MonoLoge

Es war einmal…

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in Paris ein schrecklich erboster Fernsehzuschauer.
Die „Einführung“ von Werbung, also der Einzug von Banalität und deren Wiederholung in die Television vor deren endgültiger Okkupation, schlug ihm a priori schon so auf die Nerven, dass er seinen Fernseher auf den Eiffelturm schleppte und ihn aus Protest hinunter warf. Bravo!
Der Mann hatte wahrhaft seherische Fähigkeiten!
Genau genommen hat er da natürlich eigentlich die Werbung hinunter geworfen,  Fernsehwerbung kann man nunmal nur mitsamt dem Fernseher hinunter werfen.
Oder hat er das Fernsehen als Verräter empfunden? Verräter, der, èntgegen anderslautenden Versprechungen, nicht widerstehen konnte, schwach geworden ist.
Er hätte stattdessen auch das Produkt hinunterwerfen können. Demonstrativ. Warum tat ers nicht? Man kann vermuten, dass es ihm ums Prinzip gegangen ist. Und hier muss man bekennen, dass es neben diesem Prinzip sicher noch einige andere gibt, die, so fest sie einst zu sein schienen, heute völlig aufgegeben sind.
Würde man heutzutage gegen die Werbung im Fernsehen protestieren, müsste man sich jedenfalls für den Hinabwurf der Produkte entscheiden, weil es sonst wie ein Protest gegen das absurde Fernsehprogramm aussähe, denn das ist als Problem allgemeiner im Bewusstsein als generell die Zumutung der Werbung.
Unterschied zu damals:  es ist unmöglich, das ganze Arsenal den Eiffelturm hinauf zu kriegen.
Werbung wird als das kleinere Übel angesehen. Das Fernsehen hat es geschafft, sein eigenes Programm als das größere Übel werbewirksam in Szene zu setzen. Und hat nichts mehr zu fürchten. Denn was ist das heutzutage schon, einen Fernseher irgendwo runter oder raus zu werfen? Er ist so billig wie das Programm. Aber Mercedes´ neuen Flügeltürer auf Eiffelniveau hoch hieven und gegen den 1000sten Werbespot protestierend runter damit – das ist nun schon Kunst.

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