MonoLoge

Nein?

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Man wollte vom Stalinismus weg. Es hat zwar keiner gemerkt – Stalinismus, Faschismus, Diktatur, Willkür, das kennen wir nur aus den Geschichtsbüchern, und die lesen wir nicht mehr, Schuld, Schuld, Schuld, wir wollen aber moralisch sein – es hat also niemanden groß gestört, dass die Bundesregierung, insbesondere der Geerd, bei der Neugestaltung und Rettung des Sozialstaates sich nur mit Mühe davon abringen ließ, nicht den giftigen Bruderkuss der damaligen Opposition Merkel/Westerwelle ins „Gebot der Stunde umzusetzen“, nämlich dass, wer nicht arbeitet, bin ich der Ansicht (Geerd), auch nicht essen soll.
Reiner O-Ton Stalin.
So ist die Agenda beinahe Sozialismus geworden, perspektivisch spätrömisch dekadent,  wie man weiß, von Frau Roth vehement verteidigt, nicht vergessen, doch nur der gern in stahlgrauem Armani irgendwie auch ein bisschen dynamisch trotzkistisch wirkende Geert selbst schien/scheint noch zufrieden.
Er bekam in Russland zu tun. Konsequent irgendwie.

Davon wollte man insgesamt weg.
Darum hat die relativ fesche preußisch schwäbische Hausfrau Schluss gemacht mit dem halben Geist Stalins in Hartz 4 und mit Westerwelle, der Personifizierung des eigenen Vorbildes, beschlossen und umgesetzt, dass, wer nicht arbeitet, nicht rauchen und nicht trinken soll.

Das bedeutet Rückbesinnung.
Dass Herrschaft und Obrigkeit ihnen wenigstens das bisschen Suff und Qualm vergönnen, welche durften sich das einfordern in der guten alten Zeit? Soldaten, Knechte, Matrosen, Häftlinge, Bergleute. Oft unter der Voraussetzung widrigster Bedingungen und der Gefahr sinkender Moral.

Die Koalition hat demnach erkannt, beschlossen und konsequent umgesetzt, dass Bewilligung eines Betrages für Suff und Qualm für Hartz4-Regelfälle in Deutschland heute das Hochhalten der Unmoral bedeutet.
Darauf schaut auch die heil-froh, nicht betroffen zu sein, wegschauende Bevölkerung, sehr genau und war noch nie dafür.

Kurz und gut, Armut bleibt erhalten, der  Schlucker aber wird bekämpft wie die Windmühle – natürlich um Gottes Willen ohne Prohibition; und wenn in der Bildungsferne nun ein Kopf raucht, dann wissen wir, einer verzichtet für seinen „Lancia“ auf Fleisch von unserem Fleisch, entsagt dem Geist von unserem Geist: „Komm ins Offene, Freund!“, das ist von unserem Hölderlin.
Auch der Woyzeck fürchtete sich vor Trauerweiden und hörte Tritte.
Ja, diese untröstliche Traurigkeit ist schwer zu verstehen.
Darum hofft die Koalition, dass eine praktische Wirkungslosigkeit wenigstens umgangssprachlich das Kapieren ihrer moralzüchtigen Konsequenz als solche erleichtert. Also das, was auch für Hölderlin und Schwermut gilt: die Dichtung macht das Unverständliche akzeptabel und erträglich.
Vorausgesetzt, man fühlt.

Spürst Du die unheimliche Stille?; das Verlorene?; den Halt?
Nein?

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Written by monologe

29. September 2010 um 8:49 am

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