MonoLoge

Logisch entwickelt

leave a comment »

Hab ich mich verhört?

Hat Entwicklungs-Minister Niebel zum Thema „Essen auf Rädern“ bzw. Verwendung von Kulturpflanzen zur Kraftstoffgewinnung ganz nebenbei und vermutlich versehentlich die Entmilitarisierung und Entindustriealisierung des Begriffes „Heranziehen“ bewerkstelligt?
Hat er, indem er von der Spritversorgungs-Weltlage-Wirklichkeit hackmesserscharf auf die Konsequenz schloss, dass derartige Pflanzen der Notwendigkeit gemäß zu solchem Zweck „heranzuziehen“ seien, den Begriff eben des „Heranziehens“ auf das ursprünglich gemeinte Heranziehen von Pflanzen bezogen?

Oder hörte ich im Traum das aus dem Deutschland-Radio?

Militärisch-industriell betraf „Heranziehen“und „Heranziehung“ bisher meist Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene, Zivilbevölkerung, Vermögen etc., welche oft nach einem „Gebot der Stunde“ zu etwas „herangezogen“ wurden, „heranzuziehen“ waren oder „herangezogen“ werden mussten.
Diese „Heranziehung“ entsprach durchaus zwar der bekannten „Verwendung“; während aber die „Verwendung“ sich für gewöhnlich auf ein bestimmtes, geeignetes Material bezieht, steckt in „heranziehen“ allerhand mehr.
Vor allem die Notlage.

Selbstverständlich wird man ein „Menschen-Material“ ohne weiteres auch „verwenden“, wenn es sich reichlich anbietet, entsprechend rechtlos oder eigens erlassenen Gesetzen entsprechend zur „Verwendung“ bestimmt ist, weil es ansonsten ohnehin nutzlos und faul dahinvegetiert, z.B. in der Hängematte oder in der Kriegsgefangenenbaracke.

Aber diese Begriffskombination ist eher zum internen Dienstgebrauch geeignet, für welchen das „ach so Menschliche“ möglichst klein gehalten werden muss, um dem Sachbearbeiter einen Bezug der eigenen Person zum „Menschen“ zu erschweren.

Davon abgesehen, dass Vermögen schon nicht mehr zu „Material“ gehört, auch fremdes nicht, dennoch unter Vermeidung des Begriffes „Enteignung“ sehr gern „herangezogen“ wird, vermeidet man mit der „Heranziehung“ auch seines ehemaligen Besitzers, der es „verwenden“ würde, gleichwohl tunlichst den Begriff „Entrechtung“.

Selbstverständlich erfolgt jede „Verwendung“ von Menschen unter Zwang und unter dessen stetiger Ausübung bis der  „Fall erledigt“ ist.
Da klingt „Heranziehen“ gleich ein wenig – nunja, notgedrungener, verständlicher, menschlicher.
Als ob es eben nicht anders ginge wegen höherer Gewalt und Notlage, denn sonst, also unter „normalen“ Umständen, würde man „die“, z.B. Kriegsgefangene, doch machen lassen, was sie wollten usw.

Nun haben Nutzpflanzen keine Stimme, um gegen ihre „Heranziehung“ zur Fahrdieselgewinnung zu protestieren mit dem Hinweis auf ihr Recht, nämlich der Ernährung zu dienen, solange jemand hungert.

In einer Welt, die auch Fisch zur Fütterung von Pflanzenfressern „heranzieht“, scheinen auch Pflanzen gänzlich Material, dessen Verwendung oder „Heranziehung“ einem Gusto etwa namens Nabel oder Niebel scheinbar freisteht.

Wenn also die Nabel der Welt auf Grund totaler Verschwendung, statt in eine Zwangsjacke als Statussymbol zu geraten, in eine Zwangslage gerät, indem die Welt zwar hübsch verpestet, der Wahn und der Sinn jedoch groß und rein und Status wie Symbol geblieben ist, sein knapp werdender Treibstoff aber als der Umweltsünder ausgemacht wurde, müssen – sagte das der Niebel? – Nutzpflanzen also zu dessen Gewinnung „herangezogen“ werden.
Freilich soll es noch nicht die totale Verwendung zum Ausgleich der totalen Verschwendung werden, doch kündigt sich als Konsequenz nach dem Begriff bereits die (Niebelsche?) Welt-Entwicklung an, die in einer heute offenbar noch unbekannten Not die „Heranziehung“ von Nutzpflanzen auch zur Ernährung gestattet.

Oder hab ich mich da verhört?
War es so?:

Auf seinen Weltreisen hat der Entwicklungsminister Niebel jenseits eigener Erfahrung einige Erkenntnisse über Hunger gesammelt, und es zeigt sich, dass sich zur Not auch daraus ein Spiritus pressen lässt: wenn die Menschen hungern, ließ er verlauten, dann hätten sie drei Möglichkeiten: sie machen Revolution, sie wandern aus oder sie sterben.

Klingt wie ein Plagiat?
Ist aber keines. Es ist ein Niebel-Original, auf das er selbst gekommen ist.
Kein Professor oder Doktor, keine Koriphäe würde je Anspruch darauf erheben, Urheber zu sein.
Man kann soetwas nicht plagiieren.
Es ist – es wäre so, wie die Aussage, ein Herbststurm habe im Herbst sechs Möglichkeiten: von Norden, Süden, Westen, Osten, von irgendwoher dazwischen oder gar nicht zu wehen, für ein Plagiat zu halten, weil sie etwas erstaunlich Wahres enthält, trotzdem in einer Doktorarbeit nicht vorkommen würde.

Warum nicht?
Erkenntnistheoretisch gibt’s am Niebelschen Original-Merkspruch nichts zu deuteln.
„Wo er Recht hat, hat er Recht“ lautet das passende Sprichwort – aber mir fällt die deutsche Übersetzung des Begriffes „Banalität“ nicht ein.

Der amtierende Entwicklungsminister entwickelt aus der Erkenntnis, dass ein Entwicklungsminister überflüssig sei, logisch und folgerichtig Banalität.

Also dafür dann: Summa cum laude.

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: