MonoLoge

Das dumme Huhn

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Du bist was du isst, meint ein Sprichwort. Ist das Huhn demnach saudumm? Weil es giftigen Industriedreck frisst? Ist es saudämlich, weil es sich außerdem in erbärmlichen Legebatterien und Hühner-KZ hinhockt und im Akkord Eier legt, als wärs für kommunistische Ideale?
Nein.
Das Huhn ist durch und durch loyal und politsch korrekt.
Es ist ein bei lebendigem Leib industriealisiertes, Dreck verwertendes Geschöpf, das Ostereier legt und dankbar für Essen, Trinken und Unterkunft billig zartes Brustfilet und Cuisse de poulet, Chicken McNuggets, Chickenwings und Knusperknäuschen sowie seine sämtlichen feinsten Innereien aus eigenen Bestand zur Verfügung stellt. Geduldig wie Papier.
Man kann pro Legebatterie ein Fass Altöl oder entsprechend Oltimer-Bremsflüssigkeit aus dem Abscheider geschmacks-, geruchs-, preisneutral entsorgen. Das bringt lukrative Entsorgungsprämien ein, die das frische Huhn in der Auslage verbilligen.
Alternativlos.
Das Huhn ist dermaßen hochmotiviert, dass es niemals vor dem Verrecken stirbt.
Seine Philosophie ist die des Kugelfisches: trotz aller Giftigkeit im Grunde genießbar sein.
Es fragt nicht, was kann mein Halter für mich tun.
Es ist darum ein Ernährungs-Trojaner, der gern industrieell mungerecht gemacht oder nach etepetete Zubereitung und Reinschieben Nafta dioxzynis ins Königreich des Kunden schmuggelt.
Nach dem Verursacher-Prinzip.

Das Huhn kann man nicht verantwortlich machen. Es kann nichts dafür.
Aber das ist noch nicht alles, das ist nicht die Hauptsache.
Wie gesagt, das Hühner-Gen, archemagirus stupor (AS hi 10), enthält den Code für absolute Loyalität und political correctness unter allen Bedingungen.
Diese Eigenschaft durch Gen-Anpassung in russischen und Kriegsgefangenen aus 21 Ländern direkt zu initiieren, sich also unter vergleichbaren inhumanen Haltungsedingungen evolutionär herausbilden zu lassen, ist in den Jahren während des 2. Weltkrieges schon großexperimentell durchgeführt worden und wegen der Kürze der Zeit misslungen.

Um diese Gen-Anpassung geht es.
Human und mit Genuss in vielerlei Variationen.
Die allmähliche Anpassung bewirkt, dass der Mensch nicht nur soviel verseuchtes billiges Hühnerfleisch essen will und kann, wie die Hühnerhaltung es erfordert, sondern unter allen Umständen loyal und politisch korrekt bleibend den Erwartungen entspricht, um unter zu kommen und auch essen zu dürfen.

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2 Antworten

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  1. Weder Biobauer, noch Vegetarier. Ich möchte, zugegeben drastisch, auf das Problem der „Haltungsbedingungen“ aufmerksam machen. Wenn man einmal gesagt hat, „Wer Bücher verbrennt, verbrennt am Ende auch Menschen“, so kann man doch dasselbe zurückgewandt auch über diese Haltungsbedingungen sagen? Oder? Von daher kommt doch alles. Es klingt vielleicht absurd, aber für mein Verständnis sind gewisse „standardisierte“ Bedingungen, unter denen Tiere gehalten werden, inhuman. Warum „inhuman“? Bezieht sich human nicht auf den Menschen? Betrifft Humanität nicht Beziehung ausschließlich von Menschen untereinander? Das eben nicht! Lebensbedingungen schließen auch Realitäten ein, unter denen Tiere existieren. Es kann für einen Menschen unerträglich sein, Tiere leiden zu sehen. Es ist eine Bewusstseinsfrage. Verantwortungslosigkeit und Verrohung zeigen sich da am deutlichsten, wo alles erlaubt scheint, und natürlich da, wo man eifrig bemüht ist, zu verdunkeln und zu verbergen, was das Zeug hält. Mich wundert, dass man von den Massentierschlachtungen und -transporten so unheimlich wenig sieht. Das scheint sich alles insgeheim und im Stillen zu vollziehen. Zufall? Wäre das offensichtlich, ich meine, die ganze Realität, das pure Entsetzen würde ausbrechen. Marie, Du bist klug. Danke für Deinen Kommentar!

    monologe

    20. Januar 2011 at 10:44 am

  2. Ich nehme mal an, du bist Vegetarier. Oder Biobauer? Wobei ich grade in einem Kultursender (der nur deshalb existiert, weil die hauchdünne Intelligentia-Kruste der obersten Unternehmensetagen und vormittäglich ungebundene freiberufliche Freigeister, netto also 0,001 Prozent der Gesamtradiohörerschaft, ihm lauschen möchten und die Realität à la Odysseus ertragen können) gehört habe, dass auch ein Biohuhn nicht artgerecht glücklich lebt, nur, weil es statt mit 5999 Kollegen nur mit 29999 ebendiesen zusammengepfercht ist…… Egal. Du hast Recht. Und ich kaufe kein Huhn. Und die Eier vom Nachbarn – nein, nicht seine, sondern die seiner Hühner. Aber die gibts nur Sonntags. So what? Problem: Wir leben in einer Zeit, in der das Ziel der Konsumrevolution im Verzicht liegt, nicht im Verbrauch. Und diese Botschaft ist – leider leider – NICHT sexy 🙂

    In diesem Sinne… geh ich in die Küche und bereite Pasta all’arrabiata für das Mittagessen vor. Nicht nur vegetarisch, heute, sondern sogar vegan 🙂

    Wem dabei Mordgelüste kommen, den begrüße ich gerne auf meiner Seite zum täglichen NanoFortsetzungsKrimi auf http://www.mariebastide.wordpress.com

    Viele Grüße von Marie

    mariebastide

    20. Januar 2011 at 10:19 am


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