MonoLoge

Aus dem Fass ohne Boden

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Irgendein deutscher Kaiser soll gesagt haben, es sei seine Aufgabe, sein Volk vor den Politikern zu schützen, die es gewählt hat. Bleibt die Frage, ob das Volk seine Politiker im Vertrauen auf den Schutz des Kaisers oder gegen den Kaiser und gegen ihn überhaupt „Demokratie“ gewählt hat.
Hörte sich übersetzt doch gut fürs Volk an: Demokratie=Volksherrschaft.
Dass es einen Kaiser brauchen würde, der sie vor den frei gewählten Politikern würde schützen müssen, das hat das Volk bestimmt nicht geahnt. Es hat auch nicht geahnt, dass Demokratie nur eine Gesellschaftsform ist, so eine Art Massenwellness gegen chronische Krankheiten wie gesundes Misstrauen, Realitätsinn und Geistesgegenwart.
Alltag und Arbeit ist allerdings auch in Demoratien absolut nicht demokratisch bestimmt, sondern mehr oder weniger diktatorisch bis militant diktatorisch. Ein Unternehmen ist keine demokratische Einrichtung. Die Demokratie reicht, wenn überhaupt, nur mit zwei dünnen Blutbahnen in diese, nämlich mit Betriebsrat und Finanzamt.
Unternehmen, auch Stiftungen muss man sich vorstellen wie Burgen, in denen die Burgherren bzw. Fräuleins, Bürgeradel und Wirtschaftselite selbstverständlich frei und nach eigenem Gutdünken schalten und walten können. Dafür sind sie erbaut.
Es ist klar, dass ein solcher Burgherr sich nur minimal für die Probleme der Demokratie interessiert, auch keine große Lust hat, etwa Verantwortung für Arbeitslosigkeit oder spätrömische Dekadenzerscheinungen zu übernehmen. Er betätigt sich wie schon der Feudalherr bisweilen oder satzungsgemäß gern als Wohltäter –  mit möglichst vollem Bestimmungsrecht. Wer wollte ihm das verdenken?
Volk ist für ihn ein Fass ohne Boden, in das man Steinchen wirft, um zu sehn, wie es ganz unten einmal hell wird. Man muss die Sekunden bis dahin gar nicht zählen, sieht auch so, wie tief er ist.
Die Tendenzen der Steuerhinterziehung, die Installation des Wirtschaftsliberalismus, die Vorschiebung des „Mittelstandes“, also Bürgertums, all das sind, milde ausgedrückt,  Emanzipations-, Autonomie-, Absetzbestrebungen. Die radikalsten folgen dem bewährten altrömischen Prinzip „divide et impere“=teile und herrsche. Da ist aber nicht Geld gemeint und Kosten, sondern Volk, Masse, Mengen, die sich schon mittels  feiner Keile  wie „sozial“ und „sozialistisch“ grob spalten lassen.
Weicht die Menge, verunsichert von dem Maß ihrer Bedürftigkeit, bereit, die Bedürftigen zu separieren und sich, sich selbst erleichternd, abzusparen, was ändert das? Was ändert sich, wenn man das gegen erbärmliche Verhältnisse und Barbareien schwer erkämpfte Recht auf  Existenz in Würde, das immer gegen ein systematisches Desinteresse daran steht,  aufgibt und das Gegenteil sich selbst als Damokles-Schmert=Drohung übers Haupt hängt? Weil man es „moralischer“, anständiger findet, niemandem auf der Tasche zu liegen? Jemandem, der freiwillig nichts geben würde. Natürlich, das ändert alles.
Man braucht einen Kaiser, der einen vor dem schützt, was man selbst gewählt hat. Ist keiner da, hat man nur noch Gott und die christliche Regierung.

p.s.: Ach ja, zur Orientierung sollte man immer mal wieder nach Frankreich schauen. Angefangen die großen Staatsbetriebe, hinter denen auch eine Theorie steckt bzw. ein Bestreben betreffs Demokratie.

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