MonoLoge

2. Köhler adé

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Horst Köhler ist ein vorsichtiger Mann. Aber er ist auch gelenkig. Als er zum Staats-Zirkus kam, sahen wir ihn lächelnd vorsichtig als eigene Nummer einen Spagat versuchen und hinlegen, der erstaunlich und vielleicht vergleichbar war mit einem Lächeln, bei dem beide Ohren von ihm Besuch kriegen.
Sein Spagat war der Versuch, coram publico mit einem Fuß Kontakt mit der Wirklichkeit zu halten, mit dem anderen so nahe wie möglich an die Realität zu kommen.

Er mag sich am Schluss seiner Laufbahn, auf der es diesmal hinter dem rolling stone bergab ging – wir alle sind Sisyphosse auf den Schuldenbergen der Herren – wiedergefunden haben auf einem sowohl realen als auch wirklichen Schulhof als Pausenclown.
Dort dealt Schneids Drückerkolonne im Revier der Bügelfreiheit mit der unverschnittensten Phrase; die Realos, die ihre Weisheiten mit Löffeln fressen, um den faulen Suppenküchenatem aus dem Maul zu kriegen, packen ihn zwischendurch ganz ungeniert während des Spagats natürlich auch mal bei seinen Eiern; der rote Zores verschließt vor keiner Versuchung die Augen, kein Mob ist ihm fremd, ein lustiges Völkchen – da wachte Köhler auf und floh vor Ende der Ethik-Stunde.

Jetzt wird ihm nachgesagt, er sei „unbequem“ gewesen, und das gilt nur als etwas Besonderes, Außergewöhnliches, wenns das auch ist.
Warum er unbequem war, wird aber nicht gesagt, die Art nicht benannt. Doch gibt es mindestens zwei voneinander sehr verschiedene Arten des Unbequemseins.
Die eine ist das unbequeme Andersdenken mit allem, was dazugehört, die andere das unbequeme Verhalten wegen Unbequemlichkeit.
Beispiel: ein kleiner Junge wird auf sein Töpfchen gesetzt, darin liegen aber grad Muttis Zigaretten, die er unbemerkt hineingelegt hat, weil der Pappi doch gesagt hat, du blöde Kuh sollst verdammt nochmal endlich mit Rauchen aufhörn – das ist eine Unbequemlichkeit, die bewirkt, dass der kleine Junge selbst, der auf dem Töpfchen bis dahin immer glücklich gewesen war, unbequem werden kann.
Und zwar unbequem im unpassendsten Moment, weil Mutti, wenn Jungchen auf dem Töpfchen sitzt, immer gern eine raucht, in dem Moment aber grad genervt ist, weil sie ihre Zigaretten nicht findet…
In diesem Fall könnte die Mutter das Unbequemsein ihres Knaben auch als etwas Besonderes, Außergewöhnliches werten.

Die Köhlers sind einfache Leute, das heißt die Bedingung nach Goethe, wenn man keine Kunst hat, so habe man Bildung im besten Sinn erfüllend. Allerdings ist fraglich, ob das in einer Umgebung aufgehen konnte, wo es scheinbar keine Erfüllung mehr bietet, dass, wer keine Bildung hat, Kultur habe.

Es zog sie in den Dornenbusch, der unbequem wird, wenn er brennt.

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Eine Antwort

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  1. Mir kommen die Krokodilstränen beim Abgang des nackten Kaisers.

    Irg Endwer

    1. Juni 2010 at 8:17 pm


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