MonoLoge

Röttgen

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hat nichts riskiert und alles verloren.

Es sah so aus, als hätte der Mann sich alle Möglichkeiten offen, sämtliche Stühle warm halten wollen. Als ob er nichts verkehrt machen konnte, ohne etwas richtig machen zu können oder zu wollen, ist er offenbar in eine leicht zu erkennende Zwickmühle geraten und hat „die Dame“ verloren.
Wo die „Dame“ zu haben in Berlin bekanntlich alternativlos ist.

Kurz, es sieht so aus, als ob der Röttgen so dumm gewesen ist, unklug zu entscheiden und danach zu handeln.

Die Möglichkeit, jene „Dame“, auch „Mutti“ genannt, habe ihn zur Himmelfahrt in den NRW-Wahlkampf kommandiert, ihm die „persönlichen Entscheidungen“, also die, was er wolle und wohin, allerdings selbst überlassen, liegt so nahe wie auf der Hand.

„Du stellst Dich für uns zur Wahl.“
„Ich? Wieso denn ich? Ich bin doch Umweltminister!“
„Weiß ich. Was ich nicht weiß: haben wir einen Bessern? Da warte ich auf Vorschläge. Ich kann ja wohl schlecht antreten.“
„Ja, nein, aber – na und dann? Ich meine, wenn – ich meine, falls ich da gewinne – was soll das denn dann werden ?“
„Dann werde ich dir sehr dankbar sein und du wirst Ministerpräsident in NRW.“
„Das kann ich gegen die Kraft doch erstens niemals schaffen! Zweitens müsste ich ja, um überhaupt ernst genommen zu werden, müsste ich mich ja vorher ganz eindeutig dafür entscheiden, also am Standort Ministerpräsident werden und sein zu wollen – gegen mich selbst und mich und wieder mich als Umweltminister?! Ich, ich meine, Verehrte, normal kann ein, ein amtierender Umweltminister doch auf so eine Idee nie kommen -“
„Da wirst du dich wundern. Gut. Dann sag ich mal, es ist alternativlos.“
„Achso.“
„Das einzige, was du überlegen musst, ist die Strategie. Da red ich nicht rein. Dafür steh ich auch nicht grade.“
„Na toll.“
„Ende.“

Und als Röttgen nach dem unklugen Handeln wieder etwas zu entscheiden hatte, nämlich zurückzutreten, hat er sich dafür entschieden, klüger zu werden, wenn auch hinterher dümmer dazustehen, sich also entlassen zu lassen, statt zurückzutreten und siehe, es war keine Alternative.
Nun ist er Vorgänger.

Jetzt ist ein gewisser Altmaier derjenige, der nach der Pfeife Röttgen den Umwelt-kann-kann tanzt.

Er hat keine große Ahnung, der Altmaier, hört man.
Und das hätte der Röttgen auch wissen können – und wenn nicht können, dann müssen -, dass es nicht immer um Fachkompetenz geht wie bei zu Guttenberg, als „Mutti“ gegen die ebenso naheliegenden wie -gelegten Forderungen nach dessen Entlassung einwandte, sie habe keinen Doktoranden eingestellt, sondern einen Verteidigungsminister oder so ähnlich.
Es geht um Eignung: weniger Qualifizierte werden bei entsprechender Eignung bevorzugt berücksichtigt.

„Wie Kohl“, kann man bei WELT ONLINE lesen, „so ist auch Altmaier ein begeisterter Pasta- und Tortenverzehrer. Wie Kohl kommt er dennoch mit wenig Schlaf aus.“
Dass dieser Altmaier „dennoch“ mit wenig Schlaf auskommt, hat weniger damit zu tun, dass der gemeine Mensch nach begeistertem Pasta- und Torten-Verzehr etwa zwangsläufig mit mehr Schlaf auskommen muss, sondern damit, dass nur ein nichtbegeisterter Rauchverzehrer gar keinen Schlaf braucht.

Hat man je so einen Umweltminister gesehen (im Gegesatz zum Trittin, von dem noch nie gehört zu haben heute manch einer mit Recht behaupten kann) mit so wenig Vorschuss-Schlaf?
Strahlt er nicht die Kernkompetenz aus, mit Ganzkörpereinsatz Notre Dame die Glocken zu läuten und bei Gefahr für seine Esmeralda den occupylustigen Flashmob von oben mit heißem Blei zu begießen „Chönesch Blei, heichesch Blei!“ und den Verbrannten unten herkulinische Hörner-, Viktory- und Stinkefinger hinab zu zeigen?

Wäre er in Sandstein gehauen dort nicht auch ein würdiger Wasserspeier, den sauren Regen abzuleiten ein wenig entfernt von der Wand der heiligen Halle, zur Not auch einen nutzlosen Blitz?

Das ist ein Anderer als Röttgen, der wie ein Ordonnanz-Offizier wirkt, zu dem eine schicksalhafte Carmen passt.

Zu dem für Röttgen fiktiven, ultimativen Gespräch mit „Mutti“ gibt es jedoch eine Alternative.

„Du hast versagt, versagt und bitter enttäuscht.“
„Es war ja unvermeidlich.“
„Aha. Und nun? Glaubst du, wer so unvermeidlich nicht Ministerpräsident werden kann, der kann genauso unvermeidlich weiter Umweltminister sein?“
„Genauso wie jemand durchaus Ministerpräsident werden oder bleiben könnte, der unvermeidlich nicht Umweltminister werden kann.“
„Nicht frech werden, ja! Und ich sage: bis morgen hast du Zeit zurückzutreten.“
„Wieso?!“
„Willst du die Enegie-Wende?“
„Selbstverständlich!“
„Immer noch und weiter konsequent mit allen Konsequenzen?“
„Aber selbstverständlich!“
„Schwächling. Wie gesagt, du hast Zeit bis morgen!“

Nach den Gesetzen einer verkehrten Welt, in der ein Westerwelle Außenminister, ein Rösler Parteivorsitzender und Wirtschaftsminister, die FDP vom Rösler bis zum Bahr fünf Minister stellt, in NRW 7% kriegt, „Muttis“ Lieblingskind ist, wo das Delirium, dem all dies zu Wahl gestellt ist, Autos baut und vor der Tankstelle das Tremens bekommt, da ist es beinahe selbstverständlich, dass ein Röttgen ausgestoßen wird, ja, logisch und ehrenhaft.

„Mutti“ will, nur die Arbeit nicht, alles allein machen.

Man wird sehn, ob Röttgen einst als Graf von Monte Christo wiederkehrt oder – wer noch?

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