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Zeitreise durch Mecklenburg

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Bismarck soll von Mecklenburg gesagt haben, dass im Fall des Weltuntergangs in Mecklenburg die Welt erst hundert Jahre später untergehe.
Seitdem suchte Mecklenburg leichthin Anschluss an den Weltuntergang zu gewinnen, und man hätte meinen können, der Untergang Mecklenburgs hinke dem Weltuntergang statt hundert schätzungsweise nur noch zehn Jahre nach.
Kürzlich aber scheint man in Mecklenburg irgendwie digital zu neuen Erkenntnissen gelangt zu sein, wonach offenbar auch nicht mehr mit solchen zehn Jahre gerechnet werden darf, ehe die Realitäten in Mecklenburg ankommen und Wirklichkeit werden, sondern mit nur noch einer Verspätung von einem halben bis dreiviertel Jahr bzw. zwei Jahreszeiten!
Und so galt es wohl, rasch alles zu erfassen, was schneller als gedacht auf Mecklenburg zukommen könnte.
Zuallererst wird man sich bei zuständiger Stelle zur Sachlage Weltuntergang erkundigt haben, hat zwar Entwarnung bekommen, doch wenn kein Weltuntergang war, dann muss man mit allem sonst ja noch rechnen!

Die Erfassung aller Eventualitäten ist bei so geringer Verspätung allerdings ebenso unmöglich, wie auf jede erfasste vorbereitet zu sein. Da heißts Prioritäten setzen.
Und man scheint sich einig geworden zu sein, dass Mecklenburg jedenfalls von allen möglichen Ereignissen am besten auf ein mit der errechneten Verspätung realistisch um den 14. August herum in Mecklenburg auftretendes Blitzeis zeitnah und mit chirurgischer Präzision reagieren zu können vorbereitet sei.
So wurden Mecklenburgs Straßen also um den 14. August herum mit ein paar Tonnen grober grauer Art Mergelschotter gestreut.

Davon ausgehend, dass mit der aktuellen Verspätung am errechneten Tag sich auf (bestimmten?) Straßen Mecklenburgs ein Blitzeis vom vorigen Winter gebildet hat, ist die gebriefte Kolonne entsprechend zeitnah ausgerückt und hat reichlich ausgebracht. Es galt, entsprechend Herr einer derart verzweifelten Lage zu werden, dass die Behinderung des Urlauber-, Berufs- sowie Pendelverkehrs trotzdem in vertretbaren Grenzen gehalten werden musste.

Ob „flächendeckend“ gestreut wurde, ist ungewiss, aber hätten Sie, lieber Leser, zur fraglichen Zeit beispielsweise zufällig die Straße von Schlutup bis Grevesmühlen befahren, Sie hätten ein überraschendes kleines Wunder bar erleben können.
Besonders Sie, lieber Moped-/Motorrad-/Fahrradfahrer, die Sie wegen der Wetterunbilden im Winter bewusst nicht Moped/Motorrad/Fahrrad fahren, sondern nur im Sommer.
Da ist es sicherer.
Und Sie hatten gemeint, dabei auch auf alles gefasst zu sein?

Nun, man kann wohl auf alles gefasst, jedoch, wie auch Mecklenburg, nicht auf alles vorbereitet sein, und sicher nicht darauf, dass etwa die Strecke Schlutup-Grevesmühlen im Spätsommer mit kleinen Unterbrechungen beinahe durchweg über so ca. 38 km gestreut ist, also überraschend für Schönwetterfahrer simultan unter strengwinterlichen Bedingungen gemeistert werden muss.
Man ist  heilfroh,  gesund und unbeschadet ans Ziel zu kommen.

Warum gestreut wurde dürfte allerdings mit der Grund dafür sein, dass es zugleich unmöglich war, eben darüber nachzudenken: man hatte sich ganz auf die Aufgabe zu konzentrieren.
Für den Fall, dass Fahrzeugführer, besonders Kradfahrer (Motorradfahrer) nicht realisieren könnten, worum es geht, musste die Höchstgeschwindigkeit zur Überraschung auch für Eilige und besonders zu deren Sicherheit vorsorglich auf 30 bis 40 km/h begrenzt werden.
Das war nötig, weil ja Schnee und Eis fehlten und eine dennoch äußerst großzügig gegen Glätte gestreute Fahrbahn die Vernunft der Kraftfahrer an und für sich spontan zu allem Möglichen verleitet, nur nicht ohne weiteres zur Vorsicht.

Doch offenbar hat man sich verrechnet, das Blitzeis, der Winterhöllen-Angel war nicht aufgetreten und kommt vielleicht erst nächste Woche.
Oder man ist entgegen allen Berechnungen doch noch ein volles Jahr zurück und der Russe, äh, das Blitzeis kommt erst mit dem nächsten General?
Aber wie dem auch sein mag, was nächsten Winter kommen oder sein wird, weiß niemand.

Vielleicht wird auf Mecklenburgs Straßen, die diesen Sommer noch gegen Blitzeis gestreut werden konnten, im übernächsten Winter kein Winterdienst mehr möglich sein, weil nach Budget die Bezahlung der Köpfe der Straßenmeisterei kein Spielraum mehr lässt für die Bezahlung von Angestellten des niederen Streu- und Räumdienstes? Um „Achtung, kein Winterdienst!“ zu vermeiden wird Mecklenburg vielleicht der Zeit vorauseilen müssen und diesen Dienst womöglich privaten Firmen übertragen?
Eine „Wintermaut“ könnte erfunden und fällig werden?
Man wird es nehmen, wie es kommt, soviel scheint immerhin sicher. Und was, es wird ja immer auch etwas Angenehmes, eine Lösung, ein Ausgleich damit verbunden sein.

Hätte die private Winterdienst-Firma beispielsweise zugleich eine Geflügelfarm, dann ließen sich bei Straßenbenutzung Geflügel-Rabatt-Marken denken, hätte sie auch eine Bäckerei, Brot-Rabatt-Marken, eine Malaysia-Shopping-Fluglinie, dann Kolumbus-Meilen-Gutschriften, wäre es eine chinesische Firma, dann wären Gutscheine für all-your-can-eat in allem Ming-Tempeln und Yam-Palästen drin, was?, oder wenn es eine Briefkasten-Firma wäre, bekämen Sie vielleicht einen original Liechtensteiner Landbriefkasten oder sogar eine mail-Box mit automatischer Briefbombenanzeige, oder eine Gratis-XXLSommer-Packung-Fürst-Pückler-Amtsschoko-Erdbeer-Blitz-Vanille-Grundeis oder – die Flatrate…!, wer weiß?

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