MonoLoge

Kinder, Fritz Teufel ist tot!

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Bevor er Parkinson-geplagt ins Pflegeheim musste, ist er in Berlin noch als Fahrrad-Kurier unterwegs gewesen, der Alt-68er „Ex-Pudding-Attentäter, Ex-Kommune 1–Bewohner, Ex-Bürgerschreck, Ex-„Tageszeitung“s-Kolumnist, Extremist“ nun exitus.
Mit 67. Der Tod ist nicht stilsicher. Diesen Mann 68 werden zu lassen, das hätte sich gehört.

Die Tiger-Ente aus der Zeit der Blumen-Kinder Berliner Prägung und Eigenart: ach, Kinder, wenn wir noch einmal so dran glauben könnten! Dass wir aus dem Haus gehen und ein cooler Knabe rauchend an der Ecke steht und guckt und grüßt: „Na, du Schlampe.“.
Das war, bevor uns auffielen die Schrecken jener Märchen, die man als Kinder liebt, und bevor sich uns in diesem Grimms-Märchen-Land die Bären aufgebunden haben, die im Grimmschen nun mal aufkommen: blonde Prinzen wohl einst gewesen sind, halbe Königreiche suchend, große Schnauze, dickes Fell, keine Mimik.

Auch Fritz Teufel musste einen Bären tragen.  Acht Jahre lang hat auf seinem Buckel einer gebrummt, und der Fritz mit ihm, nachdem er in den Märchenwald als Guerillero getreten war, bis an die Zähne bewaffnet.

Die Kinder der freien Liebe haben sich inzwischen verlaufen.
Sind angekommen vor dem Lebkuchenhaus und hineingelockt fett geworden drin, reif, von der Liberalen Revolution gefressen zu werden.

Die Schwester Gretel ist ganz bei der Sache, geht der argen Hexerei diensteifrig zur Hand, spinnt Gold zu Stroh und Streu, in Dauerwelle west gelegt ihr Haar, das sie dem schneidigen Prinzen hinablässt.
Das Rumpelstilzchen ist Kriegsverteidigungsminister geworden, führt die Kinder der Souveränen, die seinen Namen nicht erraten, zum Kusch am Hindu, es ist wohl mancher Spaßvogel dabei.

Aber keiner aus der neuen Spaßvogelgesellschaft kann mehr sein, wie der Fritz einer war.

Nun ist auch er gestorben, gefolgt den unbekannten Spaßvögeln, die nach 33 für einen Witz gestorben sind und die, die nach 45 für einen saßen, 660 Jahre nach Eulenspiegel.

Wenigstens letzterem hat man in Mölln ein Denkmal gesetzt.

Noch gibt’s nirgendwo eins für den TeufelFritz, den schwarzrotgoldigen Kerl.

Der schelmisch grinsende TeufelFritz ohne die letzten drei guten Haare, die man an ihm gelassen hat, bloß die Glatze, damit sie durch Anreiben goldig werde,
Glück bringt denen,
die im Frieden nicht ruhn.

Ein Denk-Mahnmal.

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Written by monologe

8. Juli 2010 um 5:21 pm

Eine Antwort

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  1. Hat mich auch….berührt, traurig gemacht….als ich das gestern hörte. Und der Langhans lässt sich weiter den welken Pelz in seinem Harem kraulen, das ist doch ungerecht! Lebt Bommi Baumann eigentlich noch?
    Und wenn’s der Wahrheitsfindung dient: ’67 ist doch viel mehr ’68 gewesen als ’68, sozusagen. Wenn es einen Himmel gibt, dann sitzt der Teufel da jetzt (sic!), zusammen mit Ulenspiegel und Neuss und all den anderen Narren jeglicher Provenienz, das hat er sich verdient, freuen wir uns für ihn.

    bolesblog

    8. Juli 2010 at 6:26 pm


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