MonoLoge

Ein Glaube ist angekommen

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Es war in der MonoLoge mit Blick hinunter auf das Welt-Schulhof-Theater schon öfter bemerkt worden, dass es dort für alles einen Ausgleich gibt, ganz gleich, wie einseitig es ist, während auf jenem blutigen Schulhof die Dualität mit den Risiken des menschlichen Fortschrittes wahre salto mortale in die jeweiligen Gegen- und Nachteile vollführt und Gelegenheit zur Erkenntnis bietet, dass diese Risiken auch nicht mit Vorsicht genießbar sind.
Denn sie tendieren trotz erprobter Wirkung der menschenmöglichsten Ignoranz und Unverantwortlichkeit bisweilen doch dazu, die von Hiobs-Botschaftern vertretene Sensations-Realität mit konsequenter Selbstverwirklichung und Versachlichung zu konfrontieren.

Was folgt ist ein GAUdi, und es ist nichts mehr zu machen.
Die drohende Kernschmelze muss mit jenen Wasserwerfern gekühlt werden, die die Hirnschmelze zuvor schon zur Kühlung von AKW-Gegnern ebenso vergeblich eingesetzt hatte. Das war, als noch ein Stein auf dem andern lag.
Jetzt, heißt es, sei nichts mehr wie zuvor, das Sichere nicht, und verschweigt vorerst: auch das Unsichere nicht.

Aktuell in diesem Sinn durchaus bemerkenswert ist die Gewissheit, welche sich aus der Summe aller offiziellen Statements festigt, nämlich, dass die Energiegewinnung aus Atomkraft zur Türkei gehört. Jedenfalls die sichere. Jedenfalls die, besser gesagt, komme was da wolle sichere.

Was woanders geschieht ist Schweinswurscht: in der Türkei vertraut man der Atomkraft und seiner friedlichen Nutzung, und dieses Vertrauen ist rein wie nur ein Glaube ist und ist darum weniger erschütterlich als darunter der Boden selbst oder die Deutschen.
Bekanntlich dominiert in den Angelegenheiten des reinen Glaubens vor allem der Kampf um Freiheit der Ausübung, der mittels der freien Ausübung selbst auch geführt wird.
So ist es verständlich, dass die Freiheit der Ausübung des Glaubens an die ungefährliche, saubere, friedliche Nutzung der Atomkraft im Bau neuer ungefährlicher, friedlicher, sauberer, „anderer“ Atomkraftwerke besteht, die offenbar soetwas wie „koscher“ bzw. „halal“ sein werden.

Wie in den Sphären des Glaubens üblich nimmt man das Heil, das er verheißt, gern an, verweigert jedoch die Anerkennung gegensätzlicher Erkenntnis mit jenem Fatalismus, in dem alles einem höheren Plan folgt.
Der tätige Pessimismus des old-english Sailors hinsichtlich der Naturgewalten in Anbetracht seiner Nussschale, die im Heimathafen Ozeanriese heißt und womöglich unsinkbar ist,  hat darin weder Platz, noch Gegenwart und sicher keine Zukunft.
Denn das Unglück kommt von der Schwäche, vom Aberglaube, vom Zweifel her. Ganz zu schweigen von den Ungläubigen!
Was diese betrifft birgt der Glaube an die Atomkraft allerdings einen interessanten Nebenüberraschungseffekt: wird er enttäuscht, bleiben auch die Ungläubigen nicht verschont.

Riskant sei auch eine Brücke, meinte der türkische Ministerpräsident bezüglich gewisser gegensätzlicher Erkenntnisse, die man zur Zeit in Japan aus der Nutzung der Atomkraft gewinnt, aber deshalb höre man doch nicht auf, Brücken zu bauen.
Das ist kein Zynismus.
Man muss zugeben, dass Brücken an und für sich sicher sind. Denn es ist noch niemals eine andere Erfahrung gemacht worden, als dass Nachlässigkeit, Unachtsamkeit, Fehler, höhere Gewalt, Krieg schuld am Einsturz einer Brücke gewesen waren.
Ist all das ausgeschlossen, stürzt keine Brücke unkontrolliert ein.

Am Brückenbau selbst zu zweifeln ist also ungerechtfertigt und kann beleidigend sein.
Für die friedliche Nutzung der Atomkraft trifft ungefähr dasselbe zu.

Bezüglich ungerechtfertigter Zweifel und Beleidigung des Glaubens an die Sicherheit und Ungefährlichkeit der friedlichen Nutzung der Atomkraft ist man in der Türkei allerdings noch nicht so weit gegangen wie in einem deutschen Bundesland gegenüber ähnlicher Anfechtungsversuche, nämlich den Islam betreffend.
Hier hat man Nägel mit Köpfen gemacht und konsequent verboten, Schandtaten, Mord und Totschlag, Raub, Vergewaltigung, Verbrechen allgemein und jeder Art in irgendeine kausale Beziehung zum Islam zu setzen, oder mit dessen Ausübung in Zusammenhang zu bringen, erst recht nicht, wenn die, die derartige Verbrechen verüben, in der Mehrzahl muslimischen Glaubens wären oder gar sind.
Es gilt also das Verbot der Behauptung, das „Verüben“ sei mit der freien „Ausübung“ identisch, also kennzeichnend.
Es ist klar, dass ein solches Verbot jedenfalls ein untrügliches Zeichen dafür ist, dass etwas in Deutschland angekommen ist.

Ob man in der Türkei daran denkt, etwa in den Angelegenheiten Brücken und Atomtechnologie ähnliche Verbote zu verhängen, ist unbekannt.
Wahrscheinlich beträfe es eine Minderheit von Ungläubigen und jener, die sich wegen gewisser Vorfälle bedroht fühlen, und würde sich kaum lohnen.

Es wäre aber das i-Tüpfelchen auf den Ausgleich der Glaubensankünfte in der Welt.

Kleiner Zusatz:
Es ist vielleicht ein wenig von der Katastrophe selbst in die Kategorie der Kleinigkeiten gepresst worden, aber es gab die sehr wichtige Erklärung aus Japan, dass die Ursache der Reaktorkatastrophe menschliches Versagen und Sparen an der falschen Stelle gewesen sei.
Jede andere Erklärung wäre freilich für  Betreiber und besonders für die Planer von Kernkraftwerken in der übrigen Welt eine Katastrophe gewesen.
Denn grundsätzlich unsichere Kernkraftwerke -?
Neeee.

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