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Jüdischer Friedhof Prag – Teil III

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Warum, wird sich der interessierte Leser dieses Berichtes fragen, warum denkt er an dieser Stelle wieder nur ans Essen?
Es hängt zusammen mit den Kraftstoff-Preisen.
Wer die an der tschechischen Tankstelle in Kc ausgezeichneten Krftstoff-Preise in Euro umgerechnet hat, der wird gefunden haben, dass Kraftstoff in Tschechien beinahe so teuer ist wie in Deutschland, wo der Liter Superbenzin um 1,60 € kostet.
Daraus lässt sich das Folgende ableiten und zur Realisierung empfehlen: 1 Liter Superbenzin also kostet in Prag 38,30 Kc, der halbe Liter bestes tschechisches Bier im Restaurant zwischen 27 und 32 Kc. – 1 Liter Superbenzin in Deutschland kostet 1,60 €, der halbe Liter bestes deutsches Bier im Restaurant zwischen 3,70 und 4,10 €.

Wollte man jetzt annehmen, dass der Preis für einen halben Liter Bier in Tschechien eben den allgemeinen Einkommens-, Produktions- und Lebensverhältnissen dort entspricht, so wird man sehr schnell erkennen
a: wie billig in Tschechien Bier und eine Portion Schnitzel mit Kartoffelsalat im „U HOUDKU“, Praha 3, Borivojova 110, sind;
b: wie billig bei uns in Deutschland das Benzin ist!
Aber das ist noch nicht alles.

Es gibt noch eine Sache, die mit einfacher Mathematik und logischer Schlussfolgerung nicht mehr zu fassen ist, man muss die Einsteinsche Relativitätstheorie hinzuziehen, um sie nicht zu verstehen.

Der Autor dieses Berichtes hatte behauptet, es bestehe eine Beziehung zwischen dem in Deutschland landläufig gebotenen Schnitzel mit Kartoffelsalat und desselben im Restaurace „U HOUDKU“, Prag“, nämlich indem der eine reziprok den Wert des andern habe.
Die Gleichung ist zunächst ganz einfach: das Prager Schnitzel ist wert, was das Deutsche kostet, kostet aber nur die Hälfte von dem, was das Deutsche kostet, das seinerseits wiederum nur die Hälfte dieses Preises wert ist, also eigentlich nur soviel kosten dürfte, wie das Prager kostet.
Dass das so ist, ist soweit nicht besonders unlogisch und auch nicht allzuwenig nachvollziehbar.
Komplizierter wird es, wenn man, und ganz besonders nachdem man, das Prager Schnitzel – ganz zu schweigen vom Kartoffelsalat – gesehen, gegessen – realisiert hat.
Dann nämlich erhebt sich die Frage, ob dieses gewöhnliche Prager Schnitzel, da es ja eine doppelte Portion darstellt und im wahrsten Wortsinn genießbar ist, nicht doch mindestens eineinhalbmal soviel wert ist als das gewöhnliche Deutsche Schnitzel mit Kartoffelsalat, obwohl es nur die Hälfte kostet? – hypothetisch gesetzt den Fall, man könnte es in Deutschland bekommen und es könnte sich gegen das in punkto Wirtschaftlichkeit, Aufwand und Geschmack weithin alternativlose Deutsche Schnitzel mit Kartoffelsalat durchsetzen.

Es erhebt sich natürlich umgekehrt die Frage, ob der Prager Esser in seinem „U HOUDKU“ das gewöhnliche Deutsche Schnitzel zum Preis des gewohnten Prager Schnitzels, auch wenn er weiß, es kostet in Deutschland das Doppelte, interessant finden würde.
Würde er speziell den Kartoffelsalat ganz „okay“ finden, industriell hergestellter Weißkrautsalat als Beilage ihn nicht überraschen und ihm auch die gute Hälfte der sonst üblichen Portion – naja, is ja übaall det jleiche, wat soll man machen – schließlich akzeptabel und einvernehmlich vorkommen?

Hätte er den zugehörigen kompensierenden Galgenhumor, der das zu seinem Nachteil jeweils Halbierte bzw. Verdoppelte noch zu halbieren bzw. zu verdoppeln auffordert, hoho, um den Witz komplett zu machen, wie er sich an der Deutschen Tankstelle pünktlich mit der gebrüllten Aufforderung, den Spritpreis doch gleich auf Einssiebzig oder – auf jaaah! Einsachtzig zu setzen, Erleichterung verschafft hat?
Als Sprit noch ungeheuerliche 1,37 € kostete?
Und der pünktlich abwinkte und das Maul hielt, nachdem der Aberwitz in Erfüllung gegangen und komplettierend der Rösler hervortrat und die Preiserhöhungs-Turnus-Zeremonie regulieren zu wollen ankündigte mit der Folge, dass die Preise nun nicht mehr an den Wochenenden und Feiertagen etc. willkürlich hoch und die Woche über runter gesetzt werden, sondern die ganze Woche über willkürlich hoch sind und am Wochenende runter gehen – heilig der Sonntag! -, also die Preise nicht mehr 2 (zwei) Tage hoch sind, sondern 5 (fünf)?
Immerhin, der Ironiker des eigenen Unglücks hatte bereits bei 1,37 € Bescheid gewusst und solidarisch bittere Lacher und befriedigtes unwillkürliches Kopfnicken initiiert.

So war Dampf abgelassen und Benzin wurde aufgefüllt.

Ich fürchte, er, der Tscheche, hat das alles nicht, und deswegen hat er auch sein Schnitzel noch (wie wir das unsere). Doch damit er auch etwas europäisch Reelles habe, hat er die Kraftstoffpreise.

Die Gleichung „U HOUDKU“-Schnitzel : Deutsches Schnitzel ergibt also keine Unbekannte, sondern eine Unbegreifliche.
Für diese gibt es nur einen Vergleich: das Unbegreifliche, das Einstein nur mit der Relativitätstheorie zu fassen vermocht hat, den es nicht scheuen muss, sondern dem es Stand hält.

Unbegreifliche bilden unsere Mysterien.
Wen diese interessieren: der weltbekannte Kafka, Freund Einsteins, hat sich bemüht, sie darzustellen.

Indessen der interessierte Besucher Prags wandert in Gestalt des Autors dieses Berichtes und seiner Begleiterin auf dem Trottoire neben der Hauptmagistrale irgendwo in Prag ganz in der Nähe des neuen jüdischen Friedhofes mehr hoffend als gewiss dessen Eingang zu.

Pflastermüde nähert sich die Personifizierung schließlich jener kartographierten Kreuzung, an der dieser Eingang planmäßig sich befinden wird.
Straßenbahndraht-verhangen, groß, taucht sie auf, man biegt interessiert um die Ecke – und da ist er, der Eingang des neuen jüdischen Friedhofs Prag, gepflegt und in Stand wie neu.

Betritt man den Friedhof, betritt man nackte Erde.

Was den interessierten Besucher Prags interessiert, dessen glaubt man sich hier so sicher, dass man ihm wie allen hier die Manöver des touristischen Suchens zu ersparen und achtloses Herumirren ebenso realistisch wie elegant und tolerant zu vermeiden sucht mit einem Hinweisschild auf den direkten Weg (Pfeil) zum Ziel.
prag26:012

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Written by monologe

3. Dezember 2012 um 9:48 am

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