MonoLoge

Die Soldaten

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Der „Verteidigungsminister“ schickt sie hin, der „Entwicklungsminister“ bringt sie zurück.
Das erstere absurd, das zweite, so wie sich das eben umgangssprachlich ausgedrückt „entwickelt“, logisch.
„Sag, wo die Soldaten sind, wo sind sie geblieben, was ist geschehn? Über Gräber weht der Wind, wann wird man je verstehn?“ fragt ein alter, vergessener Liedtext.
Den Soldaten ist misslungen, ihr eigenes Leben zu verteidigen, dem „Verteidigungsminister“ gelingt es dagegen immer wieder, die „Strategie“ zu verteidigen. Sie ist richtig, nur der Feind ist falsch.
Alte Erinnerungen an bessere Zeiten, nämlich als der Kriegseinsatz in der Einbildung noch ein Entwicklungs-Einsatz  gewesen war, bevor – ja, was ist eigentlich geschehen? – werden wach.
Der „Verteidigungsminister“ spricht, ja, es sei gefährlich am Hindukusch und das wolle und dürfe man nicht verschweigen. Man könne das „umgangssprachlich“, betont „umgangssprachlich Krieg nennen“.
Und wie es fachsprachlich genannt werden müsste, hat er verschwiegen. Aber das macht nichts, weil man das auch umgangssprachlich längst nicht mehr „Krieg“ nennt, sondern „Sauerei“. Und damit ist umgangssprachlich nicht die banale Feststellung des „Strategie-Verteidigungsministers“, dass es „Krieg“ sei, bezeichnet, sondern das, was dieser „Krieg“ ganz eigentlich und lediglich sein dürfte: ein „Verteidigungskrieg“. Der ist es nicht. Und was anderes darf es nicht sein, also bleibt man besser allgemein.
Denn der „Verteidigungsminister“ kann das, was es ist, fachsprachlich nicht „Verteidigungskrieg“ nennen, auch nicht „Angriffskrieg“, also muss ers umgangssprachlich „Krieg“ nennen. Das muss genügen.
Einfach nur „Krieg“ gibts aber  für Soldaten nicht. Ganz besonders für Soldaten nicht.
Nur Zivilisten, Bevölkerungen haben einiges Anrecht darauf zu sagen, es gebe, es drohe oder es sei „Krieg“. Die, die in ihm, mit ihm leben und ihm opfern müssen, über die er hereinbricht oder die, von denen er ausgeht.
Die, die ihn führen auf Angriff oder Verteidigung, müssen definieren, was das für ein Krieg ist: Angriff oder Verteidigung. Dazwischen gibts nichts.
Das hätte für einen „Verteidigungsminister“ Konsequenzen. Ehe man sie sozusagen aus der Zeitung erfährt, die Aufklärung. Er sagts offen und ehrlich: es ist gefährlich. Heißt das : Aufgepasst, Soldat? Oder heißt das: Schieß, Soldat?
Man hört, der Soldat hat geschossen. Sechs Verbündete starben diesmal. Er dachte, es seien Feinde, nun wünscht er, dass es  Feinde gewesen wären.
Und wie war das mit den Lanklastwagen?
Die Schuld wächst. Auch die der Feinde.
Irgendwo am Hindukusch wächst Zweifel und irgendwo wächst Gewissheit. Alles bezahlt mit Leben. Fest entschlossen, jeden Irrtum begehen zu müssen. Mit allem Nachdruck und Ernst, den die Ungewissheit erfordert.
Wann es allerdings wirklich ernst wird und womit, wissen wir nicht. Das wissen nur eine Anzahl Mütter und Frauen und Kinder.
Hier wie dort.

Das alte Lied.

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