MonoLoge

Der Doktor und das liebe Volk

with 3 comments

Es scheint sich durchzusetzen, dass, wie zum Unglück oft noch Pech kommt, zur Unverschämtheit immer öfter jetzt auch noch Frechheit kommt; und ob da vielleicht ein Zusammenhang besteht, das wäre ein dankbares Thema für eine der letzten Doktorarbeiten, die alle möglichen Arten der Arbeit erfordern würde außer Kleinarbeit.

Nein, nein, das deutsche Volk weiß und fühlt, dass der Dr. sus.* zu Guttenberg seinen Dr. einzig und allein gemacht hat, um ihm zu gefallen.
Und natürlich wird es ihm auch die jahrelange mühevollste Kleinarbeit am Küchentisch nicht bestreiten, die es ihn subjektiv gekostet hat, den Stolz des deutschen Volkes zu mehren.
Er hätte sich diesen Titel auch kaufen können!
Auch die Arbeit als kaufmännische Delegierung verrichten zu lassen, wäre möglich gewesen, selbst wenn in diesem Fall eine gewisse Ähnlichkeit zwischen einer gekauften und einer selbst erlittenen Kleinarbeit in dem Umstand bestünde, dass er nämlich auch in diesem Fall exakt genausowenig gewusst hätte, was er woanders abgeschrieben hat.
Es wäre allerdings zu logisch dann, dass ers nicht weiß.
So ist das Versehen ein Plagiat** der Logig.
Nein, bei ihm soll nunmal alles entweder echt sein oder abstrus.

Da ist etwas, das auf Gegenseitigkeit beruht: wenn der Dr. sus. zu Guttenberg an das deutsche Volk denkt, wird ihm schwindelig und umgekehrt, wenns ihn nur sieht, genauso.
Und erst die Parteifreunde!
Deren Hoffnung auf ihn ist echt und ehrlich am eigenen Beispiel und Versuch erworben und lässt sich nicht plagiiren.
Noch heißt es „Plagiat“, aber es wird vielleicht nicht lange dauern, bis der oberste Soldat umgangssprachlich „Blindgänger“ heißt und vice versa.
Es ist ein Unglück mit der Umgangssprache, es bleibt jedoch die Sympathie für einen schneidigen Kerl mit einer stets glänzenden Pechsträhne.
Und: opes regium corda subditorium – Die Herzen der Untertanen sind die Schätze der Könige.
(Wenn jemand statt „Herzen der Untertanen“ lieber „Dummheit“ setzen möchte, bietet das Latein-Wörterbuch vier Möglichkeiten: dementia, imbezillitas, stultitia, stupor.
Dementia bedeutet auch Verrücktheit, Wahnsinn;
imbezillitas außer Dummheit auch Krankheit und Schwäche;
stultitia Torheit und
stupor außerdem Erstarrung und Staunen.
Es ist also für jeden Geschmack etwas dabei, und es scheint, als ob die alten Lateiner sich in den verschiedenen Erscheinungsformen ein und derselben Sache bestens ausgekannt haben und für nicht eindeutige Fälle freiere Auswahl hatten.)

*sus. = suspectus
**Plagiat = ursprünglich Entführung freier Menschen in die Sklaverei.

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3 Antworten

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  1. Zu Guttenberg ist eben „der Geist der Böses will und Gutes schafft“:
    Innovation im Bildungswesen: Doktor auf Probe eingeführt!

    feliksdzerzhinsky

    24. Februar 2011 at 7:25 pm

  2. jaja, so sind die zeitlaeufte …. gestern noch ein sympath fuer mich, heute ein suspektes a….loch.
    noch suspekter finde ich die haltung seiner csu/cdu-freunde, die halten ihm die stange auf teufel-komm-raus. aber wie ich den seehofer kenne, wird der schon die saege ausgepackt haben, mit der er am stuhl von guttenberg saegen will.
    uebrigens: brillant geschriebener artikel, chapeau!

    Sutaio´s Buchstabensuppe

    19. Februar 2011 at 6:40 pm

    • Danke! Hallo Sutaio, Frühaufsteher. Schön, von Dir zu hören!

      monologe

      20. Februar 2011 at 9:09 am


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