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Ägypten update 2

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Zwischen Aufstand und Revolution besteht ein Unterschied: das eine ist wonach das andere nur aussieht.
Es ist immer eine Sache des Glaubens, nie der Gewissheit. Nur in einem: eine Revolution, die nicht gemacht wird, um das System zu ändern, ist keine.
Das, was in der DDR geschah, war demnach eine.
Was in Ägypten geschieht, auch wenn es dem, was in der DDR geschah, zum Verwechseln ähnlich sieht, ist keine Revolution; will man großzügig sein, nennt man es am besten vielleicht „Freiheitskampf“.
Das Volk hat sich entschlossen, den Spieß umzudrehen und seinem Diktator den Rücktritt zu diktieren, umgangssprachlich Verschwinden . Daran klammert es sich. Dass ein anderer loslässt, daran hält es fest.
Es scheint nicht nur so, es ist eine persönliche Sache.
Es schwingt „Erfüllung“ mit. Wünsche, Rechte, Bedürfnisse.
„Freiheit“.
„Freiheit“ scheint eine Art Weihnachtsmann oder Nikolaus, bzw. Osterhase zu sein, der die Geschenke bringt vom Himmel hoch, und wenn man brav ist und sein Lied singt, gibts die Rute nicht. Der Eier-legende Hase trifft es noch besser.
Aber ist es nicht so, dass Vater und Mutter die Geschenke erst kaufen mussten, ehe sie Onkel Fritz mit der Larve brachte von draußen her?
Dem DDR-Volk kaufte Mutter Bundesrepublik und Vater Staat die hübschen Sachen und Onkel Kohl brachte sie zusammen mit dem Vetter Hans-Dietrich allen Kindern, ob die ihr Gedicht von Volk und Grundgesetz nun brav aufgesagt hatten oder nicht – wer aber wird dem Ägypter-Volk die Geschenke kaufen? Der böse Unkel Sam? Und in welcher Verkleidung bitte, dass es ihn nicht erkennt?

Nun wird das „Spiel“ „gemanagt“. Vielleicht bis die Verwandlung des Diktators in einen Bauern vollzogen ist, dessen „Opferung“ dann die Qualität und Wirkung eines „Bauernopfers“ hat?
Es scheint, als ob der Diktator beraten wird von Politiker-Eliten, die sich mit dem Nicht-Zurücktreten auskennen. Die sich auskennen damit, wie man sich den Schneid nicht abkaufen lässt und sich ganz ohne Rückhalt im Volk halten kann? Die wissen, wann Schweigen Gold, Ausharren Goldes wert ist und wie man dem schlechten Witz mit dem zeremonischen Ernst des Aberwitzes aufhilft und zugleich bewahrt? Die einen Generalsekretär haben?

So einen wie den Lindner, der der Opposition von wegen der gescheiterten „Hartz 4-Reformen“ erst zukommen ließ, dass sie nicht Wahlkampf auf dem „Rücken von Benachteiligten“ betreiben möge, und der jetzt ausrichten ließ, die oppositionsregierten Länder mögen dieser immerhin gescheiterten „Reform“ im Bundesrat zustimmen, weil „die Bedingungen nächstes Mal andere sein“ werden.
Da lugt wieder der alte Führer-Haudegen der Drückerkolonne durch den Türschlitz. Du kaufst das! Schlampe! Wenn wir wiederkommen müssen, blechst du das Doppelte!

Tja, ewig währen Geduld und Großzügigkeit nicht, da kann man der volksvertretenden Opposition nur raten, zu diesen Bedingungen zu kapitulieren.

Zugleich wird gemeldet, dass  Geduld, Verständnis und Großzügigkeit auch in Ägypten nicht ewig währen und wieder erschossen wird.
Ein Zusammenhang besteht? – nicht.
Hier sind die  Straßen ja sozusagen leer.
Da hat der Lindner sicher nachgeschaut.

Muss man jetzt. Wegen Ägypten. War man nicht drauf vorbereitet.

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Ministerin Schröder hat gerechnet

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Soeben hat unsere Ministerin Schröder gesprochen. Nachdem irgendein Gefummel an Embryos aus Reagenzgläsern (Präimplantationsdiagnostik) auf dem Parteitag der CDU mit geringer Mehrheit zunächst untersagt worden ist.
Es wurden auch keine Ausnahmen zugelassen.
Eine Ausnahme hätte man sich nachher immerhin vorstellen können: wenigstens sollte auf gewisse Erbanlagen untersucht werden, auf dessen Reagenzglas der Name SCHRÖDER steht.

Frau Schröder hat, eine Diskussion einleitend, nachgerade über Armut bei Kindern gesprochen. Diese, so hat sie gesagt, sei relativ. Relativ darum, weil Armut über ein gewisses Einkommen „definiert“ werde.
`Wenn sich über Nacht die Einkommen der Bevölkerung verdoppeln würden – die Anzahl der Armen würde trotzdem gleich bleiben!´, ungefähr das hat sie gesagt. Und dass eben deshalb die Definition von Armut in Deutschland nicht nur relativ, sondern „problematisch“ sei.
Achtung: „problematisch“ nicht die Armut, sondern die Methode, ihr ein Maß zuzumessen.

Frau Schröder muss offenbar nicht weiter rechnen, da sie das relative Vorhandensein von natürlicher Intelligenz für so gering hält, dass sie keine künstliche Aufregung erwartet, wenn  in Relation zum Aufwand die Milchmädchenrechnung einfach reichen muss.

Es soll aber doch gesagt sein, dass sich tatsächlich nur bei überraschender Verdoppelung von Niedrigstlöhnen und Sozialleistungen die Zahl der Armen womöglich halbiert, und zwar selbst dann, wenn in der darauf folgenden Nacht die Durchschnittslöhne steigen würden.

Dann könnte es Tag werden, bevor Gott die Erde von der Petrischale wischt.

Nein?

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Man wollte vom Stalinismus weg. Es hat zwar keiner gemerkt – Stalinismus, Faschismus, Diktatur, Willkür, das kennen wir nur aus den Geschichtsbüchern, und die lesen wir nicht mehr, Schuld, Schuld, Schuld, wir wollen aber moralisch sein – es hat also niemanden groß gestört, dass die Bundesregierung, insbesondere der Geerd, bei der Neugestaltung und Rettung des Sozialstaates sich nur mit Mühe davon abringen ließ, nicht den giftigen Bruderkuss der damaligen Opposition Merkel/Westerwelle ins „Gebot der Stunde umzusetzen“, nämlich dass, wer nicht arbeitet, bin ich der Ansicht (Geerd), auch nicht essen soll.
Reiner O-Ton Stalin.
So ist die Agenda beinahe Sozialismus geworden, perspektivisch spätrömisch dekadent,  wie man weiß, von Frau Roth vehement verteidigt, nicht vergessen, doch nur der gern in stahlgrauem Armani irgendwie auch ein bisschen dynamisch trotzkistisch wirkende Geert selbst schien/scheint noch zufrieden.
Er bekam in Russland zu tun. Konsequent irgendwie.

Davon wollte man insgesamt weg.
Darum hat die relativ fesche preußisch schwäbische Hausfrau Schluss gemacht mit dem halben Geist Stalins in Hartz 4 und mit Westerwelle, der Personifizierung des eigenen Vorbildes, beschlossen und umgesetzt, dass, wer nicht arbeitet, nicht rauchen und nicht trinken soll.

Das bedeutet Rückbesinnung.
Dass Herrschaft und Obrigkeit ihnen wenigstens das bisschen Suff und Qualm vergönnen, welche durften sich das einfordern in der guten alten Zeit? Soldaten, Knechte, Matrosen, Häftlinge, Bergleute. Oft unter der Voraussetzung widrigster Bedingungen und der Gefahr sinkender Moral.

Die Koalition hat demnach erkannt, beschlossen und konsequent umgesetzt, dass Bewilligung eines Betrages für Suff und Qualm für Hartz4-Regelfälle in Deutschland heute das Hochhalten der Unmoral bedeutet.
Darauf schaut auch die heil-froh, nicht betroffen zu sein, wegschauende Bevölkerung, sehr genau und war noch nie dafür.

Kurz und gut, Armut bleibt erhalten, der  Schlucker aber wird bekämpft wie die Windmühle – natürlich um Gottes Willen ohne Prohibition; und wenn in der Bildungsferne nun ein Kopf raucht, dann wissen wir, einer verzichtet für seinen „Lancia“ auf Fleisch von unserem Fleisch, entsagt dem Geist von unserem Geist: „Komm ins Offene, Freund!“, das ist von unserem Hölderlin.
Auch der Woyzeck fürchtete sich vor Trauerweiden und hörte Tritte.
Ja, diese untröstliche Traurigkeit ist schwer zu verstehen.
Darum hofft die Koalition, dass eine praktische Wirkungslosigkeit wenigstens umgangssprachlich das Kapieren ihrer moralzüchtigen Konsequenz als solche erleichtert. Also das, was auch für Hölderlin und Schwermut gilt: die Dichtung macht das Unverständliche akzeptabel und erträglich.
Vorausgesetzt, man fühlt.

Spürst Du die unheimliche Stille?; das Verlorene?; den Halt?
Nein?

Written by monologe

29. September 2010 at 8:49 am