MonoLoge

Sieger

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Sieger sind eine interessante, eine sehr interessante Spezies geworden.
Sie haben inzwischen selbst das erobert, was früher dem Verlierer geblieben war: Herz und Sympathie.
Naja, und obendrein Geld. Geld macht den Sieger reich und bietet einen Anhaltspunkt, was er wert ist. Ohne wäre diese Spezies und der dazugehörige Sieg vielleicht nicht ganz so glücklich.
Aber ein Sieg ist immer noch als solcher scheinbar weit entfernt von der Pfuinanz.
Ist denn da nicht vor allem Ehre und Stolz und Überlegenheit und Gefühle und Glück nach all der Arbeit und Mühe? Und die Ideale??!! Ein Leben für die Ideale? Und für die Verteidigung derselben sowie der Beweis von Größe, Stärke und Unüberwindlichkeit solange es geht?
Gegen den Gegner! Oh  ja, Gegner!
Der wird jeweils besiegt. Sonst gibts keinen Sieg. Es muss ein Gegner da sein, der unterliegt. Sonst gehts nicht.
Es wäre sonst ein einseitiger Sieg des Siegers über sich selbst. Er selbst wäre also zur Hälfte Verlierer. Das hat zwar auch etwas Hübsches, wenn man davon hört,  aber an der Siegernatur nagt selbstverständlich jedes Unterliegen.
Obwohl sich auch das ganz hübsch vermarkten lässt.
Verstanden? Mitgekommen bis hierher? Schön.
Dann gibts das Publikum. Ein Kapitel für sich, aber es soll doch gesagt sein, dass es auch ohne Publikum nicht halb soviel Spaß macht zu siegen und auch nicht halb soviel einbringt. Weder Ruhm noch Pfuinanz.
Das Publikum ist stets begeistert. Es ist der Träger des Ideals. Neben dem Tragen der Kosten und dem Weitertragen des Ruhmes trägt es auch den Sieger auf Händen, hält die Fahne hoch und im Zweifelsfall eben auch die Ideale. Der Sieger ist oft nur damit beschäftigt, nicht zu unterliegen, um nebenbei noch etwas hochhalten zu können.
Das Publikum will nicht betrogen, nicht belogen werden, nichts, was dem Ideal, besser gesagt dem Idealismus von der großartigen, außergewöhnlichen, überragenden Leistung schadet. Ihrem Ansehen also. An dessen Treue glaubt es wie an die eigene.
Das Publikum muss dafür nichts weiter tun. Es hat nicht die halbe Anstrengnung ihres Favoriten für die Möglichkeit vollständiger Identifizierung mit ihm, dem Sieger. Wenn er siegt. Dafür zahlt es. Ihm gehört der Sieg.
Ein Publikum kann vollkommen unfähig sein, besser zu taktieren als ein normal begabter Schimpanse und doch einem Schach-Weltmeister zujubeln, was der Affe nicht derart von Herzen und aus innerster Überzeugung könnte. Der Affe wird, wenn er etwas sieht, was er nicht versteht, stets ein bisschen misstrauisch bleiben.
Tja, blöder Affe eben. Kein Ideal.
Ein aktueller Fall  des effektiven Ideals: ein italienischer Rad-Profi wird während einer bedeutenden Rundfahrt Sieger einer Etappe mit Bergankunft. Schwerster Berg Europas war es, wird verkündet.
Das macht ihn zum Favoriten, zum Anwärter auf den Gesamtsieg. Glücklich die Tifosi.
Dieser Radfahrer ist aber auch ein Sonderfall. Er war zwei Jahre gesperrt wegen Dopings. War positiv getestet und entsprechend bestraft worden.
Nun ist er wieder im Rennen und siegt den schwersten Berg Europas hinauf gegen den Rest des Feldes.
Außer dieser grandiosen Hinauffahrt und überragenden Leistung ist ihm offenbar nichts anderes nachzuweisen als die unbedingte Kraft und der reine Wille zum Sieg – und der Sieg selbst.
Das heißt, früheres Doping war ganz überflüssig gewesen.
Und das heißt, der Radsport ist überhaupt der sauberste Sport der Welt. Weil hier nämlich der Beweis erbracht wurde, dass erstens ein ungedopter Fahrer siegen kann auf schwerstem Terrain und zweitens kein anderer Fahrer/Gegner gedopt gewesen sein kann, sonst hätte jedenfalls dieser gesiegt.
Durchweg gute Nachrichten, und so kann durchaus jetzt gesagt werden, dass bei allen die Kraft gereicht hat, den inneren Schweinehund zu besiegen, aber nur bei einem, nachher auch noch diese Sieger zu besiegen.
Ein idealer Sieg. Den zu holen leider immer nur einem gelingt.
Dem Sieger.
Leider wird manch einer in diesen Tagen den inneren Schweinehund, den Zweifel an Ideal, Pfuinanz und Treue trotzdem nicht los, kann ihn nicht besiegen. Hat verloren und verliert.
Den Glauben. Besser, er hätte zuvor den Verstand verloren.

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Written by monologe

25. Mai 2010 um 9:35 am

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