MonoLoge

Rentenanpassung

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Die Ost-Rente wird, so die Verkündigung, der West-Rente angepasst, von 94,1 % auf 100%. Die Differenz beträgt also noch 5,9 %, und diese zu tilgen soll „2018 beginnen und 2025 abgeschlossen“ – nein, nicht abgeschlossen sein, sondern „werden“ – was sagen will: wenn nichts dazwischenkommt.

Aber was sollte dazwischenkommen?

Freilich, Schlaganfall, Herzinfarkt – Gefahren für die Rentner durch zu schnelle Anpassung werden durch allmähliche, altersgerechte Anpassungsfristen weitestgehend minimiert.
Ost- und West-Rentner haben nunmehr zunächst zwei Jahre, sich an den Gedanken zu gewöhnen bzw. der Vorfreude, hierauf nochmals sieben Jahre, um es in kleinen Dosen zu genießen bis zum Abschluss.
Es handelt sich schließlich um „die Menschen“, nicht um Politiker, Banker, Manager, die mit von heute auf morgen mehr Geld und sogar viel mehr Geld, selbst rückwirkend mehr, cool und wie selbstverständlich umzugehen gewöhnt sind.

Der Ost-Rentner mit bisher 3000 Euro würde bei spontaner Anpassung immerhin knapp 180 Euro Rente mehr bekommen!
Eine solche Steigerung muss schonend vonstatten gehen, sodass diese Rentner, die so lange warten mussten, nun auch lange Freude an der Anpassung haben, ehe sie ab 2018 bis 2025 dann auch schön etwas merken (werden).
Sie müssen ja außerdem damit zurechtkommen, dass sich, wenn nichts dazwischenkommt, während der insgesamt neun (9) Jahre Anpassung zusätzlich noch Aufgeld in Form von Inflationsausgleich niederschlagen wird.
Wer allerdings mit seiner Rente schon jetzt nicht auskommt, bei dem wird sich nichts weiter ändern, als dass er ab 2025 mit 100% derselben Rente nicht auskommen wird, mit der seine Brüder und Schwestern im Westen auch nicht auskommen. Altersarm wird man nicht mehr 94,1%, sondern 100% sein.
Das kann man jetzt schon sagen.

Indessen möchte man allen Rentnern Ost sehr an Herz legen, mit ihren Gefühlen von Beglückung über Dankbarkeit, Zufriedenheit und Genugtuung nicht bis zum erstenmal mehr Geld oder gar bis 2025 warten zu wollen, womöglich bis zum persönlichen Sanktnimmerleinstag, sondern diese Gefühle, die positive Stimmung aus Gründen der Lebensqualität tatsächlich schon jetzt zuzulassen und mitzunehmen – genauso wie der Einzelhandel es uns allen ermöglicht, ab August weihnachtliche und ab eine Woche nach Silvester österliche Gefühle zuzulassen.

All das ist nicht populistisch. Es sind keine „einfachen“ Lösungen.
Populisten würden die Anpassung der Termine von Weihnachten und Ostern auf ein und denselben Tag ankündigen, an dem man sie wählen kann.

Written by monologe

26. November 2016 at 9:32 am

TRiUMP 1

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In Russland:
Es wird berichtet, dass vom Wahlsieg Trumps nicht nur Präsident Putin erfreut sei, laut Umfrage so auch ungefähr 37 Prozent der Russen. Passanten, befragt, erhoffen sich vom Präsidenten Trump Verbesserungen der Beziehungen, Aufhebung der Sanktionen, also sogar Verbesserung ihres Lebens, „Frieden“ (die Passantin sagte allerdings „druschba„, was „Freundschaft“ heißt).

In Deutschland:
Das Unmögliche ist möglich geworden“, analysiert der Psychologe Stephan Grünewald. „Unser Wertesystem gerät ins Wanken. ›Man kann wohl sagen: Die Deutschen sind im Trump-Tief.‹“ –

womit eigentlich schon alles gesagt wäre, aber der ganze Klassiker ist es noch nicht:

Der weiße Mann mit den gelben Haaren – er macht den Deutschen Angst. ›In Deutschland kommt hinzu, dass wir zwar von den Folgen dieser Wahl deutlich betroffen sind, aber keinen direkten Einfluss darauf haben‹, erläutert der Psychologie-Professor Jürgen Margraf. ›Das ist eine klassische Hilflosigkeitssituation.‹“ –

Ach ja, „die Deutschen“. Ein „weißer Mann mit gelben Haaren“, Putin, die Russen machen ihnen Angst, einem weißen Mann, dem die Pechsträhne schon vornüber hing, sodass ihnen angst und bange hätte werden müssen, dem folgten sie gelegentlich schon bedingungslos.
Die jeweilige Hilflosigkeit war stets sowohl recht tatenvoll und kriegerisch, als auch irrational und sinnlos.
Was nun macht sich mit der Hilflosigkeit darüber breit, dass in Amerika Trump gewählt wurde, nicht der Herr Geissen?

Gauck gratuliert namenlos
Mit der sprachlichen Raffinesse, die Gauck zueigen ist, begann er seinen Kommentar zum Wahlausgang in Amerika mit einer Erinnerung daran, dass der 9. November in mehrfacher Hinsicht historische Bedeutung habe. Er erwähnte den Mauerfall 1989 ebenso wie die Reichspogromnacht im Jahr 1938 und leitete dann über zum Blick auf Amerika. ›Gleichzeitig ist es ein Tag, der viele Menschen in der Welt beunruhigt hat.‹ Diese ›große Beunruhigung‹ sei während des Wahlkampfes in Amerika entstanden. Damit hatte der Bundespräsident zwar keinen direkten Vergleich zwischen den dunklen Ereignissen der Nazi-Zeit mit der Wahl Trumps hergestellt. Aber Zufall war es sicher nicht, dass Gauck alles in einem Atemzug erwähnte.“

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zeigt sich besorgt über die Art der politischen Auseinandersetzung – auch in Deutschland. ›Demagogischer Populismus ist nicht nur ein Problem Amerikas‹, schreibt der 74-Jährige in einem Gastbeitrag für BILD-Zeitung. ›Auch anderswo im Westen sind die politischen Debatten in einem besorgniserregenden Zustand.‹ Vor allem im Internet sei inzwischen ›völlig egal, ob Behauptungen wahr sind – Hauptsache, der Empörungsgrad stimmt.‹“

Das ist korrekt:

Morddrohungen wegen eines Hitler-Verlgeichs
dpa/Andrew Gombert „Johan Franklin“ sieht eine ernstzunehmende Gefahr in Donald Trump
Ein Deutscher sieht der bevorstehenden US-Wahl mit großer Sorge entgegen. Auf Twitter erinnerte er die Amerikaner daran, was geschehen kann, wenn man auf einen populistischen Politiker hereinfällt – und zieht Parallelen zwischen Donald Trump und Adolf Hitler. Die Reaktionen aus den USA sind äußerst gemischt. Außerdem betont er, viele Deutsche seien sehr besorgt, dass ein offensichtlicher Demagoge und absoluter Lügner so viele Unterstützer findet. Trotzdem wolle er Trump nicht persönlich mit Hitler gleichstellen, sehe lediglich einige Parallelen. Trump erinnere mit seiner Medienaffinität eher an Goebbels.“ –

Trump nicht persönlich mit Hitler gleichzustellen ist gewiss diskriminierend, wenn dessen Affinität aber an Goebbels erinnert, gehen die Parallelen für die Medien in Ordnung.
Schäuble weiter:

›Vereinfachung hat eine Untergrenze.‹ Als Ursache des zunehmenden Populismus nannte der Minister auch, ›dass die Eliten in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nicht immer ein gutes Bild‹ abgeben würden. Zudem seien Entscheidungsprozesse häufig kaum noch nachvollziehbar, so Schäuble weiter. Der Minister forderte: ›Jeder muss bereit sein dazuzulernen. Wenn wir für die Perspektive des anderen und fürs Umdenken offen sind, hat es der demagogische Populismus schwer.‹

Ging der Bundespräsident noch mit dem Florett vor, wählte Sigmar Gabriel den Säbel.“ –

wer Sigmar Gabriel ist? Bitteschön:

Der SPD-Vorsitzende und Stellvertreter der Bundeskanzlerin schien selbst die Bemerkung von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) vom August,“ –

hier findet sich ein schönes Beispiel dafür, dass es tatsächlich eine zeremonienmeisterliche Hofberichterstattung gibt – wie im Märchenland.
Das Ausrufen der Namen, die Nennung der Ämter und welchem Ritterorden (SPD) die Edlen angehören, welche Waffen sie führen, hierauf dann die verächtliche Nennung des –

„Trump“ –

bzw. Müllerburschen, der, so sprach Frank-Walter Steinmeier (SPD)

„ein ›Hassprediger‹ –

sei, was Siegmar Gabriel, SPD-Vorsitzender usw., also

„in einem Gespräch mit Zeitungen der FUNKE MEDIENGRUPPE übertreffen zu wollen.“ –

schien:

›Trump ist auch eine Warnung an uns‹, äußerte der Wirtschaftsminister – auch mit Blick auf die deutsche Innenpolitik, den Koalitionspartner und die Bundeskanzlerin.“ –

auch dieser Brave denkt an sich selbst zuletzt 

Trump mache sich die Enttäuschung vieler Menschen über eine wachsende soziale Spaltung zunutze.“ –

was ja unanständig ist, sich zumindest nicht gehört, solange die SPD an dieser Enttäuschung nicht wächst wie die Spaltung, sondern schrumpft,

›Trump ist der Vorreiter einer neuen autoritären und chauvinistischen Internationalen.‹ Dazu zählte Gabriel auch Russlands Präsidenten Wladimir Putin, den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, die französische Front-National-Vorsitzende Marine Le Pen und in Deutschland die AfD.“ –

wobei man aber bedenken muss, dass Trump noch keinen Augenblick regiert hat und demnach kein Vorreiter sein kann.
Nein, der Hitler war Vorreiter, denn die hier Genannten und Leute sind allesamt schon in dessen Nähe gerückt worden, ohne dass man in einem ganz bestimmten bedauerlichen Einzelfall von einem Hit abgerückt wäre.
Gabriel hat die PEGIDA nicht erwähnt, weil „das Pack“ vermutlich nicht zur Internationalen zählt.

„›Es geht ihnen um ein echtes Rollback in die alten schlechten Zeiten, in denen Frauen an den Herd oder ins Bett gehörten, Schwule in den Knast und Gewerkschaften höchstens an den Katzentisch.‹“ –

Was sich anhört wie eine Verschwörungstheorie.
Apropos „Rollback“, da hat sich vor Jahren vielen enttäuschten Menschen schon die Frage aufgedrängt, was unecht ist, die Rolle Vorwärts der SPD in gute neue Zeiten oder die SPD selbst?
Andere echt schlimme Sachen eines echten Rollback mit Vorreiter Trump in Amerika hat Gabriel nicht erwähnt, nur noch das Allerschlimmste, was uns und alle, die zu uns gehören, gemäß den alten schlechten Zeiten erwartet:

„Und: ›Wer das Maul nicht hält, wird öffentlich niedergemacht.‹“ –

Wovon allerdings nun wieder Trump das aktuellste Lied singen könnte.
Es wird nur so sein, dass man ihm das Recht, sich „niedergemacht“ zu fühlen, nicht zuerkennen wird.
Mit Recht, denn wer – außer etwa Pat und Patachon, die angetreten als edle tapfre Haudegen mit Florett und Säbel, um der modernen Zeiten willen ein Rollback in alte schlechte und danach die Russen abzuwehren, niedergemacht wurden mittels Drohnen-Beschuss mit hochsensiblen TTIP-Ordnern, ausgeführt von einer Frau am Stick – wer also außer diesen beiden am Ende die Erlaubnis bekommt, sich niedergemacht fühlen zu dürfen, steht noch dahin.

Ein Medium fragt um:

Würdet ihr auswandern, wenn Trump euer Land regieren würde? 9.268 ja, 1.417 nein “ –

nicht gefragt wurden letztere, ob sie  bleiben würden im Sinn von »Wir schaffen das« oder nicht wüssten wohin.

Und dann:

Und dann findet man auch noch eine klar optimistische Stimme im Internet. Opernsänger und Schauspieler Björn Casapietra (46) sieht die Zukunft mit Donald Trump an der Spitze der USA nicht ganz so schwarz wie viele seiner (deutschen) Promi-Kollegen“ –

und da ist ganz interessant, was hier in Deutschland „nicht ganz“ so schwarz sehen ist:

›Ich bin mir ziemlich sicher, dass Trump alle überraschen wird in den nächsten Jahren. Und zwar positiv überraschen. Die Erwartungen an ihn sind gering. Auch deshalb kann er eigentlich nur gewinnen.‹

Ja, ein reuiger Sünder macht mehr Freude, denn 99 Gerechte.

Der Wahlsieg von Donald Trump hat den deutschen Aktienmarkt nur kurzfristig erschüttert. Nachdem der Dax zum Handelsstart um knapp 3 Prozent gefallen war, schmolzen die Verluste bis zum frühen Nachmittag komplett zusammen. Nachdem die New Yorker Wall Street entgegen den pessimistischen Prognosen freundlich eröffnet hatte, kletterte auch der deutsche Leitindex ins Plus und gab im Schlussgeschäft nochmal kräftig Gas. Letztlich gewann der Dax 1,56 Prozent auf 10.646,01 Punkte.

Sahra Wagenknecht, zeigte sich vom Wahlsieg Trumps ›nicht in dem Grade überrascht‘ – so wie viele andere. Die Wähler haben ihrer Ansicht nach ‚nicht Trump, sondern Veränderung gewählt.‹“ –

Schluss:
Wir wissen, was die Russen vom Präsidenten Trump erwarten: bessere Beziehungen, Verbesserung ihres Lebens (Aufhebung der Sanktionen), Freundschaft, Frieden.
„Putins Propaganda-Maschinerie“ hat also offenbar wieder ganze Arbeit geleistet.

Doch fragt man sich nach all dem, was hier zusammengetragen worden ist, Zitate aus den unabhängigen, freien deutschen Medien, Beispiele dessen, was sie, um  „umfassend“ zu informieren, zu verbreiten sich verpflichtet gefühlt haben – es ist der geringste Teil dessen, was auf dem „Markt“ erschien -, was immer und wie immer man darüber denken mag, Trump gewählt ist, der Vorhang zu und alle Münder (›Schnauzen‹) offen:

was also erwarten wir, die Deutschen, von Trump?

 

Kleiner Zusatz:

Als ›einfältigen Versager‹ hat Australiens Umweltminister Josh Frydenberg Donald Trump einst tituliert. Das bedauert er nach Trumps Wahlsieg nun, wie er einräumt. ›Der Premierminister und die Außenministerin haben vor der Wahl den richtigen Ton getroffen. Ich räume ein, ich hätte ihrem Beispiel wahrscheinlich folgen sollen.‹

 

Written by monologe

13. November 2016 at 5:54 pm

Mit Schmerz und Pathos

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Ach ja, die Türkei. Schnauft durchs Dorf.
Auch da steht allerhand auf dem Prüfstand wie überall auf der Welt, wo die letzten Hemmnisse totaler Freiheit fallen, besonders die, die der totalitäre Islam sich nimmt zu ihrer Verhinderung, während die Christenheit so frei ist, die Waffen, die angesagte Söldner-Mode, die populäre Ballerkultur, die Größe, das mentale, weltanschauliche, geistige Rüstzeug, sogar die Bundeswehr-Ausbildung beizusteuern.

Bei uns in Deutschland haben es die Freiheiten naturgemäß schwerer gegen die Hemmnisse, die ihr der ihnen eigene freie Geist einstmals gesetzt hat.
Der scheint überholt.
Der rechte Mann am rechten Ort, wenn er die rechten Worte findet, hat es darum gelegentlich erstaunlich leicht, eine Beseitigung populär zu machen. Dafür ein Beispiel bot der Schauspieler und nun wahrhaftig Freisturmführer Schweiger, als er mit der Näselung seiner(?) Idee, das Abseits im Fußball abzuschaffen, spontan Beifallssturm auslöste: ›Was issen das für ne Scheiße mit dem Abseits? Weg damit und die Post geht ab!‹ so ähnlich hat er prognostiziert.
Und Recht hat er.

›Weg damit!‹ scheint nicht nur Schweigers Überholspur zu ziehen. Auch in der Türkei steht ein Abseits zur Disposition: das Abseits, in dem sich die Todesstrafe befindet, mithin das ehrbare henkende Handwerk.
Wirklich sind die entsprechenden Bedürfnisse derer, denen die sensiblen, waffenstarrenden Neuherrenmenschen im Kampf gegen das Böse und den Feind vorstehen und die Notwehr verrichtend vorangehen, übermächtig geworden, in den schwersten Stunden nicht unehrenhaft tatenlos, ja heldentatenlos daneben zu stehen.

Welt und Scheinwelt sind ohne das Totmachen kaum mehr denkbar, der Feinde sind Heerscharen, Totenkopf Folklore, die Knäste übervoll, Prügel, Folter, das Recht des Stärkeren, der Rufmord, die tödliche Beleidigung der Ehre sind Hochkultur, da kann der Staat kaum mehr hintanstehen, kurz, die Wiedereinführung der Todesstrafe ist, passend wie aufs Auge, überfällig und gottgewollt die natürliche Auslese.
Sie könnte, gefordert vom rechten Mann am rechten Ort, erstaunlich leicht einzuführen sein. Nur geht es nicht um den Geschmack an einer geilen neuen Rekordanzahl Toter in einem deutschen „Tatort“.
Eine so große Sache und Prüfung wie die Todesstrafe darf aus irgendeinem Grund nicht eine hochkandidelte Hochnasen-Kakasana mit einer seiner Gaumenfreuden erledigen, wie ›Was issen das für ne Scheiße, Todesstrafe verboten? Zum Henker mit den Hurensöhnen! Scheiß Menschenrechte! Fickt sie und ab geht die Post!, nein, die Einführung muss wie nachher das Henken selbst in einem heiligen Ernst in den Schoß der Demokratie gelegt und mit Schmerz und Pathos ausgetragen werden.

Erdogan, Präsident, hat also bestimmt, dass der Entscheid über eine Wiederinsfeldführung der Todesstrafe den Parlamentariern per Abstimmung über eine dementsprechende »Gesetzesvorlage« überlassen sein soll.
Vermutlich geschieht das in Respekt davor, dass man ja keine Diktatur hat.
Man will die Delinquenten halt umbringen, lebenslange Haft, Durchfüttern usw. genügt nicht.
Todesfälle, Abgänge nebenher, Erschießungen auf der Flucht, Selbstmorde, Epidemien, Brand- und Gewaltausbrüche im Gefängnis, Unfälle, Lebensmittelvergiftungen, wovon der Außenstehende nicht weiß, wie es sein kann und wers gewesen ist, jene all- und altbekannten besonderen Vorkommnisse im Umgang mit unberechenbaren, selbstmörderisch politischen, religiösen, ethnischen Widersachern, Abtrünnigen, Aufrührern, Separatisten, Verbrechern, Terroristen sind im kleinen Rahmen sicherlich kaum zu verhindern, bei größerem Aufkommen solcher bedauerlichen Einzelfälle jedoch können sogar an und für sich verbotene, unzulässige Zweifel an Glaubwürdigkeit und Seriosität aufkeimen.

Nach dem »Putsch«, auf den kaum jemand recht vorbereitet war oder gefasst schien (wie gewöhnlich bei Gottesgeschenken), muss und will man nun wohl auf das Allerschlimmste vorbereitet sein.
Niemand weiß, für wieviele Umstürzler, Volksfeinde, Beleidiger, Verräter, Untürken, Putschisten usw. in der nächsten Zeit die Todesstrafe unerlässlich werden könnte.
Auf unerwartet massenhaftes Aufkommen solcher Fälle heißt es vorbereitet sein. So hat der Präsident Erdogan vorausschauend für den Fall, die Staatsraison bekäme das Gefühl, die massenhafte Verhängung der Todesstrafe sei alternativlos, vorab deren konsequente Legalisierung ins Format demokratisch legitimierter, ordentlicher Hinrichtungen den Abgeordneten vertrauensvoll ans Herz gelenkt und gelegt.

Erdogan hat gemeint, er sei sicher, dass die Parlamentarier zustimmen werden, und man muss weder eine Kassandra noch ein Prophet sein, es als wahrscheinlich anzunehmen, dass die anständigen Türken dem »Gesetzentwurf« anstandslos zustimmen werden; auch die, die Todesstrafen in wessen Namen auch immer verhängen und vollstrecken dürfen, die Richter und die Henker, haben kaum je und nahe nirgendwo etwas dagegen gehabt.
Da kann man sich verlassen.
Die türkischen Abgeordneten könnten gewiss nicht zustimmen, wenn sie das Gefühl hätten, es werde sich um Mord handeln (dem hat Präsident Erdogan prinzipiell vorgebeugt, indem er etwa zum Thema Völkermord an den Armeniern mitgeteilt hat, dass Völkermord ein so schlimmes Verbrechen sei, dass es das türkische Volk nicht begangen haben kann).
Und Zustände wie in den westlichen Gefängnissen wird der türkische Parlamentarier auch nicht wollen.

Für die nachher von der Strafe Betroffenen und ihre Familien hat Erdogan keine Prognose.
Er kennt seine Pappenheimer. Tod, da wissen auch die, was man hat: für alle Beteiligten die ehrenvollste, beste, normalste, nachhaltigste Lösung.
All das ist für uns westliche Freunde und Verbündete natürlich beunruhigend.

Es bleibt nur zu hoffen, dass es kulturvoll zugeht, wozu sich Klaviesaiten besonders empfehlen.

Written by monologe

5. November 2016 at 6:53 pm

Almanach

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In hundert Jahren werd ich nicht mehr sein,
Das ist gewiss.
Nicht einmal mehr mein wirklich erstklassiges Gebiss
Wirds dann mehr geben.
Man geht nunmal dahin,
Wie alles, was geboren.

Was ich gewesen bin?
Verloren!
Armer Teufel, Dichter, dummes Schwein,
die werden alle ewig weiter leben;
Der Mensch – da kann man nicht so sicher sein.

 

©Martin Klingel 2016

Written by monologe

26. August 2016 at 12:02 pm

Veröffentlicht in Gedicht, Kunst, Leben, Literatur, Realität, Sprache

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Zustand, aber Ausnahme?

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„tagesschau24“ meldete heute:

Türkei: Erdogan verhängt dreimonatigen Ausnahmezustand.“,
Sekunden später:
Ausnahmezustand in der Türkei: Steinmeier fordert Begrenzung auf möglichst kurze Zeit.“,
der DONAUKURIER ergänzt: „…dann müsse er unverzüglich beendet werden.
außerdem:
Bei allen Maßnahmen, die der Aufklärung des Putschversuchs dienen, müssen Rechtsstaatlichkeit, Augenmaß und Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben.

Beschränkung auf möglichst kurze Zeit, gar unverzügliche Besinnung darauf, was Rechtsstaatlichkeit, insbesondere nicht die nach „Augenmaß“, ist von Steinmeier zu fordern scheint immerhin verhältnismäßig aussichtsloser.

Written by monologe

21. Juli 2016 at 12:32 pm

Inspiration

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Wahrscheinlich unmittelbar beeinflusst, inspiriert von „Die Mittagsbrezel“ des Bloggers Gerhard Mersmann, Form 7, hat sich heute Morgen folgendes zwischen zwei mir nahestehenden Menschen, Inhaber einer harmonischen Beziehung, abgespielt:

7:20 Uhr
Er (nachdem er seine Kaffeetasse an diesem Morgen selber weggetragen und ausgespült hat, was er sonst so gut wie nie tut):
Ich weiß, du hattest heute Morgen einige unsere Beziehung förderliche Aktivitäten zu unternehmen vor (sie lacht), das hab ich schon gemerkt, ich musste doch aber aufstehn. Für heute Morgen schon um Acht hat sich doch die Birte angemeldet.
Sie:  Aha.
Er:  Das hatte ich dir doch gesagt –
Sie:  Ja, erinnere mich schwach, im vorigen Jahr, vor zwei Jahren, dass du da –
Er:  Quatsch, da hab ichs ja noch gar nicht gewusst, dass sie heute – ach so. Ja, siehst du, genau, da kam sie auch, erinnere mich.
Sie:  Halb Acht.
Er:  Jaja, das schmeißt mir alles durcheinander. Okay, ich geh und präparier mich mal. (verschwindet im Bad)
Sie:  Was will sie denn?
Er:  (aus dem Bad) Schie bringt ihr Auto zur Durchsicht, kommt dann halt mal vorbei. Bringt wieder paar von die guten Eier mit.
Sie:  Eh-hm.
Er:  (Fertig) So. Zwanzig vor Acht. Kann ich ja noch schnell was lesen. (Laptop, während sie frühstückt, liest er) Haha –
Sie:  Was issn das?
Er:  Kann – ich dir – jetzt – auf die Schnelle – aber wieder – seeehr – interessant –
Sie:  Na, ich geh gleich auch los.
Er:  Bin gleich soweit – ha, die Kommentare immer –
Sie:  Ich geh los.
Er:  Kurz vor Acht. Kleinen Augenblick noch – das hat mich auf was gebracht.
Sie:  Jetzt das Lesen?
Er:  Genau. Heute kann den Leuten was geboten werden. Wart mal, bis die Birte klingelt.
Sie:  Nö, ich will ja vorher weg sein, sonst –
Er:  Also tschüss schonmal – (ein Abschied mit größtmöglichem Aufwand an ritualisierten Sympathie- und innigen Zusammengehörigkeitsbezeugungen zum Beweis, dass sich keine Abneigung, kein Ekel entwickelt hat. Es klingelt)
Sie:  Also tschüss dann, machs gut –
Er:  Jaja, ich komm ja mit.
Sie:  -?
Er:  Du gehst hinten raus, ich lass vorne die Birte rein – wenn das einer sieht. Das wird den Leuten gefallen. Das sieht gut aus.
Sie:  Ja, sehr schön – machs gut.

Written by monologe

1. Juli 2016 at 11:52 am

Veröffentlicht in Aktuelles, Anekdote, Humor, Kultur, Leben, Literatur, Realität, Sprache

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Idyll

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Nirgendwo,
wo ich lebe,
diesJenseits,
ein Ort,
wo ich die Luft bin
mir zum Atmen,
mein Leben zum Trinken
mir das Wasser
ist.

Wenn es nach denen hier ginge,
Gleichgültige,
Gleichmacher,
hätte ich kein Gedicht
in der Not,
in der es kein Wort gibt,
weil es ein Wort gibt,
keinen Blick,
weil es einen gibt:
leuchtend leer.

Aus dem Grauen wanderte ich ein
ins Menschenmorgenflaugrau
des bunten Einheitsglücks
Idyll mit Plüschbürger,
tapetenhäutige Hasser,
Mimen der Wilden
aus den am Himmel
aufgezogenen Regenwäldern.

©Martin Klingel 2016

Written by monologe

28. Juni 2016 at 8:28 am