MonoLoge

Von der FREIHEIT und der GLEICHHEIT und der BRÜDERLICHKEIT

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Die GLEICHHEIT ist die erfolgreichste der drei Grazien FREIHEIT, GLEICHHEIT und BRÜDERLICHKEIT.
Unterschiede hat sie mit „Wir haben alle unsere Eigenheiten“ demokratisiert.
Die BRÜDERLICHKEIT, als sie noch in der Fabrik arbeitete, musste nach der Arbeit sofort zur Tante GLEICHHEIT nach Hause, ihr allen Lohn abliefern, hierauf Kopfstand machen, damit ihr aus den Taschen auch der letzte Heller falle, den sie mit der FREIHEIT hätte brüderlich versaufen, verprassen, verhuren und verträumen können.
Die BRÜDERLICHKEIT ist inzwischen längst aus seiner Tante Hotel GLEICHHEIT ausgezogen, betriebsbedingt entlassen worden und frühverrentet.
Nun lebt sie von dem, was ihr übrig geblieben ist. Sie sammelt Dosen und Flaschen.
Sie ist peinlich.
Und sie lebt in Furcht vor der FREIHEIT, die von der GLEICHHEIT adoptiert, an Kindes Statt angenommen, in die Familie aufgenommen und integriert wurde.
Im Haus der GLEICHHEIT darf zwischen gut und böse, schön und hässlich, dumm und klug, reich und arm nicht unterschieden werden („Wir haben alle unsere Eigenheiten“), es besteht allerdings Recht und Unrecht, jedenfalls blind ausgeübt, Rauchverbot und Bedenken gegen Betäubungsmittel sowie Alkohol.

Die infantile, hyperaktive FREIHEIT ist Lieblingskind der GLEICHHEIT.
Bei der Tante GLEICHHEIT bewohnt die FREIHEIT ihr eigenes Zimmer, darf nach Hause bringen wen sie will, hat ihren eigenen Kühlschrank und Fernseher.
Sieht man jemanden, der so selbstverständlich wie der, der blutig kämpfend für die FREIHEIT im Sommer Wollmütze zu tragen im Sommer Stahlhelm trug, und jemanden, der so selbstverständlich wie der, der für die FREIHEIT Panzer fuhr und Schützengräben „putzte“, sich auf dem Fahrrad heute durch Menschenmengen drängelt und dabei schalldichte Kopfhörer trägt: Das ist die FREIHEIT und daran erkannt man sie.
Ihre Tante GLEICHHEIT ist stets tolerant und darum bei jedem populär.

Unter diesen Bedingungen hat es die FREIHEIT ganz einfach nicht gelernt, zwischen dem was sie darf und dem was sie will zu unterscheiden, sondern sie lehrt by doing, dass das total egal ist.
So tut sie was sie will unter dem Vorbehalt, Unrecht  nicht gewollt zu haben.
Gegen die Schuld hält die FREIHEIT sich Anwälte.
Schuld? – geht gar nicht.

„Die einzige Möglichkeit, eine Versuchung zu überwinden, ist, sich ihr hinzugeben. Widerstehen Sie der Versuchung, erkrankt die Seele vor Sehnsucht nach der Erfüllung, die sie sich selbst versagt; vor wilder Gier nach dem, was die ungeheuerlichen Gesetze der Seele als ungeheuerlich und gesetzeswidrig erklärt haben.“ Oskar Wilde

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Written by monologe

6. September 2011 um 8:56 am

4 Antworten

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  1. Hallo! Das sind treffsichere Analysen unserer gegenwärtigen gesellschaftlichen Zustände. Besonders gefällt mir die Charakterisierung der Freiheit (hat „ihr eigenes Zimmer, darf nach Hause bringen wen sie will, hat ihren eigenen Kühlschrank und Fernseher“) und sie „lehrt by doing“, wohlgemerkt, lehrt. – Wo kämen wir denn hin, wenn wir noch lernten, eine Vision von einer besseren Gesellschaft hätten und Schuld, also Lernen aus der Vergangenheit, noch ginge! Das wäre doch wirklich zu unbequem, nicht wahr? LG E.K.

    ekattwinkel

    12. September 2011 at 9:45 am

  2. Das ist eine interessante Metapher. Ich denke, Gier ist die Triebfeder allen Fortschritts. Ohne Gier keine Entwicklung, doch mit Gier ohne Schranken führt die Entwicklung in den Untergang.

    ratlosindeutschland

    10. September 2011 at 4:42 pm


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