundernswürdige Realistin, dass sie noch nicht weiß, was sie können muss, wenn sie könnte. Je nach Koalition.
Sie ist sich immerhin sehr bewusst, dass das Wollen all die Zeit bis jetzt nicht gereicht hat.

Man kann davon ausgehen, dass der Neanderthaler gute Gründe hatte, auf sowas gar nicht erst zu kommen, und wahrscheinlich deshalb, weil er ein ganz anderer Typus war.
Der Neanderthaler musste 1. über »Wollen reicht nicht« zwar gar nicht nachdenken, wusste hingegen 2., dass, wenn man schreibt »Wollen reicht nicht. Man muss es auch können«, sich dieses »es« nur auf das Wollen beziehen kann, somit nichts anderes bedeutet, als dass man das Wollen können muss.
Wäre der Neanderthaler auf sowas gekommen, hätte er es sich vermutlich verkniffen oder in Höhlenmalerei ausgedrückt, aber es ist genau das, was die FDP in aller Ehrlich- und Aufrichtigkeit sagen will – und kann:
Können zu wollen.

Written by monologe

7. April 2017 at 11:59 am

Über Baaschs Bauchgefühl

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Des Lübecker SPD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Baaschs Wunsch ist es, wiedergewählt zu werden.
Um für sich zu werben und einzunehmen hat er ein Wahlplakat anfertigen und sich auf ihm abbilden lassen, eine x-fach-Auflage Stillleben des Vorstellens also zum Anrödeln an Masten und Stangen stadtein, stadtaus.
Ausnahmsweise quer über den Abgeordneten Baasch wie eine Bauchbinde um einen Stumpen – der sonst auch keine trägt – steht zwischen Strichen der Anführung gedruckt, das, wovon man sicher sein kann, dass er es sich auch auf die Fahnen geschrieben hat:
»Mehr Gerechtigkeit für alle«.

Baasch ist beileibe kein Dünner, aber mehr Text, als etwa Gerechtigkeit auf eine Kuhhaut passt, ging quer über ihn einfach nicht drauf.

Die griffige, auf Baasch passende Ansage folgt offenbar den Verheißungen des Kanzlerkandidaten Schulz:
Es ist die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, die dafür sorgen muss, dass jeder einzelne Mensch, jeder Mann, jedes Kind, jede Frau im Mittelpunkt unseres Denkens und im Mittelpunkt unseres Handelns stehen. Ich möchte, dass der einzelne Mensch Respekt bekommt.“ –
wie in den alten Liedern

»…eines kann ich schon jetzt vorwegnehmen: Bei unserem Programm wird es um Gerechtigkeit, um Respekt und um Würde gehen.«
Die SPD hat es bitter nötig, aber was immer Schulz vorwegnimmt, wenn es kommt, es käme jedenfalls im Nachhinein.

»Wir wollen, dass die SPD die stärkste politische Kraft nach der Bundestagswahl wird, damit sie das Mandat bekommt, dieses Land besser und gerechter zu machen und den Menschen den Respekt entgegenzubringen, den die Menschen verdienen.«,
wenn sie die SPD wählen.

Baaschs dumpfe Kurzversion dürfte überzeugender sein.

»Mehr Gerechtigkeit für alle« auf Wunsch bedeutet in seiner überraschenden Einfachheit spontan zunächst mehr als überhaupt nichts, doch dass man es der Einfachheit halber wählen kann, um sich dann einfach mal überraschen zu lassen, wieviel mehr einfacher es sein wird.

Um den Rand von Baaschs Plakat drängen sich noch ein paar Fragen.
Ist uns allen noch nicht genug Gerechtigkeit widerfahren?
Wird »Mehr Gerechtigkeit für alle« partiell noch das Allerlebensnotwendigste zur Befriedigung der Grundübel der wesentlichen Existenz auch noch beinhalten oder gehts ins Argere? Heißt das mehr ins Kneifschwein vom Vatter Ubu mit allen, die es verdienen, und siehe, es ist unabwendbar gerechter und nur halb so persönlich bedrohlich wie Komplettüberwachung?
Soll eine Gerechtigkeits-Behörde geschaffen werden, die alle der ohne Unterschrift gültigen Gerechtigkeit zuführt und hierauf respektvoll automatisiert in ein verdientes, aber ebenso gerechteres wie nicht unwürdiges Schicksal einordnet, aber endlich die Pfandflaschensammel-Reviere auch zuteilt?
Was immer, die SPD ist die ideale Adresse für Zuversicht und Vertrauen, auch mehr, wenn man nicht weiß woher und auch nicht wohin mit den Defiziten.
SPD qua Schulz, da weiß man wieder ein, nicht mehr nur aus!

Mit der Kompetenz im Kern der Verursacherin scheint sie es leicht zu haben: bessern, was sie selbst den »Menschen« einst maßgeblich bestimmt und angemessen hat, bieten und entgegen bringen, was sie ihnen, wo es ging, entzog, erneuern, was in Verschlechterung und Verschleiß geraten ist durch sie und woanders gern billig in Kauf genommen wurde.

Das hatten, als es nach ihr ging – man erinnert sich -, die »Menschen« doch auch damals schon verdient, nichts anderes, in Folge dessen sie heute für Anderes vielfach nicht mehr genug verdienen.
Was hat Schulz für die SPD also vor der Wahl zuerst entdeckt: Würde und Respekt und dann den »Menschen« oder umgekehrt?
Auf welche »Menschen« hofft er? Die die SPD früher schon überzeugt hat mit konsequenter Schaffung von Gerechtigkeit?; die ihren angewandten Respekt vergessen haben?; die das Mindestmaß Würde, das laut Grundgesetz nicht angetastet werden kann, nicht in einem Schweizer Bankfach sicherer meinen, sondern dransetzen wollen?

Die heute gültigen, von der SPD aufgestellten Standards sind von solcher Qualität, dass die CDU sie mit Handkuss übernommen hat, um zusammen mir der SPD als Kombine die Ernte einzubringen und das Land zu hegen und zu pflegen bis heute, damit es den Leuten so gut gehe wie nie zuvor.

Nachdem Schulz der SPD gesprochen hatte von Gerechtigkeit, Respekt und Würde, da hats im Saal einen Jubel gegeben, einen Freudentanz, als hätte tatsächlich nie irgendwer da unten je oder schon lange nicht mehr von dergleichen gehört.

Über ein Bauchgefühl hat es der Abgeordnete Baasch dann auf den Punkt gebracht:
»Mehr Gerechtigkeit für alle«.

Das werden doch wissen die lübschen lebenden Toten,
Baasch hätte es längst praktiziert, doch war es verboten.

Richtig ist, dass bis jetzt zumindest nicht allen von der SPD mehr Gerechtigkeit widerfahren ist.

Written by monologe

31. März 2017 at 6:01 pm

Einst

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Wie ihr seid Äste
ertragt das Beste
war ich ein Ast
der Vögel Rast
ein Rausch vom Wind gefasst

Nun bin ich frei von jeder Last
trägt keine Blüten
kein Nest zum Brüten
kein Blatt
die spröde Stange
die so lange
schon keinen Baum mehr hat.

 

Martin Klingel©2015

Written by monologe

8. Dezember 2015 at 12:49 pm

Grass

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Aus Gestern wächst Heute, Heute ist künftiges Gestern. Nichts bleibt, keine Zeit, niemandes, niemand.
Der Tod beginnt früh seine Kuckucke zu kleben, ganz allmählich, überall in die Tage, die Träume, die Erwartungen, ins Leben, ins Gesicht.
Irgendwann bleibt er, sitzt, wartet, kriecht dir mit ins Bett.
Aus der Realität kommt er, aus der Ferne, die immer unerreichbarer wird. Er ist ihr Türsteher, dieser Tod, freundlich abstoßend, beliebig grausam.

Manchen jedoch lässt er ein. Wenn dieser mitbringt und zu bieten hat: Wirklichkeit. 
Ihr kann die Realitäit nicht widerstehen. Sie ist der Stoff, in den sie sich hüllt, der sie macht wie Kleider Leute machen.

Aber sie ist launisch, die kleine aufwachsende Göttin Realität jeder Zeit. Sie will geehrt, geschmückt sein um ihrer selbst willen.
Sie will immer Größe, Glanz, Bedeutung; die Besatzung in ihrem Pelz, die Läuse und Blattläuse, die Parasiten, Einsiedler der verlassenen Gehäuse wollen doch und sollen ihr Staat machen, Schmuck sein, Seltenheiten, Preziosen in Frack und Livree, die selbst nur achten sollen das Feinste und Beste einfach aus Überzeugung.
Wer ihr das bietet, einen Mehr- als Selbstwert, einen geschmackvollen Aberwitz – gern ein Narr, vielmehr Gaukler, einer, der sie von Kindheit an beschäftigt mit Verkleidung, Purzelbaum, Rollen- und Minenspiel, Kopfstand, sie kitzelt und zwickt, ein gewitzter Kumpel, einer, immer bereit, ein Ruheloser – der kommt durch, selbst ein „kritischer Geist“, nur groß genug und bedeutend, dass sie ihn ernennt, damit er hineinpasst, ein verbrieft freibeutend Verschworener: der bleibt.
Und das ist der einzige Lohn – solange er lebt.

Ob Günter Grass dem unbedingt entsprochen  hat und soviel Wirklichkeit gehabt, das sei dahingestellt. 
Immer doch war er gegenwärtig, oder doch vielleicht mehr „da“, was bei ihm auch „hie“ zu sein bedeutete.

Es gäbe zuwenige seiner Art, sagt man, und als ob er genommen, wird Verlust empfunden. Bei all dem Gewinn.

Er wurde ins Schlachten geboren. „Ich weiß, dass ich zufällig lebe“ hat er gesagt, Furcht vor dem Tod habe er nicht, hoffe nur, von Schmerzen verschont zu bleiben.
Wir hoffen, er ist verschont geblieben.

Ein Schlachthaus die Welt, die er verlässt. Er hat sie um ihrer und seiner selbst willen zu fassen gesucht, liebend verständig hinter den Kiemen, und sie hat ihm mehr als zwei Hände Erde gegeben; er hat ein, sein Kunststück sich und ihr zu Stand´ gebracht.
Zu Stand? Doch, ja, auf dem Weg.
Er war echt. Nun ist er gestorben. Die Natur trauert.

Hatte die deutsche Literatur mit Arno Schmidt eine Dimension verloren, mit Günter Grass verliert sie eine Persepktive. Und einen Halt.

Mehr in LÜBECKER DESILLUSTRIERTE

Written by monologe

18. April 2015 at 2:35 pm

Gutes aus Lübeck

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Übernommen von der „Lübecker Desillustrierten“.

„Nur heute: 1000 Euro zu gewinnen!

Keine Frage, die von den Lübecker Banken in seltener und darum umso schönerer Einigkeit initiierte (nur) heutige Aktion 1000+ wird ein voller Erfolg werden!
Die Aktion bietet für jeden, der heute über einen Geldautomaten in einer beliebigen Lübecker Bankfiliale 1000 Euro abhebt, die Chance, 1000 Euro extra und draufgezahlt zu bekommen.
Ein Zufallsgenerator wählt von allen Konten, von denen der Betrag von 1000 Euro abgebucht wurde, das aus, das gewinnt.

Dem gerüchtekommunikativen Vernehmen nach wurde die Aktion von der Lübecker Kultursenatorin Annette Borns und den Sozialverbänden wegen sozialer Unausgewogenheit aber offenbar heftig kritisiert.
Der für eine Beteiligung abzuhebende Betrag sei viel zu hoch angesetzt, auch wenn man einräumen müsse, dass Bedürftigen der Gewinn auf die Sozialleistungen angerechnet würde; nicht jeder, der eine solche Summe auf dem Konto habe, sei zu Ostern daheim, und es bestehe ohnehin der Verdacht, dass die Banken darauf spekulierten, die ausgelobte Summe über in Anspruch genommene Überziehungszinsen leicht wieder herein zu bekommen.
Solche Anreize und Versuchungen, denen man kaum widerstehen könne, wären nicht nur besonders unsozial, sondern, wenn man nicht gewinne, an Zynismus kaum mehr zu überbieten.

Ob die Banken diese Vorwürfe wie zu erwarten mit Hinweis etwa auf die aktuelle Benzinpreisentwicklung zum christlichen Osterfest einhellig als weitaus ungerechter und im Hinblick auf Steuerentwicklung, Mautpläne, Restaurantpreise, Telefon- und Rundfunkgebühren unbegründet zurückgewiesen haben, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.

Redaktionsschluss war heute, Ostermontag-Morgen, um 8 Uhr.“

Written by monologe

1. April 2013 at 9:56 am

Die Blauen Schafe

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Auch nach Lübeck kamen die weltgewandten ULTRAMARINBLAUEN PLASTIK-SCHAFE.

Oily South On CanvasSie sind willkommener als manch ein homo sapiens erectus, besonders einer aus Fleisch und Blut, der ein Dasein zwischen Nichtein-Können und Nichtaus-Wissen führt als das Unwesen eingefleischter Ultra-Ignoranz und marinierter Realität, was äußerlich unspektakulär als der reichsten Männer Deutschlands ultramarinblauer Plastikbeutel an seiner Hand und für seine Aussichten nurmehr als blasse Wand in Erscheinung tritt, von der alles abgeschminkt ist bis auf den Teufel, zu dem er sich noch scheren könnte.
Er führt ein Leben in einem strengen Realismus, dessen Stillleben sich nicht plastisch abheben vor der ungeschminkten Realität, denn sie machen weder Eindruck, noch gelten sie als Ausdruck.

Zu Hause - Foto: Martin Gernhardt Anders und fern davon die ULTRAMARINBLAUEN SCHAFE. Die sind – ganz im Gegensatz zu jenen unwesentlichen Existenzen – vielerorts gern gesehen und so hatte der BLAUSCHÄFER BONK ihrer „über 150“ auch auf die Rasenflächen vor das weltbekannte Lübsche Holstentor treiben dürfen mit der Erlaubnis, sie grüppchenweise „den ganzen Tag über grasen“ zu lassen. 

schaf250.jpgGlücklicherweise macht es BLAUEN SCHAFPLASTIKEN gar nichts aus, erhobenen Hauptes zu grasen, und dass sie vorbeugend zu Grasenden erklärt werden müssen, tut ihnen auch keinen Zwang an.
Durch dieses Grasen erhobenen Hauptes lassen sich einerseits schnöder Naturalismus, andererseits ständiger Verdacht des Grasverzehrs und der Grasnarbenschädigung leicht vermeiden, indem es BLAUEN PLASTIKSCHAFEN nicht nur besonders leicht fällt, auffällig nicht zu grasen, indem sie es demonstrativ nicht tun, sondern auch Kunstwerk zu sein.
Denn sobald dem unerwünschten weil naturalistischen Grasen nichts anderes übrig bleibt als in den Köpfen der Betrachter zu entstehen und darin Statt zu finden, ist die BLAUSCHAFHERDE sicher als Kunstwerk zu erkennen, ganz gleich, ob das Grasen nun dort entsteht und Statt findet oder nicht.
Entscheidend ist, dass die BLAUSCHAFHERDE nicht nur kein bisschen grast, sondern auch keine Anstalten dazu macht.

Die künstlerische Lösung eines unlösbaren Widerspruchs anzuerkennen fällt dem Betrachter sehr viel leichter als zu entdecken, dass ohne diese kein Widerspruch vorhanden wäre.
Natürlich könnte man sie, die BLAUSCHAFHERDE, besonders dass sie grast ohne zu grasen, noch leichter als Kunstwerk erkennen, wenn sie etwa in Gestalt BLAUER QUADER grasen würde (vorausgesetzt, die Lokalpresse ließe die HERDE BLAUER SCHAFE vorab ausdrücklich als BLAUE QUADER „daherkommen“, denn sonst wäre sie als Kunstwerk gleichwohl einer Herde ROTE KÜHE, GÜLDENE LÖWEN oder BEIGE AUSSERIRDISCHE zum Verwechseln mit BLAUEN SCHAFENnicht unähnlich genug).

Das Grasen einer Herde BLAUER QUADER wäre künstlerisch zwar vollkommen, rein und unschuldig, wird aber dem BLAUSCHÄFER mit Recht zu kompliziert erschienen sein für die kulturferneren Schichten, die in einer BLAUSCHAFHERDE, wenn es schon sein muss, eher bereit sind, ein Kunstwerk zu erkennen, als in einem Kunstwerk eine HERDE BLAUE SCHAFE.

Ein Kunstwerk, bevor es möglicherweise friedlich grast, müsste erst als SCHAFHERDE erkannt werden, also sind die BLAUEN SCHAFEerkennbar als blaue Schafe aus Plastik und stellen nur möglicherweise ein Kunstwerk dar.

Das ist sicherer.

Denn während ein Kunstkenner gewiss eher so seine Schwierigkeiten hätte, fassen zu sollen, dass eine b_250_0_16777215_00___images_Beitragsbilder_schaf3.pngSCHAFPLASTIK tatsächlich ein Schaf darstellt, aber jedes Verständnis dafür aufbrächte, sollte ein QUADER eins darstellen, ist der einfache Mann, seine Frau, und sind seine Kinder durchaus in der Lage, in einer SCHAFPLASTIK leicht und sicher ein Schaf zu erkennen, sogar und erst recht, wenn es ihm auffallend ähnelt, und können das auch – wie man sagt – artikulieren: „Ahhh, ein Schaf!“.
Das, weil die PLASTIK äußerlicher Gestalt nach eindeutig Schaf ist ohne jede Ähnlichkeit mit einem Kunstwerk.
Und da die PLASTIK sonst nicht die geringste Gemeinsamkeit hat mit einem natürlich vorkommenden Schaf, ist sie wiederum eindeutig als Kunstwerk erkennbar – und in Blau natürlich erst recht!

Aber genügt es, BLAUE SCHAFE einfach auf grünen Grund zu stellen und ihre Wirkung sich selbst zu überlassen?
Reicht es aus, dass sie für die einen als Schaf erkennbar sind, für andere als Kunstwerk?
Muss nicht, was Schaf ist und Kunstwerk, als Kunstwerk Nutztier sein und als Schaf etwas bedeuten?

BLAUSCHÄFER BONK: Symbolik der Herde als Installation und als Möglichkeit, auf friedliches Miteinander und Toleranz, Wir-Gefühl aufmerksam zu machen. Die Herde erweckt sozusagen ein bisschen den Eindruck von soner friedlich weidenden Herde; nur wenn man genau hinschaut, erkennt man, dass alle Schafe genau gleich sind, und diese Botschaft, alle sind gleich – oder dieser Erkenntnisprozess – das ist sozusagen der Kerngedanke dieses gesamten Kunstprojektes.

Man kann die Befangenheit des Kunstkenners, in der er BLAUE SCHAFE leichter oder überhaupt erst erkennen kann, wenn sie durch BLAUEN QUADER dargestellt werden, nun besser verstehen.
Denn wie man sieht, besteht die Gefahr, dass, wenn eine Herde BLAUE SCHAFE eine Herde Schafe darstellt, damit der Eindruck einer friedliche weidenden Herde erweckt wird, das mit dem Hinstellen einer Anzahl BLAUER PLASTIKSCHAFE natürlich keine Kunst mehr ist.
Das BLAUE SCHAF wird zum Nutztier.

Allein dass hocherhobene Schafsköpfe es dem Kunstkenner ermöglichen, sie sich friedlich weidend vorzustellen, entschädigt ihn nicht dafür, dass er genauer hinsehen soll, um zu erkennen, dass alle identischen Schafe genau gleich sind.
Eine solche pleonastische Störung der Geistesgegenwart hätte sich mit einer Anzahl BLAUE QUADER vermeiden lassen, würde er sich mit Recht sagen, denn diese hätten gewiss genug damit zu tun, den Eindruck zu erwecken, dass sie BLAUE SCHAFE darstellen, ebenso die Betrachter damit, dass es gelingt.

b_250_0_16777215_00___images_Beitragsbilder_emscherwelle1500.jpgEine friedlich auf den Rasenflächen vor dem Holstentor grasende Herde lebender Schafe könnte für friedliches Miteinander, Toleranz und Wir-Gefühl nicht mindestens wahrhaftiger Beispiel geben?
Weil Schäfer und Schäferhund dann nicht in Frankfurt am Main übernachten und so ruhig schlafen könnten wie ein BLAUSCHÄFER?
Nein, das kann der Grund nicht zu sein, denn auch der BLAUSCHÄFER lässt seine Herde nicht über Nacht im Freien, obwohl womöglich gerade nachts auf friedliches Miteinander, Toleranz und Wir-Gefühl aufmerksam zu machen wäre.

Sone Menschenmenge erweckt tagsüber, tatsächlich ähnlich einer friedlich grasenden HERDE BLAUSCHAFE, auch so manche Eindrücke von friedlichem Miteinander usw., kurz, alle sind gleich – jedenfalls solange man genau hinschaut.
Oft sieht man Genaueres allerdings erst, nachdem man einmal nicht genau hingeschaut hat, beispielsweise morgens, nachdem alle BLAUEN SCHAFE schwarz und alle Theorien, Symbole und Katzen grau gewesen sind.
Die Botschaft einer Deinstallation – oder der morgendliche Erkenntnisprozess – würde den Kerngedanken um die Frage erweitern, auf wieviel Toleranz der BLAUSCHÄFERdurch das eigene Beispiel aufmerksam machen kann.

Aber der BLAUSCHÄFER ist natürlich auch ein SCHLAUSCHÄFER, indem er es nicht darauf ankommen lässt, Installation und Kerngedanke der Nacht auszusetzen.
Nachts ist die Welt unsicher.
Morgens tritt ein Bedürfnis nach Bilderbüchenem zutage als Idyll mit BLAUSCHAF- statt Reiter-Standbildern auf einer Augenweide.
Es ist ein Entwicklungsland mit einer Botschaft, BLAUE SCHAFE sind die Diplomaten.
Entgegen dem, was ist und dem Untergang geweiht wie alles, was entsteht, symbolisieren sie was sein soll.
Nur was man nicht ist, kann nicht untergehn.

Zu glauben, dass diese identische Gleichung mit dem Schaf auf die geschminkte (in der der innere Schweinehund im Schafpelz wandelt) oder ungeschminkte Realität (bis es dunkel wird), nicht übertragbar wäre, ist hanebüchen.
Denn Gleichmacherei und ausschließliche Toleranz nach dem Hanebuch sozusagen, das Hanebüchene also, gibt es.
Es ist das Idyll, in das bunte Schrecken, Erniedrigungen und Horror flimmern und wo auch sonst die Balken sich bögen, wären sie nicht aus Beton. Das ins Bilderbüchene zu „gentrifizieren“ wird ein liberal-hygienisches Interesse der Statthalter öffentlicher Bedürfnisse nach Harmonie immer spürbarer – und was sie mit einem Nachdruck betreiben, als ginge es getreu Lenin um die Elektrifizierung Russlands.
Aber es geht um Quartier für friedliches Miteinander, Toleranz und Wir-Gefühl, solange jener homo sapiens erectus mit dem ultramarinblauen Plastikbeutel an der Hand – der Clochard Struwwelpeter – nicht im städtischen Grünen dazwischen schnarchend nutzlos hingelümmelt das Idyll stört und sich auch nicht scheut, im Gebüsch daneben seine Notdurft zu verrichten.
Der Struwwelpeter kann blau sein wie er will, nichts lässt sich mit ihm von dem projektieren, was mit demBLAUEN SCHAF projektiert werden kann. Er liefert keine Botschaft, keinen Erkenntnisprozess, erweckt kein Wir-Gefühl, kein Kerngedanke ist ihm zugetan und er steht selbst für alles, was ihn symbolisiert. Ja, das BLAUE SCHAF wird als BLAUER QUADER oder umgekehrt noch leichter erkannt und anerkannt als der blaue Struwwelpeter als Mensch oder mindestens Mitmensch.
Damit hat es schon eine eigene und besondere Bewandtnis.
Das öffentliche Interesse, das außer den erhobenen Zeigefinger die tollsten Realitäten und deren TV-wütige Wirklichkeit samt Schönfärberei mit und ohne Notwendigkeitserklärung tolerieren muss, wird von einer Instanz verwaltet und vertreten, die nicht nur für BLAUE SCHAFE, sondern auch für den Struwwelpeter zuständig ist. Dieser fordert allerdings manchmal einen Ausgleich der Interessen heraus, nämlich der tatsächlichen mit den höheren.

So hat ein Hamburger Sozialdemokrat – Vertreter der ersten und exekutiven Instanz – entschieden, sich in der Sache Struwwelpeter im Zweifel für eine ausgleichende Intoleranz zu entscheiden und die Kernkompetenz mit einer Tatsache vollendet, indem er einen Eisenzaun errichten ließ, damit Hamburger Struwwelpeters fortan den Zugang zu ihrem Haushalt unter ihrer letzten Instanz, einer Brücke, verwehrt sein sollte.
Der SPD-Mann, in der Absicht, aus seiner Entrüstung über die Untugenden, die die Struwwelpeter in Ermangelung einer Toilette aus ihrer simpelsten Not gemacht hatten, seinerseits nachdrücklich die Tugend abzugrenzen, kannte aber die Tugend schlecht.
Die wartet ja geradezu händeringend auf für sie errichtete Zäune, besser noch eigens von ihr selbst errichtete, um über sie hinweg sehen zu können und mit Recht zu finden, einen Zaun zu setzen verkürze den rechten Weg um die Freude, ihn zu gehen.
Und auf diesem Weg war die Entdeckung der fehlenden Toilette nur noch eine Formalität. Kurzum, der Zaun musste wieder entfernt werden. Es musste etwas Besseres her, was ganz anderes – Butter bei die Fische -, nun soll eine 100 000-Euro-Toilette aufgestellt werden, in der sein Geschäft zu machen der Tourist bezahlen muss.

Nur der Struwwelpeter hätte die Tugend frei.William Holman Hunt (1827–1910) Der Sündenbock

Ob der Bürgermeister zur Einweihung kommen und wer der/die Erstbeste sein wird, symbolisch das beispielhafte Geschäft zu machen und die Wirkung eindrucksvoll zu beglaubigen, bleibt abzuwarten (oder der Bericht ist zwischen zwei Hiobsbotschaften bereits untergegangen). Die BLAUSCHAFHERDE ist von den Grünflächen vor dem Holstentor längst wieder verschwunden. Der Bürgermeister war da. Fands ne tolle Sache. Schnellste Bewerberin vor allen anderen ungenannt gebliebenen Bewerbern um einBLAUSCHAF war die evangelische Kirche. Die hats geholt und man glaubt gern, dass sie nach dem berühmten Vorbild eines Schneiders, der ein zu treten hieß, „wenns“ kein Schneider wäre, jedes Schaf nach Hause trägt, wenns nur nicht schwarz ist. Das identische SCHWARZE SCHAF wartet noch auf seine Installation, um auf ein Ende des friedlichen Miteinanders, der Toleranz und des Wir-Gefühls aufmerksam zu machen. Herkules Nordstern - Foto: Martin GernhardtEs hätte entsprechend identisch seiner globalen Bedeutung wohl schon symbolische 20 Meter groß zu sein, aus changierendem Schwermetall, 240 Tonnen schwer. Es müsste auf einer Zeche stehen, von der niemand weiß, wer sie zahlen soll, sollte sie unter ihm fällig werden; wie ein Wolf das SCHWARZE SCHAF den Kopf im Nacken müsste es friedlich grasen, aus seinem Maul würde – blicket hinan! – rauchen die Zentralheizung.

 

Kursiv=Zitate aus den „Lübecker Nachrichten“

Written by monologe

27. November 2012 at 11:09 am

Lübecker Uhren 2

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43 Lübecker Uhren standen durch Wochen auf Zwölf, was einer Zeit, die abgelaufen ist, entsprach.
Nun sind sie weg, obwohl sie nicht gegangen sind, sind weg,- statt an- und eingestellt.
Aber vielleicht waren sie Punkt 12 anzeigend nie genauer, gingen 3 Minuten höchstens noch vor?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Epitaph

Die Uhr, die stand,
ist nun verbannt
von ihrem Stand.
Die Zeit, die
sie gemessen,
ist wie ein kleiner Haufen
Sand
ihr abgelaufen
wie stets Ermahnung und Vergessen.

Written by monologe

14. Juli 2012 at 7:10 pm