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Kachelmann

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Der Rechtsstreit, den der als vermutlich unschuldig freigesprochene Kachelmann gegen die BILD-Zeitung anstrengt über die Höhe einer Entschädigung wegen gerichtlich festgestellter Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte durch die BILD-Zeitung, geht, wie man hört, in die Revision.
Zugesprochen wurden ihm 635 000 Euro, Kachelmann jedoch will 950 000 Euro, und die BILD-Zeitung will nicht zahlen. Und das sieht man am Wetter.

Wie die Kanzlerin und das Wahre, die Ölindustrie und die Enegieriesen, die Wohnungsvermieter und die Preisentwickler meint auch die BILD-Zeitung, wir schaffen das? Wir halten dieses Sauwetter noch eine kleine Weile, also nur vielleicht höchstens noch den Sommer über aus?

Alles Maß und jede Bindung scheint zum Schicksal modernisiert und deren Bestimmung Gott zugeeignet worden zu sein; der Mensch mag denken, was er will, Gott lenkt und trägt die Verantwortung – wenn mit einer ebenso unauffälligen wie farblosen Revolution die Freiheit der Kraftstoffpreise von jeder Bindung erkämpft worden und vieles andere von Bindung, Maß und Halt plötzlich frei, losgelassen oder losgkommen ist, sollte allein das Wetter noch an Jahreszeiten gebunden, die Temperatur ihm noch ein Maß geblieben sein?

Kachelmann war ARD- Wetter-Frosch, wurde im Zuge des Vorwurfes, eine Vergewaltigung begangen zu haben, entlassen – nach seinem Freispruch rehabilitiert und wieder eingestellt? Nein.
Woran fühlt die ARD sich gebunden? Woran eigentlich fühlen die öffentlich-rechtlichen Anstalten sich leichthin so streng gebunden wie die Bürger an die Pflicht, Rundfunkgebühren zu zahlen, diese Frage steht ohnehin.
Kachelmann moderierte eine Talk-Show – auch hier weg mit ihm und kein Pardon. Es bleibt eben immer etwas hängen.
Die BILD-Zeitung, die niemand liest, hat Kachelmann durch einen Dreck gezogen, der, wie sich herausstellte, der ihre war. Sie hat dessen Persönlichkeitsrechte derart missachtet, dass ihm nicht nur Freispruch, sondern auch Anspruch auf Entschädigung zuerkannt werden musste.
Woran fühlte sich die BILD-Zeitung gebunden, was war ihr Maß?
Hätte sie sich nicht an ein Maß gebunden fühlen müssen, dessen Einhaltung zumindest sichert, dass nach einem Freispruch Kachelmanns, dem sie einen Respekt nicht mehr erweisen zu müssen glaubte, weil er der Vergewaltigung angeklagt war, nicht sie selbst verurteilt wird – nicht wegen Vergewaltigung, doch näher dran an jener Schande, die sie als ihr gefundenes Fressen verkauft hat.
Kachelmann hat das Höchstmaß dessen bekommen, was das Gesetz bei Unschuldsvermutung vorsieht: Freispruch, BILD wurde verurteilt. Freilich, nun wird niemand sie mehr lesen –

Wird es Frühling? Immerhin seit dem Tag, an dem Kachelmanns Revision verhandelt wurde, vorigen Donnerstag. Das spricht für Optimismus.
Gewiss hat das Göttliche, dem allgemeinen Trend folgend, das Wetter aus Diktatur und Abhängigkeit in die Freiheit entlassen, womöglich nach Sturz, wer wird es genau wissen, und so hat es sich Kachelmann angeschlossen. Gern ließ es sich von ihm voraussagen, erklären, deuten, besonders im Öffentlich-Rechtlichen.
Was Deutung und Erklärung der Großwetterlage betrifft, ist das Öffentlich-Rechtliche eine Heimstatt. Niemand ist so frei wie sie, zu erklären Freiheit, Demokratie, Rechte, gelegentlich auch Linke, und für die Erklärung dessen, was gerade geschieht, hält es Heerscharen Experten. Ebenso hält es sie an, vorauszusagen, was geschehen könnte, wenn usw., wie ja auch der Wetterhahn durch Krähen auf dem Mist kompetent darüber informiert, dass das Wetter sich ändert, oder es bleibt, wie´s ist.
Das Öffentlich-Rechtliche hat gern Freiheit in gesicherten Verhältnissen, wie das Wetter auch. Der Alternativlosigkeit hängt es genauso an wie das Wetter, für das und zu dem es ohne jeden Zweifel keine Alternative gibt.
Alles aber muss sich an etwas halten, selbst die Realität.
Das Öffentlich Rechtliche hat beschlossen, sich an die Kanzlerin zu halten, das Wetter hat beschlossen, ich halte mich an Kachelmann. Auch das in Treue fest, zumindest solange – nunja, die BILD-Zeitung soll zahlen, was sie verdient hat!
Denn so leer vom Kachelmann die Kass, wird der Maien kalt und nass,
soll der Sommer uns versöhnen, will das Wetter, BILD muss löhnen,
und den Alpen wieviel Schnee? – schau Kachelmann ins Portmonee!

 

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