MonoLoge

Grass

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Aus Gestern wächst Heute, Heute ist künftiges Gestern. Nichts bleibt, keine Zeit, niemandes, niemand.
Der Tod beginnt früh seine Kuckucke zu kleben, ganz allmählich, überall in die Tage, die Träume, die Erwartungen, ins Leben, ins Gesicht.
Irgendwann bleibt er, sitzt, wartet, kriecht dir mit ins Bett.
Aus der Realität kommt er, aus der Ferne, die immer unerreichbarer wird. Er ist ihr Türsteher, dieser Tod, freundlich abstoßend, beliebig grausam.

Manchen jedoch lässt er ein. Wenn dieser mitbringt und zu bieten hat: Wirklichkeit. 
Ihr kann die Realitäit nicht widerstehen. Sie ist der Stoff, in den sie sich hüllt, der sie macht wie Kleider Leute machen.

Aber sie ist launisch, die kleine aufwachsende Göttin Realität jeder Zeit. Sie will geehrt, geschmückt sein um ihrer selbst willen.
Sie will immer Größe, Glanz, Bedeutung; die Besatzung in ihrem Pelz, die Läuse und Blattläuse, die Parasiten, Einsiedler der verlassenen Gehäuse wollen doch und sollen ihr Staat machen, Schmuck sein, Seltenheiten, Preziosen in Frack und Livree, die selbst nur achten sollen das Feinste und Beste einfach aus Überzeugung.
Wer ihr das bietet, einen Mehr- als Selbstwert, einen geschmackvollen Aberwitz – gern ein Narr, vielmehr Gaukler, einer, der sie von Kindheit an beschäftigt mit Verkleidung, Purzelbaum, Rollen- und Minenspiel, Kopfstand, sie kitzelt und zwickt, ein gewitzter Kumpel, einer, immer bereit, ein Ruheloser – der kommt durch, selbst ein „kritischer Geist“, nur groß genug und bedeutend, dass sie ihn ernennt, damit er hineinpasst, ein verbrieft freibeutend Verschworener: der bleibt.
Und das ist der einzige Lohn – solange er lebt.

Ob Günter Grass dem unbedingt entsprochen  hat und soviel Wirklichkeit gehabt, das sei dahingestellt. 
Immer doch war er gegenwärtig, oder doch vielleicht mehr „da“, was bei ihm auch „hie“ zu sein bedeutete.

Es gäbe zuwenige seiner Art, sagt man, und als ob er genommen, wird Verlust empfunden. Bei all dem Gewinn.

Er wurde ins Schlachten geboren. „Ich weiß, dass ich zufällig lebe“ hat er gesagt, Furcht vor dem Tod habe er nicht, hoffe nur, von Schmerzen verschont zu bleiben.
Wir hoffen, er ist verschont geblieben.

Ein Schlachthaus die Welt, die er verlässt. Er hat sie um ihrer und seiner selbst willen zu fassen gesucht, liebend verständig hinter den Kiemen, und sie hat ihm mehr als zwei Hände Erde gegeben; er hat ein, sein Kunststück sich und ihr zu Stand´ gebracht.
Zu Stand? Doch, ja, auf dem Weg.
Er war echt. Nun ist er gestorben. Die Natur trauert.

Hatte die deutsche Literatur mit Arno Schmidt eine Dimension verloren, mit Günter Grass verliert sie eine Persepktive. Und einen Halt.

Mehr in LÜBECKER DESILLUSTRIERTE

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Written by monologe

18. April 2015 um 2:35 pm

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