MonoLoge

Archive for the ‘Europa’ Category

Brex it

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Remember when you were young you shone like the sun
Shine on you crazy diamond
Now there’s a look in your eyes, like black holes in the sky
Shine on you crazy diamond
You were caught in the cross-fire of childhood and stardom
Blown on the steel breeze
Come on you target for faraway laughter
Come on you stranger
You legend, you martyr, and shine

You reached for the secret too soon
You cried for the moon
Shine on you crazy diamond

Threatened by shadows at night and exposed in the light
Shine on you crazy diamond
Well you wore out your welcome with random precision
Rode on the steel breeze
Come on you raver, you seer of visions
Come on you painter
You piper, you prisoner, and shine

Nobody knows where you are, how near or how far
Shine on you crazy diamond
Pile on many more layers and I’ll be joining you there
Shine on you crazy diamond
And we’ll bask in the shadow of yesterday’s triumph
And sail on the steel breeze
Come on you boy-child, you winner and loser
Come on you miner for truth and delusion, and shine!

Pink Floyd

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Written by monologe

25. Juni 2016 at 5:51 pm

das verdorbene

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Sturz der Mitte
man soll
stehn bleiben
die Landschaft
giftgrün
wir bleiben
die vergiftete Mitte
auf der Achse umgestürzt
blutrot rot untergehend
sich reckend standhaft

Vater hat wen
uns geschickt?
den Sohn
die Mutter schwarz
das weiß der Mutige
dem Vogelvolk
herrlicher Opferer
in den Himmel verhängt.

© 2015 Martin Klingel

Written by monologe

21. November 2015 at 6:52 pm

Jüdischer Friedhof Prag – Teil IV und Schluss

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Der kleinsteinige Weg zum Dr. Kafka wird, sobald man an Hinweisschild und Lebensbaumbusch vorbei den Ausgangsplatz verlassen hat, abschüssig  – ja, zu den Toten muss man hinunter, zurück zu den Lebenden wieder hinauf.

Ein Stück weiter unten wird der Weg zur schmalen Allee. Hinter der Baumreihe linker Hand breitet sich der Friedhof, liegen dunkel die Gräberreihen, stehen dazwischen die Baumreihen, Reihe um Reihe Grabstätten, Wege, Bäume bis zur umlaufenden Friedhofsmauer irgendwo hinten.

Die Baumreihe neben dem langen, geraden Weg hinunter zum Dr. Kafka steht rechts vor der Mauer und steht ihr sonderbar nahe.
Diese Mauer ist eine Kassettenmauer. Sie ist so gebaut, dass von Pfeilern links und rechts, oben und unten von Sturz und Schwelle ähnlichen, balkenartigen Vorsprüngen eingerahmt ein wenig zurückgesetzte graue Putzflächen entstehen. Eine solche Kassette neben der andern bildet die Mauer; nach einem Pfeiler kommt die nächste, die manchmal tiefer gesetzt ist, denn es geht ja bergab.

An den grauen Putzflächen sind Gedenktafeln angebracht und sehr nahe daran, ihnen leicht zugeneigt, stehen die Bäume.
Seltsam ihre schlanken Stämme, bis über die Höhe der Mauer kahl gehalten, gehen sie oben in geradezu expressiv wuchernde Kronen, Blitze aus Ästen in den Himmel aus. Im Gegensatz dazu die kahlen Stämme unten so nahe der Mauer und den Tafeln wirken, als ob sie sich schützend oder bergend vor Mauer und Tafeln gestellt hätten, um zu bedeuten: das hier ist intim.
prag19:012

Nie zuvor hat der Autor dieses Berichtes je den Sinn des Wortes Beistand so gänzlich, ja wortwörtlich erfüllt gesehen.

Und diese Mauer. Oben, auf dem Balken über der Putzfläche mit den Tafeln ist sie ziegelgedeckt; die Pfeiler links und rechts stehen nicht nur etwas erhaben aus ihr heraus, sie ragen auch etwas höher auf, und da diese Überstände ebenfalls ziegelgedeckt sind, wirken sie wie Gauben auf einem Dach, wie Lüftungsgauben – die Mauer, ihre Silhouette eine lange Reihe – Baracken…?!

Auf die schmale Stufe, die Schwelle unter den Tafeln, sind hie und da Lichter gestellt.

Den neuen jüdischen Friedhof Prag haben der Autor dieses Berichtes und seine Begleiterin, Deutsche, nicht mit jener Beklommenheit betreten, die sie nun empfinden, ahnend, welches Schicksal die erlitten haben, derer auf diesen Tafeln vor dem grauen Putz dieser Mauer gedacht wird. Sie lesen jede Tafel auf dem Weg hinunter bis zur letzten: „In memoriam“, Namen, Daten, Birkenau, Lodsz, Warschau, Terezin, Sobibor – Ortsnamen, nie ein nationalsozialistischer „Begriff“.
Wem dies auffällt, der wird es vielleicht verstehen – oder auch nicht, es ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass es so ist: kein Wort der Henker soll hier verewigt sein, kein Ort soll ihn hier tragen, den Begriff, den der Henker ihm zugefügt hat, denn dass hier bei den Namen der Opfer, der unschuldigen Orte ein solcher Begriff erschiene, verzeichnet wäre, täte es ihm nicht Ehre?

Die letzte Tafel ganz unten gilt dem „Dr. Maxe Broda“ zum Gedenken, welcher kein anderer ist als der berühmte Max Brod.
prag24:012Dieser ist zwar in Israel gestorben, wohin er 1939 ausgewandert war, doch ist er enger Freund, Ermutiger und Förderer des oft zweifelhaften Dr. Franz Kafka seinerzeit in Prag gewesen, später auch Nachlassverwalter, und so hängt die Tafel zu seinem Gedenken genau dessen Grab gegenüber (nicht, wie bei „Wikipedia“ zu lesen, „nebenan“).

Blumen, Blümchen, Zettel, Steine sind unter den Grabstein des Dr. Kafka gelegt, Grüße, Botschaften, Liebeserklärungen, Gedichte – wer weiß.
prag25:012

Und was mir auf allen Friedhöfen, die ich besuche (der Prager ist der erste jüdische), und was mir auch im Leben zwischen den Lebenden oft, oft in den Sinn kommt, das kommt mir auch hier in den Sinn, jener Refrain: „Wie nah sind uns manche Tote –  doch wie tot sind uns manche, die leben.“ des Liedes „Hugenottenfriedhof“ von Wolf Biermann.

Wir gehen links ab in den Friedhof hinein; man kann getrost sagen: in die Tiefe.

Dass dieser Friedhof verlegt, also neu angelegt worden ist, weiß man aus dem Reiseführer, ihm anzusehen ist es nicht. In ihm ist weniger „deutsche Ordnung“ als vielmehr bürgerlich deutsche Romantik. Man kann hier ganz plötzlich von der Überzeugung überrascht werden, dass, ja, ein Friedhof so sein sollte, und darüber eine nicht ganz passende Freude empfinden.

Den interessierten Besuchern dieses Friedhofes, die einstens so bestattet zu sein wie hier sich wünschen, sind gewiss nicht wenige und es sind ganz gewiss nicht alle Juden (wiewohl sich auch nicht jeder Jude Hoffnung darauf machen kann, dereinst hier bestattet zu werden). Denn es ist die alte Geschichte: Hochkultur geht verloren, Natur ebenso, schleichend kommt hier eine Kleinigkeit, dort ein Tierchen abhanden, wird hier rationalisiert, ritualisiert, dort ein Auge zugedrückt. Würde man aber unversehens in Hochkultur, in Natur gestellt, in ihre ganze Pracht bei voller Blüte, ihrer Dimension, ihrer Fülle, ihres Wunders ansichtig und inne, man würde nicht für möglich halten, dass ein heutiger Tierpark oder der Friedhof etwa in H. nur das Geringste noch damit zu tun hätte oder gemein – und was doch heranrückt.

Jedoch ist manches – „Urbild“ – in den meisten von uns noch vorgebildet und so auch die Fähigkeit zu erkennen ohne zu kennen.
Es gibt sie, die selten vorkommende urplötzliche Übereinstimmung eines inneren Bildes mit einer äußeren Erscheinung. Und wie oft macht sich doch die Existenz dieses inneren Bildes mit solcher Übereinstimmung erst bemerkbar?
Und gibt es nicht allerhand Leute, die glauben, sie hätten vor ihrem jetzigen Leben schon einmal gelebt und seien in diesem vorigen Leben an einem bestimmten Ort ganz bestimmt schon einmal gewesen, so bekannt komme er ihnen vor, obwohl sie ihn zum ersten mal sehen?

Vieles in unserer Lebenswirklichkeit, besonders das, was „sein muss“, ist zur runden, glatten Banalität geworden, die mehr dem Zweck, schnell geliefert, fix und fertig geboten, rituell vollzogen zu werden, entspricht.
So ist auch die Kultur rund um den Tod oft sozusagen auch nur noch ein Skelett ihrer selbst, ein Halbschatten, der, wenn überhaupt irgendwohin, gelegentlich auf seine Verdrängung fällt, noch seltener auf die Kultur des Sterbens. Die Furcht vor dem Tod ist heutzutage keineswegs größer als die vor den Lebenden, denen das Sterben ausgeliefert ist, und vielleicht hat einer weniger Hoffnung hinsichtlich seiner Auferstehung am Jüngsten Tag, wenn er am ersten Tag, da er Gewissheit fühlt zu sterben, mehr Anlass hat, dringender auf schnelle Erlösung zu hoffen.

Wäre es wahr, dass ein jeder Gestorbene Zeugnis abzulegen vor Gott tritt und schon trat, nichts, was Gottes Wille hier auf Erden scheint, bedürfte mehr einer Erklärung –

Warum also sollte ein neuer Friedhof nicht auf seine Weise einem Neubaublock entsprechen? Warum sollte er nicht als „Letzte Ruhestätte“ ein Gemeinplatz sein, wo halt die Toten begraben werden, was, soweit es das Begrabenwerden angeht, den Totengräbern, den Steinmetzen, den Blumenbindern etwas einbringt, und soweit es das Begrabensein betrifft, auch der Verwaltung?
Es ist Tristesse. Man kann ihr im Leben nicht entgehen, noch weniger dem ewigen Gedudel dazu, das einen ebenso selbstverständlich ungehindert bis auf den Friedhof verfolgt.
Da ist es schön, wenns den Leuten egal, Apathie des freien Lebens Bruder geworden ist und ein kalter Lethargiger zwar irgendwann auch beerdigt werden kann, aber dessen herausragendste Eigenschaft oben bleibt, unvergänglicher, ewig jünger scheint denn je, während die Götter, die diese Eigenschaft bislang zwar vergeblich, aber immerhin bekämpften, angewidert von der Effizienz und Konsequenz des grassierenden kalten Elends, das allerlei Ehre machen soll, zurückweichen.

Der Tod ist schal geworden und vom Gedenken reicht so wenig noch ins Leben; ist es, um den Angehörigen die Grabpflege zu ersparen oder weil, was sie vererben, besser für ein Studenten-Auto angelegt ist; weil nichts mehr zu sein übrig geblieben ist als tot zu sein, und alles andere ist man schon gewesen; weil es wurscht ist, nur ein bisschen Kultur muss halt auch sein? Ist es eine echte Bescheidenheit?

Nein, es ist das kurze, kürzer werdende Gedächtnis zur Rettung der Exklusivität einer faden, faseligen Allgegenwart des Globalverramsches, des billigen Lebens auf Rolltreppen und Förderbändern mit dem Kopf in der Presse, einen Fuß in der Abwärtsspirale, dennoch eine Himmelfahrt, während aller Sinne Reiz aus dem Äther kommt, jener um die Erde geschnürten rosaroten Endlosschleife.
Nur so ist immer alles neu, unsere Zeit die beste und modernste, in der die Hölle auf Erden zu bereiten aktuell das Paradies der Lohn ist.
Das Vergangene war schlimm und schlecht, was geschah heute unvorstellbar?
Aber die neueste Berliner Spezialität, Prügel und Totschlag auf offener Straße wegen Schiefansehen, Witz auf „den Führer“, unwürdiges Verhalten hat es in den 30er Jahren schon gegeben, und dass die Polizei in bestimmten „Gegenden“ entweder nichts „zu suchen“ oder ein Auge zuzudrücken hatte auch, nur hießen diese Gegenden nicht „No-Go-Areas“:

Der alte Keim aus neuen Bäuchen,
Der alte Brauch mit neuen Bräuchen.

Milde Strafen und Bewährung für Schandtaten sind ebenfalls überliefert, mithin seltsame „Selbstmorde“, den der Berliner Humor allerdings noch traf: „Es war Selbstmord, aba man weiß nich, wer et jewesen is“.

Freilich ist es heute nur halb so schlimm wie zur dunkelsten Zeit einer mörderischen Diktatur: die Zeit, in der es heute geschieht, ist freie Zeit, darum.
Die folgenden hochaktuellen Zeitstrophen kann man nicht „googeln“, es gibt sie dennoch – wann geschrieben?

„Immer tiefer sich zu bücken, 
Das verlernt die Menschheit nie.
Und sie trifft es zum Entzücken
Selbst in der Demokratie.
Das ist der wahren Freiheit Sinn:
Jeder kann in Republiken, 
Jeden andern unterdrücken.“

– und zwei Strophen später –

„Heut tun sich die Leute lieber 
Bücken vor dem Börsenschieber, 
Bücken vor dem Börsenschieber,
Denn nur Geld regiert die Welt.
Lieber vor dem Börsenschieber
Bückt sich heut die Welt.“

– wegen der anständigen Verse wird mans schon ahnen: aus den 20er Jahren sind sie, doch heute zielgeführt treffend mit chirurgischer Präzision.

Heutzutage mahnen die Toten nicht so eindringlich wie die, die noch nicht gestorben sind. Das sind die, deren Existenz gekennzeichnet ist von dem Verhängnis, „ausgeschieden“, also im Sinn des Wortes verdaut zu sein.
Nun, ich will nicht vorgreifen, diese Go-Zonen des Sterbens sind Durchgangsstationen, deren gepflegte Annehmlichkeiten kennenzulernen beinahe ein jeder die Ehre und das Vergnügen haben wird.
Es ist eine in die üblichen drei Auswanderer-Klassen eingeteilte Kreuzfahrt zum Cap Hoorn des Lebens mit garantiertem Untergang.
Nur ein Höllen-Breughel, ein Bosch oder ein Goya vermöchte uns vielleicht auszumalen, in eine Serie Caprichos das tief zu drucken, was sich auf dieser Fahrt abspielt. Es wären „total“ verbotene Verallgemeinerungen im Sinn von „ was einem geschieht, geschieht allen“, das Sujet unmöglich: „Höllenfahrten“ – leben wir etwa im finstern Mittelalter? Nun, dieses war nur feiner ausgemalt – als heute das Sterben.

Es ist ein anderes Kapitel…

Wo waren wir stehen geblieben auf diesem so unerklärlich vertrauten Ort?

Vom Weg hinunter zum Grab des Dr. Kafka kann man gleich nach diesem links in den Friedhof hinein abbiegen.
Aber „in den Friedhof “ ist eigentlich unzutreffend, treffender wäre „in die Welt derer, die gelebt haben“.
Und man müsste der Vollständigkeit halber hinzufügen, dass es wohl die Welt  derer ist, die es verstehen, in Würde tot zu sein, zugleich aber auch jener – Lebenden -, die dies wünschen und es darauf anlegen. Kurz gesagt, es ist einer Gemeinschaft durchaus nicht museales, exhibitionistisches, sondern intimes, sehr familiäres Separeé. Und es ist der lebendige Ausdruck dieser Gemeinschaft, und diesen wahrzunehmen das Besondere und Außergewöhnliche eines Besuches.

Vom breiten Weg aus, den wir gehen, zweigen wiederum Pfade ab in Alleen mit Reihen von Grabsteinen links und rechts. Die Gräber vor ihnen liegen gänzlich von Efeu überwachsen wie unter dicken Decken, und was sich mitten hindurch zu schlängeln scheint, ist genau so vage dezent ein Pfad, dass kein Schild nötig ist: Betreten nicht erwünscht.

prag23:012

Kaum zu glauben, dass dieser Friedhof ein „verlegter“ sein soll und „neu“ ist. Wenn man nicht weiß, wie der „alte“ ausgesehen hat, so weiß man doch, dass es denen, die diese Verlegung zu vollbringen hatten, gelungen ist, das, was er an Ewiger Ruhe geboten haben mag, mitzuverlegen oder wiederherzustellen.
Ja, es scheint, als sei der alte Friedhof in einem Stück, als Scholle und Ganzes an seinen neuen Platz gesetzt worden, so eingewachsen wirkt er.

Wir biegen den nächsten breiten Weg nach links ab, wieder in Richtung des Eingangs, um die linker Hand stehenden, meist glattschwarzen Grabsteine bzw. Grabsteingebilde zu betrachten. Keiner von ihnen ist klein und keiner gleicht dem andern, dennoch ist diese Individualität hier ebenso natürlich wie selbstverständlich Teil des Ganzen und nach Brecht „durchaus kommun“ und dadurch beinahe heiter wirkend.

Solide sind sie, die Steine, die hier als wahre Grabmale stehen, und es stünde auch nichts dagegen, sie Denkmale oder Angedenkmale zu nennen. Denn ein Gedenken soll ja hier gewiss nicht nur dem Reichtum der Gewesenen gelten, sondern insbesondere auch der Tüchtigkeit, Solidität und dem Stolz jener doch so oft Benachteiligten, ja, mehr noch:

„LIEBE SPENDEND, LIEBE SÄEND SCHRITTEST DU DEN LEBENSPFAD. ALL DEIN STREBEN WAR DIE LIEBE UND DIE LIEBE DEINE TAT. REICHSTER BORN DER MUTTERLIEBE, MILDES, ALLBELEBEND LICHT. AUCH DES TODES NACHT VERLÖSCHET DEINE HEIL´GE FLAMME NICHT“ steht hier der REBECCA SCHNÜRDREHER zum Angedenken –
und ihrem Mann LEOPOLD SCHNÜRDREHER „KLARES WOLLEN UND DENKEN, MILDE UND GÜTE IM URTHEIL, KRAFTVOLLE HINGEBUNG IM SCHAFFEN FÜR FAMILIE UND GEMEINDE ADELTEN SEIN ARBEITSREICHES DASEIN, VERKLÄREN SEIN ANDENKEN. EHRE UND FRIEDE DEM GUTEN!“
prag20:012

Ist es nicht märchenhaft? Ein geradezu christliches Pathos nach wilhelminischem Ideal! Ein Denkmal für gelungene Integration, einem Tor ähnlich zu einem Festsaal oder Mausoleum gleichwohl…

prag22:012Ein Stück weiter ein Pfau im Jugendstil prächtig in Stein gehauen für einen hoffnungsvollen Maler, der offenbar schon überzeugt hat, bevor er allzu früh verstorben ist.

Wieder ein Stück weiter: „NACH EINEM FROMMEN UND EDLEM LEBEN RUHT HIER IN FRIEDEN“ die Familie BESTÄNDIG!
prag21:012

Und da möchte man wünschen, es möge dieser Friede ein beständiger und die Ruhe und der schmückende Herbst und die Beständigkeit ganz allgemein beständig sein (so wie der kleine Grammatikfehler).

Gestern ging ich nach Hause, traurig und mit einem Gefühl der Erniedrigung, das sich stets mit der Gewissheit einstellt, dass etwas hoffnungslos ist, und mir fiel ein, was der Herr Rose aus Gelsenkirchen mir geschickt hatte, ein Kafka-Zitat:

„Man lernt das Matrosenleben nicht durch Übungen in einer Pfütze, wohl aber kann man durch allzu großes Training in der Pfütze unfähig zum Matrosen werden.“

Ach, wäre man nur stets fähig, der Pfütze zu entkommen.

Written by monologe

18. Dezember 2012 at 9:50 am

Jüdischer Friedhof Prag – Teil III

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Warum, wird sich der interessierte Leser dieses Berichtes fragen, warum denkt er an dieser Stelle wieder nur ans Essen?
Es hängt zusammen mit den Kraftstoff-Preisen.
Wer die an der tschechischen Tankstelle in Kc ausgezeichneten Krftstoff-Preise in Euro umgerechnet hat, der wird gefunden haben, dass Kraftstoff in Tschechien beinahe so teuer ist wie in Deutschland, wo der Liter Superbenzin um 1,60 € kostet.
Daraus lässt sich das Folgende ableiten und zur Realisierung empfehlen: 1 Liter Superbenzin also kostet in Prag 38,30 Kc, der halbe Liter bestes tschechisches Bier im Restaurant zwischen 27 und 32 Kc. – 1 Liter Superbenzin in Deutschland kostet 1,60 €, der halbe Liter bestes deutsches Bier im Restaurant zwischen 3,70 und 4,10 €.

Wollte man jetzt annehmen, dass der Preis für einen halben Liter Bier in Tschechien eben den allgemeinen Einkommens-, Produktions- und Lebensverhältnissen dort entspricht, so wird man sehr schnell erkennen
a: wie billig in Tschechien Bier und eine Portion Schnitzel mit Kartoffelsalat im „U HOUDKU“, Praha 3, Borivojova 110, sind;
b: wie billig bei uns in Deutschland das Benzin ist!
Aber das ist noch nicht alles.

Es gibt noch eine Sache, die mit einfacher Mathematik und logischer Schlussfolgerung nicht mehr zu fassen ist, man muss die Einsteinsche Relativitätstheorie hinzuziehen, um sie nicht zu verstehen.

Der Autor dieses Berichtes hatte behauptet, es bestehe eine Beziehung zwischen dem in Deutschland landläufig gebotenen Schnitzel mit Kartoffelsalat und desselben im Restaurace „U HOUDKU“, Prag“, nämlich indem der eine reziprok den Wert des andern habe.
Die Gleichung ist zunächst ganz einfach: das Prager Schnitzel ist wert, was das Deutsche kostet, kostet aber nur die Hälfte von dem, was das Deutsche kostet, das seinerseits wiederum nur die Hälfte dieses Preises wert ist, also eigentlich nur soviel kosten dürfte, wie das Prager kostet.
Dass das so ist, ist soweit nicht besonders unlogisch und auch nicht allzuwenig nachvollziehbar.
Komplizierter wird es, wenn man, und ganz besonders nachdem man, das Prager Schnitzel – ganz zu schweigen vom Kartoffelsalat – gesehen, gegessen – realisiert hat.
Dann nämlich erhebt sich die Frage, ob dieses gewöhnliche Prager Schnitzel, da es ja eine doppelte Portion darstellt und im wahrsten Wortsinn genießbar ist, nicht doch mindestens eineinhalbmal soviel wert ist als das gewöhnliche Deutsche Schnitzel mit Kartoffelsalat, obwohl es nur die Hälfte kostet? – hypothetisch gesetzt den Fall, man könnte es in Deutschland bekommen und es könnte sich gegen das in punkto Wirtschaftlichkeit, Aufwand und Geschmack weithin alternativlose Deutsche Schnitzel mit Kartoffelsalat durchsetzen.

Es erhebt sich natürlich umgekehrt die Frage, ob der Prager Esser in seinem „U HOUDKU“ das gewöhnliche Deutsche Schnitzel zum Preis des gewohnten Prager Schnitzels, auch wenn er weiß, es kostet in Deutschland das Doppelte, interessant finden würde.
Würde er speziell den Kartoffelsalat ganz „okay“ finden, industriell hergestellter Weißkrautsalat als Beilage ihn nicht überraschen und ihm auch die gute Hälfte der sonst üblichen Portion – naja, is ja übaall det jleiche, wat soll man machen – schließlich akzeptabel und einvernehmlich vorkommen?

Hätte er den zugehörigen kompensierenden Galgenhumor, der das zu seinem Nachteil jeweils Halbierte bzw. Verdoppelte noch zu halbieren bzw. zu verdoppeln auffordert, hoho, um den Witz komplett zu machen, wie er sich an der Deutschen Tankstelle pünktlich mit der gebrüllten Aufforderung, den Spritpreis doch gleich auf Einssiebzig oder – auf jaaah! Einsachtzig zu setzen, Erleichterung verschafft hat?
Als Sprit noch ungeheuerliche 1,37 € kostete?
Und der pünktlich abwinkte und das Maul hielt, nachdem der Aberwitz in Erfüllung gegangen und komplettierend der Rösler hervortrat und die Preiserhöhungs-Turnus-Zeremonie regulieren zu wollen ankündigte mit der Folge, dass die Preise nun nicht mehr an den Wochenenden und Feiertagen etc. willkürlich hoch und die Woche über runter gesetzt werden, sondern die ganze Woche über willkürlich hoch sind und am Wochenende runter gehen – heilig der Sonntag! -, also die Preise nicht mehr 2 (zwei) Tage hoch sind, sondern 5 (fünf)?
Immerhin, der Ironiker des eigenen Unglücks hatte bereits bei 1,37 € Bescheid gewusst und solidarisch bittere Lacher und befriedigtes unwillkürliches Kopfnicken initiiert.

So war Dampf abgelassen und Benzin wurde aufgefüllt.

Ich fürchte, er, der Tscheche, hat das alles nicht, und deswegen hat er auch sein Schnitzel noch (wie wir das unsere). Doch damit er auch etwas europäisch Reelles habe, hat er die Kraftstoffpreise.

Die Gleichung „U HOUDKU“-Schnitzel : Deutsches Schnitzel ergibt also keine Unbekannte, sondern eine Unbegreifliche.
Für diese gibt es nur einen Vergleich: das Unbegreifliche, das Einstein nur mit der Relativitätstheorie zu fassen vermocht hat, den es nicht scheuen muss, sondern dem es Stand hält.

Unbegreifliche bilden unsere Mysterien.
Wen diese interessieren: der weltbekannte Kafka, Freund Einsteins, hat sich bemüht, sie darzustellen.

Indessen der interessierte Besucher Prags wandert in Gestalt des Autors dieses Berichtes und seiner Begleiterin auf dem Trottoire neben der Hauptmagistrale irgendwo in Prag ganz in der Nähe des neuen jüdischen Friedhofes mehr hoffend als gewiss dessen Eingang zu.

Pflastermüde nähert sich die Personifizierung schließlich jener kartographierten Kreuzung, an der dieser Eingang planmäßig sich befinden wird.
Straßenbahndraht-verhangen, groß, taucht sie auf, man biegt interessiert um die Ecke – und da ist er, der Eingang des neuen jüdischen Friedhofs Prag, gepflegt und in Stand wie neu.

Betritt man den Friedhof, betritt man nackte Erde.

Was den interessierten Besucher Prags interessiert, dessen glaubt man sich hier so sicher, dass man ihm wie allen hier die Manöver des touristischen Suchens zu ersparen und achtloses Herumirren ebenso realistisch wie elegant und tolerant zu vermeiden sucht mit einem Hinweisschild auf den direkten Weg (Pfeil) zum Ziel.
prag26:012

Written by monologe

3. Dezember 2012 at 9:48 am

Jüdischer Friedhof Prag – Teil I

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Der interessierte Besucher Prags hat in seinem Reiseführer herauszufinden versucht, was es mit jener erstaunlichen Plastik auf sich hat, auf die er, durch eine Innenstadt-Passage bummelnd, plötzlich gestoßen war:
ein mit den Hufen nach oben von der Decke hängendes riesiges Pferd, auf dessen Bauch sitzend ein ritterlicher Reiter.
Er hat gefunden, dass es von einem gewissen David Cerny sei. Es wurden ihm weitere Kreationen dieses David Cerny vorgestellt und empfohlen, einen Blick auf Prag durch den Hintern einer Cerny-Plastik zu riskieren, auch jenen Mann zu betrachten, der auf etwas wie die tschechische Landkarte pisst, und der cernischen Originalitäten mehr zu besichtigen wie etwa noch die schwarzen Riesenbabys, die den Prager Fersehturm hochkrabbeln.

Um es gleich zu sagen: an den Gelsekirchener Herkules auf der Zeche kommen diese Babys nicht heran. Die Radikalität des Absurden, die der Gelsenkirchener Herkules repräsentiert, ja, mehr noch darstellt mittels Turm und dem Staunen darüber, wie das möglich ist, jenes Gesamtkunstwerk aus gartenzwergigem, sich selbst übertreffenden und so seine Berechtigung beglaubigenden Größenwahns, dieses Gesamtkunstwerk aus Unsinn und schierer Irrrationalität des Prozesses seiner Realisation bis hin zum Ereignis seines Abschlusses – und über diesen noch hinaus bis zum Abriss – das bleibt unerreicht.

Dem Gelsenkirchener, insbesondere dem Gelsenkirchener Troll, dem zum Glück in Gelsenkirchen nur noch die einstweilige Verfügung fehlt, sich dem Gelsenkirchener Herkules nur noch bis 20km Entfernung, jedenfalls nicht auf Sichtweite bzw. kritische Distanz nähern zu dürfen, wird alles Cernysche, selbst in summa incl. Blick durch einen Hintern auf das goldene Prag gemütlich erscheinen.
Aber immerhin wird ihm vielleicht das Erlebnis, dass er eines entspannten, gemütlichen Lächelns durchaus noch fähig ist, wieder einmal zuteil werden.
Er wird sich auch gegen den banalen Gedanken nicht wehren: wie gemütlich es auf der Welt doch auch sein kann (später wird er dann lesen, dass der hochverehrte Präsident Havel mit Kritik an seinen Landsleuten nicht zimperlich gewesen und wegen deren Hang u.a. zur Spießig- und Gemütlichkeit deutlich geworden sei).
prag37:012
Der Prager Fernsehturm, zu dem der interessierte Besucher den Zizkover Berg hinauf gelangt ist, wurde, so stehts im Reiseführer, von einem Grüppchen Amerikaner zum hässlichsten der Welt erklärt.
Da, denkt sich der interessierte Tourist, wird der Turm sich mit Recht keinen Kummer draus machen, denn er ist bedeutender als jedes Grüppchen Amerikaner, steht länger, ausdauernder und in besserem Zustand da als manch glanzvolle Erscheinung neuerer Zeit einschließlich der Herren Rumsfeld und Armstrong.

Und war es nicht ein Prager, der beschrieben hat, wie die Leute unten auf der Straße laufend vom 4. Stock aus aussehen? Oder war es ein Wiener? Fridell?

Das kann der interessierte Besucher an Ort und Stelle nicht entscheiden, und nachher ist es ihm egal.

Er liest am Fuße des Fernsehturmes in seinem Reiseführer, dass der alte jüdische Friedhof dem Bau dieses Fernsehturmes weichen und verlegt werden musste. Es ist nur noch ein niedriges Gebäude mit einem umfriedeten Eckchen Land dahinter noch dort, wo der alte Friedhof einst war.
Es ist 11 Uhr, als der interessierte Besucher Prags sich also auf den Weg macht…

Written by monologe

1. Dezember 2012 at 7:35 am

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Bitte lächeln Genossen!

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Die SOWJETUNION gibts bekanntlich schon länger nicht mehr, aber nun hat endlich auch der ihr noch immer und zu Recht anhaftende UNGLAUBE, dass man von ihr das SIEGEN lernen könne, ausgedient. Vorläufig zumindest. Ausgedient hat er in dem Sinn, dass die SOWJETUNION selbst heutzutage lernen könnte,  von wem man das SIEGEN lernen kann.
Nämlich von CHINA.

Den DEMOKRATISCHEN SOZIALISMUS kann man sich ja denken wie man will, er wird zu dem der SPD nicht passen, den sie sich vorstellt, bevor sie ihn verwirklicht hat.
Das hat die gestrige AKTUELLE STUNDE im BUNDESTAG ergeben, die darüber hinaus ergab, dass CDU usw. der DEMOKRATISCHE SOZIALISMUS gänzlich nicht passt, solange die SOZIALE MARKTWIRTSCHAFT existiert.
Was dann käme, wurde nicht bekannt gegeben. Man darf aber davon überzeugt sein, dass, was immer kommt,  demokratisch sein wird.
Aber wie dem auch sein mag, heute früh schon dürfte bei CDU, FDP, SPD etc. und dem deutschen Wahlvolk die große Hoffnung aufgekommen sein, dass die Führer der KOMMUNISTISCHEN PARTEI der VOLKSREPUBLIK CHINA doch hoffentlich anderes zu tun gehabt haben als sich die Übertragung jener AKTUELLEN STUNDE im BUNDESTAG anzusehen! Und wenn doch wider alle berechtigte Erwartung, dann doch nicht so ganz ernst genommen?!

Zwar scheint ausgeschlossen, dass etwa DIE LINKE oder gar die SPD die gepriesene Flexibiliät und den revolutionären Humor aufbringen könnten, den Aufbau eines DEMOKRATISCHEN SOZIALISMUS bzw.  SOZIALISTISCHEN RECHTSSTAATS nach chinesischem Muster und Vorbild zu favorisieren, doch könnte sich dann auch CDU, etc. vorstellen, wie sowas funktionieren kann und siegen lernt Gegen alle westliche Kultur, Stärke und Vernunft!
Immerhin ist heute zu lesen:
„Immerhin hat der Vizechef der chinesischen Reform- und Entwicklungskommission, Zhang Xiaoqinag, in der Donnerstag-Ausgabe der Chinadaily Europe angekündigt, man werde krisengebeutelten Staaten „eine helfende Hand reichen“ und „einige Anleihen kaufen“

Lerne: Man kann sie nur kaufen.
Dann, das lehrt die DDR, sind sie von jeder Überzeugung abzubringen.

Written by monologe

28. Oktober 2011 at 1:00 pm

Nullen

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Zufällige Bedenken, jene Summe, mit der DEUTSCHLAND für die Bewältigung der FINANZKRISE zu bürgen sich verpflichtet hat, könnte tatsächlich FÄLLIG werden, hat Bundesfinanzminister Schäuble ZERSTREUT und versichert, die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Fall einträte, gehe GEGEN NULL.
Damit handelt es sich bei dieser BÜRGSCHAFT offenbar aus dem guten Grund um eine BLASE, weil sie nicht platzen kann. Deshalb musste sehr lange verhandelt werden. Erst wenn man nicht zahlen muss, kann man ja bürgen.

Aber mit den Nullen ist es so eine Sache. Eine Null kann tatsächlich von ihrem Posten gerissen und von ganz vorn an die letzte Stelle vor dem Komma versetzt werden. Um gegen Null zu gehen, ganz unerwartet.

Wir erinnern uns bei dieser Gelegenheit an einen nationalsozialistisch deutschen GENERALFELDMARSCHALL, der, so ist es überliefert, bei der Bevölkerung nicht so ganz unbeliebt, entsprechend entschlossen überzeugend MEIER heißen wollte für nach dem Fall eines Misserfolges seines LUFTKRIEGES gegen England.
Er starb nach seiner Verurteilung durch das Nürnberger Kriegsgericht zum Tod durch Erhängen durch Gift, das er sich selbst verabreicht hat, nachdem er vergeblich gebeten hatte erschossen zu werden.